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Square Enix meets Akira Toriyama: Kult oder Reinfall?
In Japan absoluter Kult, mussten europäische Rollenspielfans viele Jahre warten bis Square Enix erstmals einen regulären Teil der Dragon Quest Reihe in unseren Gefilden veröffentlicht. Allerdings handelt es sich bei Dragon Quest – Die Reise des verwunschenen Königs nicht um den ersten, sondern schon um den achten Teil der Serie. Ob sich das lange Bangen und Hoffen der europäischen Spieler wirklich rentiert hat, soll ein ausführlicher Test klären. > Es war einmal… …ein böser Magier, namens Dhoulmagus, der das Königreich Trodain mitsamt seiner Bewohner verfluchte. Wie durch ein Wunder blieb ein junger Soldat von dem Fluch verschont und dieser machte es sich zur Aufgabe den bösartigen Magier zur Strecke zu bringen und somit den Fluch zu brechen. Anfangs wird er dabei nur von dem verwunschenen König Trode und seiner ebenfalls verfluchten Tochter Medea begleitet. Doch müssen die drei Gefährten ihre Reise nicht lange alleine bestreiten, denn schon recht schnell gesellt sich der ehemalige und leicht unterbelichtete Bandit Yangus zu ihnen. Später schließen sich ihnen auch noch die adelige und wunderschöne Magierin Jessica und der charmante Tempelritter Angelo an, die ebenfalls noch eine Rechnung mit Dhoulmagus zu Begleichen haben. So beginnt die lange und sehr beschwerliche Reise des verwunschenen Königs. > Unendliche Weiten Wie man schon an der Handlung unschwer erkennen kann, handelt es sich bei Dragon Quest um ein ganz klassisches RPG, dass kein Stück von den allseits bekannten Regeln abrückt. So sammelt der Spieler durch diverse Gespräche mit NPCs die nötigen Informationen für den nächsten Zielort und nützt die örtlichen Geschäfte um sich mit den aktuellsten Gegenständen auszurüsten, eine Rast einzulegen oder den Spielstand abzusichern. Hat man alle nötigen Informationen erhalten kann man sich endlich zum gewünschten Zielort begeben und sich voll und ganz den unzähligen Zufallskämpfen widmen. Während der Kämpfe kommt ein rundenbasiertes Kampfsystem zum Einsatz, welches im Prinzip über die üblichen Standardbefehle wie Angriff, Zauber, Fähigkeiten, Gegenstände, Flucht und ähnliche Kommandos verfügt. Einzig durch die Option Konzentrieren hebt sich das gut funktionierende Kampfsystem etwas hervor, wählt der Spieler diesen Befehl, so kann er nämlich die Angriffskraft eines Charakters steigern. Wiederholt man dies öfters, so erreicht die Figur den „Zustand höchster Konzentration“ und kann einen verheerenden Angriff durchführen der dem Gegner gewaltigen Schaden zufügt. Besonders in den schwierigen Bosskämpfen ist diese Option von besonders großem Nutzen. Beendet man einen Kampf erfolgreich erhalten die Charaktere die üblichen Erfahrungspunkte um die nächste Stufe zu erreichen, wodurch sich ihre Statuswerte verbessern und ihre Überlebenschancen steigen. Bei einem Levelaufstieg erhält jede Spielfigur auch Talentpunkte die man je nach belieben auf fünf verschiedenen Fähigkeiten verteilen kann. Z.B. kann Yangus seine Punkte auf die Fertigkeiten Axt, Knüppel, Sense, Faustkampf und Humanität verteilen. Je mehr Talentpunkte auf eine Fähigkeit verwendet werden, desto effektiver wird diese mit der Zeit. Dragon Quest hebt sich vor allem durch seine riesige und völlig frei begehbare Welt ab, in der es zahlreiche Geheimnisse und Schätze zu entdecken gibt. Riesig ist dabei wahrlich nicht übertrieben, denn zu Fuß dauert es wirklich mehrere Minuten von einem Ort zum anderen zu gelangen. Zum Glück erhält man im Spielverlauf diverse Fortbewegungsmittel, die das Reisen schneller und angenehmer gestalten, wie z.B. ein eigenes Schiff. Hat man nach einer langen und beschwerlichen Reise endlich den Dungeon erreicht, gilt es auch diesen genauestens zu erforschen. Die Entwickler haben zwar kurze, aber dafür sehr verwinkelte Schauplätze entworfen, in denen zahlreiche Schätze versteckt sind und hin und wieder auch extrem leichte Rätsel zu lösen sind. In manchen Dungeons wartet zu dem ein fordernder Bossgegner auf die Heldentruppe den es zu besiegen gilt um die Geschichte voran zu treiben. Allerdings bietet Dragon Quest dem Spieler auch abseits der Hauptgeschichte die Möglichkeit sich auszutoben. Hier sind vor allem das Kasino oder die Monsterkämpfe hervorzuheben, die viele Spieler sicher für mehrere Stunden beschäftigen werden und seltene Gegenstände einbringen. Wer außerdem fleißig alle Bücherregale durchforstet, wird sehr viele Rezepte finden, die es gilt im Alchemiekessel nachzukochen, sofern man im Besitz der nötigen Utensilien ist. So ist es ebenfalls möglich an seltene, mächtige und wertvolle Waffen oder Items zu gelangen. > Den kenne ich doch? Um es gleich vorwegzunehmen, technisch hat Level 5 ein Meisterwerk abgeliefert. Die detaillierte Cel-Shade-Optik läuft trotz der enormen Weitsicht stets flüssig und wartet nur mit sehr kurzen Ladezeiten auf. Aber das wirklich besondere an Dragon Quest ist Akira Toriyamas Charakterdesign, welches alle Teile der Reihe schon seit je her geprägt hat. Jeder Spieler der auch nur ein Werk dieses Mangaka gelesen hat, wird auf Anhieb diverse Gesichter wieder erkennen, so ähnelt z.B. der Frauenheld Angelo sehr stark Trunks aus dem weltberühmten Manga Dragonball. Den meisten Spielern wird dies sicherlich ein Lächeln ins Gesicht zaubern, wer allerdings kein Fan der japanischen Zeichenkunst ist, sollte lieber einen Bogen um das Spiel machen. Die Welt ist wie die meisten japanischen Rollenspiele sehr farbenfroh und weiß durch viele kleine Details zu begeistern. Auch die Zwischensequenzen werden in der traumhaften Grafik präsentiert und vermitteln deshalb ungemein viel Charme. Aber nicht nur grafisch befindet sich das Spiel auf dem höchsten PS2-Niveau, sondern auch musikalisch. Nahezu jede Melodie hat epische Ausmaße und selbst nach dem Abschalten der Konsole lassen die wunderschönen Klänge den Spieler nicht los. Einzig beim Battle-Theme hat man etwas daneben gegriffen, zwar ist die Melodie recht nett, doch beginnt sie nach einigen Stunden doch etwas zu nerven. Hier macht sich doch die eher geringe Anzahl der Musikstücke bemerkbar, was dem Spielspaß aber nichts an Abbruch tut. Die englische Sprachausgabe ist eigentlich sehr gut gelungen und trägt viel zur Atmosphäre des Spiels bei, allerdings könnte einigen Spielern der Slang von Yangus oder einiger NPCs etwas sauer aufstoßen, da man sie dadurch leider nicht immer versteht. Die meisten Spieler werden sich aber über die Dialekte freuen. > Nobody is perfect Obwohl Dragon Quest alle Zutaten eines klassischen Rollenspiels enthält und technisch über jeden Zweifel erhaben ist, wird es die Fangemeinde spalten. Leider kommt die 08/15 Geschichte nur langsam in Schwung, überhaupt ist das gesamte Spiel etwas langatmig geraten. Aufgrund der umständlichen Inventarverwaltung, der fehlenden Statusmenüs für Erfahrungs- und Talentpunkte und der sehr hohen Anzahl an Zufallskämpfen gestaltet sich das Spielgeschehen oftmals zäh. Vielen Spielern wird allerdings das antiquierte Speichersystem sauer aufstoßen, so ist es unverständlicher Weise nur möglich in Gotteshäusern sein Abenteuer abzusichern. Sollte die gesamte Heldentruppe während eines Kampfes besiegt werden, sieht man zwar keinen Game Over Bildschirm, weil die Gruppe in der zuletzt besuchten Kirche landet, jedoch um die Hälfte ihres Vermögens erleichtert. Wer aber über diese Kritikpunkte hinweg sehen kann, der wird mit einem humorvollen, riesigen und wunderschönen Rollenspiel belohnt. Obwohl ich mit den klassischen 16Bit Rollenspielen aufgewachsen und ein Fan von Akira Toriyama bin, wollte der Funke nie so richtig bei mir überspringen. Das Spiel ist leider unnötig umständlich und mir persönlich auch viel zu langatmig. Vor allem das veraltete Speichersystem hat mich ziemlich gestört, zeitweise hat es den Spielspaß enorm beeinträchtigt. Zwar hatte ich nicht unbedingt ein episches Meisterwerk erwartet, trotzdem hatte ich mir deutlich mehr von der Geschichte und den Charakteren versprochen. Auch das Fehlen richtiger Rätsel und die viel zu hohe Encounter-Rate hat mir teilweise das Spiel vermiest. Allerdings konnten mich die wunderschöne Grafik, der bombastische Soundtrack, das Kampfsystem und das Fähigkeitensystem für so manche Unzulänglichkeit entschädigen. Als sehr positiv empfand ich die gelungene PAL-Anpassung, die bei Square Enix Produkten wahrlich nicht gang und gebe ist. Dragon Quest ist aus meiner Sicht nicht das erhoffte Highlight geworden, sondern nur ein grundsolides RPG mit einer beeindruckenden Präsentation. |
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