Albern aber unterhaltsam: EA überrascht mit brachialer Koop-Action.
Rios' & Salem's Most Excellent Adventure Army of Two spielt in einer
fiktiven, alternativen Realität, in der Kriege nicht mehr von echte Streitkräften des jeweiligen Landes, sondern durch private Unternehmungen geführt werden.
» Wozu klopfen, wenn man mit der Tür ins Haus ... |
Besonders im von Terrorangst getriebenen Post-9/11-Amerika rollt der Rubel unaufhaltsam in Richtung Söldnerarmeen. Tyson Rios und Elliot Salem sind zwei dieser
Mercenaries / Soldiers of Fortune, die bei Security and Strategy Corp. angeheuert haben, um für einen ordentlichen Batzen Geld die Schmutzwäsche anderer Leute zu waschen. Für die beiden gilt keine Genfer Konvention, sie operieren außerhalb des Gesetzes und sind nur sich selbst und dem Geld des Auftraggebers loyal.
Egal ob man alleine oder zu zweit (
Splitscreen oder Online) eine Kampagne bestreitet,
Army of Two wird dem Namen immer gerecht. Wer nicht an der Seite eines Freunds ins "Abenteuer Krieg" ziehen kann, bekommt einen mit durchwegs solider KI ausgestatteten CPU-Partner zugeteilt. Missionskoordinatorin Alice Murray ist via Funk auch mit von der Partie und komplettiert das Strike-Team in Sachen Intel. Dank eines einblendbaren HUDs
bekommt man die Aufgaben perfekt präsentiert - Übersichtsprobleme gehören somit der Vergangenheit an. Jedes erfolgreich absolvierte Missionsziel spült Cash ins Söldner-Sparschwein, welches sofort wieder in Upgrades für Waffen, Ausrüstung und Panzerung investiert werden darf.
Mr. Badass & Mr. Azzkikr Entwickler
EA Montreal hat sich zum Thema Koop-Gameplay ordentlich was einfallen lassen. Auffälligstes Feature ist
Aggro: Ein Display zeigt, welcher Söldner gerade die meiste Aufmerksamkeit (und Kugeln)
» Helden bei der Arbeit - solange die Kohle stimmt. |
der Gegner auf sich zieht. Waffengebrauch führt zur Erhöhung von Aggro und der eigene Protagonist
verfärbt sich rötlich, während der andere Söldner immer mehr "unsichtbar" wird. Durch diese Spielmechanik ergeben sich zahlreiche taktische Vorgehensweisen: Aggro ist schnell zu verstehen, fördert aber über lange Zeit
viele neue Spielideen zu Tage. So kann z.B. Rios durch wildes Herumballern die ganze Aufmerksamkeit eines Bosses auf sich ziehen, während Salem
von der Flanke her Klarschiff macht.
Koop ist aber nicht nur, wie bei vielen anderen Titeln, ein Add-On, sondern
Army of Two wurde von Grund auf so designt. Neben den logischen Momenten, wie etwa sich gegenseitig hochziehen oder gemeinsam eine Tür aufstemmen, gibt es die Möglichkeit
Waffen innerhalb der Missionen mit dem Partner zu tauschen. Fast schon kindisch aber kommt cool rüber: Man kann den Kumpel
"High 5" abklatschen, Luftgitarren-Riffs (!) hinlegen oder auch mal liebevoll eine über die Rübe geben, wenn er Mist baut. Dazu gibt es noch u.a. Rücken-an-Rücken, Tandem-Fallschirmsprung, bewegliche Deckung wie z.B. Schilder und separate Fahrzeugabschnitte mit Fahrer und Gunner. Wird der Partner außer Gefecht gesetzt, so kann man ihn
in Deckung ziehen und Erste Hilfe leisten.
Kicking Ass & Taking Names Per Steuerkreuz teilt man dem Partner drei grundlegende Befehle in zwei Prioritäten mit: In der ersten Einstellung wird einem der Rücken freigehalten, in der anderen speziell angegriffen oder die Stellung gehalten.
Vor allem letzteres Kommando birgt ungemein viele taktische Möglichkeiten, wenn man den Söldner-Kumpel z.B. strategisch gut platziert und dann
einen Gegner mittels Aggro anlockt, damit ihm der Mitspieler in den Rücken fallen kann. Solche Aktionen ziehen natürlich sofort wieder ein heftiges "High 5"-Schulterklopfen nach sich. Zusätzlich gibt's noch einen
Koop-Sniper-Befehl, bei dem der Name zugleich Programm ist.
Wichtig sind auch die zahlreichen Upgrades für Waffen und Ausrüstung. Auffälligstes Accessoire der Söldner ist die Panzerung, zu der auch die
gespenstischen Gesichtsmasken gehören. Alles darf
beim Waffenhändler angepasst und gepimpt werden: Jede Waffe hat spezielle Eigenschaften wie z.B. Zielgenauigkeit, Platz für Munition, Schaden und Aggro, d.h. die goldene Glitzer-AK47 oder die grell-bunt gesprayte Maske ziehen die Aufmerksamkeit der Gegner schneller auf sich. Die
variable Zielgenauigkeit der Waffen ist gewöhnungsbedürftig: Oft trifft man in Shootern ja wirklich alles, was einem vor die Knarre läuft, nicht aber so bei
Army of Two. Wer genau schießen will, muss die Zielgenauigkeit upgraden oder eine andere Wumme wählen.
Combat, Camaraderie, Cash Army of Two ist dank der Unreal3-Engine ein hübsches Spiel geworden, das durchaus seine optischen Highlights hat. Auch die
farbenfroh inszenierten Cutscenes » Kein Mann wird je zurück gelassen - selten zumindest. |
verbreiten schnell beste Laune. Besonders gut kommen die
sarkastische Seitenhiebe auf die Privatarmeen und die US-Regierung rüber. Geräuschkulisse und Soundtrack gehen ebenfalls voll in Ordnung. Einziges technisches Manko stellen Schwächen in der Gegner-KI dar. Manchmal laufen diese einfach wie
aufgescheuchte Hühner herum und werden so zu einfachem Kanonenfutter. Dies hängt jedoch auch mit dem Schwierigkeitgrad zusammen: Je höher, desto weniger passieren diese KI-Kapriolen.
Mehrspieler kommen bei diesem Koop-optimierten Titel natürlich besonders auf ihre Kosten und werden so für die eher kurze Solo-Kampagne entschädigt. Die Xbox 360 macht sowohl lokal via Splitscreen als auch online via Xbox LIVE für bis zu vier Mitspieler
eine hervorragende Figur. Egal ob in der Koop-Kampagne oder im Online-Modus: Die Framerate bleibt höchst stabil und Lags machen sich kaum bemerkbar. Hier spielt
Army of Two auch die großen Trümpfe aus: Dank den Kommandos, die man sowohl akustisch per Headset als auch optisch per Steuerkreuz übermittelt, wird der EA-Titel rasch zur gaudigen Hatz durch die (leider wenigen) Mehrspieler-Maps. Anmerkenswert ist ferner, dass Online-Play nur mit Versionen der selben Region (z.B. EU/PAL geht nicht mit US/NTSC) möglich ist - angeblich um beste Performance zu gewährleisten.