Die aktuellste FIFA-Version schlägt neue Wege ein, gerät dabei jedoch etwas ins Stolpern.Wie jeden Herbst präsentiert
Electronic Arts den neuesten Ableger seiner renommierten Serie, um gegen anhaltende Schlechtwetterverhältnisse auf dem Bolzplatz virtuelle Abhilfe zu schaffen. Auch dieses Jahr muss sich der jüngste Abkömmling der
FIFA-Reihe den harten Bedingungen in unserem Testlabor aussetzen. Ob
FIFA 07 dabei gegen den Erzrivalen
PES 6: Pro Evolution Soccer einen Kantersieg einfahren kann, oder als Verlierer vom Platz schleicht, erfahrt ihr in folgendem Master-Review.
Quo vadis, FIFA?Einen Vorwurf muss sich
EA sicherlich nicht gefallen lassen: eine lediglich um Details veränderte Fassung von FIFA auf den Markt geworfen zu haben. Man merkt dem Produkt an, dass sich die Entwickler der Konkurrenz durch
PES 6: Pro Evolution Soccer » Gleich kracht's im Kasten. |
deutlich bewusst sind, denn am Gameplay wurde bei
FIFA 07 kräftig herumgeschraubt und -gehämmert. Das Resultat dieser Bemühungen tritt mehr als deutlich zu Tage. Eine
stark überarbeitete Ballphysik sorgt dafür, dass die Pässe nicht wie in früheren Versionen wie eine Lenkrakete ihren Abnehmer finden, sondern auch das eine oder andere Mal im nassen Rasen
verhungern.
Auch die Zweikämpfe wurden aufpoliert und so sind hohe Bällen immer wieder von Drängeleien um den besten Platz begleitet. Hinzu kommt, dass das Geschehen im Stadion nun deutlich langsamer ablauft. Unterm Strich führen diese Veränderungen im Gameplay zu einem für FIFA-Verhältnisse ungewohnt starken
Simulationseinschlag, ohne aber jemals die Detailverliebtheit eines
Pro Evolution Soccer zu erlangen. Dafür
fühlen sich die einzelnen Fußballer viel zu gleich an. Zum Beispiel besteht kein allzu großer Unterschied, ob man nun gerade mit Didier Drogba oder Samuel Eto'o stürmt – an sich zwei Torjäger mit gänzlich unterschiedlicher Spielanlage. Hier hat die Konkurrenz also weiter die Nase vorn.
Die Lizenz zum TötenDer erfahrene Zocker weiß es bereits: wo
EA Sports drauf steht, sind lizenzierte Athleten bis zum Abwinken drin. Auch
FIFA 07 stellt hier – zumindest auf den Current Gen-Plattformen - keine Ausnahme dar. Neben
unzähligen Nationalteams warten Vereine von insgesamt
27 Ligen aus 20 Ländern auf den experimentierfreudigen Spieler und ermöglichen das Nachstellen von Champions League-Krachern wie Chelsea gegen Barcelona ebenso wie Begegnungen von Teams wie SCR Altach gegen Carl Zeiss Jena. Die einzelnen Mannschaften sind auf dem Stand von August 2006, weshalb spätere Personal-Rochaden keine Berücksichtigung gefunden haben. Wer jedoch seine PS2 mit dem Internet verbindet, erhält automatisch beim Einloggen ein komfortables
Online-Kader-Update.
Auch sonst wissen die Online-Funktionalitäten prinzipiell zu gefallen. Während der Navigation in den Menüs wird man von
Podcasts und einem tagesaktuellen
Ergebnis-Ticker über die aktuellen Geschehnisse beim Fußball informiert. Die größte Neuerung in diesem Bereich stellen aber wohl die
Interaktiv-Ligen dar. Hier gilt es, einen Klub, den ihr aus (leider nur) vier Ligen wählen könnt, eine Saison lang online zu vertreten. Die Begegnungen entsprechen genau jenen der tatsächlichen Vereine in der laufenden Kalenderwoche. Etwas zeitliche Flexibilität und ausreichend Sitzfleisch vorausgesetzt dürfen sich hier zum Beispiel Fans von Hannover 96 durchaus noch Hoffnungen auf den (virtuellen) deutschen Meistertitel machen.
Außen huiAbseits der Spielmechanik zeigt sich
FIFA 07 von der allerbesten Seite. Die Menünavigation gerät dank des abwechslungsreichen und
prominenten Soundtracks » Die Replays setzen spannende Ereignisse in Szene. |
(
Keane, Muse, Outlandish, Oakenfold, ...) zu einem Ohrenschmaus. Auf dem Spielfeld weiß hingegen vor allem die
Stadionkulisse sehr zu überzeugen. Die Zuschauer reagieren auf das Geschehen und feuern die Heimmannschaft mit Schlachtgesängen kräftig an, so sie denn ihre Leistung erbringt. Geratet ihr vor eigenem Publikum in größeren Rückstand, dann dürft ihr euch auf gellende Pfeifkonzerte gefasst machen. Auch unpopuläre Schiedsrichterentscheidungen werden ähnlich kommentiert.
Auch optisch zeigt sich
FIFA von seiner besten Seite. Die meisten Spieler sehen ihren realen Pendants verblüffend ähnlich. Leider kommt dieser Aspekt beinahe nur in den Zwischensequenzen zum Tragen, wenn die Athleten in Nahaufnahme mit dem Schiedsrichter diskutieren oder ob einer vergebenen Torchance an ihren Fähigkeiten zweifeln. Diese Unterbrechungen tragen jedoch weniger zur Stimmung als zum Groll bei, da sie ruckeln und zuckeln wie ein Fisch auf dem Trockenen. Gott sei dank betrifft dieses technische Ärgernis aber nicht den Spielablauf selbst.
Ich bin DOCH blöd, Mann!Wer von einzelnen Matches die Nase voll hat oder sich nicht online duellieren möchte, den hält wie bereits bei den Vorgängern der
Manager-Modus, welcher weiter verfeinert wurde, bei der Stange. Zusätzlich dürft ihr euch in
» Poldi zieht auf und davon. |
unzähligen Herausforderungen beweisen. Werden die geforderten Aufgabenstellungen erfüllt, so bekommt euer Profil Punkte gut geschrieben, die ihr zum Erwerb von Videos, zusätzlichen Bällen oder Trikots verwendet. Dass der Spielspaß trotz all der zahlreichen Modi und Möglichkeiten gedämpft wird, lässt sich zum Einen an den teils peniblen und sehr harten Schiedsrichterentscheidungen fest machen. Zum Anderen trägt das Verhalten der Protagonisten sein Scherflein bei.
Die KI von Freund und Feind bleibt nämlich über weite Strecken hinter den Erwartungen zurück. Im Verlauf eines Angriffs rücken die eigenen Verteidigungslinien gerne mal geschlossen undiszipliniert bis zur Mittellinie auf und laden somit den Gegner richtig gehend zu Konterattackenein. Die CPU-Kontrahenten dagegen wirken oft etwas abwesend und beweisen kaum Aggressivität. Das Tüpfelchen auf dem i bilden schließlich die Torleute, die kaum aus dem Kasten herauslaufen, wenn dies angebracht wäre. Zusätzlich lassen die Schlussmänner noch sehr viele (oft ungefährliche) Schüsse zur Mitte abprallen. So fallen die meisten der Tore auf eine eher unspektakuläre Art und Weise durch Abstauber.