B-Boy bietet einen technisch gelungenen, wenn auch spielerisch nicht ganz überzeugenden Einstieg in die Welt des Hip Hops.Freestyle Games, ein Entwickler aus UK, schickt sich an, dem Tanzspiel-Genre neue Töne zu entlocken. Bislang hatte sich vor allem
Marc Ecko's Getting Up: Contents under Pressure mit Aspekten dieser Subkultur beschäftigt - für die Game-Designer gibt es also reichlich Innovationspotential. Im Mittelpunkt von
B-Boy stehen die Break Boys bzw. Girls, also Tänzer, die ihren eigenen Style in die Choreographie zu den Rhythmen von Hip-Hop-Klängen einfließen lassen. Wie gut sich zu
B-Boy im Vergleich zu konventionelleren Rhythmus-Titeln tanzen lässt, klärt unser
Master-Review.
Hip Hop, Beats & Breaks Break Boy und Break Girl sind Ausdrücke für Tänzer, die sich rhythmisch zu Musik bewegen, welche wir heute
unscharf als Hip Hop bezeichnen. Niemand geringerer als James Brown zählt zu den musikalischen Urvätern dieser Beats.
» Der Typ rechts hat Schwanensee echt gut drauf. |
Ursprünglich stammen die Rhythmen von den DJs, die ab den 70er-Jahren in der Bronx (New York City) nur Teile der Platten spielten, die man "Breaks" nennt. Dies sind jene Stellen, in denen
nur Beats jedoch keine Lyrics vorkommen. Dass diese "Music only"-Passagen natürlich eine magische Wirkung auf tanzfreudige junge "Breakers" hatten, liegt auf der Hand. Der Rest ist Musikgeschichte.
Nach und nach kristallisierte sich eine überschäumende und kreative Choreographie rund um die Basic Break-Dance-Moves heraus. Auch im Spiel
B-Boy finden sich zahlreiche Referenzen auf diese coolen Ausdrücke wie
toprock, uprock, downrock (6 step), freezes (single hand baby-freeze), power (flares) oder airtracks (UFO), die jeweils für eine Grundbewegung stehen. Ausgehend davon ändern erfahrene B-Boys diese Moves ab, versetzen sie mit
persönlichem Style und messen sich in Wettbewerben (=Duellen) mit anderen Breakers.
Dance 'till ya drop Entwickler
Freestyle Games versuchte, diese eigenwillige Stimmung in
B-Boy einzufangen. Der eigene Charakter nimmt an Competitions teil und eure Aufgabe ist es, die Moves des Gegenübers zu übertreffen.
» Freezes sind immer Balanceakte. |
Die Steuerung ist
im Grunde simpel gehalten: Mittels Steuerkreuz dirigiert man den B-Boy über die Schauplätze, die Hauptbuttons geben gewisse Grundschritte vor. Damit das Ganze nicht zu einfach wird, muss zusätzlich per Schultertasten der, kreisförmig um die Füße eingeblendete,
Rhythmus getroffen werden - so kann man längere sowie ausgefallenere Moves erzielen.
Was auf den ersten Blick sehr einfach klingt, gestaltet sich in der Praxis und vor allem Wettbewerbssituationen schwieriger, als einem lieb ist. Aufgrund eines äußerst oberflächlichen Tutorials, das gerade einmal die Grundschritte im Ansatz erklärt, ist rasch klar, dass
B-Boy zum fröhlichen Experimentieren nicht nur einlädt, sondern ständiges Selbst-Ausprobieren voraussetzt. Leider knausert
B-Boy mit Hinweisen, wie ein Tanzschritt korrekt aussieht und warum man einen Wettbewerb gewonnen hat oder nicht.
Move to the groove Das Herzstück sind die rundenbasierten Competitions, die in der Solo-Karriere bzw. im Mehrspielermodus mit bis zu vier Freunden bestritten werden dürfen. Wer will, kann auf der PSP die Matches auch
ad hoc online austragen.
» Put the dance into the breaks! |
Leider muss man sich immer die Performances der Gegner komplett ansehen - bei Freunden kein Problem, für Solo-Spieler eher langweilig. Einen Wettbewerb gewinnt der eigene Charakter nur durch Erfüllung von gewissen
vorgegebenen Tanzmustern. Hinweise, wie und ob man diese überhaupt ausführen kann, bleibt
B-Boy meist schuldig. Somit richtet sich der Titel in erster Linie an wirklich interessierte Leute, die einiges an Zeit und Energie in das
Experimentieren und Ausprobieren von Break-Moves investieren wollen. Dafür winkt als Belohnung ein eigener Style, der aus zahllosen speziell angepassten Moves für den jeweiligen Charakter besteht.
Technisch überzeugt
B-Boy vor allem durch
ausgefeilte Charaktermodelle, deren Animationen sowie einem riesigen Repertoir an realistisch wirkenden Bewegungsabläufen. Die Moves wurden laut Entwickler alle
per Motion Capturing eingespielt. Dagegen wirken die Arenen oftmals eher schlicht, obwohl sie ihren realen Vorbildern authentisch nachempfunden sind. Musikalisch wird man von einem
stimmigen Hip-Hop-Soundtrack begleitet, den Kenner der Szene sicherlich zu schätzen wissen. Leider trüben
lange Ladezeiten das ansonsten gute handwerkliche Bild des Titels. Aufgrund des Motion Capturing lädt das Spiel auch innerhalb einer Partie Daten nach, was sich durch kurze Aussetzer (nicht gerade optimal für den Rhythmus) durchaus störend bemerkbar machen kann.