Toller Next-Gen-Einstand der Kultserie, welcher dem enormen Hype allerdings nicht ganz gerecht wird.
Zurück nach Liberty CityMitten in der Nacht legt der Ozeandampfer am nebligen Hafen von Liberty City an. An Bord: Illegale Einwanderer, die aus ihrer osteuropäischen Heimat geflohen sind, um in Amerika – dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten – ihr Glück zu finden. Unter ihnen auch Niko Bellic, der von seinem Cousin Roman mit überschwänglichen Versprechungen ins Zentrum des Kapitalismus gelockt wurde. Doch bereits wenige Minute nach seiner Ankunft zerschellt Nikos Traum von Luxusappartements, Playboymodells und 100.000 Dollar-Karossen an der tristen Realitätsmauer. Schmuddel-Bude statt 400m²-Wohnung, Jogging-Anzug statt Designerklamotten und Unterklasse-Wagen statt getuntem PS-Monster.
So bleibt Niko also nichts anderes übrig als mit seinem kleinkriminellen Cousin Roman gemeinsame Sache zu machen, um wenigstens etwas Geld in die leere Kasse zu spühlen. Und so beginnt GTA IV wie jedes andere GTA-Spiel auch. Als kleiner Fisch fängt man irgendwo in den herunter gekommensten Gegenden einer Stadt an – ohne Geld, ohne Waffen, ohne Autos, ohne Frauen und nur einem äußerst spärlich ausgestatteten Versteck zum Speichern des Spielfortschrittes. Durch das
Annehmen und Erledigen diverser Aufträge arbeitet man sich langsam aber sicher immer weiter hoch in der Verbrecher-Hierachie, lernt neue Leute kennen, sammelt Geld sowie Autos, lernt Ladys kennen und verfolgt Niko Bellics Geschichte.
Filmreife InszenierungDie Story wird wie gewohnt in sehr hochwertig inszenierten Ingame-Sequenzen fortgesponnen, in denen vor allem die filmreifen Dialoge hervorstechen. Die
Geschichte an sich ist zu Beginn sehr spannend und
» Liberty City war niemals schöner! |
die nach und nach ans Tageslicht geförderten Details über Protagonist Niko Bellic sowie einige unerwartete Wendungen halten in der ersten Spielhälfte gut bei der Stange. Leider verliert sich das Spiel mit der Zeit in zu vielen unbedeutenden Nebensträngen und die eigentliche Hauptgeschichte
bietet gegen Ende hin immer weniger Substanz. Zu simpel ist die Auflösung des Plots rund um Vergangenheitsbewältigung, Verrat und Rache.
Alles andere als simpel und enttäuschend hingegen das eigentliche Gameplay. Nach wie vor darf man sich mittels Fahrzeugen, zu Fuß oder per Helikopter
frei durch die in drei Areale aufgeteilte Stadt bewegen. Auftraggeber sind auf der Karte markiert und können dieses Mal auch bequem per Taxi erreicht werden. Ein Navigationsgerät zeichnet zudem die optimale Route zum Ziel in der Minimap ein. Zu Beginn ist nur der östliche Stadteil freigeschaltet, die anderen beiden sind erst im Verlauf der Hauptgeschichte begehbar.
Viel zu tun in der Stadt der FreiheitDas gebotene Aufgabenspektrum ist serientypisch reichhaltig. Abseits der Storymissionen bietet GTA IV allerlei Nebenbeschäftigungen. In diesen erledigt man Jobs für Freunde oder geht mit diesen aus, um diverse Minispiele
» Immer auf der Jagd: Die Cops. |
wie Bowling, Darts oder Billard zu bewältigen oder einfach nur im Stripclub oder bei einem guten Essen zu entspannen. Solcherlei Freundesdienste bringen einem nicht nur den Respekt seiner Verbündeten ein, sondern werden mit Geld und diversen Gefälligkeiten vergütet. So schickt – entsprechende Vorarbeit vorausgesetzt – Cousin Roman Taxen oder der Jamaikaner Little Jacob bringt eine Ladung Waffen vorbei. Illegale Autorennen, Verbrecherjagden und Taxifahrten sind natürlich ebenfalls wieder mit von der Partie.
Die Kommunikation mit den Verbündeten findet nicht nur per Besuch sondern überwiegend über das
neue Handy-Feature statt. Statt wie in den alten Teilen einfach nur Anrufe entgegen zu nehmen, bekommt man dieses Mal auch SMS und MMS-Nachrichten geschickt und kann Personen selbst anrufen, um sich mit ihnen zu verabreden oder Hilfe anzufordern. Natürlich dürfen auch Fotos mit dem Handy geschossen werden. Per Internet stehen sogar neue Klingeltöne und Logos für das Gerät zum Herunterladen bereit.
Böses InternetDas World Wide Web ist natürlich nicht nur zum Pimpen des Handys da, sondern echter Bestandteil der Spielwelt. So kann man sich hier über Liberty City informieren, Verabredungen per Partnerbörse klar machen
» Die Tag-/Nachtwechsel sorgen für Stimmung. |
oder Autos kaufen. Darüber hinaus dienen
Emails zur Kommunikation mit Geschäftspartnern und Freunden. Zahllose Websites und Spamsites dienen darüber hinaus zur Unterhaltung. Von Myspace bis Youtube wird hier alles auf die Schippe genommen, während Newssites über Verbrechen berichten, die der Spieler selbst begangen hat. Doch damit nicht genug:
Neben dem Internet hat man zusätzlich zum altbekannten Radio-Programm mit insgesamt
19 Sendern noch Fernseher ins Spiel integriert. Vor diesen kann man die ein oder andere Stunde verbringen, während man durch das ausführliche Programm bestehend aus zahlreichen witzigen Werbespots, Cartoons, Comedy-Shows und Reportagen zappt. Im Einklang mit den vielseitig reagierenden Passanten und der facettenreichen Grafik ergibt sich die
glaubwürdigste und detaillierteste Spielwelt, die ein Game jemals hervorgebracht hat.
Kinderkrankheiten seit Teil 3Leider hat es Rockstar abermals verpasst, an den Fehlern der Serie zu arbeiten. Bis auf das
gelungene Deckungssystem sowie die verbesserte Schusswaffensteuerung inklusive blindfeuern sind
» Niko Bellic ist kein netter Zeitgenosse. |
fast alle Fehler der Vorgänger auch in GTA4 enthalten. Das
Fehlen von Checkpoints innerhalb der Missionen, eine unsaubere technische Umsetzung welche Slowdowns, Kantenflimmern und fiese Popups mit sich bringt sowie Kameraprobleme trüben den Spielspaß. Im Vergleich zu
GTA: San Andreas wurden darüber hinaus
zahlreiche sinnvolle Features wie das Gestalten und Aufleveln des Charakters, Bandenkriege, Tauchgänge, Flugzeuge, Fallschirmsprünge oder Auto-Tuning
einfach weggelassen. Auch von Bugs bleibt der Titel nicht verschont. So kommt es auf einigen Konsolen zu Abstürzen und Ladeproblemen.
Zudem stellt die Begrenzung der Spielwelt auf eine – zugegebenermaßen riesige – Stadt im Vergleich zum Vorgänger ebenfalls einen Rückschritt dar. Dort konnte man immerhin einen ganzen Staat unsicher machen! Darunter
leidet auch die Abwechslung in den Missionen. Zwar sind Aufträge auch in
GTA IV abermals gewohnt spaßig designt, allerdings können sie in punkto Abwechslungs- und Einfallsreichtum in keinster Weise mit
San Andreas mithalten.
Technisch gibt es nur marginale Unterschiede zwischen den beiden Versionen, was sich in den Lichteffekte und Explosionen widerspiegelt. Diese machen auf der PS3 eine bessere Figur. Dafür dürfen sich Xbox 360-Besitzer bereits im Herbst über herunterladbare Inhalte freuen.
Free Roaming mit 16 SpielernDennoch: Der Umfang und die Möglichkeiten an Neben- und Hauptbeschäftigungen in
Grand Theft Auto IV sind enorm. Daher ist es auch schwer, eine genaue Spielzeit zu nennen. Wer sich einfach nur geradewegs durch die
» Die Spielwelt setzt neue Maßstäbe. |
Hauptmissionen kämpft, wird immer noch
gute 20 Stunden mit dem Titel verbringen. Doch es dürfte schwer fallen, sich nicht von dieser gigantisch in Szene gesetzten Spielwelt einsaugen zu lassen. Es gibt so viel zu sehen, auszuprobieren und zu entdecken. Niemand wird einfach nur schnurstracks den Hauptmissionen folgen. Zu allem Überfluss hat Rockstar dem Spiel noch einen
enorm umfangreichen Mehrspieler-Modus spendiert, welcher mit bis zu 15 anderen Spielern online in Angriff genommen werden kann.
In satten
14 verschiedenen Spielmodi kann man Liberty City unsicher machen, gegen- und miteinander in diversen Spielmodi antreten (vom Deathmatch bis zum großen Autoklau) oder Autorennen bestreiten. Das Beste hierbei: Die Stadt ist auch hier komplett aktiv. Natürlich können vom Host Beschränkungen gesetzt werden, so das nur bestimmte Areale offen sind, die Polizei nicht aufkreuzt oder der Verkehr nicht besonders dicht ist. Die
Spiele sind hochgradig anpassbar und dürften für jeden Geschmack etwas bieten. Allerdings gibt es auf der PS3 zuweilen Verbindungsprobleme, welche es unmöglich machen einem Online-Spiel beizutreten. Hier hilft nur eisernes Abwarten.