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Sega Rally

» Autor: Georg Gruber
» Datum: 20.10.2007
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Grafisch beeindruckende, kurzweilige Umsetzung des Automaten-Klassikers.

Es war einmal vor gut zehn Jahren
Man mag es kaum glauben, aber das originale Sega Rally feierte 1995 den Einstand als Spielautomat. Videospielkonsolen konnten damals noch nicht mit der Grafik der Arcade-Fassungen mithalten und das herrlich
» Ob der Dreck jemals wieder rausgeht?
unkomplizierte Rasen wurde schnell zum Markenzeichen. Wahrscheinlich gibt es heute keine nennenswerte Spielhalle, die nicht zumindest ein paar Sega Rally-Automaten besitzt. Der zweite Teil der Reihe sorgte auf der glücklosen Dreamcast-Konsole für ordentlich Furore, während die noch nicht einmal so alte PS2-Fassung eher schwachbrüstig ausfiel.

Sega veröffentlichte eine neue Version für PlayStation 3 und Xbox 360 (übrigens auch auf PC) und die Entwickler haben sich einiges einfallen lassen, um die verwöhnte Kundenschaft zu beeindrucken. Die große Neuerung in Sega Rally stellt das Streckendesign dar, welches "Dynamically Deformable Terrain" bietet. Dass sich die Rennstrecken aufgrund von z.B. Bremsspuren optisch verändern, kennt man auch von anderen Titeln, hier gibt es jedoch ein besonderes Gusto-Stückerl. Jedes Auto hinterlässt im Untergrund eine Spur und das Terrain verformt sich strukturell. So kann es sein, dass man in jeder Runde eine neue Ideallinie suchen muss.

Sega = Super Einfaches GAmeplay
Es ist faszinierend, welche Gameplay-Vielfalt man aus dem gleichen Genre heraus kitzeln kann. Während bei Colin McRae: DIRT jeder Fahrfehler einen Sekunden langen Ausritt in die Botanik bedeutet,
» Die Winterstrecken sind eine Wucht.
fährt sich Sega Rally schlauchartig mit engen Grenzen. Wer dem Straßenrand auch nur nahe kommt, verliert geringfügig Geschwindigkeit und wird regelrecht zurück bugsiert. Unsichtbare Grenzen verhindern selbst das geringste Abkommen von der Fahrbahn. Ein Schadensmodell oder gar mehrstufige Setups, abgesehen von den zwei Grundeinstellungen für Rally- oder Straßenrennen, sucht man bei Sega Rally vergeblich.

Vielmehr setzten die Entwickler klar auf unbeschwertes und unkompliziertes Arcade-Gameplay. Man braust über knallbunte Rennstrecken auf der ganzen Welt, der Dreck spritzt nur so, dass es eine Freude ist und alle haben einen Grinser im Gesicht. Hört sich im Grunde wie die Sega Rally-Games der letzten Jahre an? Mitnichten, denn Sega hat ein paar komplett neue Dinge aus dem Hut gezaubert. Dank der "Dynamically Deformable Terrain"-Technik hinterlassen die Autos Fahrspuren im Untergrund der Strecke. Bei der nächsten Runde kann es schon sein, dass die Kurve aufgrund der Bodenverformungen spürbar anders zu nehmen ist. Ohne Rumble wirkt dies jedoch nicht so gut wie bei der Xbox 360-Fassung.

Rallye racing is just brilliant fun
Neben den obligaten Einzel- und Zeitrennen bietet Sega Rally für Solo-Spieler eine Karriere namens Championship Mode an. Je nach Autoklasse (Premier, Modified sowie Classics) gilt es verschiedene
» Furchenziehen einmal anders.
Meisterschaften mit jeweils drei Rennen zu absolvieren. Diese Rennevents sind nicht trennbar, d.h. man muss stets alle Rennen komplett bestreiten um zum Schluss eine Wertung zu erhalten. Bei Erfolg winken weitere Strecken, Autos sowie neue Lackierungen. Insgesamt ist die Karriere in Sachen Umfang nicht all zu üppig, jedoch fällt der Schwierigkeitsgrad knackig aus. Nicht nur, dass die KI-Gegner ziemlich (fast schon zu) aggressiv fahren, sie machen auch kaum Fehler.

Mehrspieler-Fans kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Sega Rally bietet einen Offline Head-to-Head-Modus via Splitscreen und dank PSN kann man auch Online-Partien bestreiten. Bis zu sechs Spieler dürfen gleichzeitig an Rennevents teilnehmen - ein klares Plus gegenüber der Konkurrenz aus dem Hause Codemasters. Das Online-Gameplay fiel erfreulich flott aus und Lags machten sich keine bemerkbar. Als besonderen Leckerbissen können auch Ghost Cars (Renndaten von anderen Benutzern) herunter geladen werden, um gegen diese anzutreten. Online-Gameplay mag vielleicht nicht der primäre Fokus von Sega Rally sein, dafür ist jedoch alles technisch solide.

Regenbogen-Rallye
Optisch macht der PS3-Titel einen sehr guten Eindruck, einziger Wermutstropfen ist die mit knapp 30Hz etwas langsame Framerate. Die (fast arg wenigen) Strecken sind abwechslungsreich und überzeugen
» Sega Rally-Markenzeichen: Toyota Celica.
aufgrund von hervorragender, kräftiger Farbpalette und viel Liebe zu teils absurden aber spaßigen Details. So brausen manchmal Jets mit farbigem Rauch über die Rallye-Strecke oder in den Alpen flitzt ein Zug über den Bahnübergang u.v.a. Spielereien runden das erfreulich authentische Spielhallen-Flair hervorragend ab. Besonders beeindrucken die Schlamm- und Dreckspritzer auf den Fahrzeugen, die fantastisch "dreckig" aussehen und im Laufe des Rennens deutlich zu- und abnehmen.

In Sachen Musik bekommt man zwar den dem Original aus der Spielhalle gut nach empfundenen Soundtrack, allerdings gibt es zuhause keine laute Jubel-Trubel-Hintergrundgeräuschkulisse eines echten Automaten. Das Rock-Synthie-Gedudel tut auf Dauer jedenfalls mehr weh als eine ausgewachsene Zahnwurzelbehandlung. Da die PS3 keinen Custom Soundtrack anbietet, bleibt nur eines: Die Musiklautstärke zurück drehen und eine eigenen CD in der Hifi-Anlage mitlaufen lassen. Der restliche Klangteppich von Motoren, Brems- und Beschleunigungsmanövern sowie diversen Fahrgeräuschen auf unterschiedlichem Terrain stimmt aber wieder versöhnlich.
Pro
Farbenkräftige Optik
Leicht zugängliches Gameplay
Tolles Spielhallen-Flair
Terrain-Verformungen wirken sich aus
Solide Online-Anbindung
Aggressive Gegner ...
Contra
... die teils unfair sind
Kaum Wiederspielwert
Wenige Strecken
Nur 30Hz-Framerate
Nerviger Soundtrack
Kein Rumble
Fazit
Mit Sega Rally und Colin McRae: DIRT sind gleich zwei gute Rallye-Titel innerhalb kurzer Zeit erschienen. Sega führt mit diesem reinrassigen Arcade-Racer vor, dass, obwohl es in der Realität vielleicht immer weniger Spielhallen geben mag, das Spielprinzip dieser jedoch noch lange nicht obsolet ist. Die Entwickler haben das besondere Flair der Automatenversion gut auf die Wohnzimmerkonsole übertragen: Das Renngeschehen wirkt hektisch, die Steuerung durchaus herausfordernd und Gegner sind (fast schon zu) aggressiv. Technisch und optisch hat sich Sega ordentlich ins Zeug gelegt und der PS3-Titel macht eine sehr gute Figur. Einzige Kritikpunkte stellen die lahme 30Hz-Framerate und die ausgelutschte Hintergrundmusik dar. Auch die Abwechslung (Wiederspielwert!) kommt etwas zu kurz - nicht zuletzt weil es nur eine Handvoll an Strecken zur Auswahl gibt. Auch Rumble vermisst man auf der PS3 schmerzlich, gerade weil das "Furchenziehen" im Terrain so große Bedeutung hat. Der Online-Modus mag zwar keine Offenbarung sein, fällt jedoch solide und vor allem lagfrei aus. Wer auf der Suche nach einem leicht zugänglichen Arcade-Racer ist, sollte auf jeden Fall bei Sega Rally ins Cockpit steigen.
Infos
Erhältlich für
Genre
Racing
Publisher
Sega
Entwickler
Sega
Website
rally.sega-euro...
Release
28. September 2007
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80
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