Gelungener Gangkrieg mit hervorragender Präsentation aber farblosen Missionen.Klonen ist in: Nicht nur Schafe werden erfolgreich dupliziert, sondern auch immer mehr Entwickler von Videospielen scheuen nicht davor zurück, lieber gut zu kopieren, als selbst zu erfinden. Das beste Beispiel hierfür ist wohl die
Grand Theft Auto-Serie, von deren großem Erfolg jeder gerne etwas abhaben möchte. So dient dieser Titel in regelmäßigen Abständen als "Anhaltspunkt" für ähnliche Spiele - aktuellstes Beispiel stellt
Sonys Gangs of London dar. Folgendes
Master-Review zeigt auf, was man sich von diesem Titel erwarten darf.
Ein etwas anderer Krieg Geht es nach
Gangs of London, dann ist die englische Hauptstadt ein wahres Paradies für das organisierte Verbrechen. So streiten sich
sechs Gangs um die Vorherrschaft in der Metropole: Kane, Verbrecher der alten Schule; die
» Die Zwischensequenzen sind äußerst gelungen. |
jamaikanische EC2-Crew; die jungen, gefährlichen Talwar-Brothers; ein russische Organisation namens Zakharov; die Anzugträger der Steele Associates und schlussendlich die chinesische Water Dragon-Triade. Zu Beginn entscheidet man sich für eine dieser Gruppen, wobei jede bevorzugte Waffen sowie eigene
Vor- und Nachteile aufweist.
So unterschiedlich diese auf den ersten Blick auch sein mögen, so ähnlich gestaltet sich der Spielverlauf bei allen sechs. Es stehen überall die gleichen Missionen zur Verfügung, nur der Rahmen ist ein jeweils anderer. Selbst die Zwischensequenzen gibt es nur andere Charaktere zu sehen. Hier tritt auch das
auffälligste Merkmal des Titels zutage: Deren Aufmachung sowie die generelle Erzählweise der Geschichte. Ähnlich wie in
Max Payne wird die Story in
gezeichneten Standbildern präsentiert, die einen schmutzigen und düsteren Touch aufweisen sowie mit äußerst gelungener Sprachausgabe versehen sind. Ohne Frage das Highlight des Spieles. Dabei fällt auch immer wieder die Härte der Bilder auf: an Blut und der Präsentation von diversen Brutalitäten wird nicht gespart – definitiv nur für
erwachsene Augen geeignet.
Ab durch die Mitte Um
Gangs of London nicht allzu linear zu gestalten, dürfen die jeweils nächsten Missionen auf einer Karte gewählt werden. Diese sind in
unterschiedliche Typen wie Angreifen, Schützen, Verteidigen, Verfolgen oder etwa Infiltrieren aufgeteilt,
» Da heißt es Füße in die Hand nehmen. |
sodass man sich schon vorab ein Bild machen kann, was in etwa zu tun ist. Auch wenn die Stadt nicht zur freien Erkundung bereitsteht, spielt das
Auto eine wichtige Rolle. Entweder als pures Mittel zum Zweck, um den Einsatzort zu erreichen, oder als zentrales Missionselement. Obwohl auch ausgefallenere Tätigkeiten wie das Kutschieren von "Kunden" oder Ausführen von Kuriertätigkeiten auf dem Programm stehen, dienen die fahrbaren Untersätze meist dem Verfolgen und Rammen von Widersachern.
Ähnlich sieht die Sache auch bei den Aufträgen aus, die man zu Fuß bestreitet. Die Ziele sind zwar auf dem "Papier" immer unterschiedlich, im Endeffekt läuft es jedoch
immer darauf hinaus, entweder auf der Straße alle Feinde wegzuputzen oder einen Gebäudekomplex zu "säubern". Abzweigungen oder unerwartete Wendungen sucht man leider vergebens, die Absolvierung der Aufträge dauert zudem meist nur
wenige Minuten. Auch wenn sich so immer wieder Monotonie einschleicht, wissen die Missionen über die Spielzeit von etwa
zehn Stunden dann doch ganz gut zu unterhalten.
Genügend zu tun Um die Lebensdauer des Titels noch weiter zu erhöhen, haben sich die Entwickler
einiges einfallen lassen. Als erstes ist die
Freie Fahrt zu nennen, die mit unzähligen Modi prächtig zu unterhalten weiß. Entweder kurvt man einfach
so durch London, betätigt sich als Foto-Tourist, verursacht mit Waffen und Auto möglichst viel Schaden, verhindert durch rasantes Fahren, dass eine Bombe explodiert oder sorgt als Polizist für Recht und Ordnung.
Weiters steht das Flüchten vor den Ordnungshütern auf dem Programm, man kann sich als Taxifahrer versuchen oder killt im wohl
spaßigsten Modus namens "Vier Wochen später" massenweise Zombies. Als nächstes ist die "Gangschlacht", ein simples Strategiespiel, zu nennen, in der man durch geschicktes Platzieren von Einheiten auf einer Karte möglichst viele feindliche Sektoren einnimmt. Zu guter Letzt gibt es noch den Modus "Pub", der die
fünf sehr gelungenen Minispiele Darts, Kegeln, Pool in der englischen und amerikanischen Version sowie einen simplen Spielautomaten bietet – alles wahlweise auch
zu zweit. Da man nach jedem Erfolg eine neue Stufe freischaltet, ist somit für genügend Spielspaß abseits des Storymodus gesorgt.
Widerstand zwecklos Auch bei der Steuerung wurde sehr gute Arbeit geleistet. Mit den Autos driftet man in der Verfolger- oder Außenperspektive gekonnt um die Ecken, das gleichzeitige Feuern ist dabei wie etwa in
Grand Theft Auto aber nicht möglich. Diese Arbeit
» Mit denen ist nicht gut Kirschen essen. |
nehmen einem lieber
die Verbündeten ab, welche generell eine übergeordnete Rolle spielen. In den Fußmissionen kann man den bis zu drei Kollegen
simple Befehle wie "Sammeln" geben. Auch darf durch die Mitglieder der Truppe geschalten werden, um ihre jeweiligen Waffen zu nutzen.
Abseits der Rasereien steuert man seinen Charakter ebenso punktgenau. Ein
automatisches Zielsystem sorgt dafür, dass die Gegner reihenweise zu Boden gehen. Steht eine Deckung zur Verfügung, so ist es auch möglich, blind in deren Richtung zu feuern. Sterben dennoch alle aus dem Team, dann steht ein Neustart der Mission an. Auch bei der Grafik wurde mit einer dezenten
Cel Shading-Optik ein etwas anderer und durchaus gelungener Weg eingeschlagen. Die Umgebungen fallen im Gegensatz dazu leider sehr ab, da sie sehr trist ausgefallen sind. Akustisch
überzeugt der Titel hingegen durchwegs. Sämtliche Waffengeräusche klingen authentisch, die Musikuntermalung kann sich allseits hören lassen. Leider hat es
Sony jedoch nicht für nötig gehalten, während der Missionen Sprachausgabe einzusetzen, was der ohnehin gelungenen Atmosphäre wirklich gut getan hätte.