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Master-Review:   » drucken    » versenden

Gangs of London

» Autor: Christian Krammer
» Datum: 20.09.2006
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Gelungener Gangkrieg mit hervorragender Präsentation aber farblosen Missionen.

Klonen ist in: Nicht nur Schafe werden erfolgreich dupliziert, sondern auch immer mehr Entwickler von Videospielen scheuen nicht davor zurück, lieber gut zu kopieren, als selbst zu erfinden. Das beste Beispiel hierfür ist wohl die Grand Theft Auto-Serie, von deren großem Erfolg jeder gerne etwas abhaben möchte. So dient dieser Titel in regelmäßigen Abständen als "Anhaltspunkt" für ähnliche Spiele - aktuellstes Beispiel stellt Sonys Gangs of London dar. Folgendes Master-Review zeigt auf, was man sich von diesem Titel erwarten darf.

Ein etwas anderer Krieg
Geht es nach Gangs of London, dann ist die englische Hauptstadt ein wahres Paradies für das organisierte Verbrechen. So streiten sich sechs Gangs um die Vorherrschaft in der Metropole: Kane, Verbrecher der alten Schule; die
» Die Zwischensequenzen sind äußerst gelungen.
jamaikanische EC2-Crew; die jungen, gefährlichen Talwar-Brothers; ein russische Organisation namens Zakharov; die Anzugträger der Steele Associates und schlussendlich die chinesische Water Dragon-Triade. Zu Beginn entscheidet man sich für eine dieser Gruppen, wobei jede bevorzugte Waffen sowie eigene Vor- und Nachteile aufweist.

So unterschiedlich diese auf den ersten Blick auch sein mögen, so ähnlich gestaltet sich der Spielverlauf bei allen sechs. Es stehen überall die gleichen Missionen zur Verfügung, nur der Rahmen ist ein jeweils anderer. Selbst die Zwischensequenzen gibt es nur andere Charaktere zu sehen. Hier tritt auch das auffälligste Merkmal des Titels zutage: Deren Aufmachung sowie die generelle Erzählweise der Geschichte. Ähnlich wie in Max Payne wird die Story in gezeichneten Standbildern präsentiert, die einen schmutzigen und düsteren Touch aufweisen sowie mit äußerst gelungener Sprachausgabe versehen sind. Ohne Frage das Highlight des Spieles. Dabei fällt auch immer wieder die Härte der Bilder auf: an Blut und der Präsentation von diversen Brutalitäten wird nicht gespart – definitiv nur für erwachsene Augen geeignet.

Ab durch die Mitte
Um Gangs of London nicht allzu linear zu gestalten, dürfen die jeweils nächsten Missionen auf einer Karte gewählt werden. Diese sind in unterschiedliche Typen wie Angreifen, Schützen, Verteidigen, Verfolgen oder etwa Infiltrieren aufgeteilt,
» Da heißt es Füße in die Hand nehmen.
sodass man sich schon vorab ein Bild machen kann, was in etwa zu tun ist. Auch wenn die Stadt nicht zur freien Erkundung bereitsteht, spielt das Auto eine wichtige Rolle. Entweder als pures Mittel zum Zweck, um den Einsatzort zu erreichen, oder als zentrales Missionselement. Obwohl auch ausgefallenere Tätigkeiten wie das Kutschieren von "Kunden" oder Ausführen von Kuriertätigkeiten auf dem Programm stehen, dienen die fahrbaren Untersätze meist dem Verfolgen und Rammen von Widersachern.

Ähnlich sieht die Sache auch bei den Aufträgen aus, die man zu Fuß bestreitet. Die Ziele sind zwar auf dem "Papier" immer unterschiedlich, im Endeffekt läuft es jedoch immer darauf hinaus, entweder auf der Straße alle Feinde wegzuputzen oder einen Gebäudekomplex zu "säubern". Abzweigungen oder unerwartete Wendungen sucht man leider vergebens, die Absolvierung der Aufträge dauert zudem meist nur wenige Minuten. Auch wenn sich so immer wieder Monotonie einschleicht, wissen die Missionen über die Spielzeit von etwa zehn Stunden dann doch ganz gut zu unterhalten.

Genügend zu tun
Um die Lebensdauer des Titels noch weiter zu erhöhen, haben sich die Entwickler einiges einfallen lassen. Als erstes ist die Freie Fahrt zu nennen, die mit unzähligen Modi prächtig zu unterhalten weiß. Entweder kurvt man einfach
» Ein Hinterhalt.
so durch London, betätigt sich als Foto-Tourist, verursacht mit Waffen und Auto möglichst viel Schaden, verhindert durch rasantes Fahren, dass eine Bombe explodiert oder sorgt als Polizist für Recht und Ordnung.

Weiters steht das Flüchten vor den Ordnungshütern auf dem Programm, man kann sich als Taxifahrer versuchen oder killt im wohl spaßigsten Modus namens "Vier Wochen später" massenweise Zombies. Als nächstes ist die "Gangschlacht", ein simples Strategiespiel, zu nennen, in der man durch geschicktes Platzieren von Einheiten auf einer Karte möglichst viele feindliche Sektoren einnimmt. Zu guter Letzt gibt es noch den Modus "Pub", der die fünf sehr gelungenen Minispiele Darts, Kegeln, Pool in der englischen und amerikanischen Version sowie einen simplen Spielautomaten bietet – alles wahlweise auch zu zweit. Da man nach jedem Erfolg eine neue Stufe freischaltet, ist somit für genügend Spielspaß abseits des Storymodus gesorgt.

Widerstand zwecklos
Auch bei der Steuerung wurde sehr gute Arbeit geleistet. Mit den Autos driftet man in der Verfolger- oder Außenperspektive gekonnt um die Ecken, das gleichzeitige Feuern ist dabei wie etwa in Grand Theft Auto aber nicht möglich. Diese Arbeit
» Mit denen ist nicht gut Kirschen essen.
nehmen einem lieber die Verbündeten ab, welche generell eine übergeordnete Rolle spielen. In den Fußmissionen kann man den bis zu drei Kollegen simple Befehle wie "Sammeln" geben. Auch darf durch die Mitglieder der Truppe geschalten werden, um ihre jeweiligen Waffen zu nutzen.

Abseits der Rasereien steuert man seinen Charakter ebenso punktgenau. Ein automatisches Zielsystem sorgt dafür, dass die Gegner reihenweise zu Boden gehen. Steht eine Deckung zur Verfügung, so ist es auch möglich, blind in deren Richtung zu feuern. Sterben dennoch alle aus dem Team, dann steht ein Neustart der Mission an. Auch bei der Grafik wurde mit einer dezenten Cel Shading-Optik ein etwas anderer und durchaus gelungener Weg eingeschlagen. Die Umgebungen fallen im Gegensatz dazu leider sehr ab, da sie sehr trist ausgefallen sind. Akustisch überzeugt der Titel hingegen durchwegs. Sämtliche Waffengeräusche klingen authentisch, die Musikuntermalung kann sich allseits hören lassen. Leider hat es Sony jedoch nicht für nötig gehalten, während der Missionen Sprachausgabe einzusetzen, was der ohnehin gelungenen Atmosphäre wirklich gut getan hätte.
Pro
Hervorragende Zwischensequenzen
Viele Spielmodi
Team-Feature
Gute Steuerung
Cel Shading-Optik
Tolle Sprachausgabe
Contra
Fehlende Abwechslung im Storymodus
Spielablauf bei allen Gangs ähnlich
Umgebungen sehr trist
Fazit
Mit Gangs of London bewahrheitet sich einmal mehr der Spruch "Gut geklaut ist halb gewonnen". Dabei hat Sony lediglich beim generellen Spielprinzip sowie den Missionstypen bei der allseits präsenten Konkurrenz namens Grand Theft Auto abgeschaut. Abseits davon wurde weitgehend darauf verzichtet, allzu viele Anleihen zu nehmen. Das augenscheinlichste Merkmal und zugleich auch der größte Unterschied sind die gezeichneten Standbilder der Zwischensequenzen, die mit ihrem schmutzigen und brutalen Look hervorragend zum Setting des Gang-Krieges passen. Die Cel Shading-Optik tut ihr Übriges, dem Spiel sein ganz spezielles und durchaus gelungenes Erscheinungsbild zu verpassen. Leider können die zur Verfügung stehenden Aufträge hier nicht mithalten. Die Ziele sind zwar sehr unterschiedlich, im Endeffekt läuft es jedoch sehr oft darauf hinaus, zum Einsatzort zu rasen und dort bzw. schon davor aus allen Rohren zu ballern. Dafür haben die Entwickler abseits des Storymodus viel Einfallsreichtum bewiesen und genügend Herausforderungen auf die UMD gepackt. Man richtet möglichst viel Schaden auf Londons Straßen an, killt reihenweise Zombies oder versucht sich an einer Partie Darts oder Pool. Trotz der farblosen Missionen hat es Sony somit geschafft, ein gelungenes Paket zu schnüren, das einige Zeit begeistern kann und schon alleine wegen der ganz speziellen Präsentation einen Blick wert ist.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
Publisher
SCEE
Entwickler
SCEE
Website
www.us.playstat...
Release
29. September 2006
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User-Bewertung
80
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1 Review
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