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Master-Review:   » drucken    » versenden

FIFA 07

» Autor: Georg Gruber
» Datum: 02.12.2006
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Die aktuellste FIFA-Version schlägt neue Wege ein, gerät dabei jedoch etwas ins Stolpern.

Xbox 360-Besitzer fieberten der Veröffentlichung von Electronic Arts FIFA 07 schon sehnsüchtig entgegen, erschien es doch einen guten Monat später für die Next-Gen-Konsole. Dies ist kaum verwunderlich, handelt es sich bei dem Titel ja um das erste von Grund auf neu entwickelte Fußballspiel für die Microsoft-Konsole. Die gute Nachricht: Man merkt deutlich, dass sich EA auf der Xbox 360 ordentlich ins Zeug gelegt hat. Die schlechte Nachricht: Zu den PS2- oder Xbox-Versionen schließt der Titel immer noch nicht ganz auf. Details findet ihr in unserem Master-Review.

Quo vadis, FIFA?
Einen Vorwurf muss sich EA sicherlich nicht gefallen lassen: Eine lediglich um Details veränderte Fassung von FIFA auf den Markt geworfen zu haben. Man merkt dem Produkt an, dass sich die Entwickler der Konkurrenz durch PES 6: Pro Evolution Soccer
» Die Zwischensequenzen sprechen für sich.
deutlich bewusst sind, denn am Gameplay wurde bei FIFA 07 kräftig herumgeschraubt und -gehämmert. Das Resultat dieser Bemühungen tritt mehr als deutlich zu Tage. Eine stark überarbeitete Ballphysik sorgt dafür, dass die Pässe nicht wie in früheren Versionen wie eine Lenkrakete ihren Abnehmer finden, sondern auch das eine oder andere Mal im nassen Rasen verhungern.

Auch die Zweikämpfe wurden aufpoliert und so sind hohe Bällen immer wieder von Drängeleien um den besten Platz begleitet. Hinzu kommt, dass das Geschehen im Stadion nun deutlich langsamer ablauft. Unterm Strich führen diese Veränderungen im Gameplay zu einem für FIFA-Verhältnisse ungewohnt starken Simulationseinschlag, ohne aber jemals die Detailverliebtheit eines Pro Evolution Soccer zu erlangen. Dafür fühlen sich die einzelnen Fußballer viel zu gleich an. Zum Beispiel besteht kein allzu großer Unterschied, ob man nun gerade mit Didier Drogba oder Samuel Eto'o stürmt – an sich zwei Torjäger mit gänzlich unterschiedlicher Spielanlage. Hier hat die Konkurrenz also weiterhin die Nase vorne.

Die Lizenz zum Töten
Der erfahrene Zocker weiß es bereits: wo EA Sports drauf steht, sind lizenzierte Athleten bis zum Abwinken drin. An den Lizenzreichtum der PS2 oder Xbox-Version reicht die NextGen-Fassung jedoch nicht heran. Dennoch umfasst der
» Stets den Überblick bewahren.
Titel ganze 117 internationale Klubs aus sechs Ligen sowie 37 Nationalteams für experimentierfreudige Spieler. Dem Nachstellen von Champions League-Krachern wie Chelsea gegen Barcelona steht somit nichts im Wege. Die einzelnen Mannschaften sind auf dem Stand von August 2006, weshalb spätere Personal-Rochaden keine Berücksichtigung gefunden haben. Wer sich jedoch per Xbox Live verbindet, erhält automatisch beim Einloggen ein komfortables Kader-Update. Zusätzlich bietet EA Informationen, Statistiken sowie News aus der Fußballwelt an.

Die Online-Funktionalitäten wissen prinzipiell zu gefallen. Während der Navigation in den Menüs wird man von Podcasts und einem tagesaktuellen Ergebnis-Ticker über die aktuellen Geschehnisse beim Fußball informiert. FIFA 07 leidet jedoch heftig unter dem "zu kleiner Text"-Syndrom in der Standard-Auflösung. Nur wer sehr gute Augen hat, kann im Ansatz entziffern, um was es sich beim Geschriebenen dreht. Die größte Neuerung stellen aber wohl die Interaktiv-Ligen (FIFA Lounge) dar. Hier gilt es, einen Klub, eine Saison lang online zu vertreten. Die Begegnungen entsprechen genau jenen der tatsächlichen Vereine in der laufenden Kalenderwoche. Wem das noch nicht genug Abwechslung bietet, der kann sich noch an den 75 Aufgaben des Herausforderungsmodus versuchen.

Außen hui
Abseits der Spielmechanik zeigt sich FIFA 07 von der allerbesten Seite. Die Menünavigation gerät dank des abwechslungsreichen und prominenten Soundtracks
» Ins kurze Eck damit!
(Keane, Muse, Outlandish, Oakenfold, ...) zu einem Ohrenschmaus. Auf dem Spielfeld weiß hingegen vor allem die Stadionkulisse sehr zu überzeugen. Die Zuschauer reagieren auf das Geschehen und feuern die Heimmannschaft mit Schlachtgesängen kräftig an, so sie denn ihre Leistung erbringt. Geratet ihr vor eigenem Publikum in größeren Rückstand, dann dürft ihr euch auf gellende Pfeifkonzerte gefasst machen. Auch unpopuläre Schiedsrichterentscheidungen werden ähnlich kommentiert.

Optisch zeigt sich FIFA ebenso von seiner besten Seite. Die meisten Spieler sehen ihren realen Pendants verblüffend ähnlich. Leider kommt dieser Aspekt beinahe nur in den Zwischensequenzen zum Tragen, wenn die Athleten in Nahaufnahme mit dem Schiedsrichter diskutieren oder ob einer vergebenen Torchance an ihren Fähigkeiten zweifeln. Diese Unterbrechungen tragen viel zur Stimmung bei und im Gegensatz zur PS2-Version stellt sich auch kein übermäßig störendes Ruckeln ein.

Ich bin DOCH blöd, Mann!
Wer von einzelnen Matches die Nase voll hat oder sich nicht online duellieren möchte, den hält wie bereits bei den Vorgängern der Manager-Modus, welcher weiter verfeinert wurde, bei der Stange. Zusätzlich dürft ihr
» Zähle alle Marken der Bandenwerbung auf!
euch - wie bereits erwähnt - in unzähligen Herausforderungen beweisen. Werden die geforderten Aufgabenstellungen erfüllt, so bekommt euer Profil Punkte gut geschrieben, die ihr zum Erwerb von Videos, zusätzlichen Bällen oder Trikots verwendet. Dass der Spielspaß trotz all der zahlreichen Modi und Möglichkeiten gedämpft wird, lässt sich zum Einen an den teils peniblen und sehr harten Schiedsrichterentscheidungen fest machen. Zum Anderen trägt das Verhalten der Protagonisten sein Scherflein bei.

Die KI von Freund und Feind bleibt nämlich über weite Strecken hinter den Erwartungen zurück. Im Verlauf eines Angriffs rücken die eigenen Verteidigungslinien gerne mal geschlossen undiszipliniert bis zur Mittellinie auf und laden somit den Gegner richtig gehend zu Konterattacken ein. Die CPU-Kontrahenten dagegen wirken oft etwas abwesend und beweisen kaum Aggressivität. Nach nur wenigen Matches zeigt sich ein klares Verhaltensmuster in der Gegner-KI und Spielzüge sowie -taktiken werden dadurch teilweise vorhersehbar. Das Tüpfelchen auf dem i bilden schließlich die Torleute, die kaum aus dem Kasten herauslaufen, wenn dies angebracht wäre. Zusätzlich lassen die Schlussmänner noch sehr viele (oft ungefährliche) Schüsse zur Mitte abprallen. So fallen die meisten der Tore auf eine eher unspektakuläre Art und Weise durch Abstauber.
Pro
Realistischere Physik
Gelungene Gesamtpräsentation
Tolle Stadionatmosphäre
Lag-freier Xbox Live-Modus
Online-Kader-Update
Contra
Vorhersehbare KI
Undynamischer Spielfluss
Geringerer Lizenzumfang gegenüber anderen Versionen
Fazit
An und für sich gebührt dem Mut zur Veränderung seitens EA Sports Respekt. Anstatt einfach ein Jahresupdate auf den Markt zu werfen, machte man sich offensichtlich Gedanken, wie dem aufstrebenden Konkurrenten aus dem Hause Konami das Wasser abzugraben ist. Das Resultat bedeutet jedoch eine kritische Gratwanderung. Eingefleischte PES-Fans werden FIFA 07 als wenig dynamische Light-Simulation abtun und auch heuer wieder ihrer Franchise treu bleiben. Ein Großteil der Fanbase der EA-Serie wird jedoch sicherlich die bisherige Stärke vermissen: Das schnelle, unkomplizierte Arcade-lastige Spielprinzip. Das neue FIFA steuert sich träger als bisher und das Streben nach Realismus scheitert des Öfteren an der teilweise dümmlichen KI. Dass der Titel dennoch über weite Strecken zu überzeugen weiß, liegt einmal mehr an dem stimmigen Drumherum und dem umfangreichen Lizenzpaket, welches auf der Xbox 360 jedoch weniger pompös als bei der Current-Gen ausfällt. Dafür stimmt beim Online-Modus via Xbox Live wieder alles und vor allem das fast Lag-freie Gameplay macht viel Spaß. Unterm Strich sind die Entscheidungskriterien beinahe die selben wie jedes Jahr: Wer etwas Einarbeitungszeit nicht scheut und auf die authentischen Spieler- und Vereinsnamen verzichten kann, der ist nach wie vor bei der Pro Evolution Soccer-Serie besser aufgehoben und wird dort mit der durchdachteren Spielmechanik belohnt. Für diejenigen, denen gelungene Grafik, tolle Stadionatmosphäre und die authentischen Spieler- und Vereinsnamen wichtig sind, scheint FIFA eine lohnenswerte Alternative. Fans früherer Teile sollten die aktuelle Version vor dem Kauf jedoch anspielen. Schneller Arcade-Fussball wird nämlich auch hier nicht mehr geboten.
Infos
Erhältlich für
Genre
Sport
Publisher
Electronic Arts
Entwickler
EA Sports
Website
www.fifa07.ea.c...
Release
27. Oktober 2006
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