Technisch verhunzter, spielerisch aber immerhin leicht erweiterter Xbox 360-Port eines soliden Japano-RPGs.Nachdem Fromsoftware bereits das erste reinrassige Japano-Rollenspiel für die Xbox 360 beisteuerte, sorgte man durch eine Portierung von
Enchanted Arms nun auch auf der PlayStation 3 für erste fernöstliche RPG-Kost. Abermals unter Publisher Ubisoft ist der Titel pünktlich zum Launch der neuen Sony-Konsole erschienen. Wir haben die Version mit der Urvariante verglichen und präsentieren das Ergebnis wie immer im passendenden
Master-Review.
Von Golem-Kriegen und Magie In düsteren Legenden erzählen sich die Menschen von den Golem-Kriegen. Einst wurden diese künstlich erschaffenen Kreaturen zum Führen von Kriegen benutzt – sie folgten ganz simpel den Befehlen ihres "Meisters". Niemand bedachte damals
» Diese Dame sorgt für einigen Ärger. |
allerdings, dass die Golems den Befehl auch dann weiter ausführten, wenn ihre Erschaffer bereits verblichen sind. So kam es, dass die Wesen langsam aber sicher die Welt in Schutt und Asche legten – bis eines Tages alle auf einmal aufhörten, zu funktionieren. Die überlebenden Menschen bauten eine neue Zivilisation auf und machten einen Neuanfang. Dazu benutzten sie unter anderem
Enchantment, eine althergebrachte Form der Magie.
Die eigentliche Geschichte des Spiels beginnt rund tausend Jahre später.
Atsuma, der Anti-Held des Spiels, sitzt mit seinen Freunden
Coya und dem
Makoto in einem Klassensaal der sogenannten
Enchant Academy. Er hat allerdings mit Problemen zu kämpfen. Nicht nur, dass er in der Schule wenig leistet, nein, das Hauptproblem – und somit der Grund warum ihn viele meiden – ist sein Arm. Dieser hat die "Fähigkeit der Negation". Dies bedeutet, dass er die Effekte von "Enchantments" umkehren kann – Gegenstände, die mit dieser alten Magietechnik erstellt wurden, geben bei Berührung mit
Atsumas rechtem Arm den Geist auf. Dass dies an einer Schule für Enchantment natürlich für einigen Ärger sorgen kann, erscheint logisch. Welche Katastrophe er allerdings auslösen würde, konnte niemand ahnen ...
Wie man Frust vermeiden kann Soviel zur Einführung der Story von
Enchanted Arms. Eigentlich verfolgt die Geschichte die recht traditionelle Art der meisten Japano-RPGs, kann aber dank dem überzeugenden Post-apokalyptischen
» Was wäre ein Spiel ohne Endgegner? |
Sci-Fi-Settings sowie den schönen Zwischensequenzen punkten. Die Story wurde für die PS3 übrigens nochmals leicht überarbeitet und durch einige Zwischensequenzen bereichert. Mindestens genau so wichtig wie die Geschichte ist bei Rollenspielen das Kampfsystem –
Enchanted Arms geht hier rundenbasierte Wege. Gekämpft wird auf einem in kleine Felder unterteilten Bildschirm, wobei die eine Hälfte von den Spielerfiguren und die andere Hälfte von den Gegnern beansprucht wird. Da alle Figuren bestimmte Reichweiten, und vor allem auch ihre Attacken oder Zauber unterschiedliche Aktionsradien aufweisen, gilt es, die Schritte in den jeweiligen Runden taktisch klug zu wählen. Die Attacken haben zudem unterschiedliche Elementtypen wie z.B. Feuer oder Wasser, was auch in die Überlegungen des Spielers einfließen sollte.
Dabei vermeidet
Enchanted Arms jegliche frustfördernde Elemente. Sollte mal ein Kampf negativ verlaufen, kann man jederzeit am Game Over-Bildschirm "Retry" wählen und muss nicht wieder beim letzten Spielstand beginnen. Angenehmerweise hat man auch die Möglichkeit, jederzeit zu speichern. Dazu kommt noch, dass man die Lebens- und Aktionspunkte der einzelnen Charaktere nicht in den nächsten Kampf mitnimmt – hat man gewonnen, werden die Figuren automatisch geheilt und besitzen beim nächsten Mal wieder die volle Energieleiste. Es gibt allerdings so genannte
Vitalitätspunkte, von denen jeder Charakter ein paar verliert, sobald ein Kampf länger als eine Runde dauert. Sind diese auf Null, muss der Charakter eine Auszeit nehmen. Das Füllen dieser ist nur an bestimmten Aufladestationen möglich. Da man aber neben der vierköpfigen Kämpferriege stets noch sechs Ersatzfiguren dabei haben kann, ist auch dieses Gameplayelement nicht störend.
Pokémon? Wer will, kann seine Recken auch automatisch kämpfen lassen, was angesichts des teils hohen Kampfaufkommens gerade gegen leichtere Gegner durchaus angenehm ist. Zudem hat man die Möglichkeit, den Ablauf per Knopfdruck zu beschleunigen,
» Schöne Städte laden zum Bummeln ein. |
will man nicht zum hundersten Male die gleiche Animation bestaunen. Fans von Spielen wie
Pokémon werden sich zudem über die Golems freuen:
Hundert verschiedene Kreaturen +30 exklusive für die PS3-Version kann man sammeln sowie erschaffen und für sich in den Kampf ziehen lassen. Zwar dürfen diese im Vergleich zu menschlichen Protagonisten keine neuen Fähigkeiten und Spezialangriffe erlernen und auch keine neuen Waffen ausrüsten, aber sonst sind sie vollwertige Mitstreiter. Vor allem, da sie sich mithilfe der Fertigkeitspunkten, die ihr nach eigenem Ermessen auf Attribute wie beispielsweise Nahkampfstärke verteilen könnt, individuell formen lassen. Es dauert nicht lange, bis sich ein großer Sammeltrieb einstellt und man sie alle haben will. Leider wurde der Online-Modus in der PS3-Version gestrichen. Es ist nicht möglich seine Golems gegeneinander antreten zu lassen.
Enchanted Arms ist sehr geradlinig. Bis auf einige Golems oder eine einzelne Schatzkiste gibt es nicht viel auf den vorgegebenen Pfaden der Welten zu entdecken. Für Anfänger ganz hilfreich, ist dies für Puristen vielleicht eine zu große Einschränkung. Auch der allgemeine Schwierigkeitsgrad zeigt sich eher niedrig angesetzt. Trotz der wenigen Nebenaktivitäten kann sich der Umfang ohne weiteres sehen lassen. Selbst wer nur sporadisch nach ein paar Golems sucht, wird immer noch gut
40 Stunden beschäftigt sein. Grafisch muss die PS3-Variante leider deutlich hinter der Xbox 360-Version zurückstecken. Die Texturen sind wesentlich matschiger und gelegentlich kommt es zu Einbrüchen der Framerate. Auch die Ladezeiten fallen länger aus. Die Sprauchausgabe im Spiel ist standardmäßig englisch, auf deutsche Bildschirmtexte wurde verzichtet. Dafür kann man aber die
japanische Tonspur einschalten. Übrigens bietet der Titel noch Unterstützung für den Sixaxis-Controller. Dieser kann bei einigen Angriffen geschüttelt werden, um die Power zu erhöhen – ein durch und durch unnötiges Bonus-Feature.