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Me & My Katamari  
» Autor: Christian Krammer
» Datum: 25.05.2006
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Einfach anders: Wer hätte gedacht, dass Rollen so viel Spaß machen kann?

In der Videospieleindustrie ist es mittlerweile gang und gäbe, eher den Weg eines regelmäßigen Updates denn einer Neuentwicklung zu gehen. Innovationen bleiben da oftmals auf der Strecke. Speziell Electronic Arts macht keinen Hehl daraus und wirft im Jahresrythmus FIFA und Co. auf den Markt. Doch gerade dieser Publisher hat auch ein Herz für alle, die auf der Suche nach unverbrauchtem Futter sind. Neben We love Katamari für die PS2 fand so auch der PSP-Ableger Me & My Katamari den Weg zu uns. Was die Handheld-Version des "etwas anderen" Titels bietet, klärt wie immer unser Master-Review.

Wie der Vater, so der Sohn
Nach den vorangegangenen Strapazen haben sich der King of All Cosmos und seine Familie einen Urlaub redlich verdient. Hierzu kommen sie auf die Erde und planschen vergnügt im Meer. Dumm nur, dass der König damit eine Flutwelle
» Der King of All Cosmos erklärt das Levelziel.
auslöst, welche die gesamte Umgebung überschwemmt. Ausbaden darf die Sache nun im wahrsten Sinne des Wortes sein Sohn, kurz Prinz genannt. In dessen Rolle schlüpft man als Spieler und hat fortan den Auftrag, alle umliegenden Inseln wieder aufzubauen und die ehemals darauf lebenden Tiere glücklich zu machen.

Dazu steht ihm sein ganz persönliches Eiland zur Verfügung, welches gleichzeitig auch als überdimensionales Hauptmenü dient. Als erstes bekommt der Königssohn Besuch von einer Maus, die sich mit ihm in Form eines kleinen Tutorials an die Grundbegriffe erinnert. Mithilfe einer Kugel, dem namensgebenden Katamari, rollt man in verschiedenen 3D-Welten alles auf, was einem in den Weg kommt. Durch den Wegfall des zweiten Analogsticks gestaltet sich die Steuerung aber nicht ganz einfach. Kompensiert muss dieser durch die Buttons werden, was besonders zu Beginn für etwas Verwirrung sorgt. Mit ein wenig Übung rollt man den Katamari dann aber doch ganz gut durch die Levels.

Tiere und ihre Wünsche
Nach und nach bekommt man Besuch von den verschiedensten Tieren, die natürlich alle ganz individuelle Wünsche und Vorstellungen bezüglich ihrer neuen Heimatinsel haben. Während sich der Gepard eine ganz besonders schnelle Insel
» Anfangs nur Tennisball-groß …
wünscht, steht der dicke Elefant eher auf große, massive Gegenstände. Demzufolge wählerisch sollte man eigentlich auch beim Aufsammeln der Objekte sein. In der Praxis scheitert das aber meist daran, dass so ziemlich alles aufgerollt werden muss, um die vorgegebene Größe des Katamaris innerhalb des Zeitlimits zu erreichen. Die Tiere nehmen es einem aber zum Glück nicht übel.

Während der Ball zuerst nur einige Zentimeter groß ist, wächst dieser nach einigen aufgesammelten Objekten aber schnell an und dementsprechend ändert sich auch immer wieder die Perspektive. So bleiben schnell Menschen, Autos oder ganze Häuser daran kleben, um im Endeffekt ganze Landstriche mit einer mehrere 100 Meter großen Kugel durch die Gegend zu rollen. Zwischendurch sorgen spezielle Herausforderungen für Auflockerung: Das Chamäleon möchte beispielsweise, dass man Gegenstände verschiedener Kategorien sammelt, das Kamel wiederum verlangt nach vielen wertvollen Objekten.

Alles im Überfluss
Den Reiz an Me & My Katamari machen einerseits die unzähligen aufrollbaren Gegenstände (insgesamt über 2000) aus, wobei der aktuellste jeweils inklusive Name am linken Bildschirmrand angezeigt wird – jedoch nur auf Englisch.
» … wächst der Katamari schnell auf eine stattliche Größe an.
Andererseits weiß man nie genau, welche Objekte man als nächstes aufzusammeln vermag und muss immer ein wenig herumprobieren. Allseits präsent ist der allwissende, alles sehende und zu jeder Zeit einen lockeren Spruch auf den Lippen habende King of All Cosmos. Die Gespräche zwischen ihm, den Tieren und dem Prinzen zaubern einem immer wieder ein Schmunzeln auf die Lippen und sind äußerst gelungen.

Dem steht die Insel des Prinzen in nichts nach, welche auch die eine oder andere Überraschung parat hat. Hier kann man nicht nur haarklein sämtliche aufgerollten Gegenstände nachschlagen, sondern den Königssohn auch mit in den Levels verteilten Geschenken ausstatten – darunter bizarre Hüte, Masken und Kleidungsstücke. Ebenso versteckt sind die Cousins des Prinzen, welche alternativ zur Wahl stehen. Insgesamt gibt es also genug Goodies, um immer etwas Neues zu entdecken.

Aus einem Guss
Die kantige Grafik des Titels kann bestenfalls als zweckmäßig bezeichnet werden, fügt sich aber bestens in das Gesamtkunstwerk Me & My Katamari ein. Auch der Soundtrack passt sehr gut in dieses Schema und deckt alles von "komplett
» Auch des Nächstens wird gerollt.
merkwürdig" bis "ohrwurmverdächtig" ab. Derart viel Detailliebe findet man selten in einem Spiel vor. Leider vermag es die Anzahl der zur Verfügung stehenden Szenarien nicht ganz, hier mitzuhalten – mehr als zehn unterschiedliche bekommt man nicht zu Gesicht. Aufgrund der zahlreichen Aufgaben hat man so schnell alles gesehen und wandelt immer öfter auf altbekannten Pfaden.

Zudem ist die Spielzeit mit etwa acht Stunden eher niedrig angesetzt, was aber durch die zahlreichen freischaltbaren Inhalte etwas entschärft wird. Im Multiplayer-Modus treten bis zu vier Spieler gegeneinander an. Dabei rollt man sich die Seele aus dem Leib und versucht, möglichst viele Gegenstände einzusammeln, wobei jeder unterschiedlich viele Punkte bringt. Nach dem Ablauf der Zeit rechnet das Programm ab. Daneben ist es möglich, drahtlos Geschenke und Objekte mit anderen Personen, die in Besitz des Titels sind, auszutauschen.
Pro
Neues, unverbrauchtes Konzept
Unzählige Gegenstände
Viele freispielbare Inhalte
Stimmiges Gamedesign
Gelungener Humor
Contra
Zu wenige Szenarien
Kurze Spielzeit
Steuerung etwas kompliziert
Fazit
Ich bin Fortsetzungen und jährlichen Updates gegenüber nicht zwangsweise negativ eingestellt, solange sie genug Neuerungen bieten, um den Kaufpreis zu rechtfertigen. Dennoch stellt ein frisches, unverbrauchtes Konzept immer wieder eine gern gesehene Abwechslung dar, zu der man nicht nein sagt. Me & My Katamari bietet genau das. Es basiert auf einer derart simplen Idee, nämlich dem Aufrollen von Gegenständen, dass schnell die Frage aufkommt, warum nicht schon viel früher jemand ein Spiel daraus gemacht hat. Doch es steckt weit mehr dahinter: Die unzähligen Gegenstände sorgen für Abwechslung, durch die stetig wachsende Kugel muss man immer wieder herumprobieren. Der größte Pluspunkt des Titels ist aber das gelungene Gamedesign, welches durch die zwar kantige aber ins Gesamtkonzept passende Grafik, den breit gefächerten Soundtrack sowie speziellen Humor erreicht wird. Nur selten ist ein Titel so stimmig und mit derart viel Detailliebe ausgestattet. Auch die zahlreichen freispielbaren Inhalte wissen zu gefallen. Dem gegenüber stehen die etwas komplizierte Steuerung, sich schnell wiederholenden Szenarien und relativ kurze Spielzeit von etwa acht Stunden. Nichtsdestotrotz stellt Me & My Katamari einen Titel dar, den jeder PSP-Besitzer zumindest einmal angespielt haben sollte. Ob man mit dem Konzept warm wird, muss aber jeder für sich selbst entscheiden.