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B-Boy  
» Autor: Georg Gruber
» Datum: 06.02.2007
» Gesamtwertung:
/5
2/5: Für Fans des Genres
bietet nichts Besonderes.
Wie wir bewerten
B-Boy bietet einen technisch gelungenen, wenn auch spielerisch nicht ganz überzeugenden Einstieg in die Welt des Hip Hops.

Freestyle Games, ein Entwickler aus UK, schickt sich an, dem Tanzspiel-Genre neue Töne zu entlocken. Bislang hatte sich vor allem Marc Ecko's Getting Up: Contents under Pressure mit Aspekten dieser Subkultur beschäftigt - für die Game-Designer gibt es also reichlich Innovationspotential. Im Mittelpunkt von B-Boy stehen die Break Boys bzw. Girls, also Tänzer, die ihren eigenen Style in die Choreographie zu den Rhythmen von Hip-Hop-Klängen einfließen lassen. Wie gut sich zu B-Boy im Vergleich zu konventionelleren Rhythmus-Titeln tanzen lässt, klärt unser Master-Review.

Hip Hop, Beats & Breaks
Break Boy und Break Girl sind Ausdrücke für Tänzer, die sich rhythmisch zu Musik bewegen, welche wir heute unscharf als Hip Hop bezeichnen. Niemand geringerer als James Brown zählt zu den musikalischen Urvätern dieser Beats.
» So, jetzt noch ein paar heiße Rhythmen und los kann's gehen.
Ursprünglich stammen die Rhythmen von den DJs, die ab den 70er-Jahren in der Bronx (New York City) nur Teile der Platten spielten, die man "Breaks" nennt. Dies sind jene Stellen, in denen nur Beats jedoch keine Lyrics vorkommen. Dass diese "Music only"-Passagen natürlich eine magische Wirkung auf tanzfreudige junge "Breakers" hatten, liegt auf der Hand. Der Rest ist Musikgeschichte.

Nach und nach kristallisierte sich eine überschäumende und kreative Choreographie rund um die Basic Break-Dance-Moves heraus. Auch im Spiel B-Boy finden sich zahlreiche Referenzen auf diese coolen Ausdrücke wie toprock, uprock, downrock (6 step), freezes (single hand baby-freeze), power (flares) oder airtracks (UFO), die jeweils für eine Grundbewegung stehen. Ausgehend davon ändern erfahrene B-Boys diese Moves ab, versetzen sie mit persönlichem Style und messen sich in Wettbewerben (=Duellen) mit anderen Breakers.

Dance 'till ya drop
Entwickler Freestyle Games versuchte, diese eigenwillige Stimmung in B-Boy einzufangen. Der eigene Charakter nimmt an Competitions teil und eure Aufgabe ist es, die Moves des Gegenübers zu übertreffen.
» Freezes sind immer Balanceakte.
Die Steuerung ist im Grunde simpel gehalten: Mittels Steuerkreuz dirigiert man den B-Boy über die Schauplätze, die Hauptbuttons geben gewisse Grundschritte vor. Damit das Ganze nicht zu einfach wird, muss zusätzlich per Schultertasten der, kreisförmig um die Füße eingeblendete, Rhythmus getroffen werden - so kann man längere sowie ausgefallenere Moves erzielen.

Was auf den ersten Blick sehr einfach klingt, gestaltet sich in der Praxis und vor allem Wettbewerbssituationen schwieriger, als einem lieb ist. Aufgrund eines äußerst oberflächlichen Tutorials, das gerade einmal die Grundschritte im Ansatz erklärt, ist rasch klar, dass B-Boy zum fröhlichen Experimentieren nicht nur einlädt, sondern ständiges Selbst-Ausprobieren voraussetzt. Leider knausert B-Boy mit Hinweisen, wie ein Tanzschritt korrekt aussieht und warum man einen Wettbewerb gewonnen hat oder nicht.

Move to the groove
Das Herzstück sind die rundenbasierten Competitions, die in der Solo-Karriere bzw. im Mehrspielermodus mit einem weiteren Freund bestritten werden dürfen. Leider muss
» Put the dance into the breaks!
man sich immer die Performances des Gegners komplett ansehen - beim Freund kein Problem, für Solo-Spieler eher langweilig. Einen Wettbewerb gewinnt der eigene Charakter nur durch Erfüllung von gewissen vorgegebenen Tanzmustern. Hinweise, wie und ob man diese überhaupt ausführen kann, bleibt B-Boy meist schuldig. Somit richtet sich der Titel in erster Linie an wirklich interessierte Leute, die einiges an Zeit und Energie in das Experimentieren und Ausprobieren von Break-Moves investieren wollen. Dafür winkt als Belohnung ein eigener Style, der aus zahllosen speziell angepassten Moves für den jeweiligen Charakter besteht.

Technisch überzeugt B-Boy vor allem durch ausgefeilte Charaktermodelle, deren Animationen sowie einem riesigen Repertoir an realistisch wirkenden Bewegungsabläufen. Die Moves wurden laut Entwickler alle per Motion Capturing eingespielt. Dagegen wirken die Arenen oftmals eher schlicht, obwohl sie ihren realen Vorbildern authentisch nachempfunden sind. Musikalisch wird man von einem stimmigen Hip-Hop-Soundtrack begleitet, den Kenner der Szene sicherlich zu schätzen wissen. Leider trüben lange Ladezeiten das ansonsten gute handwerkliche Bild des Titels.
Pro
Stylische Atmosphäre
Detaillierte Charaktermodelle
Tanzschritte via Motion Capture
Stimmiger Soundtrack ...
Contra
... der reine Geschmackssache ist
Kaum Anleitung für Moves
Wenig abwechslungsreich
Nicht überspringbare Passagen
Fazit
B-Boy stellt einen ordentlicher Einstiegstitel in die Welt der Beats & Breaks dar. Entwickler Freestyle Games machte dem eigenen Namen alle Ehre und Spielern wird tatsächlich eine Menge Freiraum (für Freestyle) eingeräumt. Wer auf die Musik steht und wirkliches Interesse an der Szene mitbringt, wird wohl kaum ein besseres Game für die PS2 finden. Da ich persönlich Hip Hop für sehr tanzbare Musik halte, überzeugt mich auch der Soundtrack großteils. Mehrspieler-Matches sind nett und machen mit einem Freund viel Spaß - leider geht's im Gegensatz zur PSP-Version nur mit zwei Spielern zur Sache. Außerdem reicht der Multiplayer-Modus nicht aus, um über große Schwächen beim Gameplay hinwegzusehen: Das Spiel gibt kaum Hinweise, wie und ob man den Stil korrekt trifft - wildes Ausprobieren ist die Folge. Zudem reagiert die Steuerung schwammig und lange Ladezeiten sowie nicht überspringbare Gegner-Einlagen ziehen das ganze Spielgeschehen unnötig in die Länge. B-Boy ist ein Spiel für Fans, was jedoch keine Abwertung, sondern eine Feststellung sein soll: Wer die Musik mag und viel Lust und Laune zum fröhlichen Ausprobieren von Dance Moves mitbringt, darf zugreifen. Jedoch sollte jeder vor dem Kauf ausprobieren, ob das Gameplay für einen wirklich das Richtige ist.