Snakes erster echter Stealth-Action-Auftritt setzt neue Qualitätsmaßstäbe für PSP-Spiele.Seit mittlerweile über 20 Jahren erfreut Game Director/Producer Hideo Kojima die große Metal Gear-Fangemeinde mit neuen Abenteuern rund um Snake, Big Boss und Co. Während er diesmal nicht so stark in die Entwicklung der PSP-Version eingebunden war (MGS4 verlangt seine volle Aufmerksamkeit), handelt es sich nach den beiden Strategie-basierten
Metal Gear Ac!d-Ablegern um das heiß ersehnte erste "echte" Stealth-Action-Abenteuer für Sonys Handheld. Das Ziel der Entwickler war es, die Stärken der PSP voll auszunützen. Wie gut Snakes
Portable Ops wirklich ist, klärt unser
Master-Review.
Die wilden 70er-Jahre Metal Gear Solid: Portable Ops spielt einige Jahre nach dem dritten Ableger für die PS2,
Snake Eater. Das Jahr ist 1970 und
Portable Ops versucht, etwas mehr Licht in der Ereignisse bis zum NES-Klassiker
» Snake in seinem Element. |
(und erstem Teil der Reihe)
Metal Gear zu bringen. Der Spieler schlüpft dabei wieder in die Rolle des originalen Snakes. Zwar hat sich der Big Boss eigentlich zur Ruhe gesetzt, trotzdem wird er gleich zu Beginn der Geschichte nach Südamerika verschleppt, wo eine Separatistengruppe eine eigene Militärnation ausrufen will. Wie und warum Snake überhaupt in diese Story verstrickt ist, offenbart sich erst später in der Handlung, die an dieser Stelle aufgrund von Spoilergefahr natürlich nicht verraten wird.
Nach der selbstredend erfolgreichen Flucht aus seiner Zelle lernt Snake einen jungen (Fans der Reihe gut bekannten) Mann namens Roy Campbell kennen. Gemeinsam ziehen sie aus, um die atomare Bedrohung zu beenden und die Gründung eines abtrünnigen Terroristenstaates zu vereiteln. Während Campbell als Fahrer und via Funk-Codec als Berater zur Verfügung steht,
übernimmt Snake erneut die Rolle des einsamen Kriegers ... mitnichten! Die größte Neuerung in
Portable Ops stellt die Möglichkeit dar, andere Charaktere (mehr oder meistens weniger) freundlich
zu rekrutieren und in Teams einzusetzen.
Maßgeschneiderte Handheld-Action Die Entwickler haben sich viel Mühe gegeben, um die episch langen Abschnitte der Metal Gear Solid-Reihe in verträgliche Häppchen für die PSP zu unterteilen. Jeder Level wurde sorgfältig in
» Die Wache wird gleich rekrutiert - ob sie will oder nicht. |
kurze Missionen (von wenigen Minuten bis zur guten Viertelstunde) unterteilt und besitzt genau den richtigen Umfang für unterwegs. Da die Rekrutierung von neuen Teammitgliedern zum zentralen Bestandteil avanciert, kommt dem
klugen Zusammenstellen der Truppen eine große Bedeutung zu. Vor jeder Mission kann in einem umfangreichen Menü eingestellt werden, wer in die Einheiten
Sneaking,
Spy,
Technical sowie
Medical kommt.
Die Sneaking-Einheit wird stets vom Spieler selbst in den einzelnen Missionen gesteuert. Die übrigen Gruppen dienen zur Informationsbeschaffung (Spy), Verbesserung der eigenen Ausrüstung/Waffen (Technical) sowie Erzeugung von Heilmitteln (Medical). Dabei spielt die Zusammenstellung und Auswahl der Einheiten eine wichtige Rolle. Niemals sollte alleine der Zufall entscheiden, welche Charaktere in welcher Einheit zum Einsatz kommen. Man kann sich frei für den eher Stealth-lastigen Schleicheinsatz oder die Rambo-Tour-de-Force entscheiden, allerdings sollten dann auch immer die
passenden Leute taktisch richtig eingesetzt werden. Die riesigen Anzahl von Rekruten ergibt unzählige neue Kombinationen, um eine Mission anzugehen.
Vorbildlicher Mehrspieler-Modus Der für bis zu sechs Spieler ausgelegte Online-Modus bietet den üblichen Mix aus (teambasierten) Deathmatches, den man auch aus
Subsistence her bereits kennt. Zusätzlich gibt es einen
» One down, many more to go. |
Cyber-Survival-Modus, in dem es simulierte Gefahren zu überwinden gilt. Als Belohnung winken abermals neue Rekruten. Apropos Rekruten: Wer mit dem Team gegen menschliche Gegner in eine Online-Mission zieht, darf bei erfolgreichem Abschluss
ein Teammitglied aus dem feindlichen Bestand einsacken. Verliert man hingegen, so darf sich der Mitspieler an der eigenen Truppe schadlos halten.
Kojima Productions beweist einmal mehr, dass selbst auf der PSP noch lange kein Ende der kreativen Fahnenstange erreicht ist. Es gibt noch zwei weitere spektakuläre Arten um zu neuen Soldaten zu gelangen: Einerseits kann man sich bei einem beliebigen WLAN-Zugangspunkt anmelden und per unkompliziertem Minigame neue Mitstreiter ergattern. Andererseits darf auch via GPS-Add-On für die PSP (sofern für Konsumenten in Europa erhältlich) die Rekrutierungsmission im realen Leben eingeleitet werden. Sicherlich handelt es sich hierbei eher um einen Gag, aber innovativ ist dieses Feature allemal.
Technisch drückende Überlegenheit Sowohl inhaltlich als auch grafisch
überzeugt Portable Ops auf ganzer Linie. Gestochen scharfe Grafik, detaillierte Umgebungen und Charaktere sowie eine flüssige Framerate gehören zu Snakes Standardausrüstung.
» Snake lässt auch im Nahkampf nichts anbrennen. |
Die kurzen und
fast nicht auffallenden Ladezeiten sind eine Klasse für sich und zeigen, dass man die PSP auch anders programmieren kann. Im Gegensatz zur z.B. bockigen Kamera des Persischen Prinzens in
Rival Swords agiert diese deutlich ruhiger. Die Steuerung wurde sorgfältig auf die im Vergleich zum PS2-Controller eingeschränkten Möglichkeiten der PSP ausgelegt. Nach einer Eingewöhnungsphase sollte wirklich jeder schnell
zum König der Schleicher avancieren.
Die Geschichte wird in stark an
Digital Graphic Novel erinnernden Zwischensequenzen mit nur wenig animierten Bildern fortgesponnen. Dadurch sparte man beim gesprochenen Dialog doch deutlich, was
Portable Ops textlastiger aber insgesamt deutlich gestrafter zum gewohnt (zu) großen Umfang von MGS-Titeln ausfallen lässt. Hinzu kommt, dass die Textpassagen sowohl
gut übersetzt als auch stimmig sind - man kann sich deutlich die Dialoge im Kopf mit
David Hayters rauchiger Snake-Stimme vorstellen und es passt alles 100%. Darüber hinaus überzeugt auch der Soundtrack mit gewohnt hoher Qualität.