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Daxter  
» Autor: Christian Krammer
» Datum: 13.04.2006
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Gelungenes Jump'n'Run, das mit atemberaubender Optik punktet, aber kleinere spielerische Defizite mitbringt.

Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Dieser Ausspruch kann nahezu beliebig auf Politik, Wirtschaft und Showbiz angewendet werden. Im vorliegenden Fall verhält es sich ähnlich, wenn auch Jak und Daxter nicht ganz in diese Geschlechterverteilung fallen – obwohl, quasseln kann Letzterer mindestens genau so gut wie eine Frau. Die traute Zweisamkeit erfährt jedoch ein jähes Ende, als Jak gefangen genommen wird. Sein pelziger Freund kann diesem Schicksal gerade noch entkommen. Was ihn in seinen folgenden Abenteuern alles erwartet, zeigt unser Master-Review.

A bug's life
Zeitlich ist vorliegender Titel zwischen den Ereignissen von Jak and Daxter: The Precursor Legacy und Jak 2: Renegade angesiedelt. In der zwei Jahre andauernden Suche nach seinem Weggefährten Jak weiß sich Daxter nicht besser zu helfen, als
» Praktisch, so eine multifunktionale Sprühdose.
beim örtlichen Kammerjäger von Haven City anzuheuern. Wie gut, dass die Metropole gerade von einer fiesen Insektenplage heimgesucht wird – Arbeit wartet also genug auf ihn. Seinen ersten Auftrag verschlägt das Ottsel in ein Nobelhotel, das es von dem krabbelnden Getier zu säubern gilt.

Dazu steht dem pelzigen Kameraden eine äußerst wirksame Fliegenklatsche zur Verfügung. Mithilfe der Viereckstaste lässt man diese auf die Gegner niedersausen, wobei mehrmaliges Drücken eine Kombo-Attacke auslöst. Jedes der Ungeziefer hinterlässt Goldsteine, die in ausreichender Anzahl eingesammelt für die Erfüllung des Levelzieles sorgen. Wie in einem ordentlichen Jump'n'Run üblich, kann Daxter natürlich auch springen, durch zweimaliges Drücken von X sogar doppelt. Selbst enge Schächte und ausgewählte Wände stellen für den Helden kein Problem dar, die er auf allen Vieren meistert. Um einen näheren Blick auf die Umgebung zu werfen, schaltet man mit dem Digikreuz in eine First-Person-Ansicht um. Die Schultertasten sind für das Drehen der Kamera zuständig, der Analogstick bewegt den Helden. Insgesamt ist die Steuerung sehr gelungen und geht schnell in Fleisch und Blut über.

Lasset die Waffen sprechen!
Die Fliegenklatsche tut zwar gute Dienste, reicht aber bald nicht mehr gegen die Feinde aus. So wird dem flauschigen Gesellen von seinem Arbeitgeber schnell eine effektivere Sprühdose zur Verfügung gestellt. In der Grundausstattung
» Fischfutter!
verteilt diese einen Giftnebel, der das Geziefer kurzzeitig lähmt. Als weitere Ausbaustufen gesellen sich noch Flammenwerfer sowie Strahlenkanone hinzu. Diese Waffe geht jedoch über die pure Schädlingsbekämpfung hinaus, sondern dient auch zum kurzzeitigen Schweben oder um versperrte Durchgänge zu öffnen.

Allzu große Sprünge sollte man sich dabei aber nicht erwarten, da der Vorrat, begleitet von einem Warnton, schnell zur Neige geht. Glücklicherweise finden sich in regelmäßigen Abständen Füllungen für die Sprühdose wieder, sodass nahezu hemmungslos geflogen und geballert werden darf. Das ist angesichts der zahlreich auftauchenden Krabbeltiere auch notwendig, wobei diese eher durch Masse als durch Variation auffallen. Über das ganze Spiel hinweg kämpft man lediglich gegen etwas mehr als eine handvoll unterschiedlicher Arten - darunter Käfer, Skorpione und Hornissen. Ab und zu gesellen sich auch Zwischengegner hinzu, die zwar eine willkommene Abwechslung, mit der richtigen Taktik aber kein allzu großes Problem sind.

Abwechslung ist Trumpf
Sosehr Daxter bei der Gegnerarmut enttäuscht, sosehr kann es beim Leveldesign auftrumpfen. Die insgesamt 17 Levels unterscheiden sich nicht nur optisch komplett voneinander – man besucht unter anderem Minen, ein Sägewerk und eine
» Der Herr der Ringe meets Daxter.
Fischfabrik -, sondern bieten auch wechselnde Herausforderungen. Mal gilt es überdimensionalen Sägeblättern ausweichen oder Riesenkäfer durch richtiges Auslösen einer Falle zu killen, ein anderes Mal hüpft man über bewegende Eisblöcke oder schmilzt diese mithilfe des Flammenwerfers, um höher gelegene Stellen zu erreichen. Selbst der Ritt auf U-Bahn-Waggons steht auf dem Programm.

Auch wurde dem Titel die eine oder andere Fahrzeugmission spendiert - unter anderem jagt man einer Riesenlibelle hinterher und bewirft sie dabei mit Bomben. In punkto Levelziele gibt es leider nicht ganz so viel Abwechslung, da es meistens darauf hinausläuft, eine bestimmte Anzahl von Gegner zu töten oder den Level unbeschadet zu überstehen. Auch etwas Frust bleibt nicht aus, da manche Ziele, beispielsweise Insektenbauten, gute Verstecke aufweisen und man teilweise etwas planlos auf der Suche danach umherirrt. Wirklich gelungen sind hingegen die als Minispiele angelegten Traumsequenzen, welche man durch Sammeln von Precursor-Kugeln nach und nach freischaltet. Hier schlüpft Daxter in die Rolle bekannter Filmhelden wie etwa Neo aus Matrix oder William Wallace, bekannt aus Braveheart. Diese gestalten sich zwar immer gleich, da in richtiger Abfolge Tasten gedrückt werden müssen, die Inszenierung ist aber äußerst gelungen. Als Bonus gibt es dafür etwa neue Moves oder eine verlängerte Gesundheitsleiste.

Augenweide und Ohrenschmaus
Besonders sticht das Spiel in seiner Präsentation hervor. Entwickler Ready at Dawn kann ohne Zweifel von sich behaupten, das bisher schönste PSP-Spiel mit der besten Technik auf die Beine gestellt zu haben: Detaillierte Charaktere, schöne
» Der "Wanzenkampf" ist in vollem Gange.
Lichteffekte, gelungene Texturen und ein allseits flüssiges Spielgeschehen mit nur geringen Ladezeiten. Auch die Akustik steht dem in nichts nach und punktet mit gelungener Hintergrundmusik und glasklaren Soundeffekten. Besonders die Sprachausgabe des Ottsels ist hier hervorzuheben: Wenn Daxter in gewohnter Manier von seinen Heldentaten berichtet oder auf Teufel komm raus flirtet, sind herzhafte Lacher garantiert.

Insgesamt 13 Minuten an hochqualitativen Zwischensequenzen sorgen für beste Unterhaltung während der Levels. Abseits der Einspielspielerkampagne, die einen für etwa 10 - 12 Stunden beschäftigt, wartet noch ein unterhaltsames Minigame auf einen Besuch. Im sogenannten Wanzenkampf hetzt man nach dem Prinzip Stein, Schere, Papier zwei Killer-Käfer in einer 3D-Arena aufeinander. Hithilfe von Extras, die gut im Singeplayer-Modus versteckt sind, lassen sich diese übrigens upgraden. In Abwesenheit von Freunden darf dieser Modus auch alleine gegen den Computer bestritten werden. Insgesamt bewegt sich der Schwierigkeitsgrad von Daxter auf einem sehr moderaten Niveau. Man stirbt zwar des Öfteren, zahlreich gesetzte Checkpoints verhindern aber unnötigen Frust. Lediglich die Fahrzeugmissionen hätten ein etwas besseres Feintuning vertragen. Als besonderes Extra lässt sich das Spiel mit Jak X: Combat Racing auf der PS2 verbinden und schaltet dort neue Fahrzeuge, Strecken und Charaktere frei.
Pro
Wunderschöne Grafik
Sehr abwechslungs-reich (Leveldesign)
Spaßige Traum-Minigames
Tolle Zwischen-sequenzen
Humor kommt nicht zu kurz
Gute Steuerung
Contra
Zu wenig Abwechs-lung (Gegnertypen)
Immer gleiche Levelziele
Manchmal fühlt man sich ein wenig verloren
Fazit
Was der PSP bis jetzt gefehlt hat, ist ein richtig gutes Jump'n'Run. Hier ist es – naja, fast. Die positiven Aspekte überwiegen zwar ganz klar, dennoch hat sich Entwickler Ready at Dawn ein paar kleine Schnitzer erlaubt, die dem Titel eine noch bessere Wertung verwehren. Allen voran ist das die geringe Anzahl an Gegnertypen - etwas mehr als eine handvoll Standardgegner bekommt man nicht zu Gesicht. Immerhin sind vereinzelt sehr gelungene Bosse anzutreffen. Zudem ist das Missionsziel fast immer das gleiche: Töte x Insekten oder überstehe den Level unbeschadet. Trotz alledem erwartet einen mit Daxter ein Jump'n'Run, das die Konkurrenz nicht zu scheuen braucht und mühelos den Genre-Olymp besteigt. Die sehr abwechslungsreich designten Levels lassen in Verbindung mit den unterschiedlichen Waffenupgrades niemals Langeweile aufkommen. Das geheime Highlight des Titels stellt aber die Optik dar: So atemberaubend schöne Levels und Charaktere gab es noch nie zuvor auf dem Handheld zu sehen. Auch die äußerst sehenswerten Zwischensequenzen mit ihrem gelungenen Humor tragen ihren Teil dazu bei. Freunde des Genres überlegen also nicht lange und greifen zu – die Schnitzer sind zwar allseits präsent, wiegen im Gesamtpaket aber dann doch nicht allzu schwer.