Atmosphärisch dichter Egoshooter mit Adventure-Einlagen und außergewöhnlichem Setting.Der Name
System Shock dürfte manchen PC-Spielern ein Begriff sein. Der sehr innovative Shooter/RPG-Mix war seinerzeit – genau wie der Nachfolger
System Shock 2 – ein spielerisches Meisterwerk. Lediglich der erhoffte Verkaufserfolg blieb aus. Dies will
Ken Levine, der kreative Kopf hinter der Serie, mit seinem neuesten Spiel namens
Bioshock ändern. Sechs Jahre dauerte die Entwicklung des Titels, welches im Groben auf dem PC-Klassiker aufbaut und dann doch anders ist. Inwiefern
Bioshock überzeugen kann, steht in unserem Master-Review.
Auf nach Rapture! Andrew Ryan - ein Name, der einem beim Spielen von
Bioshock verfolgen wird. Er ist der Schöpfer von
Rapture, einer riesigen Unterwassermetropole, errichtet als Zuflucht für Wissenschaftler, Künstler und andere Genies. In
Rapture » Diese Frau hat offensichtlich Probleme. |
sollen die Intellektuellen abseits jeglicher Moralvorstellungen oder Zensur werkeln und sich entwickeln können. Eine eigentlich edle Vision, die aber im wahrsten Sinne des Wortes untergeht.
Die glorreiche Idylle wich einem zermürbendem Horrorszenario -
Rapture wirkt ausgestorben, überall dringt Wasser ein, Zerstörung und Verwüstung sind allgegenwärtig. Doch wirklich ausgestorben ist die Metropole nicht – es gibt noch Leben in
Rapture. Allerdings haben die noch existierenden Menschen nur mehr wenig mit dem eigentlichen Homo Sapiens gemein.
Blutrünstige, genmanipulierte, ja leicht an Zombies erinnernde Gestalten bevölkern die Straßen der einst glorreichen Stadt. Und ihr steht mittendrin …
Genmanipulation und mehr Beim ersten Erkunden der Stadt trefft ihr auch sogleich auf die Überlebenden, die sogenannten
Splicer. Es handelt sich dabei um Menschen, die aufgrund von Genveränderungen mit abnormalen, teils ü
bermenschlichen Fähigkeiten ausgestattet sind. Diese kann sich auch der namenlose Held des Spiels zu Nutze machen. Diese sogenannten
Plasmide stehen einem neben konventionellen Schusswaffen wie Schrotflinte oder Maschinengewehr - die nebenbei auch noch erweiterbar sind - zur Verfügung. So könnt ihr beispielsweise mit Blitzen oder Feuerbällen rumschmeißen oder sogar Telekinese einsetzen.
Dabei reagiert die Umgebung auch realistisch auf eure Handlungen – wer beispielsweise einen Blitz ins Wasser schießt, setzt das ganze Becken und darin befindliche Gegner unter Strom.
Auch herumliegende Gegenstände wie Stühle, Fässer und ähnliches lassen sich dank Telekinese als Waffe missbrauchen, indem ihr sie den Gegnern entgegenschleudert. Zu den
Plasmiden gesellen sich passive
Tonika, die körperliche Eigenschaften permanent verbessern. Damit erhöht sich beispielsweise die physische Widerstandskraft oder ihr könnt schneller laufen. Da sich mehr
Tonika und
Plasmide finden lassen, als ihr ausrüsten könnt, müsst ihr euch für eine Kombination entscheiden. Diese Not macht erfinderisch und verschiedene Kombinationen lassen euren Charakter jeweils andere Stärken und Schwächen erfahren, was leicht an Aufwertungen in Rollenspielen erinnert.
Adam? Eva? Um eure neugewonnenen Fähigkeiten einzusetzen, benötigt ihr
Eve, welches in blauen Spritzen auffindbar ist. Ebenfalls sehr wichtig ist
Adam, denn nur mit diesem Rohstoff lassen sich neue Fähigkeiten erwerben. Allerdings liegt dieses
» Die Unterwasserstadt Rapture! |
nicht an jeder Ecke - die Substanz lässt sich nur bei
Little Sisters finden. Diese kleinen Mädchen sind das Resultat eines Experiments und nun auf der Suche nach
Adam, welches sie Leichen entnehmen. Sie laufen allerdings nicht alleine herum sondern werden begleitet und beschützt von den sogenannten
Big Daddys. Besiegt ihr diese Hünen, habt ihr die Wahl, ob ihr das
Adam der
Little Sisters erntet - was den Tod des Mädchens zur Folge hat - oder es erlöst und somit auf die Hälfe des
Adams verzichtet.
Dies ist übrigens die einzige Möglichkeit, das Ende der Story zu beeinflussen – etwas enttäuschend, wurde
Bioshock doch mit einem ausgeprägten Gut/Böse-System angekündigt. So gibt es entweder ein gutes oder ein böses Ende, je nachdem wie ihr mit den Mädchen interagiert. Komplex ist anders.
Da
Andrew Ryan Sicherheit in
Rapture großgeschrieben hat, sind an vielen Ecken Sicherheitskameras und automatische Geschütze zu finden. Steht ihr zu lange im Blickfeld der Kameras, lösen diese Alarm aus und kleine Helikopter werden losgeschickt, die euch unter Beschuss nehmen. Ihr könnt diese Drohnen nun zerstören oder setzt ihr sie durch einen Blitzschlag außer Gefecht und programmiert sie so um, dass sie euch folgen und im Kampf unterstützen.
Dieses Hacker-Feature beschränkt sich nicht nur auf die elektronischen Wächter, sondern ist auch bei Verkaufsautomaten, Heilstationen oder Kameras anwendbar, was jeweils diverse Vorteile mit sich bringt. Gehackt wird mittels eines Puzzle-ähnlichen Minispiels, dass auf Dauer jedoch ziemlich öde ist und sich dauernd wiederholt.
Zerstörte Schönheit Sterben in
Bioshock ist übrigens nicht mit einem "Game Over" gleichzusetzen - ihr werdet in sogenannten
Vital-Chambers wiederbelebt. Dadurch fällt der Schwierigkeitsgrad des Spieles natürlich enorm - nichtsdestotrotz ist
Bioshock auf
» Big Daddy is watching you! |
Hard nicht ohne. Je länger ihr in
Rapture unterwegs seid, desto mehr deckt ihr Details über das Zusammenleben und die Arbeit der Wissenschaftler sowie die Geschichte von
Rapture auf. Durch elektronische Tagebücher bekommt ihr einen Einblick über die Probleme der Stadt. Die Missionen und der Storyverlauf passen perfekt zusammen und Langeweile kommt selten auf – verschiedene Missionsziele ähneln sich allerdings zu sehr. Vor allem unoriginelle Sammelaufgaben à la "Finde 10 Stück von XYZ" treten ein wenig zu häufig auf.
Grafisch ist
Bioshock sehr gut gelungen. Die
Unreal Engine 3 lässt ihre Muskeln spielen und zeigt gegenüber Spielen wie
Hour of Victory, was alles mit der Unreal-Engine möglich ist.
Wunderschön detaillierte Kulissen, realistische Texturen, atemberaubende Lichteffekte und butterweiche, absolut flüssige Animationen sowie verblüffende Wassereffekte verwöhnen das Spielerauge. Zusammen mit der absolut stimmigen musikalischen Untermalung und den packenden Soundeffekten erzeugt
Bioshock eine gruselig-klaustrophobische Horroratmosphäre, wie sie schon lange kein Spiel mehr vermittelt hat. Wenn ihr durch die dunklen, leeren Räume
Raptures schleicht und von weitem die schwer stampfenden Schritte eines sich nähernden
Big Daddys wahrnehmt, wird euch ein wohliges Schaudern den Rücken runterlaufen. Die Liebe zum Detail der Entwickler ist ständig zu bemerken und lässt einen tief in das dunkle
Rapture eintauchen.