» userrankings.com Master-Review «
Link: http://userrankings.com/spiel/2534/masterreview.html
F.E.A.R. (Fear)  
» Autor: Christian Kellner
» Datum: 21.11.2006
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Der Horror-Shooter aus dem Hause Monolith überzeugt trotz kleinerer Mängel auch auf der Xbox 360.

Schwach beleuchtete Gänge, unstete Schatten und trotz umfangreichem Waffenarsenal das Gefühl ständiger überirdischer Bedrohung: F.E.A.R. wird nicht ohne Grund in einem Atemzug mit Spielen wie Doom 3 genannt. Seit kurzem ist der PC-Shooter aus dem Hause Monolith (Condemned: Criminal Origins) auch für die Xbox 360 erhältlich. Ob sich auf der Couch ebenso beklemmende Atmosphäre einstellt wie am Schreibtisch, soll nun folgendes Master-Review klären.

F.E.A.R. not!
Als eine paramilitärische Einheit bei der Befreiung des Mörders Paxton Fettel ein Massaker an den lokalen Sicherheitskräften verübt, tritt ob der seltsamen Umstände, unter denen die gewaltsame Aktion ablief,
» Die Bullet-Time in Aktion.
die Eliteeinheit F.E.A.R. – First Encounter Assault Recon – auf den Plan, welche sich unter anderem mit paranormalen Begebenheiten befasst. Als Klassenbester und Reflextalent werdet ihr ausgewählt, quasi im Alleingang Fettel auszuforschen und die mysteriösen Umstände restlos aufzuklären.

Um der bedrohlichen Lage Herr zu werden, packt ihr nicht nur MP5 und Taschenlampe ein, sondern macht auch regen Gebrauch von der Zeitlupenfunktion: Diese steht für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung und lässt das Geschehen ähnlich wie in Max Payne – optisch grandios inszeniert – verlangsamt ablaufen, während ihr wie gewohnt in normaler Geschwindigkeit zielen könnt. Den oftmaligen Einsatz der Bullet-Time habt ihr aufgrund der starken Gegner-KI auch bitter nötig: Je nach Situation werdet ihr umgangen, in die Zange genommen oder mit Granaten beworfen. Auch offene Fenster und Hindernisse überwinden die dunklen Schergen mühelos, weswegen ihr bei Unachtsamkeit des Öfteren in einen Zweifrontenkrieg verwickelt werdet.

Kleine, langhaarige Mädchen
Je weiter ihr im Spiel vorankommt, desto eher erschließt sich durch Abhören von Sprachaufnahmen die verschlungene Geschichte. Immer wieder werdet ihr dabei auch von gruseligen Visionen heimgesucht, welche
» Ein dicker Brummer.
zumeist die Geburt des Protagonisten behandeln und als stimmungsvolle spielbare Elemente in das Gameplay eingebunden wurden. Zentrale Aufmerksamkeit kommt einem kleinen dunkelhaarigen Mädchen namens Alma zu, welches nicht nur Teil eurer Visionen ist, sondern auch harmlose Büroräume heimsucht und mit einem Schlag alptraumartige Reflexe beim Protagonisten auslöst.

Effektheischende Action- und angespannte Horrorsequenzen wechseln sich dabei während des Spiels geschickt ab. Habt ihr eben noch einige dutzend Soldaten über den virtuellen Jordan geschickt, steht ihr kurz darauf in vermeintlich verlassenen Räumlichkeiten, welche aufgrund der dichten akustischen und optischen Grusel-Atmosphäre jedoch keinen Zweifel an der weiteren unmittelbaren und überirdischen Gefahr lassen. Flackernde Lampen, dunkle Stiegenabgänge und schwach beleuchtete, Wasser führende Kanäle tragen ihr übriges zum beklemmenden Gesamtbild bei. Jeder Schritt wird automatisch mit Bedacht gewählt, ein Gefühl der Sicherheit kommt in der ca. zehn bis zwölfstündigen Kampagne mit Sicherheit niemals auf.

Entspannung tut Not
Ist euch das Herz im Storymodus einmal zu oft in die Hose gerutscht, darf in der Xbox 360-exklusiven Instant Action bei fulminanten Feuergefechten entspannt und der Lust an der zelebrierten Gewalt gefrönt werden.
» In der Instant Action geht es rund.
.Hierfür stehen vier Karten zur Verfügung, in welchen mit allen verfügbaren Mitteln Horden von Gegner zu bezwingen sind. Nach dem erfolgreichen Abschluss bewertet euch das Programm anhand eines komplizierten Schlüssels (benötigte Zeit, Anzahl noch vorhandener Medipacks, Treffsicherheit, …) und lädt die Punktezahl online, wo das individuelle Abschneiden im Vergleich zu Freunden und Feinden eingesehen werden kann.

Ebenso verfügt das Spiel über einen Multiplayermodus für bis zu 16 Spieler; dieser beschränkt sich jedoch – leider – auf klassische Deathmatch-, Eliminiation- und Capture the Flag-Varianten, läuft aber zumeist ohne Verzögerungen. Lediglich die maximale Spieleranzahl von 16 Kontrahenten wird kaum je erreicht, wofür aber in erster Linie die starke vorweihnachtliche Konkurrenz zur Verantwortung zu ziehen ist.

Next-Gen Technik
Technisch gibt es wenig zu bemängeln. Als herausragend darf in erster Linie die opulente Soundkulisse bezeichnet werden: Während es bei Schusswechseln nur so kracht und auch die Musik ihr übriges zum Adrenalinrausch
» Schnell weg!
.beiträgt, herrscht in den ruhigeren Gruselsequenzen musikalischer Minimalismus vor: Eigene Schritte werden somit schnell als gegnerische identifiziert, knisternde Generatoren, quiekende Ratten und plötzlich herunterfallende Gegenstände treiben den Adrenalinspiegel weiter in die Höhe. Optisch ist F.E.A.R. jedoch ein zweischneidiges Schwert. Atmosphärisch über jeden Zweifel erhaben, bietet sich anhand der Levelstruktur jedoch ein überwiegend tristes Bild: Büroräume, Abwasserkanäle und Lagerräume sind nun mal keine ideale Basis für "Aha"-Erlebnisse. Auch die Texturen wirken ein wenig verwaschen. Immerhin darf aufgrund der grandiosen Partikel- und Physikeffekte ein Raum beinahe vollständig zerlegt werden – vor allem der dichte Staub nach einem intensiven Feuergefecht begeistert.

Zu guter letzt noch eine Warnung an alle erwachsenen Spieler: F.E.A.R. erscheint hierzulande nur in einer um Blut- und Splattereffekte geschnittenen Fassung. Wer auf staatliche Bevormundung dankend verzichtet und über solide Englischkenntnisse verfügt, importiert somit lieber aus dem Ausland.
Pro
Stimmungsvolle Gruselatmosphäre
Gekonnter Wechsel zwischen Action- und Horrorsequenzen
Hervorragende Soundkulisse
Gelungene Partikel- und Physikeffekte
Xbox 360-exklusive Modi
Contra
Großteils tristes Leveldesign
Teils verwaschene Texturen
Deutsche Fassung gekürzt
Fazit
F.E.A.R. ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache: Das Spiel legt Wert auf behutsames Vorgehen, Rambo-Aktionen werden nicht selten mit einem schnellen Tod bestraft. Wer jedoch langsame Shooter schätzt und mit der expliziten Horror-Thematik warm wird, dem kann die Konsolenportierung des PC-Hits auch in diesen releasestarken Tagen nur ans Herz gelegt werden. Selten genug findet man einen Ego-Shooter, der so gekonnt eine latentes Gefühl der Bedrohung beim Spieler aufkommen lässt, ohne lediglich auf billige Schockmomente zu setzen. Aber auch die Actionsequenzen überzeugen: Die Schusswechsel sind abwechslungsreich sowie effektvoll und die Zeitlupenfunktion sorgt im Zusammenspiel mit der gewitzten KI für erinnerungswerte Momente. Wer den Titel jedoch schon vor einem Jahr auf dem PC durchhatte, sollte sich einen Kauf gut überlegen – viel Mehrwert wird mit der Portierung gegenüber der ursprünglichen Fassung nicht geboten, auch optisch muss sie hinter der Schreibtischfassung anstehen. Alle anderen dürfen jedoch bedenkenlos zugreifen!