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Colin McRae: DIRT  
» Autor: Georg Gruber
» Datum: 14.10.2007
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Technisch ein Hammertitel, welcher Rallye-Fans und -Neueinsteiger zugleich anspricht.

Mr. Smooth and Mr. Steady
Codemasters darf die eigene Rennserie zu Recht als einen der Eckpfeiler des Offroad-Racing-Genres verstehen. Selbst wem der erst vor kurzem mit seinem Sohn auf tragische Weise bei einem Helicopter-Absturz verunglückte
» Leicht explosive Rennstimmung nach dem Start.
Rallye-Weltmeister kein Begriff war, kennt mit hoher Wahrscheinlichkeit die Colin McRae Rallye-Reihe. Seit mittlerweile über zehn Jahren sind Gamer auf dem ganzen Globus nicht nur hochkarätiges Arcade-Renngefühl, sondern auch an ein ständig neues, stets stylische Design gewöhnt. So begrüßt auch im aktuellen Colin McRae: DIRT den Spieler ein völlig neues Menü, welches in stilvoller Pyramidenform präsentiert wird.

Codemasters hat sich erneut viel einfallen lassen, um aus einem linearen Karriere-Pfad ein simples jedoch ansprechendes optisches Erlebnis zu machen. Neben der umfangreichen Karriere gibt es Solo-Modi wie Meisterschaften (unterschiedliche Rallye-Touren), und Rallye World (Einzelrennen und -events sowie Zeitfahrten) an. Mehrspieler haben die Möglichkeit, sich per System- oder Online-Link auszutoben. Das Herzstück von Colin McRae: DIRT stellt jedoch klar der Karriere-Modus dar. In diesem gilt es gut 70 teils mehrstufige Rennevents zu meistern, um ganz oben in der Weltklasse der Rallye-Fahrer einen Ehrenplatz zu erobern.

Awesome all the way
Insgesamt gibt es elf Stufen, welche jeweils mehr oder minder linear durchlaufen werden müssen, um weitere Strecken und Autos frei zu schalten. Innerhalb einer Stufe kann der Spieler jedoch selbst entscheiden, ob oder in welcher Reihenfolge
» Kein Rallye-Spiel ohne den berühmten Toyota Celica.
die Rennen bestritten werden sollen, es müssen nur genug Punkte errungen werden, um die nächsten Events frei zu schalten. Puristen mag dieses Abweichen von der vertrauten Rallye-Formel zu Beginn irritieren, dank der unterschiedlichen Events wird der Titel jedoch für Genre-Neueinsteiger deutlich zugänglicher. Praktisch: Man kann auch je Rennen den Schwierigkeitgraden wählen, je höher dieser ist, desto mehr klingelt es auch in der eigenen Kasse.

Neun unterschiedliche Offroad-Wettbewerbe erwarten den Spieler: Angefangen von der klassischen Rallye mit Heckantrieb, über die moderne Rallye mit Allrad und Rallye-Raid (Marathon-Rennen, die den Fahrzeugen in Sachen Robustheit alles abverlangen) bis zu Hill Climb (hochgezüchtete PS-Monster werden auf eine Bergstrecke losgelassen), bietet Colin McRae: DIRT auch weniger bekannte Varianten wie Zeitduelle oder Rallye-Cross-Veranstaltungen an. Bei letzteren muss man sowohl auf Asphalt als auch Offroad eine gute Linie finden. Abgerundet durch Buggie-Rundkurse ist wohl für jeden Geschmack etwas dabei. Stolze lizenzierte 45 Fahrzeuge und Trucks haben es in den PS3-Titel geschafft und sorgen für genug Auswahl in den einzelnen Rennklassen.

Only winners in this car
In Sachen Realismus bewegt sich Colin McRae: DIRT abermals deutlich mehr im Arcade- als im Simulationsbereich. Wer gerne sofort losbrettern will, kann ohne große Hintergedanken in eine Rallye einsteigen.
» Wer sagt, Brummi-Fahrer seien langsam?
Dies funktioniert auf dem ersten (der insgesamt fünf) Schwierigkeitsgrade völlig unkompliziert. Spätestens im vorletzten empfiehlt es sich das Setup des Autos (Bremsen, Gangschaltung sowie diverses Tuning) sorgfältig ab zu stimmen. Im höchsten schließlich gehört eine ausgiebige Trainingsfahrt zum Pflichtprogramm. Die Vielfalt an detaillierten Fahrzeugen beeindruckt und auch die Events sind unterschiedlicher denn je ausgefallen, denn beim Umfang hat sich Codemasters wirklich ausgetobt.

Dem Spieler stehen Offroad-Disziplinen sowie Meisterschaften in den Bereichen Rallye, Hill Climb, Rallye-Cross sowie Lang- und Rennstreckenevents (z.B. mit Buggies oder Trucks) zur Auswahl. Mal zieht man auf Asphalt mit einem Lotus seine Runden, ein anderes Mal durchpflügt der eigene Renn-LKW die Sahara oder das neu erworbene Rallye-Car schlängelt sich in engen Serpentinen einen Hochalpenpass hinauf. Die zahlreichen Originalstrecken stammen aus insgesamt zehn Ländern und wurden oftmals bis ins Detail nachgebildet. Hinzu kommt noch die stattliche Anzahl an freischaltbaren Fahrzeugen sowie knapp an die 200 wählbare Lackierungen.

Ride like the wind
In Sachen Grafik beeindrucken die detaillierten Landschaften und Autos. Das ausgeprägte Schadensmodell (optisch sowie physisch) sorgt für beste Rennatmosphäre. Dank der eingesetzten Grafik-Engine
» Darum heißt das Spiel auch DIRT.
rasen die Action geladenen Bilder auch in stabilen 60Hz daher. Die gute und schlechte Nachricht in Sachen Replays: Endlich darf auch zurück gespult (Crashes are fun!) werden, aber jemand hat auf den "Speichern"-Button vergessen. Die Steuerung via PS3-Controller wirkt manchmal schwammig, Realismus-Fans greifen also besser zu einem Force-Feedback-Lenkrad. Auch in Sachen Geräuschkulisse war Codemasters tüchtig: 7.1 Uncompressed Audio, Baby!

Die Wagen verfügen über indiviudelles Motorbrummen, jeder Untergrund hört sich anders an und ein Crash tut auch in den Ohren weh. Einzig der für ein Rallye-Spiel unpassende Kommentator stößt übel auf und dürfte wohl ein ziemlich plumper Marketing-Versuch sein, speziell US-Gamer anzusprechen. Leider kann der Mehrspieler-Modus weder in Sachen Umfang noch Spaß mit den Solo-Rennen mithalten: Einen Split-Screen-Modus gibt es nicht und somit bleiben nur System- und Online-Link übrig. Alle Rennen bestreitet man alleine auf der Strecke gegen die Bestzeiten der nicht sichtbaren Gegner. Gepaart mit nur geringer Variation der Rennevents vermag der Online-Modus kaum mitzureißen.
Pro
Beeindruckende Grafik
Ansprechende Präsentation
Lange Karriere / Schwierigkeitsgrade
Großer Umfang
Zugänglich für Neueinsteiger ...
Contra
... gewöhnungs- bedürftig für Puristen
Nerviger Kommentar
Unspektakulärer Online-Modus
Schwammige Steuerung
Fazit
Colin McRae: DIRT ist eines jener Spiele, bei denen eine Wertung überraschend schwer fällt. Aus technischer Sicht mausert sich der PS3-Titel nicht nur aufgrund der superben Grafik und der flotten Framerate sondern gerade wegen der stylischen Präsentation zum Kaufanwärter für Casual Gamer. Wären nicht die teils sehr befremdlichen Entscheidungen wie etwa der offensichtlich für den US-Markt aufgepeppte Co-Pilot/Kommentator und das Verwässern des bislang erfolgreichen Colin McRae-Rallye-Gameplays gefällt worden, so gäbe es klar eine Kaufempfehlung für alle. Fans der Reihe müssen jedoch besonders aufpassen, ob ihnen dieses "Jetzt mit neuer Formel"-Rallyespiel noch zusagt. Man muss Codemasters den Mut, nicht ständig das Selbe mit kleinen jährlichen Updates abzuliefern, aber hoch anrechnen. Einzig der schwachbrüstige Online-Modus hätte mehr Aufmerksamkeit verdient. Colin McRae: DIRT ist ein unpolierter Rohdiamant: Die Entwickler hatten das Herz am rechten Fleck und dabei kam ein unterhaltsames Rennspiel mit ein paar Kanten für Rallye-Puristen heraus.