Genial inszeniertes, spannendes Untergrundabenteuer mit kleineren Macken.Wer sich gerne mit japanischen Filmen beschäftigt, der wird immer wieder über die Yakuza stolpern. Die Nippon-Mafia ist gleichermaßen furchteinflößend wie auch faszinierend, was unzählige Geschichten, Mythen und Legenden rund um das organisierte japanische Verbrechen hervorbrachte. Um auch die Videospieler daran teilhaben zu lassen, hat
Sega nun
Yakuza veröffentlicht. Was der im Vorfeld als inoffizieller
Shen Mue-Nachfolger gehandelte Titel so alles zu bieten hat, deckt wie immer unser
Master-Review auf.
Zehn Jahre später ... Kazuma,
Nishiki und die hübsche
Yumi sind seit ihrer frühesten Kindheit die besten Freunde. Das gemeinsame Aufwachsen in einem Waisenhaus hat sie geprägt und an einander geschweißt, aber auch auf die
» Die Story wird mit zahllosen Filmszenen erzählt. |
schiefe Bahn gebracht.
Kazuma und
Nishiki sind Yakuza – Mitglieder der
japanischen Mafia. Als jedoch eines Tages ihr gemeinsamer Boss Anspruch auf
Yumi erhebt, soll sich alles für immer ändern. Im Affekt tötet
Nishiki seinen Oyabun, um seine Freundin zu beschützen.
Kazuma nimmt alle Schuld auf sich und wandert für zehn Jahre in den Knast. Als er wieder in die Freiheit entlassen wird, ist
Yumi verschwunden und
Nishiki hat sich in ein machtbesessenes Monster verwandelt, das um jeden Preis die Kontrolle über die japanische Unterwelt erlangen will. Außerdem befinden sich rivalisierende Yakuza-Clans im Aufruhr.
Zehn Milliarden Yen sind spurlos verschwunden und der Schlüssel zum Geld scheint ein kleines Mädchen namens
Haruka zu sein, welches - wie es das Schicksal so will - ausgerechnet dem frisch entlassenen
Kazuma in die Arme läuft. Von allen gejagt versucht dieser hinter die
Geheimnisse der letzten zehn Jahre zu kommen, die verschwundene
Yumi aufzuspüren und seinen ehemals besten Freund zur Vernunft zu bringen.
Interaktiver FilmAll dies wird, wie auch der Rest der komplexen Geschichte, in etlichen filmreifen Ingame- und Rendersequenzen erzählt, die einen großen Teil zur Motivation beitragen, den Titel durchzuspielen. Natürlich lenkt fortan der
» Detailverliebtheit an jeder Ecke. |
Spieler die Geschicke von
Kazuma-San und macht sich auf, die Geheimnisse der Vergangenheit zu lüften. Das Action-Adventure spielt zu einem Großteil im Yakuza-Viertel der japanischen Metropole
Tokio, in dem man sich frei bewegen kann. Verglichen mit einem
GTA ist die Spielwelt recht klein geraten, dafür an Detailverliebtheit kaum zu übertreffen. Außerdem kann man sich ausschließlich zu Fuß fortbewegen. Fahrzeuge können nicht selbst gelenkt werden, weshalb der Titel stark an
Shen Mue erinnert.
Gespielt wird aus verschiedenen,
festen Kamerapespektiven, die das
Filmfeeling des Titels noch weiter untermauert. Das Spiel ist in
13 Kapitel unterteilt, in denen es jeweils diverse Hauptaufgaben zu erfüllen gibt. Auftragskritische Orte und Personen sind meistens auf einer praktischen Übersichtskarte markiert, so dass es nur ganz selten zu Sucharbeit kommt. Abseits der Hauptmissionen kann man in der Stadt allerlei
Aktivitäten und Subquests nachgehen - sei es einfach nur zum Spaß oder um ein wenig Extrageld und Erfahrungspunkte zu sammeln. Besonders spaßig sind hier Flirts mit Hostessen, die man mit Geschenken und guten Gesprächen umwerben kann. Einen zentralen Punkt des Spielgeschehens bilden
wüste Schlägereien, die Bestandteil fast jeder Mission sind. Auch beim Umherwandern durch die Stadt wird man immer wieder von Gangs attackiert und muss sich seiner Haut erwehren.
Get ready to rumble!Die Fights laufen in abgegrenzten Arealen ab, in die das Programm umschaltet, sobald man angegriffen wird. Nur selten hat man richtige Levels voller Gegner, durch die man sich in bester Brawler-Manier hindurchprügeln muss.
» Brutale Fights stehen im Mittelpunkt. |
Das Kampfsystem wirkt anfangs recht simpel, ermöglicht mithilfe einfacher Eingaben aber
wirkungsvolle Schlagkombinationen. Mittels
Erfahrungspunkten erlernt man im Spielverlauf allerdings immer stärkere und komplexere Manöver, Kombos und brutale Finishing Moves, die der Fight-Engine eine gewisse Tiefe verleihen. Außerdem lassen sich zahllose Gegenstände wie Fahrräder, Sofas, Tische und Eisenstangen als Waffen zweckentfremden.
Leider geht die Steuerung nicht immer so präzise von der Hand, wie man es sich wünschen würde. Vor allem das Einlocken der Gegner funktioniert alles andere als zufriedenstellend, was Angriffe oft ins Leere gehen lässt. Ebenfalls verbesserungswürdig ist die Kamera, die vor allem in Gebäuden mit toten Winkeln zu kämpfen hat. Hier wird also Fingerspitzengefühl gefordert. Glücklicherweise ist der
Schwierigkeitsgrad recht niedrig ausgefallen, was unnötigen Frust trotz Bedienungsbarrieren vermeidet.
Gute Technik mit MackenTechnisch zeigt sich Yakuza ambitioniert, aber mit Mängeln. Die
Grafik ist sehr detailverliebt und weiß vor allem durch schicke Umgebungen und Charaktermodelle zu punkten. Eine dermaßen lebendig wirkende
» Mini-Games beschäftigen über die Regelspielzeit hinaus. |
virtuelle Welt hat man selten zuvor gesehen. Leider bringt dies beim Durchstreifen der reichlich bevölkerten und liebevoll gestalteten Straßen ständige Nachladestocker mit sich. Überhaupt gibt es ungewöhnlich viele und zu allem Überfluss auch noch recht lange
Ladezeiten zu ertragen. So lädt der Titel vor und nach jedem Kampf, was vor allem bei den Zufallsauseinandersetzungen in der Stadt nervt. Zudem leidet die Optik unter teils starkem Kantenflimmern und kleineren Glitches.
Akustisch gibt sich der Titel
professioneller: passende Soundeffekte, eine perfekte, sehr derbe englische Synchronisation sowie die atmosphärische Musikuntermalung sorgen für die passende Klangkulisse. Lediglich der unsaubere Geräuschematsch auf den Straßen muss hier als negativ angekreidet werden. Neben den qualitativen Werten weist Yakuza auch eine ordentliche Quantität auf: Die Spielzeit für das erste Durchzocken ist mit
15 bis 20 Stunden sehr ordentlich ausgefallen. Wer sich ausgiebig mit Nebenquests beschäftigt, wird noch länger beschäftigt.