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Red Steel  
» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 18.12.2006
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Ironischerweise bricht dem Spiel genau dessen Kernstück das Genick: Die Bedienung.

Seit Ankündigung des Controllers des Nintendo Wii stellen sich Fans weltweit die Frage, wie sich wohl bekannte Genres mit dem neuartigen Steuerungskonzept bedienen lassen. Besonderes Potenzial sah man in der Steuerung von Egoshootern, welche mit Hilfe der Wiimote weitaus "realistischer" rüberkommen sollen. Nach langen Ankündigungen, viel Werberummel und wildesten Spekulationen ist nun mit Red Steel pünktlich zum Launch der erste Ego-Shooter erhältlich. Ob das neue Konzept aufgeht, zeigt unser Master-Review.

Von japanischen Geliebten und der Yakuza
Eigentlich wollte Protagonist Scott nur den Vater seiner japanischen Freundin Miyu kennen lernen. Doch dummerweise hat es ein Yakuza-Clan auf diesen und seine hübsche Tochter abgesehen, um ein antikes,
» Feuer frei auf der Wii!
sehr wertvolles Schwert, das Katana-Giri, zu erpressen. Noch bevor er sich versieht, gerät der smarte Besucher aus dem Westen zwischen den Fronten verfeindeter Yakuza-Clans, muss den Umgang mit dem Schwert lernen und ballert sich seinen Weg durch Japan. Selbstverständlich wird dem Spieler die Ehre zu Teil, den wortkargen Helden auf seinem bleihaltigen Weg zu begleiten und dabei allerlei Gangster ins Jenseits zu schicken.

Genre-getreu geht es natürlich zunächst einmal eher seicht zur Sache. Mit leichter Pistolenbewaffnung setzt man sich zunächst gegen wenige Gegner zu Wehr und lernt die Steuerung. Erst im Verlauf des Spiels findet man immer stärkere Schießprügel sowie Schwerter und setzt sich gegen immer hartnäckigere und zahlenmäßig überlegene Feinde zur Wehr. Das Setting erinnert stark an alte Ballerstreifen aus Fernost. Hauptsächlich dienen Straßen, Fabriken, Lagerhallen und Villen als Kulisse für die wüsten Schusswechsel. Die öde 08/15-Story wird dabei in überlangen Ingame-Dialogen und Max Payne-ähnlichen Comic-Sequenzen erzählt, was den Spielfluss oft unnötig ausbremst.

Optisch Last-Gen
Die Optik befindet sich auf hohem PlayStation 2-Niveau, doch selbst auf Sonys altehrwürdiger Konsole gibt es Ego-Shooter, die besser aussehen als Red Steel - Black zum Beispiel. Dennoch weiß die Grafik in
» Gut gekontert ist halb gewonnen.
einem Bereichen besonders zu punkten: Die hochgradig zerstörbaren Umgebungen sorgen für ein intensives Schießerei-Feeling. Hier kracht und splittert es an jeder Ecke, Gastanks gehen in schicke Feuerbälle auf und Gegner fliegen meterweit durch die Lüfte. Unterstrichen wird die dichte Atmosphäre von einem tollen Sound: Brachiale Effekte, fetzige Hintergrundmusik und ordentliche deutsche Sprecher wissen zu gefallen.

Beim Umfang hält sich der Shooter an Genre-Standards. Rund acht bis zehn Stunden wird man brauchen, um auf dem einen verfügbaren Schwierigkeitsgrad das Ende zu erreichen. Wer mehr will, kann seine Bewertungen für die einzelnen Levels toppen oder im Mehrspieler-Modus menschliche Spieler aufs Korn nehmen. Letzterer ist leider nur über Split-Screen mit bis zu vier Teilnehmern spielbar. Geboten werden vier Maps und drei Spielmodi. Neben Death- und Team-Deathmatch gibt es hier noch den Killer-Modus, in dem ein Spieler von allen anderen gejagt wird.

Schwertk(r)ampf
Was bis hierhin wie ein stinknormaler Ego-Shooter klingt, hat auf der Wii natürlich eine Besonderheit: Die Bedienung. Neben Call of Duty 3 ist Red Steel einer der beiden ersten Genrevertreter auf Nintendos neuer Konsole
» Grafisch wird nur PS2-Niveau geboten.
und und dementsprechend spannend die Frage: Geht das Steuerungskonzept auf? Mittels Wiimote zielt man ähnlich wie mit einer Lightgun auf den Bildschirm, während mit dem Analogstick die Spielfigur bewegt wird. Granaten werden mittels Nunchuk geworfen und Schütteln lädt die aktive Waffe nach. Leider geht das innovative Konzept nicht auf. Zwar bietet die Wiimote ein definitiv neues Spielgefühl, allerdings lassen Präzision und Reaktionsmöglichkeiten stark zu wünschen übrig. Mit einem normalen Controller oder gar einer Maus hätten sich die Ballereien weitaus besser gesteuert.

Etwas sinnvoller präsentiert sich die Bedienung bei den regelmäßig auftretenden Schwertkämpfen. Der Gegner wird hierbei automatisch erfasst. Der Spieler muss lediglich mittels Wiimote und Nunchuk Angriffs-, Ausweich und Blockmanöver ausführen. Diese übernimmt die Wiimote leider nicht 1:1 sondern werden in fest vorgegebene Moves umgewandelt. Außerdem wirken die Kämpfe allesamt sehr steril sowie undynamisch und lassen sich zudem besser durch wildestes Controllerschütteln bestreiten, als durch echt wirkende Manöver.
Pro
Gutes Schießerei-Feeling
Toller Sound
Demolierbare Umgebungen
„Neues“ Spielgefühl
Contra
Ungenaue, fummelige Steuerung
Schwacher Mehrspieler-Modus ohne Online-Support
Öde, in die Länge gezogene Story
Fuchtelige Schwertkämpfe, die auf Dauer nerven
Fazit
Allen Defiziten zum Trotz, ich hatte meinen Spaß an Red Steel. Der Reiz des neuen Spielgefühls ließ mich über über die ungenaue und fummelige Steuerung großzügig hinwegblicken und bot mir einen Shooter in einem für mich sehr ansprechenden Setting. Ballistische Waffen, ein Gegenwarts-Setting und hochzerstörbare Umgebungen sorgen für ein fettes Schießerei-Feeling. Leider wird dieses immer wieder durch unnötig lange und zudem noch ausgesprochen uninteressante Storysequenzen gestört – hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen. Auch die Schwertkämpfe nerven mit der Zeit, da man schnell dahinter kommt, dass einfaches Fuchteln effektiver ist, als "richtiges" Fighten. Fast schon eine Ironie des Schicksals ist die Tatsache, dass ausgerechnet das Feature, welches den Titel zu etwas Besonderem hätte machen sollen, ihm übertrieben gesagt das Genick bricht. Technisch fällt es schwer, den Titel zu bewerten. Grafisch wird gutes PlayStation 2-Niveau geboten – was gemessen an Xbox 360-Standards natürlich wenig ist für das Jahr 2006. Da Nintendo allerdings nie vor hatte, bei dem Grafik-Wettrüsten der Konkurrenz mitzumachen und die Wii kaum stärker als ein Gamecube ist, geht sie in Ordnung. Außerdem reißt der fetzig-brachiale Sound einiges raus. Freunde bleihaltiger Oldschool-Shooter, die gerne einmal etwas neues ausprobieren, sollten sich den Titel also trotz der Mängel ansehen.