Einsteigerfreundliches Japano-Rollenspiel mit gut inszenierter Story und taktischem Kampfsystem.Die gute, alte Xbox konnte nicht gerade mit einer Welle an japanischen Rollenspielen aufwarten. Um den Erfolg der Nachfolgekonsole im Vaterland von
Final Fantasy und Co. zu sichern, will
Microsoft das Genre auf der Xbox 360 präsenter machen. Mit
Enchanted Arms von
From Software wird nun der erste Versuch in diese Richtung unternommen. Was der Titel taugt, erläutert euch unser Master-Review.
Von Golem-Kriegen und Magie In düsteren Legenden erzählen sich die Menschen von den Golem-Kriegen. Einst wurden diese künstlich erschaffenen Kreaturen zum Führen von Kriegen benutzt – sie folgten ganz simpel den Befehlen ihres "Meisters". Niemand bedachte damals
» Diese Dame sorgt für einigen Ärger. |
allerdings, dass die Golems den Befehl auch dann weiter ausführten, wenn ihre Erschaffer bereits verblichen sind. So kam es, dass die Wesen langsam aber sicher die Welt in Schutt und Asche legten – bis eines Tages alle auf einmal aufhörten, zu funktionieren. Die überlebenden Menschen bauten eine neue Zivilisation auf und machten einen Neuanfang. Dazu benutzten sie unter anderem auch
Enchantment, eine althergebrachte Form der Magie.
Die eigentliche Geschichte des Spiels beginnt rund tausend Jahre später.
Atsuma, der Anti-Held des Spiels, sitzt mit seinen Freunden
Coya und dem
Makoto in einem Klassensaal der sogenannten
Enchant Academy. Er hat allerdings mit Problemen zu kämpfen. Nicht nur, dass er in der Schule wenig leistet, nein, das Hauptproblem – und somit der Grund warum ihn viele meiden – ist sein Arm. Dieser hat die "Fähigkeit der Negation". Dies bedeutet, dass er die Effekte von "Enchantments" umkehren kann – Gegenstände, die mit dieser alten Magietechnik erstellt wurden, geben bei Berührung mit
Atsumas rechtem Arm den Geist auf. Dass dies an einer Schule für Enchantment natürlich für einigen Ärger sorgen kann, erscheint logisch. Welche Katastrophe er allerdings auslösen würde, konnte niemand ahnen ...
Wie man Frust vermeiden kann Soviel zur Einführung der Story von
Enchanted Arms, über die an dieser Stelle ja zu viel verraten wird. Eigentlich verfolgt die Geschichte die recht traditionelle Art der meisten Japano-RPGs, kann aber dank dem überzeugendem Post-apokalyptischen
» Was wäre ein Spiel ohne Endgegner? |
Sci-Fi-Setting sowie den schönen Zwischensequenzen punkten. Mindestens so wichtig wie die Story ist bei Rollenspielen das Kampfsystem –
Enchanted Arms geht hier rundenbasierte Wege. Gekämpft wird auf einem in kleine Felder unterteilten Bildschirm, wobei die eine Hälfte von den Spielerfiguren und die andere Hälfte von den Gegnern beansprucht wird. Da alle Figuren bestimmte Reichweiten, und vor allem auch ihre Attacken oder Zauber unterschiedliche Aktionsradien aufweisen, gilt es, die Schritte in den jeweiligen Runden taktisch klug zu wählen. Die Attacken haben zudem unterschiedliche Elementtypen wie z.B. Feuer oder Wasser, was auch in die Überlegungen des Spielers einfließen sollte.
Dabei vermeidet
Enchanted Arms jegliche frustfördernde Elemente. Sollte mal ein Kampf negativ verlaufen, kann man jederzeit am Game Over-Bildschirm "Retry" wählen und muss nicht wieder beim letzten Spielstand beginnen. Angenehmerweise hat man auch die Möglichkeit, jederzeit zu speichern. Dazu kommt noch, dass man die Lebens- und Aktionspunkte der einzelnen Charaktere nicht in den nächsten Kampf mitnimmt – hat man gewonnen, werden die Figuren automatisch geheilt und besitzen beim nächsten Mal wieder die volle Energieleiste. Es gibt allerdings so genannte
Vitalitätspunkte, von denen jeder Charakter ein paar verliert, sobald ein Kampf länger als eine Runde dauert. Sind diese auf Null, muss der Charakter eine Auszeit nehmen. Das Füllen dieser ist nur an bestimmten Aufladestationen möglich. Da man aber neben der vierköpfigen Kämpferriege stets noch sechs Ersatzfiguren dabei haben kann, ist auch dieses Gameplayelement nicht störend.
Pokémon? Wer will, kann seine Recken auch automatisch kämpfen lassen, was angesichts des teils hohen Kampfaufkommens gerade gegen leichtere Gegner durchaus angenehm ist. Zudem hat man die Möglichkeit, den Ablauf per Knopfdruck zu beschleunigen,
» Schöne Städte laden zum Bummeln ein. |
will man nicht zum hundersten Male die gleiche Animation bestaunen. Fans von Spielen wie
Pokémon werden sich zudem über die Golems freuen:
Hundert verschiedene Kreaturen kann man sammeln sowie erschaffen und für sich in den Kampf ziehen lassen. Es dauert nicht lange, bis sich ein großer Sammeltrieb einstellt und man sie alle haben will. Zudem besteht die Möglichkeit, die Golems auch via
Xbox Live gegen andere Teams antreten zu lassen. Zwar können diese im Vergleich zu menschlichen Protagonisten keine neuen Fähigkeiten und Spezialangriffe erlernen und auch keine neuen Waffen ausrüsten, aber sonst sind sie vollwertige Mitstreiter. Vor allem, da sie sich mithilfe der Fertigkeitspunkten, die ihr nach eigenem Ermessen auf Attribute wie beispielsweise Nahkampfstärke verteilen könnt, individuell formen lassen.
Enchanted Arms ist sehr geradlinig. Bis auf einige Golems oder eine einzelne Schatzkiste gibt es nicht viel auf den vorgegebenen Pfaden der Welten zu entdecken. Für Anfänger ganz hilfreich, ist dies für Puristen vielleicht eine zu große Einschränkung. Auch der allgemeine Schwierigkeitsgrad ist eher niedrig angesetzt. Trotz der wenigen Nebenaktivitäten kann sich der Umfang ohne weiteres sehen lassen. Selbst wer nur sporadisch nach ein paar Golems sucht, wird immer noch gut
40 Stunden beschäftigt sein. Grafisch ist der Titel ansprechend, aber lässt kein Staunen aufkommen. Im Gegensatz zu PS2-Klassikern wie den
Final Fantasy-Spielen sind die Hintergründe zwar allesamt in Echtzeit berechnet, da man aber nur auf den vorgebenen Wegen unterwegs ist, bringt das keinen echten Vorteil. Alles in allem sieht der Titel sauberer aus als die RPGs der letzten Konsolengeneration, aber nicht wirklich "besser". Die Sprauchausgabe im Spiel ist standardmäßig englisch, auf deutsche Bildschirmtexte wurde verzichtet. Dafür kann man aber die
japanische Tonspur einschalten.