Wunderschöne, aber extrem abwechslungsarme Balleraction vor Tropenkulisse.Riesige Welten, Handlungsfreiheit und jede Menge Action. Dies ist seit
Grand Theft Auto III ein beliebtes und oft nachgeahmtes Spielprinzip, welches vor allem in Bezug auf die Power der Next-Generation-Konsolen immer mehr Potenzial birgt. Entwickler Avalanche hat sich der Materie angenommen und schickt den Spieler in Just Cause auf eine gigantische Karbikinsel, mit der Lizenz zum Austoben. Was das Erstlingswerk des Studios so alles bietet, verrät unser
Master-Review.
Ab auf die InselSan Esperito. Dieser Name steht für Sonne, Palmen, Strand, schöne Frauen und ...
Revolution! Ein grausamer Diktator unterdrückt die Einwohner der Karbikinsel und finanziert geheime Forschungen durch den Verkauf
» Willkommen in Paradies. |
von Drogen und Waffen. Der US-Regierung wird dies alles zu bunt und schickt ihren besten Agenten, um den Despoten mit Hilfe einheimischer Revolutionäre zu stürzen: Rico Rodriguez. Der Latino-Macho ist Meister aller Waffen und Fahrzeuge sowie ausgebildeter Fallschirmspringer.
Die komplette Insel mit ihren weit über
1000 Quadratkilometern ist mit Hilfe von
zahlreichen Vehikeln frei begeh- und befahrbar. Neben Autos, Schiffen und Motorrädern gibt es vom einfachen Flugzeug bist hin zum dicken Kampfheli auch zahlreiche fliegende Vehikel. Der stets einsatzbereite Fallschirm sowie ein Enterhaken dienen ebenfalls zur Fortbewegung. So können beispielsweise sich bewegende Helis und Boote problemlos gekapert werden. Es ist sogar möglich, zwischen fahrenden Autos von Dach zu Dach zu springen. Dass man allerdings nicht zum Urlaub machen und Rumcruisen auf San Esperito verweilt, wird bereits klar, bevor das Spiel richtig anfängt.
Ballern im ParadiesNach dem knappen Intro wird man bereits in die erste Schießerei und eine actionreiche Verfolgungsjagd verwickelt. Anschließend liegt die Wahl beim Spieler, was zuerst angegangen wird. Am naheliegendsten präsentieren sich
» Rico ist ein Stuntexperte. |
hier die insgesamt
21 Storymissionen, welche durch solide Rendersequenzen miteinander verbunden sind, aber gerade einmal rund
fünf Stunden in Anspruch nehmen. Alternativ dazu kann man einige
Nebenaufgaben, wie das Befreien der insgesamt 34 Provinzen, diverse Wettrennen und Stunts oder Bergungsmissionen, in Angriff nehmen. Meistens stehen einem hier Regierungstruppen oder Gangster im Weg, die abhängig vom Fahndungslevel die Verfolgung des Spielers aufnehmen.
Damit man gut voran kommt, haben die Entwickler zwei wichtige Features eingebaut: Zum Einen ist es möglich, jederzeit einen Transportheli anzufordern, der einen in eine beliebige, freigespielte Basis bringt. Zum Anderen kann man sich allseits
per Luftexpress Fahrzeuge schicken lassen, falls gerade keine kaperwilligen Opfer in der Nähe sind. Zwei äußerst praktische Funktionen, die viel Laufarbeit ersparen und während des Spielverlaufs häufig genutzt werden.
Monotonie auf 1000 QuadratkilometernSo gut dies alles klingt, so viele Probleme bringt der Titel auch mit sich. Allem voran sind die
langweiligen und im Grunde nutzlosen Nebenmissionen zu nennen. Diese wiederholen sich ständig und verlangen selten mehr als
» Fahrzeuge können per Enterhaken gekapert werden. |
das sture Abschießen von Feinden. So laufen beispielsweise die Befreiungsmissionen immer und immer wieder darauf hinaus, in ein Dorf zu laufen, dort jede Menge Soldaten zu erledigen, Straßensperren in die Luft zu jagen und anschließend eine Flagge zu erobern. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass die Nebenmissionen - von den Gamerpunkten, die sie einbringen mal abgesehen - keinen realen Nutzen für den Spieler haben. Lediglich neue Verstecke (Speicher- und Regenerationspunkte) lassen sich freispielen und die Feindaktivitäten in den befreiten Gebieten werden minimal weniger.
Herausragend wiederum zeigt sich die
geniale Optik. Die Sichtweite ist gigantisch und kommt vor allem aus der Luft voll zur Geltung. Die Umgebungsgrafiken sind top und können in Punkto Fernsicht und Detailreichtum sogar mit
The Elder Scrolls 4: Oblivion in Konkurrenz treten. Darüber hinaus ist der Ablauf stets flüssig und gerät selbst in großen Schlachten mit etlichen Vehikeln und Soldaten nicht ins Stocken. Zurückstecken muss
Just Cause allerdings bei den Figurenmodellen und Animationen, die sich nur auf einem mittelmäßigen Niveau befinden. Popups sind ebenfalls mit von der Partie, halten sich aber in einem sehr erträglichen Rahmen. Beim Sound werden
krachige Effekte, treibende Musik aber eine leider nur mäßige deutsche Synchro geboten.
Käfer in KilleroptikDummerweise ist
Just Cause wie viele Xbox 360-Spiele von
Bugs geplagt. Zwar wiegt keiner von diesen wirklich schwer, allerdings sind es viele Kleinigkeiten, die verärgern. Das fängt bei wichtigen Kontaktpersonen,
» Zu Lande, zu Wasser und...aus der Luft! |
die manchmal nicht aufzufinden sind, an, setzt sich über ständige
Physik-Engine- und Grafikfehler fort und nimmt sein volles Ausmaß in der
katastrophalen KI der NPCs an: Diese bleiben mit ihren Fahrzeugen ständig in Häusern und anderen Hindernissen stecken oder fahren ziellos wild im Kreis. Gegnerische Panzer registrieren den Spieler meistens erst gar nicht und lassen sich bequem erobern. Taktische Manöver oder In-Deckung-Gehen wurden bei der Programmierung der KI zudem offensichtlich gar nicht erst in Erwägung gezogen.
Ein weiteres Problem des Titels ist das
Balancing. Solange man in Bewegung bleibt, kann einem auch das übelste MG-Feuer kaum zur Gefahr werden. Wirklich gefährlich sind nur explosive Feindprojektile, die einen zu allem Übel oft sehr unverhofft treffen. Dies führt zu einigen unfairen und unnötig frustrierenden Momenten. Auch gibt es zuweilen Bedienungsprobleme, was vor allem beim Kapern von Fahrzeugen oder in der letzten Story-Mission sehr nervige Ausmaße annehmen kann.