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Devil May Cry 4  
» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 09.02.2008
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Pompös inszenierte Fortsetzung mit zweispältigem Charakterwechsel und dreistem Level- und Boss-Recycling.

Nieder mit den Dämonen!
Aus Konzeptentwürfen zu Resident Evil 4 ging im Jahre 2001 ein Action-Hit für die PlayStation 2 hervor, der das Wort "cool" neu definieren sollte. In Devil May Cry metzelte man sich mit Halb-Dämon Dante in
» Wilde Monster erwarten euch.
nie zuvor gesehener Coolness, Geschwindigkeit und Komplexität durch anrückende Teufelshorden. Während Teil 2 bei Fans gnadenlos durchfiel, setzte der dritte Teil abermals neue Standards im Action-Adventure-Genre. Jetzt kehrt der wohl bekannteste Teufelsjäger der Videospielgeschichte zurück und will beweisen, dass gerade Zahlen im Titel nicht automatisch verminderte Qualität bedeuten.

Doch bevor man mit Dante spielen darf, liegt der Fokus auf einem neuen Helden: Jungspund Nero sieht Dante nicht nur zum Verwechseln ähnlich, sondern verfügt ebenfalls über übernatürliche Kräfte, krasse Kampfmoves und eine ganze Palette dummer Sprüche. Ob da wohl ein Zusammenhang zwischen den beiden Protagonisten besteht? Die ersten elf der insgesamt 20 Missionen schlüpft man in die Rolle des Neulings im DMC-Universum. Eine zwiespältige Angelegenheit: Einerseits hebt sich Neros Kampfstil zwar wohltuend von Dantes ab, andererseits werden langjährige Fans der Reihe ihren Lieblingshelden vermissen.

Heldenwechsel
Da an Nero jedoch kein Weg vorbei führt, sollte man sich mit ihm und seinem Kampfstil vertraut machen. Im langen, spektakulären Intro erfährt man, dass der neue Held eine Art Ritter eines Glaubenskultes ist.
» Besser schnell weg!
Als eine heilige Zeremonie jäh durch Dantes Auftreten beendet wird, macht sich Nero auf die Jagd nach diesem, um ihn zur Rede zu stellen. Dabei erfährt er allerdings einige unschöne Dinge über seinen Kult und beginnt langsam aber sicher an dessen Motiven zu zweifeln.

Erzählt wird die spannend inszenierte, zum Ende hin aber immer hohler wirkende Geschichte in spektakulären Zwischensequenzen. Extrem durchgestylten Aktionen, lässige Sprüche und unmögliche Moves der Protagonisten sind immer noch mit von der Party, zeigen sich allerdings etwas bodenständiger als im maßlos überdrehten dritten Teil. Inhaltlich sollten sich alte Hasen der Serie allerdings nichts erwarten. Bezug auf die Teile 1+3 gibt es kaum und auch alte Charaktere wie Lady und Trish spielen vollkommen unwichtige Rollen.

Neue Tricks mit neuem Helden
Am eigentlichen Gameplay hat sich kaum etwas geändert. Nach wie vor rennt man mit seinem Helden durch gut designte Levels, löst kleinere Rätsel, kloppt zahllose bösen Dämonen und stellt sich am Ende der meisten Missionen
» Die meisten Bosse müssen 3x bezwungen werden.
einem Boss. Veteranen werden sich aber zunächst an Neros Kampfstil gewöhnen müssen. Zwar ähneln einige grundlegende Moves denen von Dante, insgesamt ist er aber etwas behäbiger unterwegs und vor allem bei den fortgeschrittenen Kampfmanövern treten gravierende Unterschiede zu Tage.

So verfügt Nero nicht wie Dante über Stile, die seine Waffenangriffe beeinflussen. Statt dessen besitzt er neben Schwert und Pistole einen Dämonenarm, mit dem er Gegner zu sich heranziehen oder eine vorgescriptete Aktionen auslösen kann. Diese fällt bei jedem Feind anders aus. Einige werden durch die Luft geschleudert, andere aufs Übelste verdrescht. Darüber hinaus kann man sich mittels Dämonenarm über Abgründe schwingen oder entfernte Items einsacken. Und auch Neros Schwert hält eine Überraschung bereit. Mittels L2-Trigger ist es möglich, dieses in Brand zu setzen, um besonders verheerende Attacken auszuführen.

Play it again, Dante
Fertigkeiten werden nicht mehr durch rote Kugeln erworben, sondern durch stolze Seelen, welche basierend auf Level-Rankings verteilt werden. Diese Art Note errechnet sich aus Kampfeffektivität, benötigter Zeit,
» Meistens hat man es mit vielen Gegnern zu tun.
gesammelten Kugeln sowie verschiedenen Boni und Strafen – beispielsweise für das Benutzen eines Continues oder Verbrauchen von Items. Levels dürfen glücklicherweise jederzeit wiederholt werden, um mehr solcher Seelen zu sammeln. Diese sind anschließend in neue Moves investierbar und können jederzeit durch deaktivieren des Skills wieder zurückgeholt werden.

So weit so gut. Leider waren die Entwickler bei Dantes Abschnitten in der zweiten Spielhälfte extrem faul. Statt auch dem Ex-Haupthelden neue Levels, Rätsel und Bosse zu bestreiten, durchquert man lediglich sämtliche mit Nero besuchten nochmals – dieses Mal in umgekehrter Reihenfolge. Und zwar ohne die zuvor gelungenen Rätseleinlagen. Statt dessen wurden die Levels mit Zeitlimits, ständig sinkender Lebensenergie sowie einer extrem nervigen Teleporterpassage versehen. Als wenn das nicht bereits genug wäre, muss man sich nochmal den gleichen Bossgegnern stellen – was übrigens doppelt nervig ist, da man auch in Devil May Cry 4 nicht auf den obligatorischen Boss-Marathon kurz vor Ende verzichten wollte. Dort muss man sich dann zum dritten Mal den meisten Bossen des Spiels stellen.

Höllisch gute Technik
Abgesehen von diesem extrem dreisten Level- und Bossrecycling spielt sich Dante gut wie eh und je. Seine vier Kampfstile, welche jeweils spezielle Extramoves bereit halten, können nun
» Die Zwischensequenzen rocken!
jederzeit per Digi-Kreuz gewechselt werden. An neue Waffen haben die Entwickler ebenfalls gedacht: Die Schusswaffe Pandora kann sich in einen riesigen Laser oder Raketenwerfer verwandeln, während die Nahkampfwaffe Lucifer Feinde mit Nadeln malträtiert. Leider haben es von den alten Waffen nur das Schwert Rebellion, die Nahkampfhandschuhe Ifrit sowie die Pistolen und Schrotflinte ins Spiel geschafft.

Wo Devil May Cry 4 in der zweiten Spielerhälfte große Ärgernisse bereit hält, ist die technische Umsetzung hingegen durchgehend gelungen. Abgesehen von einer über 20 Minuten langen Installation gibt es nämlich nichts zu meckern. Die Ladezeiten sind schnell, die Grafik sowohl vom technischen als auch künstlerischen Standpunkt aus hervorragend und der Sound mit seinen rockigen Tracks sowie wuchtigen Effekten ein Genuss. Wer den dritten Teil zu schwer fand wird sich übrigens über (optionale) leichteren Schwierigkeitsgrade sowie ein Continue-System via Checkpoints freuen. Level-Rankings dürfen darüber hinaus nun via Online-Ranglisten mit anderne Spielern verglichen werden - zum Wohlgefallen aller Highscore-Junkies.
Pro
Nach wie vor absolut geniales Kampfsystem
Bombige Bossfights
Technisch auf höchstem Niveau
Zwei spielbare Charaktere
Die erste Spielhälfte ...
Contra
... die zweite Spielhälfte
Extrem dreistes Level- und Bossrecycling
Enttäuschende Story
20+ Minuten Installation
Fazit
Okay, Capcom, was soll der Mist mit dem extremen Level- und Bossrecycling? Dass man in euren Spielen gegen Ende alle Bosse nochmals bekämpfen muss, ist ja nichts Neues. Dass nun aber bereits nach der Hälfte des Spiels sämtliche Levels nochmals recyclet werden und die meisten Bosse gleich drei Mal vorkommen, geht einfach zu weit! Da hättet ihr euch die Dante-Abschnitte auch ganz sparen und den coolen Dämonenjäger einfach als Bonus-Charakter anbieten können. So wirkt es nämlich einfach nur aufgesetzt und vor allem langweilig. Was bleibt sind 50% Topspiel, 50% Recycling eines Topspiels plus eine geniale Inszenierung, fette Technik und ein nach wie vor absolut geniales Kampfsystem. Insgesamt also trotz allem Ärger noch eine Empfehlung für Action-Fans – auch wenn der Titel qualitativ meilenweit hinter dem grenzgenialen dritten Teil zurückfällt. Ich als großer Fan der Serie bin jedenfalls sehr enttäuscht. Übrigens nicht zuletzt wegen der zum Ende hin immer hohler werdenden Geschichte ohne echten Bezug auf die Teile 1 und 3. Gerade Zahlen im Titel scheinen der Serie einfach nicht zu bekommen – hoffen wir also auf Teil 5!