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Yakuza  
» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 19.09.2006
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Genial inszeniertes, spannendes Untergrundabenteuer mit kleineren Macken.

Wer sich gerne mit japanischen Filmen beschäftigt, der wird immer wieder über die Yakuza stolpern. Die Nippon-Mafia ist gleichermaßen furchteinflößend wie auch faszinierend, was unzählige Geschichten, Mythen und Legenden rund um das organisierte japanische Verbrechen hervorbrachte. Um auch die Videospieler daran teilhaben zu lassen, hat Sega nun Yakuza veröffentlicht. Was der im Vorfeld als inoffizieller Shen Mue-Nachfolger gehandelte Titel so alles zu bieten hat, deckt wie immer unser Master-Review auf.

Zehn Jahre später ...
Kazuma, Nishiki und die hübsche Yumi sind seit ihrer frühesten Kindheit die besten Freunde. Das gemeinsame Aufwachsen in einem Waisenhaus hat sie geprägt und an einander geschweißt, aber auch auf die
» Die Story wird mit zahllosen Filmszenen erzählt.
schiefe Bahn gebracht. Kazuma und Nishiki sind Yakuza – Mitglieder der japanischen Mafia. Als jedoch eines Tages ihr gemeinsamer Boss Anspruch auf Yumi erhebt, soll sich alles für immer ändern. Im Affekt tötet Nishiki seinen Oyabun, um seine Freundin zu beschützen.

Kazuma nimmt alle Schuld auf sich und wandert für zehn Jahre in den Knast. Als er wieder in die Freiheit entlassen wird, ist Yumi verschwunden und Nishiki hat sich in ein machtbesessenes Monster verwandelt, das um jeden Preis die Kontrolle über die japanische Unterwelt erlangen will. Außerdem befinden sich rivalisierende Yakuza-Clans im Aufruhr. Zehn Milliarden Yen sind spurlos verschwunden und der Schlüssel zum Geld scheint ein kleines Mädchen namens Haruka zu sein, welches - wie es das Schicksal so will - ausgerechnet dem frisch entlassenen Kazuma in die Arme läuft. Von allen gejagt versucht dieser hinter die Geheimnisse der letzten zehn Jahre zu kommen, die verschwundene Yumi aufzuspüren und seinen ehemals besten Freund zur Vernunft zu bringen.

Interaktiver Film
All dies wird, wie auch der Rest der komplexen Geschichte, in etlichen filmreifen Ingame- und Rendersequenzen erzählt, die einen großen Teil zur Motivation beitragen, den Titel durchzuspielen. Natürlich lenkt fortan der
» Detailverliebtheit an jeder Ecke.
Spieler die Geschicke von Kazuma-San und macht sich auf, die Geheimnisse der Vergangenheit zu lüften. Das Action-Adventure spielt zu einem Großteil im Yakuza-Viertel der japanischen Metropole Tokio, in dem man sich frei bewegen kann. Verglichen mit einem GTA ist die Spielwelt recht klein geraten, dafür an Detailverliebtheit kaum zu übertreffen. Außerdem kann man sich ausschließlich zu Fuß fortbewegen. Fahrzeuge können nicht selbst gelenkt werden, weshalb der Titel stark an Shen Mue erinnert.

Gespielt wird aus verschiedenen, festen Kamerapespektiven, die das Filmfeeling des Titels noch weiter untermauert. Das Spiel ist in 13 Kapitel unterteilt, in denen es jeweils diverse Hauptaufgaben zu erfüllen gibt. Auftragskritische Orte und Personen sind meistens auf einer praktischen Übersichtskarte markiert, so dass es nur ganz selten zu Sucharbeit kommt. Abseits der Hauptmissionen kann man in der Stadt allerlei Aktivitäten und Subquests nachgehen - sei es einfach nur zum Spaß oder um ein wenig Extrageld und Erfahrungspunkte zu sammeln. Besonders spaßig sind hier Flirts mit Hostessen, die man mit Geschenken und guten Gesprächen umwerben kann. Einen zentralen Punkt des Spielgeschehens bilden wüste Schlägereien, die Bestandteil fast jeder Mission sind. Auch beim Umherwandern durch die Stadt wird man immer wieder von Gangs attackiert und muss sich seiner Haut erwehren.

Get ready to rumble!
Die Fights laufen in abgegrenzten Arealen ab, in die das Programm umschaltet, sobald man angegriffen wird. Nur selten hat man richtige Levels voller Gegner, durch die man sich in bester Brawler-Manier hindurchprügeln muss.
» Brutale Fights stehen im Mittelpunkt.
Das Kampfsystem wirkt anfangs recht simpel, ermöglicht mithilfe einfacher Eingaben aber wirkungsvolle Schlagkombinationen. Mittels Erfahrungspunkten erlernt man im Spielverlauf allerdings immer stärkere und komplexere Manöver, Kombos und brutale Finishing Moves, die der Fight-Engine eine gewisse Tiefe verleihen. Außerdem lassen sich zahllose Gegenstände wie Fahrräder, Sofas, Tische und Eisenstangen als Waffen zweckentfremden.

Leider geht die Steuerung nicht immer so präzise von der Hand, wie man es sich wünschen würde. Vor allem das Einlocken der Gegner funktioniert alles andere als zufriedenstellend, was Angriffe oft ins Leere gehen lässt. Ebenfalls verbesserungswürdig ist die Kamera, die vor allem in Gebäuden mit toten Winkeln zu kämpfen hat. Hier wird also Fingerspitzengefühl gefordert. Glücklicherweise ist der Schwierigkeitsgrad recht niedrig ausgefallen, was unnötigen Frust trotz Bedienungsbarrieren vermeidet.

Gute Technik mit Macken
Technisch zeigt sich Yakuza ambitioniert, aber mit Mängeln. Die Grafik ist sehr detailverliebt und weiß vor allem durch schicke Umgebungen und Charaktermodelle zu punkten. Eine dermaßen lebendig wirkende
» Mini-Games beschäftigen über die Regelspielzeit hinaus.
virtuelle Welt hat man selten zuvor gesehen. Leider bringt dies beim Durchstreifen der reichlich bevölkerten und liebevoll gestalteten Straßen ständige Nachladestocker mit sich. Überhaupt gibt es ungewöhnlich viele und zu allem Überfluss auch noch recht lange Ladezeiten zu ertragen. So lädt der Titel vor und nach jedem Kampf, was vor allem bei den Zufallsauseinandersetzungen in der Stadt nervt. Zudem leidet die Optik unter teils starkem Kantenflimmern und kleineren Glitches.

Akustisch gibt sich der Titel professioneller: passende Soundeffekte, eine perfekte, sehr derbe englische Synchronisation sowie die atmosphärische Musikuntermalung sorgen für die passende Klangkulisse. Lediglich der unsaubere Geräuschematsch auf den Straßen muss hier als negativ angekreidet werden. Neben den qualitativen Werten weist Yakuza auch eine ordentliche Quantität auf: Die Spielzeit für das erste Durchzocken ist mit 15 bis 20 Stunden sehr ordentlich ausgefallen. Wer sich ausgiebig mit Nebenquests beschäftigt, wird noch länger beschäftigt.
Pro
Sehr gute Story
Filmreife Inzenierung
Spaßige Fights
Gute Technik
Cooler Held
Viele Nebenaktivitäten
Sehr ordentliche Spielzeit
Angenehmer Schwierigkeitsgrad
Contra
Ungenaue Lock-On-Funktion
Viele Ladepausen
Zufallskämpfe auf Dauer nervig
Unsaubere Geräuschkulisse auf Straßen
Kantenflimmern
Kameraprobleme
Fazit
Mit Yakuza liefert Sega ein erstklassiges Action-Adventure ab, welches vor allem in den Bereichen Atmosphäre, Charakterzeichnung, Inszenierung und Story massiv punkten kann. Der Mix aus interaktivem Film, flotten Kloppereien und dem freien Erkunden des Yakuza-Viertels geht voll auf und zieht den Spieler in den Bann, bis nach knappen 20 Stunden der Abspann über den Schirm flimmert. Dieser positive Gesamteindruck kann auch durch die langen Ladezeiten und die etwas ungenaue Kampfsteuerung nicht wirklich getrübt werden – auch wenn man den Titel hier mit etwas Feinschliff sicherlich noch hätte aufwerten können. In der Summe ist Yakuza ein echter Must-Have für jeden Action-Adventure-Fan, der abseits ausgelatschter Pfade agieren will und das japanische Untergrundsetting nicht scheut. Und zum Schluss noch ein wertvoller Tipp: Wer die ohnehin schon sehr gut eingefangene Atmosphäre noch verdichten will, der sollte sich die vier eigens für das Spiel produzierten Kurzfilme nicht entgehen lassen, welche die Vorgeschichte zu den hier statt findenden Geschehnissen erzählen.