Wahnsinnig atmosphärisches und genial inszeniertes Ego-Adventure mit kleineren Schwächen im Spieldesign.Videospielumsetzungen zu großen Blockbustern haben oft den Ruf, schnell zusammenprogrammierte Lizenzauschlachterei zu sein. In seltenen Fällen kommt es jedoch vor, dass die Umsetzung besser als das eigentliche Vorbild ist. So geschehen bei Riddick: Escape from Butchers Bay, welches die eher mäßigen Filme überflügelte und im Ego-Shooter-Sektor für frischen Wind sorgte. Dementsprechend heiß war auch Starbreezes neuestes Werk – die Comicumsetzung The Darkness - erwartet worden. Nun endlich erschienen, haben wir uns den Titel auch gleich im Testlabor angeschaut und präsentieren das Ergebnis wie immer im
Master-Review.
Jackie und die MafiaDass mit der Mafia nicht zu spaßen ist, wissen wir alle spätestens seit Filmen wie
Der Pate oder
Good Fellas. Auch Portagonist
Jackie bekommt das zu spüren, als er eines Tages plötzlich
verdächtigt wird, den Don
Paulie hintergangen zu haben.
The Darkness beginnt so, wie man es von einem guten Action-Thriller erwarten würde: mit einer fetten Verfolgungsjagd, welche man
komplett aus der Ego-Ansicht auf dem Rücksitz eines Cabrios genießen darf. Dieses interaktive Intro ist allerdings nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was einen im Verlauf der Hetzjagd durch New York erwartet. Starbreezes neuestes Werk
weiß nämlich vor allem in punkto Inszenierung zu überzeugen, welche einen immer wieder durch genial gemachte Ingame-Sequenzen in seinen Bann zieht.
So kommt es also, dass man sich mitten im Mafia-Krieg mit dem einflussreichsten Mann der Stadt befindet und fortan seiner Haut erwehren muss. Dabei geht es allerdings nicht nur um das eigene Leben, sondern auch das Wohl enger Bekannter wie Jackies Freundin
Jenny oder seine Tante
Sarah. Wie die meisten amerikanischen Comics kommt natürlich auch The Darkness nicht ohne
übernatürliche Fähigkeiten des Protagonisten aus. Allerdings sind diese weniger Segen als viel mehr Fluch. Während des Spielverlaufs wird dieser nämlich immer mehr von der namensgebenden Dunkelheit eingenommen, welche ihm zwar übermenschliche Kräfte verleiht, aber auch seine Seele immer weiter einnimmt.
Ego-Adventure statt Ego-ShooterZunächst wirkt alles wie ein gewöhnlicher Ego-Shooter. Nach der grandiosen Einleitungssequenz ballert man sich zunächst in traditioneller Art und Weise durch Wartungstunnels, sucht hinter Mauern Deckung und raubt von
» Schwarze Löcher töten Gegner zuverlässig. |
getöteten Feinden wertvolle Munition. Hundertprozentig überzeugen kann der Titel hierbei allerdings nicht. Die
Fights wirken recht undynamisch und auch die
magere Gegner-KI sorgt nicht gerade für realistisch oder spektakulär wirkende Feuergefechte. Auch sind Gegner meistens zu spärlich platziert und die Umgebung wird zu wenig ins Geschehen mit einbezogen. Löbliche Ausnahme bilden hier zwei heftige Shoot-Outs in der Mitte des Spiels sowie das furiose Finale.
Bei den Kämpfen kommen natürlich nicht nur Ballermänner wie Sturmgewehre, Pistolen, MPs und Schrotflinten zum Einsatz, sondern auch die
dämonischen Kräfte der Finsternis. Diese können allerdings nur benutzt werden, wenn man sich ausreichend oft im Dunkeln aufhält. Dementsprechend wichtig ist auch das Zerstören von Lampen. Aktiviert man die übernatürlichen Fähigkeiten, schützen zwei Tentakel vor feindlichem Beschuss. Außerdem lassen sich diese ausstrecken, um Feinde lautlos zu töten oder an sonst unzugängliche Orte zu gelangen, was gerne auch für kleinere Rätseleinlagen genutzt wird. Im späteren Spielverlauf findet man noch einen Dämonenarm, welcher das Aufspießen von Feinden und Verrücken von Gegenständen ermöglicht sowie einen "Schwarzes Loch"-Zauber und mächtige Dämonenknarren. Außerdem lassen sich an bestimmten Punkten
Dämonenhelfer beschwören, welche selbstständig Feinde angreifen oder Lichtquellen in der Umgebung zerstören.
Schöne DunkelheitSchnell wird man jedoch merken, dass
The Darkness kein reiner Ego-Shooter ist. Wer schlauchförmige Levels und einen streng linearen Spielablauf mit einem Boss am Ende jeden Levels erwartet, der ist hier an
» Die interaktive Intro-Sequenz ist toll gelungen. |
der falschen Adresse.
The Darkness bietet eine
frei begehbare, überschaubare Welt, in der neben Feuergefechten auch zahlreiche Dialoge, Storysequenzen und die Suche nach dem nächsten Zielort ihren Platz finden. Bei letzterem muss man sich übrigens komplett an Wegbeschreibungen und Beschilderungen orientieren, was nach einer kurzen Eingewöhnung aber hervorragend funktioniert. Praktischerweise kann man diese Hinweise auch stets im Hauptmenü wieder nachschlagen. Neben der Hauptstoryline gibt es sogar einige kleine Nebenquests zu lösen.
Technisch wird bei der Inszenierung der Spielwelt und ihren Figuren viel Licht, aber auch etwas Schatten geboten. So wissen vor allem die Texturen und zahlreichen Details an Umgebungen und Personen zu überzeugen, was für echten Augenschmaus sorgt. Auch der
Sound ist über jeden Zweifel erhaben und bietet neben perfekten englischen Sprechern eine wuchtige Musikuntermalung und grandiose Soundeffekte. Weniger beeindruckend ist die Einteilung der Spielwelt in kleine, durch Ladepausen getrennte Abschnitte sowie das sehr langsame Lauftempo des Helden. Gerade in Zeiten immer größer werdender digitaler Welten ohne Ladeunterbrechungen eine schwache Leistung.
Höhen und TiefenAuch im Leveldesign zeigen sich einige Höhen und Tiefen. Während der Mix aus Action, Suchen und Dialogen wie bereits in Riddick dafür sorgt, dass man sich wie in einem Adventure statt einem Ego-Shooter fühlt und vor
» Die fiesen Darklinge helfen dem Spieler. |
allem das düstere New York City begeistert, gibt es vor allem hinsichtlich der
Otherworld-Levels viel Raum für Kritik. Diese alternative Dimension, in die es Jackie während des Spiels zwei Mal verschlägt, überzeugt zwar durch eine extrem dichte Atmosphäre, kann in punkto Leveldesign aber nur als schwach bezeichnet werden. Die Abschnitte wirken einerseits viel zu langezogen und andererseits zu langweilig designt. So kommt es vor, dass man auf schier unendlich wirkenden Ebenen gegen vereinzelte Gegner kämpft oder viel zu lange Gänge entlang trottet, ohne dass wirklich etwas passiert.
Ein weiterer zwiespältiger Punkt ist die Geschichte. Zwar vermag diese durchaus Spannung zu erzeugen, ja geradezu an den Bildschirm zu fesseln, allerdings wartet sie gegen Ende mit einer herben Enttäuschung auf und wirkt insgesamt einfach unausgegoren. So weiß man zum Schluss genauso viel über die Dunkelheit wie am Anfang und kann nur Mutmaßungen darüber anstellen, was denn eigentlich Sinn und Zweck der rund acht- bis zehnstündigen (ohne Nebenquests) Odyssee war. Ebenfalls wenig rühmlich: Der
Mehrspieler-Modus.
The Darkness bietet über Xbox Live gängige Team- und Deathmatch-Varianten für bis zu acht Spieler auf solide designten Maps an. Allerdings ist der Netz-Code alles andere als ausgereift, so dass
Lags an der Tagesordnung stehen und kein echter Spielspaß aufkommt. Hier muss dringend ein Patch her!
Die Dunkelheit - The Darkness auf DeutschMittlerweile hat es auch die angepasste deutsche Version in den Handel geschafft und wartet - leider - mit den üblichen Schnitten auf. So hat man sämtliches Blut aus dem Titel entfernt. Das
Herausreißen von Herzen ist nicht mehr möglich, statt dessen werden leuchtende Kugeln aus den Toten extrahiert. Dies sieht leider technisch unsauber aus, beißen die Tentakel doch immer noch in die Leichen hinein, ohne dass Spuren an den Opfern zurückbleiben. Auch scheint diese Animationen unter einigen Bugs zu leiden. Neben teils
heftigen Clippingfehlern beißen die Tentakel oft deutlich neben die Opfer und die leuchtenden Seelenkugeln werden auch nicht immer angezeigt.
Des Weiteren hat man
einige der brutalen Nahkampfmoves entfernt. Auch ist es nicht mehr möglich Gegner mit dem Tentakelarm aufzuspießen und in der Gegend herumzuschleudern. Statt dessen sacken diese einfach zusammen, sobald man sie getroffen hat. Mehrspieler-Fans haben einen weiteren Nachteil:
Die deutsche Version ist mit anderen nicht kompatibel. Alles in Allem kann man den Titel somit als heftig zensiert bezeichnen, was natürlich einiges der düsteren, harten Atmosphäre des Originals zerstört. Wer also die Möglichkeit hat sich eine ungeschnittene Version aus Österreich oder den UK zu besorgen, sollte dies tun.