Ironischerweise bricht dem Spiel genau dessen Kernstück das Genick: Die Bedienung.Seit Ankündigung des Controllers des Nintendo Wii stellen sich Fans weltweit die Frage, wie sich wohl bekannte Genres mit dem neuartigen Steuerungskonzept bedienen lassen. Besonderes Potenzial sah man in der Steuerung von Egoshootern, welche mit Hilfe der Wiimote weitaus "realistischer" rüberkommen sollen. Nach langen Ankündigungen, viel Werberummel und wildesten Spekulationen ist nun mit
Red Steel pünktlich zum Launch der erste Ego-Shooter erhältlich. Ob das neue Konzept aufgeht, zeigt unser
Master-Review.
Von japanischen Geliebten und der YakuzaEigentlich wollte Protagonist
Scott nur den Vater seiner japanischen Freundin
Miyu kennen lernen. Doch dummerweise hat es ein Yakuza-Clan auf diesen und seine hübsche Tochter abgesehen, um ein antikes,
» Feuer frei auf der Wii! |
sehr wertvolles Schwert, das
Katana-Giri, zu erpressen. Noch bevor er sich versieht, gerät der smarte Besucher aus dem Westen zwischen den Fronten verfeindeter
Yakuza-Clans, muss den Umgang mit dem Schwert lernen und ballert sich seinen Weg durch Japan. Selbstverständlich wird dem Spieler die Ehre zu Teil, den wortkargen Helden auf seinem
bleihaltigen Weg zu begleiten und dabei allerlei Gangster ins Jenseits zu schicken.
Genre-getreu geht es natürlich zunächst einmal eher seicht zur Sache. Mit leichter Pistolenbewaffnung setzt man sich zunächst gegen wenige Gegner zu Wehr und lernt die Steuerung. Erst im Verlauf des Spiels findet man
immer stärkere Schießprügel sowie
Schwerter und setzt sich gegen immer hartnäckigere und zahlenmäßig überlegene Feinde zur Wehr. Das Setting erinnert stark an alte Ballerstreifen aus Fernost. Hauptsächlich dienen Straßen, Fabriken, Lagerhallen und Villen als Kulisse für die wüsten Schusswechsel. Die
öde 08/15-Story wird dabei in
überlangen Ingame-Dialogen und
Max Payne-ähnlichen
Comic-Sequenzen erzählt, was den Spielfluss oft unnötig ausbremst.
Optisch Last-GenDie Optik befindet sich auf hohem PlayStation 2-Niveau, doch selbst auf Sonys altehrwürdiger Konsole gibt es Ego-Shooter, die besser aussehen als Red Steel -
Black zum Beispiel. Dennoch weiß die Grafik in
» Gut gekontert ist halb gewonnen. |
einem Bereichen besonders zu punkten: Die
hochgradig zerstörbaren Umgebungen sorgen für ein intensives Schießerei-Feeling. Hier kracht und splittert es an jeder Ecke, Gastanks gehen in schicke Feuerbälle auf und Gegner fliegen meterweit durch die Lüfte. Unterstrichen wird die dichte Atmosphäre von einem
tollen Sound: Brachiale Effekte, fetzige Hintergrundmusik und ordentliche deutsche Sprecher wissen zu gefallen.
Beim Umfang hält sich der Shooter an Genre-Standards. Rund
acht bis zehn Stunden wird man brauchen, um auf dem einen verfügbaren Schwierigkeitsgrad das Ende zu erreichen. Wer mehr will, kann seine Bewertungen für die einzelnen Levels toppen oder im Mehrspieler-Modus menschliche Spieler aufs Korn nehmen. Letzterer ist leider nur über Split-Screen mit bis zu vier Teilnehmern spielbar. Geboten werden vier Maps und drei Spielmodi. Neben Death- und Team-Deathmatch gibt es hier noch den Killer-Modus, in dem ein Spieler von allen anderen gejagt wird.
Schwertk(r)ampfWas bis hierhin wie ein stinknormaler Ego-Shooter klingt, hat auf der Wii natürlich eine Besonderheit: Die Bedienung. Neben
Call of Duty 3 ist
Red Steel einer der beiden ersten Genrevertreter auf Nintendos neuer Konsole
» Grafisch wird nur PS2-Niveau geboten. |
und und dementsprechend spannend die Frage: Geht das Steuerungskonzept auf? Mittels Wiimote zielt man ähnlich wie mit einer Lightgun auf den Bildschirm, während mit dem Analogstick die Spielfigur bewegt wird. Granaten werden mittels Nunchuk geworfen und Schütteln lädt die aktive Waffe nach.
Leider geht das innovative Konzept nicht auf. Zwar bietet die Wiimote ein definitiv neues Spielgefühl, allerdings lassen Präzision und Reaktionsmöglichkeiten stark zu wünschen übrig. Mit einem normalen Controller oder gar einer Maus hätten sich die Ballereien weitaus besser gesteuert.
Etwas sinnvoller präsentiert sich die Bedienung bei den regelmäßig auftretenden Schwertkämpfen. Der Gegner wird hierbei automatisch erfasst. Der Spieler muss lediglich mittels Wiimote und Nunchuk Angriffs-, Ausweich und Blockmanöver ausführen. Diese übernimmt die Wiimote leider nicht 1:1 sondern werden in fest vorgegebene Moves umgewandelt. Außerdem wirken die
Kämpfe allesamt sehr steril sowie undynamisch und lassen sich zudem besser durch wildestes Controllerschütteln bestreiten, als durch echt wirkende Manöver.