Nettes Japano-Rollenspiel mit schöner Retrografik und originellen Ideen.Früher war ja angeblich alles besser. Auch bei Videospielen wird diese plattgetretene Floskel noch oft hervorgebracht. Doch haben Spiele, die sich technisch in der Vergangenheit bewegen, mehr zu bieten als lediglich ein wenig Retro-Flair und nostalgische Errinerungen?
THQ veröffentlicht jedenfalls mit
Atelier Iris 2: The Azoth of Destiny ein klassisches Rollenspiel mit Oldschool-2D-Grafik, das an seelige SNES-Zeiten errinert. Ob ein solches Spiel auch neumodische Gamer überzeugen kann, erläutert euch unser Master-Review.
Alchemie ist der Schlüssel! Gleich zu Beginn bemerkt man die Vorliebe der Japaner für deutsche Wörter. Die Protagonisten,
Felt und
Viese, leben in der sehr kleinen, friedvollen Welt
Eden. Diese droht allerdings langsam zu zerfallen – die Ursache für dieses Problem scheint aus einer total
» Das Spiel bietet eine schöne 2D-Grafik. |
anderen Welt namens
Belkhyde zu stammen. Deswegen begibt sich
Felt, geleitet von einer mystischen Waffe, in die fremde Dimension, um seine Nation vor dem Untergang zu bewahren.
Viese bleibt allerdings in
Eden und versorgt
Felt mit allerlei Items, die in
Belkhyde nicht aufzufinden sind. Dank eines
magischen Ringes, der beide Protagonisten miteinander verbindet, können sie Gegenstände hin und her tauschen.
Viese, welche gerade ihren Abschluss in Alchemie absolviert hat, kann mit Hilfe eines
ausgeklügelten Crafting-Systems zahlreiche Objekte wie Steine, Flüssigkeiten usw. in ihre elementaren Einzelteile zerlegen. Mit alchemischen Rezepten – die es erst zu finden gilt – ist sie dann in der Lage, diese Elementarteile zu neuen Gegenständen verarbeiten. Die Rezepturen sind dabei vorgegeben, aber wer will, kann durchaus einzelne Komponenten ersetzen, um mit etwas Glück effektivere Gegenstände zu erschaffen. Dabei sind manche Zutaten eines Repzepts nur in einer von beiden Welten zu finden. Der Spieler kann deswegen an Speicherpunkten zwischen
Felt und
Viese hin und her schalten und sich so in beiden Welten bewegen, was dem Spielverlauf ein wenig Abwechslung beschert.
Grandia lässt grüßen Das eigentliche Gameplay präsentiert sich ansonsten
sehr linear. Die Haupthandlung hat trotz freier Reisemöglichkeiten einen roten Faden und die Quests laufen fast immer nach demselben Schema ab:
Felt kämpft sich durch
» Mit Alchemie ist alles möglich. |
die Gegend und trifft irgendwann auf ein Hindernis, welches nur durch ein bestimmtes Item überwunden werden kann. Man wechselt daraufhin zu
Viese und erstellt diesen Gegenstand – was manchmal auch mit kleinen Aufgaben verbunden ist - um daraufhin wieder zu
Felt zu swappen. Dank einer gewissen Portion Humor, Charme und Selbstironie wird das Ganze aber ein wenig aus der Monotonität gerissen und unterhält trotz eingeschränkter, spielerischer Freiheiten.
Das
Kampfsystem errinert dabei sehr stark an die
Grandia-Spiele. Am linken Bildschirmrand befindet sich eine
Aktionsleiste, auf der alle Beteiligten des Kampfes ihrer Agilität entsprechend in Echtzeit bewegt werden. Gegner können hierbei mit einem
Break-Angriff auf der Skala wieder nach hinten geworfen werden. Die Position der Gegner auf der Kampffläche spielt ebenfalls eine Rolle, da sich bei bestimmter Anordnung je nach Waffe oder Spezialangriff mehrere Feinde gleichzeitig treffen lassen. Wie bei Ost-RPGs üblich, gibt es auch eine
Skilleiste, die es einem ermöglicht, individuelle (magische) Angriffe eurer Partymitglieder einzusetzen.
Bitmap-Power! Grafisch orientiert sich der Titel stark an den 16-Bit-RPGs der 90er-Jahre: die
2D-Grafik fängt die gesamte Atmosphäre äußerst stimmig ein, die Landschaften sind schön und bunt gestaltet. Trotzdem hätte dem Spiel eine größere Auflösung und
» Nur wenige Dialoge isnd mit Sprache unterlegt. |
mehr Details gut getan. Auch die
Animationen der Charaktere hätten vielfältiger sein können. Dies tut dem Spielspaß jedoch keinen Abbruch, zumal man so von technischen Krankheiten mancher 3D-Engines verschont wird. Allerdings bleibt ein lästiges, PS2-übliches Flimmern nicht aus. Dank eines eingebauten
60 Hz-Modus gibt es wenigstens keine PAL-Balken – dafür allerdings auch keine deutschen Bildschirmtexte, geschweige denn lokalisierte
Sprachausgabe. Letztere ist generell nur in ganz bestimmten, wichtigeren Dialogen anzutreffen. Wer will, kann sogar die japanische Tonspur einschalten.
Im Hintergrund dudeln während des Abenteuers lustige, charmante Melodien, die nicht nerven, aber auch keine komponistischen Höheflüge darstellen. Dafür wurde die Soundkulisse in Dolby Pro Logic II abgemischt. Kleinere
Anime-Videosequenzen sind auch anzutreffen, diese überzeugen durch tolle Zeichenkunst und in DD 5.1 hörbarem Ton. Ein positiver Nebenaspekt zum Schluss: Trotz des bereits niedrigen Preises von rund 35 Euro liegt dem Spiel noch eine
Soundtrack-CD bei. Sowas sieht man gern.