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Master-Review:   » drucken    » versenden

Assassin's Creed

» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 25.11.2007
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Optisch packender Hypetitel mit spannender Story, jedoch nur unterdurchschnittlichem Gameplay.

Tod im Mittelalter*
Das Mittelalter war ein raues Pflaster. Gewalt, Kriege und Unterdrückung gehörten zum Alltag. Doch auch damals gab es bereits Menschen, die alles zum Besseren wenden, dem Volk Freiheit schenken und der Gewalt Einhalt
» Was führen die Templer im Schilde?
gebieten wollten. Doch diese Ziele waren nicht mit Diplomatie und großen Reden zu erreichen. Das wusste auch die Gilde der Assassine, für welche der Spieler in Assassin's Creed seinen Dienst verrichtet, indem er wichtigen Persönlichkeiten im Kampf um Macht und Geld den Garaus macht. Doch Moment mal, warum fängt der Titel in einem sterilen Labor an, in dem ein Wissenschaftler samt Assistentin den verwirrten Protagonisten befragen?

Die Antwort ist naheliegend und für einige Feudal-Fans wohl enttäuschend: Assassin's Creed spielt nicht im Mittelalter, sondern in der Gegenwart. In dieser haben Wissenschaftler heraus gefunden, dass die DNS des Menschen nicht nur Erbgut enthält, sondern auch Erinnerungen von Vorfahren beherbergt. Dank einer Maschine, dem Animus, können diese Erinnerungen durch eine Art Virtual Reality von den Trägern nacherlebt und schließlich aus diesen extrahiert werden. Klingt nach einer coolen Story, entpuppt sich auch als eine solche. Denn der Spieler ist genauso ratlos wie der Protagonist. Wer sind diese Wissenschaftler eigentlich? Was wollen sie mit den Erinnerungen eines Attentäters, der vor rund 1000 Jahren lebte? Warum scheint die Assistentin auf der Seite des Protagonisten zu stehen?

Von Jerusalem nach Damaskus
Fragen über Fragen, welche im Spielverlauf zu klären sind. Die meiste Zeit verbringt der Spieler im Animus und somit in den Erinnerungen des Attentäters Altairs, welcher sich im Auftrag der Assassine durchs
» Die Kämpfe sehen spektakulär aus.
Mittelalter mordet. Zwischendurch gibt es aber auch immer wieder kurze Passagen, in denen man sich in Adventure-Manier in einem begrenzten Bereich des Labors bewegen kann. Hier dürfen Nachforschungen über die mysteriösen Umstände angestellt werden, indem man sich ins Email-System hackt oder Gespräche mit der Assistentin des Wissenschaftlers führt.

Im Mittelalter hingegen darf man sich frei in einer großen, sehr detailliert gestalteten Umgebung bewegen. Insgesamt warten drei Städte - Jerusalem, Damaskus und Akko - darauf, vom Spieler unsicher gemacht zu werden. Außerdem sind die Umgebung zwischen diesen Städten sowie die Zitadelle der Assassinen frei erkundbar. Zunächst sind nur kleinere Bereiche der Metropolen begehbar, mit voranschreitendem Spielverlauf erhält man aber auch Zutritt zu den restlichen Zonen.

Große Welt – etliche Quests
Während Altair in der Zitadelle seine Hauptaufträge erhält, welche den Storyfaden fortspinnen, können in den anderen Bereichen der Spielwelt zahllose Nebenquests gestartet werden. Letztere sind nicht rein optional,
» Mittels Todessprung gelangt man blitzschnell zu Boden.
sondern dienen quasi als Vorbereitung für die Hauptquests. Die storyrelevanten Missionen erfordern nämlich das Töten bestimmter Zielpersonen, über die zunächst Informationen gesammelt werden müssen. Damit Nebenquests überhaupt sichtbar werden auf der Automap, muss man auf Aussichtsplattformen klettern, welche überall in den Städten verteilt sind. Anschließend werden alle Nebenmissionen im Umkreis eingeblendet und sind jederzeit startbar.

Durch diese lassen sich Infos auf verschiedene Weisen beschaffen. So tut man Informanten einen Gefallen, damit diese wichtige Infos freigeben oder belauscht Vertraute der Zielperson. Auch gibt es die Möglichkeit gewaltsam an Infos heran zu kommen indem bestimmte Personen einfach verprügelt werden. Des Weiteren gibt es Rettungs-Missionen, in welchen unbescholtene Bürger vor Wachen zu schützen sind. Dies artet immer in einen Kampf aus und bringt als Belohnung diverse Vorteile wie die Unterstützung durch Untergrund-Kämpfer oder Gelehrte, unter denen man perfekt untertauchen kann.

Intelligenz-Defizit im Mittelalter
Das Herumklettern in der Stadt, das Ausführen von Morden sowie Bestehlen und Auspressen von Verdächtigen bleibt natürlich nicht unbemerkt. Ein Statusindikator zeigt stets die Aufmerksamkeit von Wachsoldaten an
» Die Grafik ist atemberaubend, leidet aber unter Popups.
und gibt dem Spieler Aufschluss darüber, ob unauffälligeres Verhalten angesagt wäre. Bewegt man sich nur langsam oder gar in Gebetshaltung, nimmt Platz auf Banken oder mischt sich unter eine Gruppe Gelehrter, sinkt die Aufmerksamkeit der Wachen. Gezieltes Ausschalten einzelner Aufpasser durch den Einsatz von Wurfmessern oder den Armklingen kann das Entdecktwerden ebenfalls verhindert.

Sind die Wachen hinter einem her, sollte man sich aus deren Sichtweite bewegen und anschließend in einem Heuhaufen oder Dachgarten verstecken. Alternativ bleibt natürlich immer noch der Kampf. Leider wirkt das ganze System wenig realistisch. So gilt man auch als unauffällig, wenn man sich in Gebetshaltung über Häuserdächer bewegt. Taschendiebstähle werden nur äußerst selten bemerkt, auch wenn Wachen direkt daneben stehen. Und beim Verstecken kommen feindliche Soldaten gar nicht erst darauf, den neben ihnen stehenden Heuhaufen oder Dachgarten auch nur anzusehen. Ein schwer bewaffneter Assassine zwischen vier Gelehrten ist natürlich ebenfalls vollkommen unauffällig ...

Trigger Happy in purer Monotonie
Doch das Versteck-System ist noch das kleinste Problem, mit dem Assassin's Creed zu kämpfen hat. Viel schlimmer ist der ständig gleiche Spielablauf sowie die sich wiederholenden und an sich langweiligen
» Die Spielwelt wirkt lebendig, bietet sonst aber nicht viel.
Nebenquests. Nach dem sehr guten Auftakt driftet das Programm in pure Monotonie ab. Ständig klettert man auf Aussichtstürme, beschafft sich auf immer gleiche Weise seine Infos und setzt schlussendlich zum Anschlag auf das aktuelle Hauptziel an, was ebenfalls immer nach einem sehr ähnlichen Muster abläuft. So weicht das Erstaunen über die optisch – abgesehen vom Tearing, Popups und fehlerhaft dargestellten Schatten – prachtvoll inszenierte Spielwelt schnell purer Ernüchterung.

Auch das eigentliche Gameplay weiß nicht zu überzeugen. Das Klettern erfordert kaum Geschicklichkeit. So muss man lediglich die Buttons RT und A gedrückt halten und Altair erklimmt vollautomatisch auch den höchsten Turm, während man mit dem linken Analogstick grob die Richtung vorgibt. Sprünge sowie Balanceakte geschehen auf die selbe simple Art und Weise. Timing oder gar echter Skill wird vom Spieler nicht abverlangt. Immerhin ist das Ganze aufgrund der tollen Animationen gut anzusehen. Ebenso simpel und optisch spektakulär: Die Kämpfe. Auch hier erfordert das Game kaum Eingaben vom Spieler sondern lediglich das Kontern und Angreifen per X-Button im richtigen Moment, was die Fights bereits nach kurzer Zeit spielerisch öde werden lässt.
Pro
Gelungener Auftakt
Spannende Story
Tolle Grafik und detaillierte Spielwelt
Contra
Extrem monotones Gameplay
Unglaubwürdiges Gegnerverhalten
Schwache Quests
Spielt sich wie von alleine
Ödes Kampfsystem
Tearing und Popups
Fazit
Grafikblender. Hypetitel. Verschenktes Potenzial. All dies trifft auf Assassin's Creed leider nur all zu gut zu. Was hier an Möglichkeiten verschenkt wurde, tut beim Spielen richtig weh. Denn nach dem wirklich guten Start verliert sich der Titel bereits nach wenigen Spielstunden in totaler Monotonie und erfordert ständig nur das Gleiche vom Spieler. Anspruchsvolle Zockernaturen werden darüber hinaus nur wenig Spaß am fast automatisch ablaufenden Klettern und den extrem simplen Fights haben. Man hat fast das Gefühl, das Game spielt sich von selbst. Und auch das Schleichen und Verstecken ist aufgrund der äußerst unglaubwürdigen KI nicht wirklich gelungen und lässt die Finesse eines Metal Gear Solid oder Splinter Cell-Titels vermissen. Was bleibt ist ein optisch beeindruckendes Game mit einer detaillverliebten und lebendig wirkenden Welt. Auch die spannende Story motiviert zum Weiterspielen und hält so einige Überraschungen für den Spieler bereit. Wer also über ein insgesamt schwaches, sich ständig wiederholendes Gameplay hinwegblicken kann, der darf Assassin's Creed eine Chance geben. Alle anderen sparen ihr Geld für die etlichen anderen Topspiele dieser Tage.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action • Action-Adventure
Publisher
Ubisoft
Entwickler
Ubisoft Montrea...
Website
www.assassinscr...
Release
16. November 2007
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