Umfangreiches Japano-RPG mit Witz und Oldschool-Feeling.Was hierzulande unter dem überlangen Namen
Dragon Quest: Die Reise des verwunschenen Königs auf den Markt gekommen ist, bildet in Wahrheit bereits den achten Teil einer der erfolgreichsten Rollenspielreihen der japanischen Spielegeschichte. Im Osten ist die Reihe dermaßen populär, dass es am Releasetag sogar schulfrei gab, da eh kein Kind zum Unterricht erschienen wäre. Ob dieser Hype um den Titel gerechtfertigt ist, steht im folgenden
Master-Review.
Der verwunschene KönigDas Abenteuer beginnt inmitten des wunderschönen Reiches von König
Trode. Dieser ist dummerweise einem Fluch zum Opfer gefallen, welcher ihn in einen hässlichen Krötenmenschen und seine geliebte Tochter in ein Pferd verwandelt
» Durch Gespräche lernt man einiges über die Welt. |
hat. Zusammen mit dem Helden der Geschichte - der Spieler darf dessen Namen bestimmen- und dem Ex-Räuber
Yangus durchsucht man das Land nach dem Übeltäter, der ihnen dies angetan hat.
Bereits in der Einleitungsphase fallen die
liebevolle Cel Shading-Optik, für Playstation 2-Verhältnisse
enorme Weitsicht und witzige Inszenierung des Titels ins Auge. Vor allem der kauzige König und der etwas unterbelichtete
Yangus sorgen durchgehend für Lacher in den zahllosen Ingame-Zwischensequenzen und zeugen vom
sehr guten Charakter- und Dialogdesign. Im Spielverlauf stoßen noch die Magierin
Jessica und der toughe Chameur
Angelo zur Partie, die sich perfekt in die ungleiche Heldengruppe eingliedern.
Old-SchoolWer jemals ein Japano-Rollenspiel gezockt hat, wird mit dem zu Grunde liegenden Gameplay sofort warm werden. Begleitet von einem
wunderschönen Soundtrack durchstreift man auf der Suche nach dem
bösen
Dhoulmagus eine
riesige Oberwelt. Neben abwechslungsreichen Landschaften wie Gebirgen, Wüsten und Wäldern werden dabei natürlich allerlei schick designten Dungeons besucht. Außerdem lassen sich in in übersichtlichen Dörfern und Städtchen Waffen und Rüstungsteile verbessern, Heilutensilien aufstocken oder Gespräche mit den Einheimischen führen.
Von diesen bekommt man in den meisten Fällen auch die nächste Quest geschildert. Der Spielverlauf ist somit sehr linear gehalten. Nachdem eine gestellte Aufgabe erfüllt wurde, öffnet sich der Pfad zu einem neuen Ort, welcher wiederum weitere Herausforderungen und Gesprächspartner beherbergt. Kleinere Nebenquests bilden hierbei die Ausnahme. Die meiste Zeit wird man nicht mehr als einer klar definierten Aufgabe nachgehen. Natürlich gerät die Heldengruppe dabei - leider häufiger als einem lieb ist - in
Zufallskämpfe.
Und das Kampfsystem?Die Qualität eines Japano-Rollenspiels wird nicht selten an seinem Kampfsystem gemessen. Hier greift
Dragon Quest auf ein sehr klassisches System zurück, welches maximal vier spielergesteuerte Helden gegen bis zu
» Der verzweifelte König weiß nicht was er tun soll. |
neun Monster antreten lässt. Am Beginn einer Runde gibt man allen Spielfiguren typische Befehle wie
Angriff, Zaubern, oder das Ausführen von Spezialfertigkeiten. Direktes Reagieren auf Gegnermanöver ist somit nicht möglich, da die Aktionen der Monster ebenfalls zu Beginn der Runde festgesetzt werden. Wünschenswert wäre an dieser Stelle ein Zugindikator gewesen, der die Reihenfolge der Kampfteilnehmer anzeigt. Gegenstände, die man in einem umständlichem Itemmenü an die Charaktere verteilt, sind ebenfalls nutzbar.
Ein weiteres Kernelement der Kämpfe ist die Möglichkeit,
Kraft durch den Konzentrations-Befehl zu sammeln. Wird dies angeordnet, fokussiert der entsprechende Held seine Macht. Je häufiger man aussetzt, desto mächtiger wird letztendlich der eigentliche Angriff. Der Humor kommt selbst in den Fights nicht zu kurz. So sind alle Gegner in unverkennbarem Knuddellook gehalten und führen statt anzugreifen manchmal wirklich lustige Aktionen aus. Kleine Tintenfischbabys fangen beispielsweise plötzlich an zu spielen oder der Puppenkasper erzählt eine spannende Geschichte, welche die Konzentration der Gruppe erhöht.
Standardstory gut erzähltNeben vielen humorvollen Konversationen, ausführlichen Erkundungstouren und zahllosen Kämpfen bietet der Titel natürlich auch eine
durchgehende Story. Diese ist im Grunde zwar alles andere als weltbewegend, weiß aber dank
» Kämpfe nehmen einen Großteil der Spielzeit ein. |
ihrer Inszenierung trotzdem zu überzeugen. Vor allem die Hauptcharaktere, über die man im Verlaufe des gut und gerne
40-60 Stunen umfassenden Mammutwerkes durch geschickte Rückblenden viele interessante Infos erfährt, wissen vor den Bildschirm zu fesseln. Zahllose, in den Hauptstrang verstrickte, Minigeschichten wie die Story um einen trauernden König oder die mysteriöse Kristallkugel eines Wahrsagers sorgen zudem für gehobene Fantasyunterhaltung.
Der Schwierigkeitsgrad befindet sich insgesamt auf recht hohem Niveau. Wer nicht ausführlich auflevelt und in Kämpfen gut geplant vorgeht, beißt schnell ins Gras. Ist die ganze Gruppe kampfunfähig, verliert man allerdings nur die Hälfte seines Goldes und wird in der nächsten Kirche wiederbelebt, was unnötigem Frust vorbeugt. Ein Dorn im Auge vieler Spieler könnte allerdings die
sehr begrenzte Anzahl an Speicherpunkten sein. So darf ausschließlich in benannten Gotteshäusern gespeichert werden.