Grafisch beeindruckende, kurzweilige Umsetzung des Automaten-Klassikers.
Es war einmal vor gut zehn Jahren Man mag es kaum glauben, aber das originale
Sega Rally feierte 1995 den Einstand als Spielautomat. Videospielkonsolen konnten damals noch nicht mit der Grafik der Arcade-Fassungen mithalten und das herrlich
» Ob der Dreck jemals wieder rausgeht? |
unkomplizierte Rasen wurde schnell zum Markenzeichen. Wahrscheinlich gibt es heute keine nennenswerte Spielhalle, die nicht zumindest ein paar Sega Rally-Automaten besitzt. Der zweite Teil der Reihe sorgte auf der glücklosen Dreamcast-Konsole für ordentlich Furore, während die noch nicht einmal so alte PS2-Fassung eher schwachbrüstig ausfiel.
Sega veröffentlichte eine neue Version für PlayStation 3 und Xbox 360 (übrigens auch auf PC) und die Entwickler haben sich einiges einfallen lassen, um die verwöhnte Kundenschaft zu beeindrucken. Die große Neuerung in
Sega Rally stellt das Streckendesign dar, welches
"Dynamically Deformable Terrain" bietet. Dass sich die Rennstrecken aufgrund von z.B. Bremsspuren optisch verändern, kennt man auch von anderen Titeln, hier gibt es jedoch ein besonderes Gusto-Stückerl. Jedes Auto hinterlässt im Untergrund eine Spur und das Terrain verformt sich strukturell. So kann es sein, dass man in jeder Runde eine
neue Ideallinie suchen muss.
Sega = Super Einfaches GAmeplay Es ist faszinierend, welche
Gameplay-Vielfalt man aus dem gleichen Genre heraus kitzeln kann. Während bei
Colin McRae: DIRT jeder Fahrfehler einen Sekunden langen Ausritt in die Botanik bedeutet,
» Die Winterstrecken sind eine Wucht. |
fährt sich
Sega Rally schlauchartig mit engen Grenzen. Wer dem Straßenrand auch nur nahe kommt, verliert geringfügig Geschwindigkeit und wird regelrecht zurück bugsiert. Unsichtbare Grenzen verhindern selbst das geringste Abkommen von der Fahrbahn. Ein Schadensmodell oder gar mehrstufige Setups, abgesehen von den zwei Grundeinstellungen für Rally- oder Straßenrennen, sucht man bei
Sega Rally vergeblich.
Vielmehr setzten die Entwickler klar auf
unbeschwertes und unkompliziertes Arcade-Gameplay. Man braust über knallbunte Rennstrecken auf der ganzen Welt,
der Dreck spritzt nur so, dass es eine Freude ist und alle haben einen Grinser im Gesicht. Hört sich im Grunde wie die
Sega Rally-Games der letzten Jahre an? Mitnichten, denn
Sega hat ein paar komplett neue Dinge aus dem Hut gezaubert. Dank der
"Dynamically Deformable Terrain"-Technik hinterlassen die Autos Fahrspuren im Untergrund der Strecke. Bei der nächsten Runde kann es schon sein, dass die Kurve aufgrund der
Bodenverformungen spürbar anders zu nehmen ist. Ohne Rumble wirkt dies jedoch nicht so gut wie bei der Xbox 360-Fassung.
Rallye racing is just brilliant fun Neben den obligaten Einzel- und Zeitrennen bietet
Sega Rally für Solo-Spieler eine Karriere namens
Championship Mode an. Je nach Autoklasse (Premier, Modified sowie Classics) gilt es verschiedene
» Furchenziehen einmal anders. |
Meisterschaften mit jeweils drei Rennen zu absolvieren. Diese Rennevents sind nicht trennbar, d.h. man muss stets
alle Rennen komplett bestreiten um zum Schluss eine Wertung zu erhalten. Bei Erfolg winken weitere Strecken, Autos sowie neue Lackierungen. Insgesamt ist die Karriere
in Sachen Umfang nicht all zu üppig, jedoch fällt der
Schwierigkeitsgrad knackig aus. Nicht nur, dass die KI-Gegner ziemlich (fast schon zu) aggressiv fahren, sie machen auch kaum Fehler.
Mehrspieler-Fans kommen ebenfalls auf ihre Kosten.
Sega Rally bietet einen
Offline Head-to-Head-Modus via Splitscreen und dank PSN kann man auch Online-Partien bestreiten. Bis zu
sechs Spieler dürfen gleichzeitig an Rennevents teilnehmen - ein klares Plus gegenüber der Konkurrenz aus dem Hause
Codemasters. Das Online-Gameplay fiel erfreulich flott aus und Lags machten sich keine bemerkbar. Als besonderen Leckerbissen können auch Ghost Cars (Renndaten von anderen Benutzern) herunter geladen werden, um gegen diese anzutreten. Online-Gameplay mag vielleicht nicht der primäre Fokus von
Sega Rally sein, dafür ist jedoch alles technisch solide.
Regenbogen-Rallye Optisch macht der PS3-Titel einen
sehr guten Eindruck, einziger Wermutstropfen ist die mit
knapp 30Hz etwas langsame Framerate. Die (fast arg wenigen) Strecken sind abwechslungsreich und überzeugen
» Sega Rally-Markenzeichen: Toyota Celica. |
aufgrund von
hervorragender, kräftiger Farbpalette und viel Liebe zu teils absurden aber spaßigen Details. So brausen manchmal Jets mit farbigem Rauch über die Rallye-Strecke oder in den Alpen flitzt ein Zug über den Bahnübergang u.v.a. Spielereien runden das erfreulich authentische Spielhallen-Flair hervorragend ab. Besonders beeindrucken die
Schlamm- und Dreckspritzer auf den Fahrzeugen, die fantastisch "dreckig" aussehen und im Laufe des Rennens deutlich zu- und abnehmen.
In Sachen Musik bekommt man zwar den dem Original aus der Spielhalle gut nach empfundenen Soundtrack, allerdings gibt es zuhause keine laute Jubel-Trubel-Hintergrundgeräuschkulisse eines echten Automaten. Das
Rock-Synthie-Gedudel tut auf Dauer jedenfalls mehr weh als eine ausgewachsene Zahnwurzelbehandlung. Da die PS3 keinen Custom Soundtrack anbietet, bleibt nur eines: Die Musiklautstärke zurück drehen und eine eigenen CD in der Hifi-Anlage mitlaufen lassen. Der restliche Klangteppich von Motoren, Brems- und Beschleunigungsmanövern sowie diversen Fahrgeräuschen auf unterschiedlichem Terrain stimmt aber wieder versöhnlich.