Der König der Strategie-RPGs verteidigt wacker seinen Thron.Seit
Disgaea: Hour of Darkness stehen Nippon Ichi-Spiele – zumindest bei Fans von Strategie-RPG – ganz hoch im Kurs. Dank Publisher THQ haben es auch die serienverwandten Titel
Makai Kingdom: Chronicles of the Sacred Tome,
La Pucelle Tactics und
Phantom Brave nach Palien geschafft. Obwohl auch diese Games sehr gut waren, erreichten sie nie die Qualität des Originals, weswegen viele Fans auf eine "richtige" Fortsetzung warteten. Diese ist nun mit
Disgaea 2: Cursed Memories erschienen. Ob der zweite Teil an den genialen Erstling heran kommt, steht wie immer im passenden
Master-Review.
Vermurkste BeschwörungBeschwörungsrituale sind etwas, womit man sich genauestens auskennen sollte, bevor man sie durchführt. Diese Weisheit hätte sich besser auch die Ziehmutter von Protagonist
Adell zu Herzen genommen, bevor
» Richtig platzierte Figuren führen Teamangriffe aus. |
sie den Versuch startete, den Dämonenkönig
Zenon zu beschwören. Statt des Böse in Person taucht nämlich plötzlich dessen Tochter auf und bringt
Adells Plan, den großen Herrscher direkt nach der Beschwörung zu töten, komplett durcheinander. Also bleibt dem jungen Dämonenjäger nichts anderes übrig als mit dem
widerspenstigen Fräulein gemeinsame Sache zu machen, um den Fürsten aller Unterwelten zu finden. Wie bereits im Vorgänger bestimmen schräge Charaktere, superwitzige Dialoge und
zahlreiche Verulkungen aufs Rollenspiel-Genre den Verlauf der Story, wodurch
Disgaea 2 wie der Vorgänger mehr wie eine Parodie als ein ernsthaftes RPG wirkt.
Erzählt wird die Geschichte zwischen den einzelnen Stages der insgesamt
13 Episoden mit Hilfe von technisch unspektakulären Ingame-Sequenzen und Artworks. Hier kommt abermals der Oldschool-hafte und liebevolle Stil, der jedes Japano-Fan-Herzen höher schlagen lässt, zum Einsatz. Wie im ersten Teil wird mit minimalistischen Mitteln eine sehr
schöne Atmosphäre aufgebaut, welche eindrucksvoll beweist, dass eine sporadische Technik nicht gleichzeitig eine schlechte Optik bedeutet.
Unverändertes GameplaySpielerisch hat sich im Gegensatz zum Vorgänger quasi nichts geändert – und das ist auch gut so. Das
nahezu perfekte Spielsystem des Erstlings wurde erfolgreich adaptiert und bietet Anfängern wie auch absoluten
» Viele alte Bekannte trifft man wieder. |
Hardcoreprofis ein ausgewogenes Spielerlebnis. Sämtliche Missionen werden abermals von einer Basis aus gestartet. In diesem übersichtlichen Bereich können die Helden verwaltet und erstellt, Gegenstände gekauft und verkauft und Verwundete geheilt werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit beim
Dunklen Rat nach besseren Items, neuen Charakterklassen, mehr Geld, Bonusdungeons, stärkeren Feinde oder Statusverbesserungen anzufragen.
Es ist dem Spieler vollkommen freigestellt, ob er mit den vorgegebenen Charakteren in die Schlacht zieht, eigene erstellt oder einen Mix aus beidem bevorzugt. Die anfangs recht überschaubaren Charakterklassen wachsen im Spielverlauf stetig an und bieten einen
enormen Pool an möglichen Helden. Solange man genug Mana zum Erstellen neuer Figuren besitzt – welches quasi unendlich vorhanden ist, da es durch das Töten von Feinden angesammelt wird – kann man neue Gefährten erstellen. Um dennoch das Balancing zu wahren, dürfen an einer Schlacht nur
zehn eigene Krieger gleichzeitig teilnehmen.
Umfangreiches SpielAbseits der rund
20-30 Stunden umfassenden Hauptstoryline gibt es etliche Beschäftigungen. Neben der Darkworld - einer Art Parallelwelt mit besonders starken Monstern - stehen zwei Bonuskapitel sowie die Itemworld
» Das abgedrehte Design weiß wieder zu überzeugen. |
zur Verfügung. Letztere dient zum Aufleveln der Ausrüstung. In jedem Item, sei es eine Rüstung, ein Schwert oder seien es ein Paar Stiefel, befindet sich eine eigene Welt mit mehreren Ebenen. Je weiter man in diesen Ebenen vordringt, desto mehr Boni erhält der Gegenstand auf seine Attribute. Ein lohnenswertes Unterfangen für all jene, die das Maximum aus ihren Gegenständen rausholen wollen. Wie im Vorgänger werden die Itemworlds zufällig kreiert, was einen praktisch
unendlichen Vorrat an neuen Levels zur Folge hat.
Das eigentliche Spielgeschehen ist
streng rundenbasiert. Auf in Quadraten unterteilte Schlachtfeldern zieht man seine Figuren, gibt Angriffs- sowie Zauberbefehle und versucht die meist übermächtigen Gegner durch geschickte Aktionen zu übervorteilen. Zusätzlichen Pepp ins Spielgeschehen bringen die sogenannten Geo-Steine. Diese verleihen farbig markierten Feldern diverse Attribute wie
+50% Angriff oder
+1 Attacke und bilden eine wichtige Grundlage für wirkungsvolle Strategien. Zusätzliche taktische Tiefe bietet die Möglichkeit eigene und feindliche Figuren sowie Geosteine zu werfen. Außerdem können letztere zerstört werden, was Schaden auf allen beeinflussten Quadraten verursacht.
Sieg durch StilErfolgeiches Töten von Feinden wird natürlich mit
Erfahrungspunkten belohnt, was die eigenen Figuren im Level steigen lässt. Je höher dieser Level, desto mehr Fähigkeiten erlernen die Recken. Zündelt der Feuermagier
» Je stärker die Figuren, desto stärker die Zauber. |
anfangs noch mit nur einer kleinen Flamme herum, bedeckt er im Spielverlauf ganze Kartenabschnitte mit tödlichen Feuerstürmen. Je häufiger man diverse Spezialfertigkeiten einsetzt, desto besser wird der Charakter in dieser Fähigkeit, was eine höhre Reichweite, mehr Schaden oder - bei Heilzaubern - mehr regenerierte Trefferpunkte zur Folge haben kann.
Rein technisch bietet der Titel wie eingangs erwähnt nur wenig. Allerdings kann dies durch einen
schicken Grafikstil, kultige Animationen und knallbunte Special Effects bei stärkeren Attacken sehr gut ausgeglichen werden. Musikalisch wird ein sehr japanischer, an
16-Bit-Zeiten erinnernder Soundtrack geboten, welcher dem Spiel übrigens in Form einer Zusatz-CD beliegt. Abermals superb ist die Wahl der Sprecher ausgefallen. Diese hauchen den schrägen Figuren mehr als gekonnt Leben ein und sorgen in den Dialogen für etliche Lacher. Allerdings sollte man der englischen Sprache mächtig sein, da
Disgaea: Cursed Memories wie sein Vorgänger weder akustisch noch optisch eingedeutscht wurde.