Endlich eine Gelegenheit, die böse Seite so richtig aus zu leben.Overlord stellt ein gewagtes Experiment dar: Einerseits wird die bunte Märchenwelt aus der Perspektive eines fiesen Bösewichts dargestellt, der dank seiner dunklen Horden die Einwohner knechtet, andererseits soll das Ganze auch noch verdammt witzig sein. Schlussendlich verbirgt sich hinter dem makabren Humor ein in Echtzeit gespielter Strategie- und Action-Titel. Kann das gut gehen oder viel besser gefragt: Wie lustig darf das Ausleben der bösen Seite wirklich sein? Die Furcht erregende Antwort und noch viel mehr lustige/fiese Fakten findet ihr in unserem
Master-Review.
Auch ein Overlord hat's nicht leicht Codemasters und Entwickler
Triumph Studios versetzen den Spieler im Xbox 360-exklusiven
Overlord in
eine Märchenwelt der ganz besonderen Art. Mitten in einer malerischen Landschaft,
» Brandschatzen macht Overlords und Minions froh. |
die mit ihren zierlichen Schmetterlingen und zahlreichen Blümchen dem Charme eines
Kameo nahe kommt, treiben höchst mysteriöse Gestalten ihr Unwesen. Diese
Minions, Horden kleiner, böswilliger Kreaturen, machen nicht nur die liebliche Gegend höchst unsicher, sondern huldigen auch bedingungslos dem
Overlord, in dessen Rüstung der Spieler schlüpft.
Die kleinen Fieslinge erwecken den Overlord aus seiner letzten Ruhestätte, denn ohne den großen Meister der Finsterniss, der sie führt, plündert und brandschatzt es sich nur halb so schön. Doch auch für Bösewichter ist das Leben kein Honigschlecken mehr: Das
Wahrzeichen der eigenen Verdorbenheit, der große verwunschene Turm, liegt in Schutt und Asche. Ein echtes Anti-Helden-Ego kann so etwas natürlich nicht auf sich sitzen lassen und so zieht man nach einem kurzen Tutorial aus, die Weltherrschaft zu erlangen (und das eigene Domizil entsprechend aufzumöbeln).
Etwas ist faul im Märchenland Besonders interessant ist die recht
eingängige Steuerung: Mittels L-Stick wird der Protagonist gelenkt und mit dem R-Stick werden die kleinen Fieslinge auch auf komplexerem Terrain dirigiert.
» Mit Einhörnern ist definitiv nicht gut Kirschen essen. |
Im einfachsten Fall attackieren die Minions durch Drücken des R-Triggers alle Ziele im Blickfeld des Overlords. Mittels B-Taste können allzu übermütige Erfüllungsgehilfen auch wieder zurück gepfiffen werden. Die Kontrolle bleibt zwar stets unkompliziert, bietet jedoch auf Dauer kaum Abwechslung. Überdies verleiht die ansonsten gute KI der Minions
Overlord einen (zu) leichten Schwierigkeitsgrad.
Die einzelnen Aufträge unterteilen sich in zuerst kleine Aufgaben, wie die Befreiung einer Farm von den ewig lästigen Halblingen. Neben
witzigen Dialogen mit den Einwohnern der Märchenwelt und den gelegentlich
extrem sarkastischen Kommentaren der eigenen Horde lebt
Overlord vor allem von der gelungenen Atmosphäre. Da gilt es etwa blutrünstige Einhörner (ja richtig gelesen, die sind in Wahrheit ganz fies!) zu bekämpfen oder aber liebe kleine Schäfchen für den Snack zwischendurch zu grillen. Die Entwickler lassen dabei auch immer wieder den sprichwörtlichen
tiefschwarzen Britischen Humor durchblitzen.
Außen schön anzusehen, innen zutiefst verdorben Die Aufgaben werden mit Fortschreiten des Spiels immer verzweigter, was leider zu öfterem Verlaufen in der Botanik führt - denn die Entwickler haben auf eine In-Game-Map vergessen.
» Die Vampir-Lady steht auf Minion-Blut. |
Die Minions gewinnen dafür im Laufe der Zeit verschiedene Fähigkeiten hinzu: Feuer-, Wasser- sowie Gift-resistente Scheusale gehen einem sodann ordentlich zur Hand. Gelungen ist auch die ausgeprägte
Fable-Komponente in
Overlord: Bei zahlreichen Gelegenheiten kann man sich korrumpieren lassen und die dunkle Seite der Macht wählen - oder aber (fade!) den guten Weg beschreiten. Je nach Gutdünken und Handeln gibt es sogar ein
"gutes" oder "böses" Ende der Story zu sehen.
Grafisch macht
Overlord durchaus einen überzeugenden Eindruck: Sowohl die grellbunten Umgegungen als auch die Charaktermodelle wissen zu bezaubern. Selbst wenn
bis zu fünfzig der kleinen Racker gleichzeitig die Gegend unsicher machen, bleibt die Framerate höchst stabil. Dazu gesellt sich eine großteils sehr witzige Sprachausgabe, die oftmals zum fröhlichen Mitgrinsen verleitet - böse zu sein ist halt doch sehr unterhaltsam. Technisch ist der
Codemasters-Titel auf ganzer Linie gelungen, einzig der etwas magere und durch Lags spürbar ruckelnde Mehrspieler-Modus via Xbox Live hätte etwas mehr Elfenliebe verdient.