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Need for Speed Carbon  
» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 15.04.2007
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
EA präsentiert auch auf der PS3 einen gut balancierten, wenn auch fast zu braven, Arcade-Racer mit frischen Ideen.

Als Electronic Arts in den 90er-Jahren die Need for Speed-Reihe jährlich mit einem Minimal-Update beglückte, stand sie noch für Vollgas-Brettern ohne großen Tiefgang oder Anspruch. Nach einer längeren Nachdenkpause erschien mit Hot Pursuit 2 ein überraschend innovativer Racer. Seither schiebt EA wieder jährliche Updates nach, aber der abwechslungsreiche Spielspaß blieb. Im Vorjahr kam das äußerst fordernde und ebenfalls mit neuem Polizei-Gameplay ausgestattete Most Wanted heraus, das abermals die Erfolgsformel revolutionierte. Kann da Need for Speed: Carbon überhaupt mithalten? Unser Master-Review klärt euch auf.

Return of the cheesy cutscenes
Most Wanted führte sehr unterhaltsame Zwischensequenzen ein, die besonders durch eines auffallen: Sie sind nicht animiert, sondern zeigen reale Personen - natürlich mit stark überzeichneten stylischen Effekten.
» 3 gegen 1 ist aber auch unfair!
Auch Carbon setzt wieder auf diese äußerst lässige Art der Erzählweise. Als optischer Aufputz wurde diesmal Emmanuelle Vaugier als Nikki engagiert, damit die einsamen Teenager-Herzen wieder höher schlagen. Die Rechnung geht auch perfekt auf, obwohl nicht ganz die Coolness oder der Humor des Vorgängers erreicht wird.

Genau diese bermerkenswerte Art der Präsentation trägt jedoch viel zur motivierenden Gesamtnote des Racers bei. EA versucht, die besten Aspekte zweier vorangegangener Titel zu verschmelzen. Als Grundlage dient sicherlich das Spielprinzip von Need for Speed Underground sowie die fordernden Polizeiverfolgungsjagden aus Most Wanted. Gut geschüttelt, mehrfach umgerührt und noch aufgegossen mit trendigen Drift-Szenarien und schon hat man den Nitro-schwangeren Renncocktail, der eiskalt durch die Adern eines jeden Arcade-Fans schießt.

Underground racing
Need for Speed Carbon kehrt zu den Wurzeln der Untergrund-Nachtrennen zurück – leider muss man dazusagen, denn bei Nacht wirkt die Stadt sehr eintönig. Verschwunden ist auch das Glitzer-Neon-Flair
» Man kann den Blur-Effekt schon auch übertreiben.
der Vorgänger, was wiederum etwas vom optischen Reiz wegnimmt. Das Fahrgefühl hingegen bleibt fast gleich. Die Entwickler stiegen in Sachen Schwierigkeitsgrad jedoch deutlich auf die Bremse. Während im Vorgänger noch um Hemd und Kragen gegen die Polizei gerast werden musste, so sind die Cops in Carbon ziemlich lahme Donutesser.

Auch das freie Erkunden der Stadt wurde deutlich zurück geschraubt. Es ist zwar noch vorhanden, jedoch weniger interessant als früher. Zudem bietet das Spiel kaum Anreiz zum Erforschen, da man sich dank einer extrem komfortablen Karte überall hin warpen kann. Das, in Territorien rivalisierender Gangs unterteilte, Stadtgebiet muss im Karrieremodus durch Gewinnen von Rennevents erobert werden. Sind alle zusammengehörigen Gebiete freigespielt, so gilt es gegen den Anführer eine Reihe von Rennen zu bestreiten. Bei erfolgreichem Abschluss macht sich dieser vom Acker und schon man besitzt einen Stadtteil mehr.

Smokey and the bandits
Die Entwickler haben sich ein neues Feature für Carbon ausgedacht: Teammitglieder. Anstatt Rennen alleine bestreiten zu müssen, stehen einem diesmal Mitstreiter zur Seite. Das fördert nicht nur den Unterhaltungswert
» Fahrer links wird anvisiert und wegbugsiert.
während der Events durch teils extrem witzige Konversationen, sondern die Piloten erfüllen einen handfesten Zweck. Je nach Geschmack dürfen drei verschiedene Charaktere angeheuert werden: Blockers räumen bei Bedarf die Straße von Gegnern frei und bei Drafters kann man sich für kurze Zeit hinten anhängen und bekommt einen Geschwindigkeitsvorteil. Scouts schließlich finden Abkürzen auf den Stadtkursen, welche enorme Zeitvorteile bringen.

Neben der Karriere und Einzelrennen bietet Carbon bis zu acht Freunde Mehrspielermodi über PlayStation Network, verwendet aber leider die unkomfortablen EA-Server. Leider findet sich auch kein Offline-Mehrspielmodus per Splitscreen im Menü. Für Abwechslung sorgt dagegen ein spezieller Modus mit Polizeiverfolgungsjagden. Online geht es erfreulich zügig voran, Lags treten selten auf und stören das Gameplay kaum. Als Belohnung für Online-Rennen winken Punkte, die abermals in das umfrangreiche Tuning der eigenen Boliden gesteckt werden dürfen. Apropos Tuning: Erneut gibt es massenhaft Einstellungsmöglichkeiten um die Autos zu modifizieren. Wer sich dafür nicht so interessiert kann zum Glück auf Performance-Sets zurückgreifen und muss sich nicht stundenlang in der Werkstatt herumschlagen.

Pimp my ride
Optisch bedient sich Carbon klar an den Vorgängern, allerdings halten sich die technischen Verbesserungen in Grenzen: Ein paar neue Lichteffekte und massig neue Customizing-Details (Decals, Spoiler, Karosserie, Lack etc.)
» Nur wer den richtigen Drift heraus hat, gewinnt.
bei den Autos wiegen nicht auf, dass die Stadt im Dunkeln total unspektakulär aussieht. Zusätzlich nimmt ein zu großzügig eingesetzter Blur-Effekt fast komplett die Übersicht. Ohne Scouts fände man so manche Abkürzung nicht – schlicht und ergreifend deshalb, weil sie zu unscheinbar sind. Die Framerate ist wie bei Most Wanted gut, aber noch immer nicht frei von Ruckeln. Alles in allem kann man die PS3- und Xbox 360-Version als grafisch identisch bezeichnen.

Die Steuerung dagegen lässt kaum Wünsche offen, das herrlich simple Arcade-Gefühl der Boliden kommt gut rüber. Rennen lassen sich schnell und umkompliziert gewinnen, auch ohne dass 1000 Kleinigkeiten berücksichtigt werden müssen. Mit dabei ist auch wieder der Speed-Breaker, der für wenige Sekunden die Zeit stark verlangsamt und so schnelle Brems- und Lenkmanöver ermöglicht. Drifts wollen zu Beginn noch nicht so ganz gelingen, mit ein wenig Übung meistert man aber auch diese rasch. Alles in allem ist Carbon deutlich verzeihender als andere Arcade-Racer und Gewinnen wird einem sehr leicht gemacht, zumal ein Rennen auch als gewonnen gilt, wenn der Teamfahrer als erster über die Ziellinie brettert.
Pro
Stylische Optik
Witzige Zwischensequenzen
Innovative Teamfahrer
Zugänglicherer Schwierigkeitsgrad
Wiederspielwert / Tuning
Contra
Nur Nachtrennen (keine Abwechslung)
Teils zu wenig fordernd
Kein Offline- Mehrspielermodus
Lahme EA-Online-Server
Fazit
EA hat mit Need for Speed Carbon einen sehr unterhaltsamen und gut balancierten Titel geschaffen, der auch auf der PS3 für gute Raser-Unterhaltung sorgt. Bedauerlicherweise verwarf man aber auch gute Elemente von Most Wanted. Die Entwickler setzten auf einen massentauglicheren Schwierigkeitsgrad, dafür zeigen die Cops aber kaum mehr Zähne. Ein großer Teil der Motivation und des Reizes des Vorgängers fällt somit weg. Toll hingegen gelang die Innovation mit den Teamfahrern. Die gab's zwar auch schon bei der Konkurrenz, aber so gut und vor allem so unterhaltsam umgesetzt hat das noch keiner. Tuning-Freunde kommen dank massiver Ausstattungsoptionen voll auf ihre Kosten und Auto-Pimping war selten so schön. Wer auf unkompliziertes Arcade-Racing abfährt, sollte sich Need for Speed Carbon unbedingt einmal ansehen.