Wenig ambitionierte, jedoch solide sowie unterhaltsame Arcade-Tennis-Action für die PS3.Virtua Tennis 2 war wohl jener Spielhallenklassiker, der in den letzten Jahren am fleißigsten mit Credits gefüttert wurde. Pfiffiges Gameplay, großartige Präsentation sowie lizenzierte Namen aller Größen des Tennis-Sports ließen bei Fans die Herzen höher schlagen und bei
Sega die Kassen ordentlich klingeln. Dass es nur eine Frage der Zeit war, bis die Reihe den Sprung auf PS3 und Xbox 360 machte, lag auf der Hand. Ob das aktuelle
Virtua Tennis 3 den bereits beeindruckenden zweiten Teil abermals überflügeln kann, klärt unser
Master-Review im folgenden Tie Break.
Never change a winning franchise Bereits der zweite Teil der Reihe besaß, bis auf seltsame Macken (z.B. nur 1 Satz-Matches, die es jetzt zum Glück nicht mehr gibt) eine sehr unterhaltsame Gameplay-Formel und zählt
» Auf dem heiligen Rasen. |
auch heute noch zu den besten Titeln des Genres. Größte Neuerung im dritten Ableger der Erfolgsserie stellt der
World Tour-Modus dar. Mit dem überschaubaren Charakter-Editor darf nach Herzens Lust ein eigener Tennis-Crack kreiert werden, der sogleich beginnt, die Weltrangliste von Platz 300 an aufzurollen. Apropos Weltrangliste: An die
20 Profi-Spieler sind lizenziert, also den Vorbildern wie Federer oder Nadal nachempfunden und stehen für heiße Matches zur Verfügung.
Im Laufe der Karriere bestreitet das eigene Tennis-Ass Turniere in allen Herren Länder. Die Arenen wie etwa von den Wimbledon Championships oder Roland Garros zeichnen sich dabei mit
viel Liebe zum Detail aus. Man merkt auch deutlich die Spuren des Spielhallenautomaten, wobei die Schauplätze fast noch schöner als in der Arcade-Version aussehen. Interessanterweise hat Entwickler
AM2 ausbaufähige Skills integriert, die aber nicht durch die Matches, sondern (teils extrem absurde/witzige) Mini-Games aufgebaut werden müssen. Somit verfügt
Virtua Tennis 3 über einen kleinen Simulationscharakter, der dem Titel sehr gut steht.
Lop Wars am Centre Court Die Spielereigenschaften wie z.B. Zielgenauigkeit steigert man durch Umschießen von Kegel, während Schnelligkeit durch Ausweichen vor Riesentennisbällen inkl. Aufsammeln von überdimensionalen Erdbeeren
» Fruchtige Mini-Games direkt aus Japan. |
(Japan lässt grüßen) trainiert wird. Die Idee,
Curling und Tennis in einem Mini-Spiel zu verbinden, sprengt sowieso jede Vorstellungskraft und stellt puren Humor dar. Dadurch wird die teils montone Karriere jedoch abermals gestreckt, was den Spielspaß etwas dämpft. Beim Gameplay hingegen zeigt
Virtua Tennis 3 serientypische Stärken und Schwächen. Zu den Highlights zählen sicherlich die
heißen Grundlinienduelle sowie die diversen Bewegungsanimationen, an denen man sich kaum satt sehen kann. Sie sind überaus flüssig und sehr real ausgefallen, darüber hinaus gibt es davon vielfältige Varianten.
Der Arcade-Titel von
Sega krankt jedoch erneut an genau den gleichen Stellen, wie der direkte Vorgänger. Ans Netz vorzurücken und einen schönen Volley zu platzieren gelingt äußerst selten bzw. gestaltet sich unverhältnismäßig schwierig für ein ansonsten recht einfach zu beherrschendes Gameplay. Lops sind immer noch die
Secret Weapons of the Tennis Luftwaffe, denn mit diesen kann man sich aus (fast) jeder misslichen Lage - viel zu billig - befreien. Wer im Multiplayer-Modus, für bis zu vier Spieler, schon einmal probiert hat, nur Lops zu spielen, weiß wovon hier die Rede ist - sieht jedenfalls verdammt komisch aus.
Technisch knapp am Doppelfehler vorbei Zwar spendierten die Entwickler eine
stabile Framrate und eine 1080p-Auflösung, die sich auf jeden Fall sehen lassen kann, doch rund um das eigentliche Spielgeschehen hat sich leider herzlich wenig getan.
Die paar zaghaften Versuche von
Sega, etwas mehr Leben in die Bude zu bringen, scheitern durch die Bank. Die Charaktere mögen real aussehen, jedoch auf den zweiten Blick fallen viele unschöne Kanten, Grafikschnitzer und Ungereimtheiten auf. Die Arenen sind top modelliert, aber die Spieler sehen eher verunstaltet denn echt aus. Dazu gesellen sich noch aufgesetzt wirkende Zwischensequenzen, die wie
Dialoge zwischen Zombies aus diversen Survival-Horror-Titeln wirken. Etwas mehr Feinschliff wäre hier unbedingt angebracht gewesen.
Über die Möglichkeit den
Sixaxis-Controller der PS3 per Bewegungssensor zur Steuerung der Tennis-Profis zu verwenden sollte man auch lieber kein Wort verlieren - funktioniert nämlich in dieser Form nur unbefriedigend und man kehrt innerhalb von Minuten zum gewohnten (und sehr guten) Steuerschema zurück. Zwar verfügt die PS3-Version über einen spaßigen Offline-Mehrspieler-Modus, doch wer online zocken möchte, schaut durch die Finger. Umso mehr verwunderlich, wenn man sich vor Augen führt, dass die inhaltlich identische Xbox 360-Fassung sehr wohl via Xbox Live umfangreiche Online-Funktionalität bietet.
Sega muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass hier die PS3-Kunden benachteiligt wurden.