Auch mit Viva Pinata gelingt Rare nicht der ganz große Wurf – spielenswert ist der Titel allerdings allemal!Rare ist seit vielen Jahren bekannt für herausragende Software. Titel wie
Conker,
Goldeneye und
Banjo Kazooie sorgten vor allem zu N64-Zeiten für begeisterte Zockerherzen. Seit dem Aufkauf durch Microsoft wollte es mit echten Hittiteln jedoch nicht mehr so ganz klappen. Das
Conker-Remake litt unter frustigem Gameplay,
Kameo: Elements of Power war zwar sehr schön, aber irgendwo zu kurz und
Perfect Dark Zero gar eine herbe Enttäuschung.
Viva Pinata soll dem einstigen Vorzeige-Studio nun zu neuem Glanz verhelfen. Ob dies gelingt, verrät unser
Master-Review.
Grünanlagen-Fachkraft gesuchtIn
Viva Pinata wird der Spieler nicht etwa zum Superagenten, frechen Eichhörnchen oder einer magiebegabten Elfe. Und auch Waffen, dumme Sprüche und Zauber fehlen ihm komplett. Nein,
Viva Pinata macht
» Knuddeliger gehts nicht mehr. |
den Spieler zum einfachen
Gärtner mit Schaufel, Gießkanne und ein paar Münzen zum Kauf diverser Utensilien. Dazu stellt das Programm noch ein paar Quadratmeter braches Land und gibt einige grundsätzliche Erklärungen zum Gameplay. Der Rest ist dem Spieler selbst überlassen. Ein wirkliches Spielziel gibt es nicht. Also legt man los, in ersten Schritten die dürre Erde zu lockern und erstes Gras anzusähen.
Anschließend hat man
vielfältigste Möglichkeiten mittels Controller und leider etwas umständlichen Menüs aber durchdachten Shortcuts aus der
Vogelperspektive seinen Garten zu gestalten. Verschiedenste Gegenstände wie Zäune, Pflastersteine, Dekorationen und Pflanzen wie Blumen, Sträucher oder Bäume sorgen hier für unendlich viele Kombinationen und beflügeln die Fantasie. Durch kontinuierliches Arbeiten erhält man immer mehr solcher Utensilien und Möglichkeiten - wie das Anlegen von Gewässern - was die Motivation weiterzumachen stets auf einem hohen Level hält. Außerdem kommen hierbei experimentierfreudige Zocker voll auf ihre Kosten. Der eigene Traumgarten ist also nur wenige Controllergriffe entfernt.
Viva Pinata!Wirklich interessant wird das Ganze allerdings erst durch das Anlocken lebender Bewohnern - sogenannten Pinatas. Von diesen
zuckersüßen Knuddelwesen gibt es über 50 verschiedene Arten, die es zu entdecken
» Nicht immer ist es so friedlich wie hier. |
gibt. Je nach Attraktivität des eigenen Gartens werden unterschiedliche Vertreter dieser Fantasiewesen angelockt. So brauchen die unscheinbaren Wyrms lediglich ein bisschen Gras, um sich heimisch zu fühlen, während entenartige Quarks nicht nur viel Wasser sondern auch leckere Maisfelder und verteilte Brotkrumen voraussetzen. Natürlich beginnt die eigentliche Arbeit nach dem Anlocken erst so richtig.
Die Tierchen wollen zufrieden gestellt werden, indem man ihnen Behausungen zur Verfügung stellt und ihre
Bedürfnisse nach Nahrung abdeckt – denn nur dann sind sie bereit sich fortzupflanzen oder Produkte wie Honig zu produzieren. Dies bedeutet nicht nur, dass bestimmte Pflanzen angebaut und bewässert werden müssen, sondern auch, dass "niedere" Pinatas als Nahrung für "Fleischfresser" dienen. Durch diese Zusammenhänge ergeben sich schnell
komplexe Wirtschaftskreisläufe, die vom Spieler herausgefunden werden wollen. Praktisch: Hat man einmal die Vorrausetzungen für ein Pinata erfüllt, wird dies in einer
umfangreichen Enzyklopädie dokumentiert, so dass man sich nicht zwangsläufig alles merken muss.
Erst die Arbeit, dann das VergnügenLeider artet all dies aber schnell in echte Arbeit aus. Um ein Pinata beispielsweise paarungswillig zu machen, muss man es manuell füttern, anschließend einen passenden Partner finden, diesen ebenfalls füttern und
» Nicht alle Pinatas sind nützlich. |
zum Schluss beide zusammenbringen. Anschließend folgt ein
simples Minigame, in dem man den Einen vorbei an Hindernissen zum Anderen bringen muss. Ist diese Prozedur abgeschlossen, zeugen diese ein Junges, welches bereits nach wenigen Minuten ausgewachsen ist. Diese komplette Prozedur muss bei jeder Paarung immer wieder aufs neue wiederholt werden, was auf Dauer leider
extrem an den Nerven des Spielers zehrt und von anderen Aufgaben ablenkt.
Ebenfalls mitunter sehr nervig: Ständig kämpfende Pinatas. Hin und wieder kommt es vor, dass sich Tierchen in die Wolle bekommen und oftmals bis zum Tod gegeneinander kämpfen. Hier dauert es oft ziemlich lange herauszufinden warum sich die Zeitgenossen eigentlich prügeln, was oft recht frustrierend ist. Leicht reizbare Zocker sind daher oft gewillt streitende Pinatas einfach zu verkaufen oder mit dem Spaten in Stücke zu schlagen.
Fleißige Helferlein und PostbotenUm den Spieler bei all dem Stress wenigstens etwas zu entlasten, stellt ihm das Programm mit fortschreitendem Ablauf verschiedene
Helfer und Items zur Seite. Erstere jäten gegen Bares Unkraut, gießen Blumen oder
» Diese zwei sorgen gleich für Nachwuchs. |
fahren automatisch die Ernte ein - leider aufgrund einer spärlichen KI mehr schlecht als recht. Käuflich erwerbbare Imkerhüte lassen Bienen automatisch Honig produzieren und Kuhglocken sorgen für arbeitende Kühe. Zu
Geld kommt man übrigens durch den Verkauf von angebauten Pflanzen, gezüchteten Pinatas oder einfaches Graben nach Münzen. Besonders ertragsträchtig ist der Anbau bestimmter Pflanzen, die mittels Spezialdünger im Wachstum gefördert werden.
Weniger prall ist leider der
Onlinesupport des Spiels ausgefallen. So kann man lediglich über das Postamt Briefe, Geld, Gegenstände, Pflanzen und Pinatas an andere Spieler schicken, um diesen eine Freude zu machen oder zu handeln. Echte Interaktion mit Gleichgesinnten Zockernaturen gibt es allerdings keine. Hier hätte das Xbox Live-Angebot von Microsoft einiges mehr an Möglichkeiten geboten.
Stockende KnuddelgrafikTechnisch ist
Viva Pinata ein ziemlich durchwachsener Titel. Die
Optik selbst ist mit ihrem kunterbunten Stil
über jeden Zweifel erhaben. Nie zuvor gab es dermaßen süße, putzig
» Nicht alle Pinatas sind tagaktiv. |
animierte Knuddeltierchen vor einer so schicken Kulisse zu bestaunen. Allerdings leidet der Titel unter häufigen, jedoch kurzen Ladezeiten. So muss man beim Navigieren durch die Menüs – beispielsweise beim Betreten eines Ladens – öfters einige Sekunden warten, was auf Dauer den Spielfluss stört. Hinzu kommen regelmäßige Stocker, welche durch das Zwischenspeichern ausgelöst werden.
Des Weiteren wissen die in der
Größe arg beschränkten Gärten nicht ganz zu überzeugen. Großflächigere Gebiete wären hier wünschenswert gewesen. Somit ist man gezwungen, schnell neue Grünanlagen anzulegen, um wirklich für alle Pinata- und Pflanzen-Arten ein zu Hause zu schaffen. Wirklich ärgerlich ist darüber hinaus die
Inhaltsbeschränkung für Gärten. So können nicht beliebig viele Pflanzen angebaut werden, auch wenn eigentlich noch genug Platz vorhanden wäre. Schwach ist zudem der Sound: Gute Hintergrundmusik fehlt bis auf einige kurze gelungene Samples komplett und auch die Soundeffekte animieren oftmals zum Leiserdrehen der Anlage.