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Master-Review:   » drucken    » versenden

Need for Speed Carbon

» Autor: Georg Gruber
» Datum: 14.01.2007
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
EA präsentiert einen gut balancierten, wenn auch fast zu braven Arcade-Racer mit frischen Ideen.

Als Electronic Arts in den 90er-Jahren die Need for Speed-Reihe jährlich mit einem Minimal-Update beglückte, stand die Serie für Vollgas-Brettern ohne großen Tiefgang oder Anspruch. Nach einer längeren Nachdenkpause erschien mit Hot Pursuit 2 ein überraschend innovativer Racer. Seither schiebt EA wieder jährliche Updates nach, aber der abwechslungsreiche Spielspaß blieb. Im Vorjahr kam das äußerst fordernde und ebenfalls mit innovativem Polizei-Gameplay ausgestattete Most Wanted heraus, das abermals die Erfolgsformel revolutionierte. Kann da Need for Speed: Carbon überhaupt mithalten? Unser Master-Review klärt euch auf.

Return of the cheesy cutscenes
Most Wanted führte sehr unterhaltsame Zwischensequenzen ein, die besonders durch eines auffallen: Sie sind nicht animiert, sondern zeigen reale Personen - natürlich mit stark überzeichneten stylischen Effekten.
» Überholen auf dem Schutzweg. Tztztz!
Auch Carbon setzt wieder auf diese äußerst lässige Art der Erzählweise. Als optischer Aufputz wurde diesmal Emmanuelle Vaugier als Nikki engagiert, damit die einsamen Teenager-Herzen wieder höher schlagen. Die Rechnung geht auch perfekt auf, obwohl nicht ganz die Coolness oder der Humor des Vorgängers erreicht wird.

Genau diese bermerkenswerte Art der Präsentation trägt jedoch viel zur motivierenden Gesamtnote des Racers bei. EA versucht, die besten Aspekte zweier vorangegangener Titel zu verschmelzen. Als Grundlage dient sicherlich das Spielprinzip von Need for Speed Underground sowie die fordernden Polizeiverfolgungsjagden aus Most Wanted. Gut geschüttelt, mehrfach umgerührt und noch aufgegossen mit trendigen Drift-Szenarien und schon hat man den Nitro-schwangeren Renncocktail, der eiskalt durch die Adern eines jeden Arcade-Fans schießt.

Underground racing
Need for Speed Carbon kehrt zu den Wurzeln der Untergrund-Nachtrennen zurück – leider muss man dazusagen, denn bei Nacht wirkt die Stadt sehr eintönig. Verschwunden ist auch das Glitzer-Neon-Flair
» So sieht ein richtiger Tokyo Drift aus.
der Vorgänger, was wiederum etwas vom optischen Reiz wegnimmt. Das Fahrgefühl hingegen bleibt fast gleich. Die Entwickler stiegen in Sachen Schwierigkeitsgrad jedoch deutlich auf die Bremse. Während im Vorgänger noch um Hemd und Kragen gegen die Polizei gerast werden musste, so sind die Cops in Carbon ziemlich lahme Donutesser.

Auch das freie Erkunden der Stadt wurde deutlich zurück geschraubt. Es ist zwar noch vorhanden, jedoch weniger interessant als früher. Zudem bietet das Spiel kaum Anreiz zum Erforschen, da man sich dank einer extrem komfortablen Karte überall hin warpen kann. Das, in Territorien rivalisierender Gangs unterteilte Stadtgebiet muss im Karrieremodus durch Gewinnen von Rennevents erobert werden. Sind alle zusammengehörigen Gebiete freigespielt, so gilt es gegen den Anführer eine Reihe von Rennen zu bestreiten. Bei erfolgreichem Abschluss macht sich dieser vom Acker und schon besitzt man einen Stadtteil mehr.

Smokey and the bandits
Die Entwickler haben sich ein neues Feature für Carbon ausgedacht: Teammitglieder. Anstatt Rennen alleine bestreiten zu müssen, stehen einem diesmal Mitstreiter zur Seite. Das fördert nicht nur den Unterhaltungswert
» Hoffentlich hat der Vollkasko.
während der Events durch teils extrem witzige Konversationen, sondern die Piloten erfüllen auch einen handfesten Zweck. Je nach Geschmack dürfen drei verschiedene Charaktere angeheuert werden: Blockers räumen bei Bedarf die Straße von Gegnern frei, bei Drafters hingegen kann man sich für kurze Zeit hinten anhängen und bekommt einen Geschwindigkeitsvorteil. Scouts schließlich finden Abkürzen auf den Stadtkursen, welche enorme Zeitvorteile bringen.

Neben der Karriere und Einzelrennen bietet Carbon Mehrspielermodi für zwei Freunde per Splitscreen. Für Abwechslung sorgen zusätzlich spezielle Herausforderungs-Modi mit vielfältigen Aufgaben wie z.B. Polizeiverfolgungsjagden. Als Belohnung für erfolgreich absolvierte Rennen winken Punkte, die abermals in das umfrangreiche Tuning der eigenen Boliden gesteckt werden dürfen. Apropos Tuning: Erneut gibt es massenhaft Einstellungsmöglichkeiten um die Autos zu modifizieren. Wer sich dafür nicht so interessiert kann zum Glück auf Performance-Sets zurückgreifen und muss sich nicht stundenlang in der Werkstatt herumschlagen. Online-Modus gibt es leider keinen, dieser wurde ersatzlos gestrichen. Dies ist aber wenig verwunderlich, da Nintendo generell noch keinen Online-Mehrspieler-Service für Wii auf die Beine gestellt hat.

Pimp my ride
Optisch bedient sich Carbon klar bei der PS2-Version, allerdings gibt es keine echten technischen Verbesserungen: Ein paar neue Lichteffekte und massig neue Customizing-Details (Decals, Spoiler, Karosserie, Lack etc.)
» Die Cops fahren Dodge Viper.
bei den Autos wiegen nicht auf, dass die Stadt im Dunkeln total unspektakulär aussieht. Dafür wurde auf den (recht störenden) Blur-Effekt fast komplett verzichtet, was die Übersicht im positiven Sinne erhöht. Während in anderen Versionen ohne Scouts so manche Abkürzung nur schwer auffindbar ist, so sind sie in der Wii-Version fast zu offensichtlich. Die Framerate ist wie bei Most Wanted gut und weitgehend frei von Rucklern. Kein Wunder, denn die Renngrafik wirkt teils recht grobkörnig mit zahlreichen Ecken und Kanten in Texturen und Automodellen. Vor allem die Zwischensequenzen mussten in punkto Effekten deutlich Federn lassen und sind vergleichsmäßig detailarm ausgefallen.

Die Steuerung am Wii ist stets ein großes Thema, lässt aber mit fünf verschiedenen Varianten kaum Wünsche offen. Vor allem #1 (Wii-Remote lenkt waagrecht) und #2 (Nunchuk zum Lenken neigen) überzeugen durch sehr innovative Grundideen. Das herrlich simple Arcade-Gefühl der Boliden kommt auch auf Nintendos Konsole gut rüber. Rennen lassen sich schnell und umkompliziert gewinnen, auch ohne dass 1000 Kleinigkeiten berücksichtigt werden müssen. Mit dabei ist auch wieder der Speed-Breaker, der für wenige Sekunden die Zeit stark verlangsamt und so schnelle Brems- und Lenkmanöver ermöglicht. Die zwei größten Probleme mit der Steuerung: die teils verwirrende Buttonbelegung und Drifts wollen zu Beginn überhaupt nicht gelingen, mit ein wenig Übung meistert man aber auch diese nach einiger Zeit. Alles in allem steuert sich Carbon zwar intuitiver - aber auch unpräziser/hektischer - als z.B. die Xbox 360-Version. Letztendlich ist dies jedoch immer eine Geschmacksfrage.
Pro
Stylische Optik
Witzige Zwischensequenzen
Innovative Teamfahrer
Intuitive Steuerungsvarianten
Wiederspielwert / Tuning
Contra
Nur Nachtrennen (keine Abwechslung)
Grafisch ein billiger PS2-Port
Teils zu wenig fordernd
Driften ist gewöhnungsbedürftig
Keinerlei Online- Funktionalität
Fazit
EA hat mit Need for Speed Carbon einen sehr unterhaltsamen und gut balancierten Titel geschaffen. Bedauerlicherweise verwarf man aber auch gute Elemente von Most Wanted. Die Entwickler setzten auf einen massentauglicheren Schwierigkeitsgrad, dafür zeigen die Cops aber kaum mehr Zähne. Ein großer Teil der Motivation und des Reizes des Vorgängers fällt somit weg. Toll hingegen gelang die Innovation mit den Teamfahrern. Die gab's zwar auch schon bei der Konkurrenz, aber so gut und vor allem so unterhaltsam umgesetzt hat das noch keiner. Mehrspieler kommen zwar nicht in den Genuss eines Online-Modus, dafür darf man im Gegensatz zur Xbox 360 auch im Offline-Modus per Splitscreen nach Herzenslust rasen. Grafisch gehört Electronic Arts jedoch eines auf die Finger gegeben: Mehr als eine halbherzige PS2-Portierung für den Wii wäre schon angebracht gewesen. Die Wii-Steuerung funktioniert überraschend gut und präsentiert sich intuitiv. Im Gegensatz zum traditionellen Lenken mit dem Stick hinterlassen die Wii-spezifischen Kontrollvarianten einen schwammigen Eindruck, vermitteln jedoch ein sehr flüssiges Spielgefühl und sind somit rundum zweckmäßig. Einzig das Driften bedarf einiger Finesse und Eingewöhnung, allerdings ist es auch in anderen Versionen nicht perfekt geglückt. Tuning-Freunde kommen dank massiver Ausstattungsoptionen voll auf ihre Kosten, Auto-Pimping war selten so schön. Wer auf unkompliziertes Arcade-Racing abfährt und einen Wii besitzt, sollte auf alle Fälle Need for Speed Carbon in sein Laufwerk beamen. Hat man jedoch Most Wanted geliebt, wird dieser Ableger unter Umständen nicht ganz so prickelnd sein - in diesem Fall ist eine Probefahrt vor dem Kauf eine gute Idee.
Infos
Erhältlich für
Genre
Racing
Publisher
Electronic Arts
Entwickler
Electronic Arts
Website
www.ea.com/nfs/...
Release
08. Dezember 2006
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User-Bewertung
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