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Halo 3  
» Autor: Christian Kellner
» Datum: 10.10.2007
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Bungie macht uns das Leben schwer oder: Multi hui und Solo pfui, dritter Akt.

Der muskelbepackte Masterchief zieht einmal mehr in den Krieg – und die Welt steht Kopf. Von den irrsinnigen Ausmaßen der Halo 2-Werbekampagne blieb man zwar vor dem Release von Halo 3 verschont, irgendwie zeigte die beständige Berieselung aber doch seine Wirkung: Trotz der unbestreitbaren Mängel des Vorgängers, vor allem in der Kampagne, freute man sich auf Bungies Sprössling. Nun steht er also unmittelbar bevor, der letzte Kampf. Unser Master-Review soll zeigen, ob da nicht vielleicht doch ein kleines "r" fehlt.

Stimmgewaltigkeit
Die bekannte atmosphärische Titelmelodie nachpfeifend sollte man sich gut überlegen, welchen Schritt man im Hauptmenü zuerst macht: Immerhin bietet Halo 3 nicht nur eine klassische Singleplayer-Kampagne,
» So macht Halo Spaß!
sondern auch umfangreiche Multiplayer-Modi – darunter die aufregende Option, die Kampagne mit bis zu vier realen oder virtuellen Kumpels durchzuzocken. Auf jeden Fall wacht unser Masterchief unmittelbar an den Cliffhanger des Vorgängers anschließend mit einem gehörigen Brummschädel auf. Flugs einem treuen Marine die Waffe entrissen und los geht's mit dem Anfang vom Ende.

Besonders aufregend oder effektgeladen gestaltet sich der Einstieg beileibe nicht: Im Pulk mit treuen Untergebenen und neuen Freunden watet man durch sumpfige Dschungellandschaft einem abgestürzten Pelican entgegen. Wären da nicht das wunderschöne HdR-Lighting, man wähnte sich beinahe vor dem alten schwarzen Kasten mit dem monströsen XXL-Controller. Der erste Eindruck ist auch optisch schlicht ernüchternd.

Eine Gatling in der Hand …
Seine wahren Trümpfe spielt Halo 3 wieder einmal auf dem offenen Feld aus – dann nämlich, wenn unsere Alliierten Warthogs und Panzer in Beschlag nehmen, auf die Tube drücken und sich
» Im Multiplayer geht's rund.
gegen Banshees und feindliche Artillerie in die Schlacht werfen. Die Qualität der Optik verkommt schnurstracks zur Nebensache und im Zusammenspiel mit der stimmungsvollen musikalischen Untermalung tun sich hier wahre Spielspaßwiesen auf – lediglich die Feuergefechte könnten ein wenig intensiver und brachialer klingen, sie sind einfach zu leise.

Gerade diese Spaßgaranten wirken umso schwerer, als dass sie zwar das Spielgeschehen in schöner Regelmäßigkeit auflockern; einige Fuß- (und allen voran die Innen-)Missionen machen dem echten Fan das Leben jedoch wieder mal allzu schwer. Und der Autor dieser Zeilen fühlt sich hier leidlich an den Test von Halo 2 zurückerinnert: Backtracking-Passagen wechseln sich behände mit langweiligen und farblosen Korridoren ab. Und wenn dann auch noch die berühmt-berüchtigte Flood im kongenialen Dreiergespann mit dem soeben Genannten auf einen Sprung vorbeischaut, ist der Spielspaß schneller im Keller als einem lieb ist. Warum bei einem derartigen Riesenbudget mit einer solchen Beständigkeit gemurkst wird ist und bleibt ein großes Rätsel.

Rettet die Wa … Erde
Wenn nach den letzten beiden Missionen das – Achtung Ironie – fulminante Ende seiner Auflösung harrt, hat man gut und gerne die halbe Spielzeit wahlweise im Halbschlaf oder mit zertrümmertem Gamepad
» Masterchiefs neue Freunde.
in der Hand absolviert. Gut, dass es Freunde gibt: Im kooperativen Modus wiegen die Mängel zwar genauso schwer aber geteiltes Leid ist ja bekanntermaßen nun mal halbes Leid. Und die wenigen gelungenen Fußmissionen machen neben den Fahrzeugschlachten auch gleich doppelt so viel Spaß.

Hat man sich auf dem normalen Schwierigkeitsgrad in sechs bis zehn Stunden durchgekämpft, stehen für kreative Gemüter mit diversen weiteren Funktionalitäten jedoch ganze Welten offen: Komplette Missionen können aufgezeichnet werden, ebenso lassen sich vom Geschehen Screenshots knipsen. Mapbastler versuchen sich hingegen an den unzähligen Karten, entwickeln eigene Spielmodi und legen Items strategisch günstig aufs Schlachtfeld. Die so gestalteten Modifikationen können auch über Xbox Live problemlos gegen andere Spieler einem Test unterzogen werden.

Radau um Masterchief
Ohne die umfangreichen Multiplayeroptionen vergangener Halo-Titel hätte die Serie wahrscheinlich ein schnelles und unbarmherziges Ende erwartet. Halo 3 macht hier keine Ausnahme: Neben
» Eine grafisch durchwachsene Angelegenheit.
dem bereits erwähnten Co-op-Spiel im Splitscreen oder über Xbox Live haben es auch zahlreiche andere neue und bekannte Modi sowie unzählige Maps ins Spiel geschafft. Immer schon Lust gehabt eure Gegner in wandelnde Untote zu verwandeln? Der Modus Infection weist den Weg. Mit dabei ist selbstverständlich ein Ranking- und Skill-System. Das Matchmaking funktioniert aufgrund der zahlreichen Spieler übrigens hervorragend, langwierige Stehzeiten in Lobbys sind somit glücklicherweise fast nicht vorhanden.

Technisch hingegen gibt sich das Programm die bereits erwähnten Blößen: Optisch könnte der Titel mit Ausnahme sensationeller Lichteffekte als Xbox-Titel durchgehen und auch der Sound nimmt es mit Genre-Schwergewichtern wie Gears of War nicht ganz auf – im starken Gegensatz zur atmosphärischen und hervorragend gescripteten Musikuntermalung. Zur bekanntermaßen etwas eigenwilligen deutschen Synchronisierung kann an dieser Stelle übrigens nichts berichtet werden: Die österreichische PR-Vertretung von Microsoft sandte uns ein englisches Rezensionsexemplar zu. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.
Pro
Superber Multiplayermodus
Vier-Spieler-Co-op!
Atmosphärische Musikuntermalung
Abwechslungsreiche Außenmissionen
Extras (Videoschnitt, Screenshots, Mods)
Contra
Durchwachsene Kampagne
Banale Auflösung der Trilogie
Lahme Soundeffekte
Optik auf Xbox 1.5-Niveau
(Dt. Synchro)
Fazit
A.D. 2004 habe ich im Test zu Halo 2 geschrieben: Eine kalt-heiße Dusche, die Kampagne. Freut man sich, endlich wieder einmal in einem Warthog sitzend, Massen an Gegnern ins virtuelle Jenseits zu befördern, macht einem das Programm mit dem Laden einer Innenmission einen fetten roten Strich durch die Rechnung. The times, they are changing … NOT! Bungie versteht es sagenhafterweise auch dieses Mal, die Kampagne zumindest teilweise in den Sand zu setzen. Völlig unverständlich, da der superbe Mehrspielermodus, die witzigen Modifikationen der Spielmodi und Karten sowie die Möglichkeit, ganze Missionen als Film zu speichern, eine gänzlich andere Sprache sprechen – die des kreativen Potenzials. Man hat bei Microsoft also entweder 90% der Belegschaft ins Ideenbüro gesteckt während für die Kampagne ein einzelner Freelancer abgestellt wurde – oder Bungie fehlte schlicht die Erfahrung, wie gelungene Einzelspielerunterhaltung aussieht. Und letzteres möchte ich angesichts der grandiosen Außenmissionen nicht annehmen. Alle Mehrspielerfans und Xbox Live-Süchtler schlagen bei Bungies Spross jedoch blind zu – bis zum baldigen Erscheinen von Call of Duty 4: Modern Warfare erreicht kein derzeit für die Xbox 360 erhältlicher Titel diese Multiplayer-Qualität.