EA präsentiert auch auf der PS3 einen gut balancierten, wenn auch fast zu braven, Arcade-Racer mit frischen Ideen.Als
Electronic Arts in den 90er-Jahren die
Need for Speed-Reihe jährlich mit einem Minimal-Update beglückte, stand sie noch für Vollgas-Brettern ohne großen Tiefgang oder Anspruch. Nach einer längeren Nachdenkpause erschien mit
Hot Pursuit 2 ein überraschend innovativer Racer. Seither schiebt
EA wieder jährliche Updates nach, aber der abwechslungsreiche Spielspaß blieb. Im Vorjahr kam das äußerst fordernde und ebenfalls mit neuem Polizei-Gameplay ausgestattete
Most Wanted heraus, das abermals die Erfolgsformel revolutionierte. Kann da
Need for Speed: Carbon überhaupt mithalten? Unser
Master-Review klärt euch auf.
Return of the cheesy cutscenes Most Wanted führte sehr unterhaltsame Zwischensequenzen ein, die besonders durch eines auffallen: Sie sind nicht animiert, sondern zeigen reale Personen - natürlich mit stark überzeichneten stylischen Effekten.
» 3 gegen 1 ist aber auch unfair! |
Auch
Carbon setzt wieder auf diese
äußerst lässige Art der Erzählweise. Als optischer Aufputz wurde diesmal Emmanuelle Vaugier als Nikki engagiert, damit die einsamen Teenager-Herzen wieder höher schlagen. Die Rechnung geht auch perfekt auf, obwohl nicht ganz die Coolness oder der Humor des Vorgängers erreicht wird.
Genau diese bermerkenswerte Art der Präsentation trägt jedoch viel zur motivierenden Gesamtnote des Racers bei.
EA versucht, die besten Aspekte zweier vorangegangener Titel zu verschmelzen. Als Grundlage dient sicherlich das Spielprinzip von
Need for Speed Underground sowie die fordernden
Polizeiverfolgungsjagden aus
Most Wanted. Gut geschüttelt, mehrfach umgerührt und noch aufgegossen mit trendigen Drift-Szenarien und schon hat man den
Nitro-schwangeren Renncocktail, der eiskalt durch die Adern eines jeden Arcade-Fans schießt.
Underground racing Need for Speed Carbon kehrt zu den Wurzeln der Untergrund-Nachtrennen zurück – leider muss man dazusagen, denn
bei Nacht wirkt die Stadt sehr eintönig. Verschwunden ist auch das Glitzer-Neon-Flair
» Man kann den Blur-Effekt schon auch übertreiben. |
der Vorgänger, was wiederum etwas vom optischen Reiz wegnimmt. Das Fahrgefühl hingegen bleibt fast gleich. Die Entwickler
stiegen in Sachen Schwierigkeitsgrad jedoch deutlich auf die Bremse. Während im Vorgänger noch um Hemd und Kragen gegen die Polizei gerast werden musste, so sind die Cops in
Carbon ziemlich lahme Donutesser.
Auch das freie Erkunden der Stadt wurde deutlich zurück geschraubt. Es ist zwar noch vorhanden, jedoch weniger interessant als früher. Zudem bietet das Spiel kaum Anreiz zum Erforschen, da man sich dank einer extrem
komfortablen Karte überall hin warpen kann. Das, in Territorien rivalisierender Gangs unterteilte, Stadtgebiet muss im Karrieremodus durch Gewinnen von Rennevents erobert werden. Sind alle zusammengehörigen Gebiete freigespielt, so gilt es gegen den Anführer eine Reihe von Rennen zu bestreiten. Bei erfolgreichem Abschluss macht sich dieser vom Acker und schon man besitzt einen Stadtteil mehr.
Smokey and the bandits Die Entwickler haben sich ein neues Feature für
Carbon ausgedacht:
Teammitglieder. Anstatt Rennen alleine bestreiten zu müssen, stehen einem diesmal Mitstreiter zur Seite. Das fördert nicht nur den Unterhaltungswert
» Fahrer links wird anvisiert und wegbugsiert. |
während der Events durch teils extrem witzige Konversationen, sondern die Piloten erfüllen einen handfesten Zweck. Je nach Geschmack dürfen drei verschiedene Charaktere angeheuert werden:
Blockers räumen bei Bedarf die Straße von Gegnern frei und bei
Drafters kann man sich für kurze Zeit hinten anhängen und bekommt einen Geschwindigkeitsvorteil.
Scouts schließlich finden Abkürzen auf den Stadtkursen, welche enorme Zeitvorteile bringen.
Neben der Karriere und Einzelrennen bietet
Carbon bis zu
acht Freunde Mehrspielermodi über PlayStation Network, verwendet aber leider die unkomfortablen EA-Server. Leider findet sich auch kein Offline-Mehrspielmodus per Splitscreen im Menü. Für Abwechslung sorgt dagegen ein spezieller Modus mit Polizeiverfolgungsjagden. Online geht es erfreulich zügig voran, Lags treten selten auf und stören das Gameplay kaum. Als Belohnung für Online-Rennen winken Punkte, die abermals in das umfrangreiche Tuning der eigenen Boliden gesteckt werden dürfen. Apropos Tuning: Erneut gibt es
massenhaft Einstellungsmöglichkeiten um die Autos zu modifizieren. Wer sich dafür nicht so interessiert kann zum Glück auf Performance-Sets zurückgreifen und muss sich nicht stundenlang in der Werkstatt herumschlagen.
Pimp my ride Optisch bedient sich
Carbon klar an den Vorgängern, allerdings halten sich die technischen Verbesserungen in Grenzen: Ein paar neue Lichteffekte und massig neue Customizing-Details (Decals, Spoiler, Karosserie, Lack etc.)
» Nur wer den richtigen Drift heraus hat, gewinnt. |
bei den Autos wiegen nicht auf, dass
die Stadt im Dunkeln total unspektakulär aussieht. Zusätzlich nimmt ein zu großzügig eingesetzter Blur-Effekt fast komplett die Übersicht. Ohne Scouts fände man so manche Abkürzung nicht – schlicht und ergreifend deshalb, weil sie zu unscheinbar sind. Die Framerate ist wie bei
Most Wanted gut, aber noch immer nicht frei von Ruckeln. Alles in allem kann man die PS3- und Xbox 360-Version als grafisch identisch bezeichnen.
Die Steuerung dagegen lässt kaum Wünsche offen, das
herrlich simple Arcade-Gefühl der Boliden kommt gut rüber. Rennen lassen sich schnell und umkompliziert gewinnen, auch ohne dass 1000 Kleinigkeiten berücksichtigt werden müssen. Mit dabei ist auch wieder der
Speed-Breaker, der für wenige Sekunden die Zeit stark verlangsamt und so schnelle Brems- und Lenkmanöver ermöglicht. Drifts wollen zu Beginn noch nicht so ganz gelingen, mit ein wenig Übung meistert man aber auch diese rasch. Alles in allem ist
Carbon deutlich verzeihender als andere Arcade-Racer und
Gewinnen wird einem sehr leicht gemacht, zumal ein Rennen auch als gewonnen gilt, wenn der Teamfahrer als erster über die Ziellinie brettert.