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Master-Review:   » drucken    » versenden

Overlord

» Autor: Georg Gruber
» Datum: 30.07.2007
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Endlich eine Gelegenheit, die böse Seite so richtig aus zu leben.

Overlord stellt ein gewagtes Experiment dar: Einerseits wird die bunte Märchenwelt aus der Perspektive eines fiesen Bösewichts dargestellt, der dank seiner dunklen Horden die Einwohner knechtet, andererseits soll das Ganze auch noch verdammt witzig sein. Schlussendlich verbirgt sich hinter dem makabren Humor ein in Echtzeit gespielter Strategie- und Action-Titel. Kann das gut gehen oder viel besser gefragt: Wie lustig darf das Ausleben der bösen Seite wirklich sein? Die Furcht erregende Antwort und noch viel mehr lustige/fiese Fakten findet ihr in unserem Master-Review.

Auch ein Overlord hat's nicht leicht
Codemasters und Entwickler Triumph Studios versetzen den Spieler im Xbox 360-exklusiven Overlord in eine Märchenwelt der ganz besonderen Art. Mitten in einer malerischen Landschaft,
» Brandschatzen macht Overlords und Minions froh.
die mit ihren zierlichen Schmetterlingen und zahlreichen Blümchen dem Charme eines Kameo nahe kommt, treiben höchst mysteriöse Gestalten ihr Unwesen. Diese Minions, Horden kleiner, böswilliger Kreaturen, machen nicht nur die liebliche Gegend höchst unsicher, sondern huldigen auch bedingungslos dem Overlord, in dessen Rüstung der Spieler schlüpft.

Die kleinen Fieslinge erwecken den Overlord aus seiner letzten Ruhestätte, denn ohne den großen Meister der Finsterniss, der sie führt, plündert und brandschatzt es sich nur halb so schön. Doch auch für Bösewichter ist das Leben kein Honigschlecken mehr: Das Wahrzeichen der eigenen Verdorbenheit, der große verwunschene Turm, liegt in Schutt und Asche. Ein echtes Anti-Helden-Ego kann so etwas natürlich nicht auf sich sitzen lassen und so zieht man nach einem kurzen Tutorial aus, die Weltherrschaft zu erlangen (und das eigene Domizil entsprechend aufzumöbeln).

Etwas ist faul im Märchenland
Besonders interessant ist die recht eingängige Steuerung: Mittels L-Stick wird der Protagonist gelenkt und mit dem R-Stick werden die kleinen Fieslinge auch auf komplexerem Terrain dirigiert.
» Mit Einhörnern ist definitiv nicht gut Kirschen essen.
Im einfachsten Fall attackieren die Minions durch Drücken des R-Triggers alle Ziele im Blickfeld des Overlords. Mittels B-Taste können allzu übermütige Erfüllungsgehilfen auch wieder zurück gepfiffen werden. Die Kontrolle bleibt zwar stets unkompliziert, bietet jedoch auf Dauer kaum Abwechslung. Überdies verleiht die ansonsten gute KI der Minions Overlord einen (zu) leichten Schwierigkeitsgrad.

Die einzelnen Aufträge unterteilen sich in zuerst kleine Aufgaben, wie die Befreiung einer Farm von den ewig lästigen Halblingen. Neben witzigen Dialogen mit den Einwohnern der Märchenwelt und den gelegentlich extrem sarkastischen Kommentaren der eigenen Horde lebt Overlord vor allem von der gelungenen Atmosphäre. Da gilt es etwa blutrünstige Einhörner (ja richtig gelesen, die sind in Wahrheit ganz fies!) zu bekämpfen oder aber liebe kleine Schäfchen für den Snack zwischendurch zu grillen. Die Entwickler lassen dabei auch immer wieder den sprichwörtlichen tiefschwarzen Britischen Humor durchblitzen.

Außen schön anzusehen, innen zutiefst verdorben
Die Aufgaben werden mit Fortschreiten des Spiels immer verzweigter, was leider zu öfterem Verlaufen in der Botanik führt - denn die Entwickler haben auf eine In-Game-Map vergessen.
» Die Vampir-Lady steht auf Minion-Blut.
Die Minions gewinnen dafür im Laufe der Zeit verschiedene Fähigkeiten hinzu: Feuer-, Wasser- sowie Gift-resistente Scheusale gehen einem sodann ordentlich zur Hand. Gelungen ist auch die ausgeprägte Fable-Komponente in Overlord: Bei zahlreichen Gelegenheiten kann man sich korrumpieren lassen und die dunkle Seite der Macht wählen - oder aber (fade!) den guten Weg beschreiten. Je nach Gutdünken und Handeln gibt es sogar ein "gutes" oder "böses" Ende der Story zu sehen.

Grafisch macht Overlord durchaus einen überzeugenden Eindruck: Sowohl die grellbunten Umgegungen als auch die Charaktermodelle wissen zu bezaubern. Selbst wenn bis zu fünfzig der kleinen Racker gleichzeitig die Gegend unsicher machen, bleibt die Framerate höchst stabil. Dazu gesellt sich eine großteils sehr witzige Sprachausgabe, die oftmals zum fröhlichen Mitgrinsen verleitet - böse zu sein ist halt doch sehr unterhaltsam. Technisch ist der Codemasters-Titel auf ganzer Linie gelungen, einzig der etwas magere und durch Lags spürbar ruckelnde Mehrspieler-Modus via Xbox Live hätte etwas mehr Elfenliebe verdient.
Pro
Stimmige Atmosphäre / Präsentation
Kreatives Gameplay-Konzept
Tiefschwarzer Humor
Gute Steuerung
Contra
Simpler Schwierigkeitsgrad
Schwachbrüstiger Mehrspieler-Modus
Kaum Wiederspielwert
Fazit
Yes! Den fiesen Overlord zu mimen bereitet eine erstaunlich gute Laune: Böse macht lustig, sozusagen. Entwickler Triumph Studios hat ganze Arbeit geleistet und wohl eines der außergewöhnlichsten Spielkonzepte für die Xbox 360 geschaffen. Auch technisch macht der Codemasters-Titel eine gute Figur: Grafisch überzeugen vor allem die farbenfrohen Umgebungen und Charaktermodelle. Nicht nur die durchwegs gelungene Sprachausgabe sorgt somit für zahlreiche Lacher. Alleine die Idee, den eigenen Erfolg mit dem Phallus-Symbol des schwarzen Turms darzustellen, ist schreiend komisch. Dank der sehr simplen Steuerung kontrollieren sich die Minions oftmals wie von selbst, was auch einen Kritikpunkt darstellt: Phasenweise wird das Gameplay zu einfach und damit monoton. Auch die fehlende In-Game-Map stört den Spielfluss herheblich, die dem Booklet beiliegende A4-Landkarte lindert dies jedoch. Wer auf total abgefahrenen Humor, tiefschwarze Märchenwelt-Anspielungen und eine wirklich außergewöhnliche Spielidee steht, sollte sich Overlord in jedem Fall - auch trotz schwachbrüstigem Mehrspieler-Modus - auf die Wunschliste setzen.
Infos
Erhältlich für
Genre
Rollenspiele
   Action-RPG
Publisher
Codemasters
Entwickler
Triumph Studios
Website
www.codemasters...
Release
29. Juni 2007
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User-Bewertung
82
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