Neueinsteiger Tiger Hill lässt es krachen und bietet uns mit Stranglehold den ersten spielbaren John Woo-Film.Regisseur John Woo zählt zu den Meistern des actionreichen Hong Kong-Kinos. Bevor er nach Hollywood ging und seine Filme leider immer mehr an Qualität verloren, belieferte er das Action-Genre mit unvergesslichen Klassikern wie
Hard-Boiled,
The Killer oder
Bullet in the Head. Mit dem Tiger Hill Studio ist der Kultregisseur nun auch in die Videospiel-Branche eingestiegen. The Stranglehold ist das erste digitale Werk, welches sich ganz an Hong Kong-Krachern orientiert. Was das Spiel taugt deckt wie immer unser
Master-Review auf.
Hong Kong-Action zum SelberspielenFreunde des Hong Kong-Kinos werden den Protagonisten von
Stranglehold sofort wiedererkennen. Inspector Tequila - verkörpert von
Chow Yun-Fat - spielte bereits im
» Chow Yun-Fat ist gut getroffen. |
Actionfilm
Hard Boiled von 1992 die Hauptrolle und räumte auch dort mit allerlei Waffengewalt mächtigst unter Verbrechern auf. Dank moderner Digitalisierungs-Technik zeigt sich der Wiedererkennungs-Wert des Polygon-Chow Yun-Fat auch entsprechend hoch. Die Geschichte ist, wie bereits im Kino-Vorgänger, natürlich sehr nebensächlich.
Ein Haufen Verbrecher, zwei entführte Mädels und ein wild ballernder Inspector Tequila sind die Hauptbestandteile der dünnen Rahmenhandlung, welche durch
nette Ingame-Sequenzen fortgesponnen wird.
Viel wichtiger als Story und Charaktere ist in einem Actionspiel wie
Stranglehold natürlich das eigentliche Gameplay. Hier bedient man sich fleißig bei der Konkurrenz, allem voran
Max Payne, aber auch
Total Overdose. Eigentlich nur fair, ließen sich diese Titel doch auch stark von
John Woos Kinofilmen inspirieren. Demnach präsentiert sich die Action aus der
Third-Person-Ansicht. Mittels eingängiger Buttonbelegung bewegt man seine Figur durch aufwändig gestaltete Umgebungen und schickt allerlei Schergen über den Jordan.
It's Tequila-Time, BabyIn den Schießereien stehen Inspector
Tequila nicht nur Pistole, Shotgun, MP, Sturm- und Maschinengewehr, Handgranaten sowie ein Raketenwerfer zur Verfügung sondern auch
Tequila-Time und Tequila-Moves.
Während erste nichts anderes als die aus Max Payne wohlbekannte Bullet-Time ist, lehnen sich die Tequila-Moves an die Loco-Moves aus Total Overdose an. Durch das möglichst stylische Abknallen von Feinden lädt sich ein Energiebalken auf, welcher in vier verschiedene Aktionen investiert werden kann.
Jedem Move ist eine Richtung am Digitalkreuz zugewiesen, so dass man jederzeit einfach auf diese zugreifen kann. Das einfachste und günstigste Manöver ist das Heilen des Protagonisten. Etwas teurer, dafür aber für fast jeden Gegner sofort tödlich: der Präzisionsschuss. Hier wird der Spielverlauf extrem verlangsamt und das Programm schaltet in einen Zoom-Ego-Perspektive um. Der anschließend abgefeuerte Schuss tötet getroffene Gegner sofort. Noch weitaus letaler sind schlussendlich die Moves drei und vier. Während man im Trommelfeuer-Modus kurzzeitig unbesiegbar mit unendlich herumballern darf, tötet man mit der Drehattacke automatisch alle Feinde in Reichweite.
Bullet-Time mal andersDie Bullet-Time funktioniert etwas anders als in vergleichbaren Games. Neben der Möglichkeit jederzeit für eine bestimmte Dauer manuell in die Tequila-Time zu wechseln, verlangsamt das Programm in bestimmten Situationen
» Die Zwischensequenzen sind nett inszeniert. |
automatisch das Spielgeschehen, sobald man auf Feinde zielt. Beispielsweise immer dann, wenn man sich per Hechtsprung in der Luft befindet, ein Treppengeländer hochläuft oder auf einem fahrbaren Untergrund wie einem Servierwagen durch den Level rollt. Was zunächst etwas chaotisch und willkürich wirkt, entpuppt sich nach kurzer Eingewöhnung als sehr praktisch und angenehm "anders".
Um Umgebungen wie Treppengeländer oder Rollwagen für sich zu nutzen reicht es übrigens, die Actiontaste, welche auch zum Herumhechten benutzt wird, zu drücken. Alles in allem funktionieren solch
spektakuläre Manöver sehr gut und tragen viel zum Coolness-Faktor des Spiels bei. Weniger gelungen ist hingegen das
Deckungs-System. So will sich Tequila partout nicht hinter bestimmten Objekten niederkauern, wodurch selten klar erstichlich ist, wo man denn eigentlich Schutz in der Umgebung suchen kann.
Nicht ganz perfektWeitere Probleme findet man im Leveldesign des Spiels. Dass die
Missionen sehr linear sind, stört bei einem Titel wie
Stranglehold nicht wirklich. Allerdings wirken die Umgebungen von Tiger Hills Erstlings-Werk
» Das Schwein war schon tot. |
zu sehr konstruiert und gewollt. So stehen Gegner viel zu oft wie auf dem Präsentierteller neben explosiven oder unter schweren Gegenständen. Auch haben die Entwickler ein wenig zu oft auf das bekannte Arena-Levelprinzip zurückgegriffen. An vielen Stellen des Spiels befindet man sich lediglich in einem Raum und bekämpft Gegnerwelle um Gegnerwelle, bis es im nächsten Raum weiter geht. Auch an einigen Stellen auftretende
Stand-Offs, in denen man gegnerischen Schüssen in Zeitlupe ausweichen und schnell zurückschießen muss
wirken etwas aufgesetzt.
Zudem haben es die Programmierer
verpasst, spannende Bosskämpfe ins Spiel zu integrieren. Statt dessen sind diese einfach nur überstarke Gegner, die extrem viel aushalten und sich fast immer durch die gleiche Taktik besiegen lassen – nämlich fleißiges Aufladen der Tequila-Moves und massivem Tequila-Time-Einsatz. Leicht zu frustrierende Spielernaturen sollten zudem den leichtesten Schwierigkeitsgrad bevorzugen.
Stranglehold ist nämlich
bereits auf normal ein recht harter Brocken, der stellenweise auf Grund zu vieler Gegner gleichzeitig auch schon einmal an der Grenze zum Unfairen kratzt. Erschwerend hinzu kommen etwas zu selten platzierte Checkpoints.
Zerbrösel alles!Während das Gameplay nicht durchwegs überzeugt, gibt sich die Grafik keine Blöße. Dank Unreal Engine 3 wirken Figuren und Umgebungen sehr detailliert. Letztere hinterlassen vor allem durch ihre
» Die Umgebungen sind hochzerstörbar. |
extrem hohe Zerstörbarkeit einen bleibenden Eindruck und sorgen für
spektakuläre Shoot-Outs. Doch auch die Technik ist nicht ganz fehlerfrei. Während kleinere Framerateeinbrüche noch zu verschmerzen sind, fehlt es den Waffeneffekten am richtigen Bumms. Auch die deutschen Sprecher können nicht überzeugen. Die restlichen Soundeffekte und die passende Musikuntermalung stimmen im akustischen Bereich allerdings wieder versöhnlich.
Wer nach der im Umfang mit nur
rund sechs bis sieben Stunden etwas mau ausgefallenen Solo-Kampagne noch Lust auf mehr verspürt, kann sich online mit bis zu fünf menschlichen Gegnern messen. Dieser Modus erinnert an eine moderne Version des beliebten
Half-Life-Mods
Action-Half-Life, ohne allerdings dessen Qualität zu erreichen. Zwar macht das Spiel auch im Mehrspieler-Modus Spaß, allerdings wirkt vor allem der Einsatz der Tequila-Time undurchdacht. Auch bewegen sich die Figuren zu schnell und abgehakt animiert durch die Levels, um ein echtes Shootout-Feeling zu erzeugen. Zudem gibt es nur (Team-)Deathmatch als Spielmodus. Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass die
deutsche Version wieder einigen Schnitten zum Opfer gefallen ist – für österreichische und importfreudige Zocker sollte dies allerdings kein Problem darstellen, zumal die US-Version ebenfalls komplett auf deutsch und codefree ist.