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Tom Clancy's Splinter Cell: Double Agent  
» Autor: Georg Gruber
» Datum: 17.02.2007
» Gesamtwertung:
/5
2/5: Für Fans des Genres
bietet nichts Besonderes.
Wie wir bewerten
Schwache Wii-Portierung mit zahlreichen Verschlimmbesserungen sowie ersatzlos gestrichenem Online-Mehrspieler-Modus.

Mit der Tom Clancy's Splinter Cell-Reihe assoziiert man eine lange Erfolgsgeschichte des Stealth-Action-Genres, die wohl nur durch Metal Gear Solid gematcht wird. Ubisoft veröffentlichte 2002 den ersten Teil und seitdem kennt jeder Stealth-Fan Sam Fisher und seine unzähligen Gadgets. Mit Splinter Cell: Double Agent erschien vor kurzem der bereits vierte Teil der Serie. Am Wii stellte sich den Entwicklern natürlich die große Frage, wie man die abwechslungsreiche und teils komplexe Spielmechanik simpel abbilden soll. Wie gut es den Entwicklern gelang, die Stärken der Serie auf den Wii zu übertragen, erfahrt ihr in unserem Master-Review.

Play it again, Sam
Gleich von Anfang an bietet sich dem Spieler ein sehr ungewohntes Bild: Sam Fisher sitzt hinter schwedischen Gardinen. Der Kniff an Splinter Cell: Double Agent ist, wie der Name schon andeutet, dass man als Doppelagent
» Sam Fisher hinter schwedischen Gardinen.
die Untergrundorganisation John Brown's Army unterwandert. Um das Vertrauen der JBA zu erlangen, verhilft Agent Fisher einem Insassen zum Ausbruch. Ab diesem Zeitpunkt stellt das Hauptquartier der Terroristen den Dreh- und Angelpunkt für Missionen und gelegentliche Geschicklichkeitseinlagen dar. Diese kurzen Passagen dienen dazu, das Vertrauen der JBA nicht zu verlieren und gewisse Aufgaben für die CIA zu erfüllen.

Am grundlegenden Gameplay haben die Entwickler von Ubisoft nur Nuancen verändert. Wieder mit von der Partie sind zahllose Gadgets wie Kameras, Wandminen und Nebelgranaten - um nur einige der Agentenspielzeuge zu nennen. Das Spielprinzip im Solo-Modus bleibt weitgehend gleich und beinhaltet z.B. wichtige Gegenstände entwenden, Substanzen analysieren oder verschlüsselte Geheimbotschaften abfangen. Dieses Mal gilt es jedoch gleich zwei Auftraggeber zufrieden zu stellen. Während der Bildschirm von unnötigen GUI-Elementen entrümpelt wurde, gibt es zwei neue Balken. Der erste stellt das Vertrauen der JBA dar und der zweite jenes der NSA.

The fifth freedom
Das Bemerkenswerte: Manche Missionsziele widersprechen sich inhaltlich gegenseitig. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass Sam als Vertrauensbeweis für die JBA einen Unschuldigen
» Sam stürzt sich immer kopfüber in die Action.
regelrecht hinrichten soll, während der US-Geheimdienst ein solches Verhalten nicht toleriert – oder (sarkastisch formuliert) auch umgekehrt. Apropos Zynismus: Psychologische Spielereien und eigenwilliger Galgenhumor gehören seit jeher zum Repertoir der Splinter Cell-Reihe. Michael Ironside verleiht dem Protagonisten abermals eine stimmliche Qualität, die einem schaurig-schön die Nackenhaare aufstellt. Die deutsche Version braucht sich aber wahrlich nicht zu verstecken, denn die charismatische Synchronstimme von Nicolas Cage sorgt auch hier für beste Stimmung.

In Sachen Technik vermag der Ubisoft-Titel grafisch so gar nicht zu überzeugen. Eine Vielzahl an exotischen Locations, die optisch authentisch in Szene gesetzt sind, täuschen nicht über die schwache Portierung des PS2 bzw. GC-Ausgangsmaterials inkl. matschiger Texturen hinweg. Der Grafik-Kick der Xbox 360-Versionen ist überhaupt nicht mehr spürbar. Zahlreiche Clipping-Fehler treten leider oft und deutlich sichtbar auf, was die Freude erheblich trübt. Ansonsten retten vor allem Lichteffekte sowie Charaktermodelle die Ehre der Entwickler. Wetter- und Wassereffekte wirken im Vergleich zu anderen Plattformen jedoch ebenfalls weniger imposant. Im Gegensatz zu den "finsteren" Vorgängern unternimmt Sam Fisher diesmal sehr viele Missionen bei helllichtem Tag, d.h. die grafische Schlichtheit wird noch offensichtlicher.

Stealth Ninja One Man Army
Jede Mission in Splinter Cell: Double Agent besitzt mehrere Haupt- und Nebenziele. Die wichtigsten Aufgaben sind spielentscheidend und müssen erfolgreich absolviert werden, um nicht das Vertrauen
» Mit dem Nunchuk lehnt man sich gegen die Wand.
einer der beiden Gruppen zu verlieren. Nebenaufgaben belohnen meist besonders behutsame Vorgehensweisen: So gibt es z.B. die Möglichkeit, zusätzliche Gimmicks freizuschalten, indem man einen Level völlig ohne Alarm auszulösen abschließt. Die Missionsstruktur bleibt jedoch flexibel und innerhalb eines Abschnitts können oftmals überraschend neue Aufträge hinzukommen. Das Rad wird von Ubisoft jedoch nicht neu erfunden, im Prinzip spielt sich der vierte Teil sehr ähnlich wie die Vorgänger. Auf höheren Schwierigkeitsgraden zeigt der Stealth-Titel dem Spieler jedoch durchaus, in Form von sinnlosem Trial-and-Error, die Zähne.

Die einzelnen Speicherpunkte liegen teils weit von einander entfernt und da das vorbildliche Speichersystem der Xbox 360 (Speichern zu jedem Zeitpunkt) fehlt, müssen vielfach lange Passagen wiederholt werden. Außerdem nutzt das Spiel nur eine Savegame-Datei, d.h. man kann auch nicht beim vorletzten Speicherpunkt beginnen, sondern muss im schlimmsten Fall den ganzen Level von vorne neu aufrollen. Die Kapriolen der Gegner-KI sind nicht minder schwerwiegend: Manchmal kommt man mit reinem Glück weiter als mit geplantem Vorgehen. Einen Hauptkritikpunkt der Serie haben die Entwickler noch immer nicht in den Griff bekommen. Für ein Stealth-Game ist es enorm wichtig, dass Charaktere von hinten in den Schwitzkasten genommen werden können – bei Double Agent funktioniert dies jedoch immer noch nicht reibungsfrei.

Net Hacking
Die Splinter Cell-Reihe läutete mit innovativen Mehrspieler-Modi eine neue Ära ein. Da es auf dem Wii noch keinen Mehrspieler-Online-Service gibt, steht Sam Fisher leider nur der Offline-Einsatz mit einem Kollegen
» Wer misstraut nun wem?
via Splitscreen bereit. Diese separaten, aber stark an die Solo-Levels angelehnten Einsätze überzeugen jedoch mit zahlreichen Ko-op-Passagen und sind alles in allem rundum gelungen. So muss der Hobby-Spion z.B. hohe Abgründe überwinden, indem er auf die Schultern des Mitspielers steigt. Die Leveldesigner halten hier einige nette Dinge parat und die Abschnitte erhalten damit eine völlig neue Dimension für zwei Agenten.

Der Wii besitzt wohl die außergewöhnlichste Steuerung von allen Sam Fisher-Titeln, die es jemals gab. Wer jedoch auf eine gelungene Kontrollvariante gehofft hat, wird bitter enttäuscht. Sowohl Kamera als auch Waffen werden nicht direkt über die Wii-Remote, sondern nur indirekt manipuliert. Man zielt also nicht konkret auf einen Gegner, sondern bewegt in der Bildschirmmitte einen kleinen Cursor in die gewünschte Richtung und das Zielkreuz folgt behebig. Einerseits ist das System absolut unintuitiv sowie höchst gewöhnungsbedürftig, darüber hinaus auch noch deutlich langsamer als bei einem herkömmlichen Controller. Dies stellt jedoch nur die Spitze des Eisberg dar: Die Wii-Steuerung ist schlicht und ergreifend ungenügend für einen Titel der Splinter Cell-Reihe. Ubisoft wird sich hier noch einmal ordentlich Gedanken machen müssen, wie das alles besser funktionieren könnte.
Pro
Faszinierende Locations
Gute Idee "NSA vs. JBA"
Ko-op-Mehrspieler
Überzeugende Sprachausgabe
Gelungene Variation zur Xbox 360-Version
Contra
Grafisch enttäuschend
Komplizierte Steuerung
Kein Online-Multiplayer
Unausgewogene Gegner-KI (Trial-and-Error)
Rückschritt beim Speichersystem
Fazit
Splinter Cell: Double Agent kann auf der Wii mit zahlreichen Variationen zur Xbox 360-Verson punkten. Mir gefällt diese inhaltlich besser als auf der Microsoft-Konsole bzw. dem PC. Gelungen ist die Innovation mit den teils widersprüchlichen Aufträgen von NSA bzw. JBA. Hier findet sich der Spieler oftmals in einer emotionsgeladenen Zwickmühle wieder, die sehr reizvoll mit dem Agententhema spielt. Offline-Spieler dürfen sich zwar über zahlreiche Ko-op-Goodies freuen - der komplett fehlende Online-Modus kann dadurch aber nicht ersetzt werden. Neben der schwachen Gegner-KI, die für meinen Geschmack viel zu viel in Trial-and-Error ausartet, zählt auch die Steuerung mit Wii-Remote und Nunchuk zu den Schwachpunkten. Die Kamera hat mich sogar regelmäßig schwindlig gemacht und ist wie das Zielen/Schießen viel zu umständlich und langsam. Schmerzlich vermisst man auch das vorbildliche Speichersystem der Xbox 360: Es kann nur mehr bei Checkpoints gespeichert werden. Alles in allem präsentiert Ubisoft mit Splinter Cell: Double Agent einen rundum brauchbaren Stealth-Titel für Fans, technisch und grafisch bleibt man aber oftmals hoffnungslos hinter dem Potential der Nintendo-Konsole zurück.