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Master-Review:   » drucken    » versenden

Medal of Honor: Airborne

» Autor: Christian Kellner
» Datum: 08.10.2007
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Durchschnittliche Weltkriegs-Shooterkost mit spaßigem Waffenupgrade-System.

Unglaublich aber wahr: Nach diversen desaströsen Ausrutschern der Medal of Honor-Schmiede erschien Mitte September mit Medal of Honor: Airborne ein Serienableger, auf den man sich tatsächlich freuen konnte. Nichtlineare Missionen, Absprungsequenzen im Sperrfeuer der deutschen Wehrmacht und aufrüstbare Waffen erzeugten bei Shooterfans weltweit wohliges Kribbeln in der Magengegend. Was nun tatsächlich aus dem ambitionierten Projekt geworden ist, soll wie immer unser Master-Review klären.

Fly around the world …
Da so eine Fallschirmlandung ganz schön in die Knie gehen kann, dürft ihr euch vor dem ersten Kampfeinsatz mal ganz unverkrampft im Training austoben: Hier werden grundlegende Steuer- und
» Nervenkitzel vor dem Absprung.
Manövrierfähigkeiten beim Angriff aus der Luft geprobt, das Schießeisen bleibt währenddessen im Rucksack verpackt. Spätestens bei der Invasion Italiens geht's aber ans Eingemachte: Unter ständigem Feuer der italienischen Flak gilt es ebendiese zu zerstören, um wichtigen Nachschub auf dem Luftweg ins Land zu bringen – und die Airborne Division ist ironischerweise dazu auserkoren, dieses kleine Kunststück zu vollbringen.

Nach dem Absprung gilt es zuerst so genannte Safe Zones anzusteuern, welche vom Feind nicht besetzt sind und bleifreie Luft versprechen. Im Gegensatz hierzu bekommt ihr bei einer missglückten Landung zumeist blitzschnell einen neuen Scheitel gezogen was einen sofortigen Neustart bedeutet. Habt ihr endlich soliden Boden unter den Füßen, kann es eigentlich auch schon losgehen: Missionsziele werden auf einer Minimap vermerkt, die Orientierung auf den großen, nicht-linearen Karten sollte somit nicht besonders schwer fallen.

Vorwärts Marsch im Schweinsgalopp
Abgesehen von der freien Startplatzwahl spielt sich Medal of Honor:Airborne jedoch wie ein klassischer EA-Weltkriegsshooter: Lücken in angreifende Feindeshorden schießen, mit dem
» Und da sollen wir hinein?
eigenen Trupp vorrücken, Deckung suchen, Lücken schießen. Die Kriegsmaschinerie der Achsenmächte scheint bei der Ausbildung der scheinbar unerschöpflichen Ressource "Soldat" ganze Arbeit geleistet zu haben! Aktiver Angriff lautet somit die Devise, sonst geht eure Munition schneller zuneige als ihr "Schon wieder einer" rufen könnt.

In insgesamt sechs Missionen führt euch euer Weg durch italienische Städtchen, französische Küsten und deutsche Industrieanlagen. Langweilig wird es dabei selten bis nie: Es gilt Geschütze auszuschalten, Kommunikationsanlagen und Materialnachschub zu sabotieren und natürlich haufenweise Soldaten über den virtuellen Jordan zu schicken. Beweist ihr besonderes Geschick mit einem bestimmten Waffentyp, könnt ihr diesen auch mit zusätzlichen Granatwerfer- und Zielfernrohr-Aufsätzen, Bajonetten oder größerer Magazinkapazität ausrüsten.

Der Flaktürm
Etwa sechs bis acht Stunden sollten geübte Zocker auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad brauchen, bis der Abspann über den Bildschirm flimmert. Dabei erweist sich vor allem die letzte Mission als wahrer Test
» Wer sich drückt bekommt Anschiss vom Chef.
eurer Frustrationsresistenz - hier müsst ihr gut und gerne mit 10-20 Absprüngen rechnen, bevor sich der dreimal verfluchte Flakturm endlich in einer Rauchwolke auflöst. Kann aber auch sein, dass sich der Autor dieser Zeilen einfach nur dämlich angestellt hat.

Wer will darf sich danach für Achievements auf die Suche nach speziellen Landepunkten machen – fünf gibt es in jeder Mission – und alle Waffen aufrüsten, wobei sich das bei einigen durchaus schwierig gestalten kann. Habt ihr genug vom Einzelspielermodus bietet sich ein Blick ins Multiplayermenü an, wobei mit Ausnahme eines interessanten King of the Hill-Ablegers kaum Nennenswertes zu vermelden ist. Aufgrund der erstarkten Konkurrenz in Form von Halo 3 sowie der Call of Duty 4: Modern Warfare-Multiplayer-Beta finden sich auch nur wenige potenzielle Mitspieler.

Granaten auf Türen kicken
Technisch ist Medal of Honor: Airborne ein zweischneischneidiges Schwert: Während die Atmosphäre auch dieses Mal wieder von knackigen Soundeffekten und pathetischer Kampfmusik
» Ein Ausflug an die Adria.
profitiert und ebenso die Optik als durchaus gelungen bezeichnet werden kann, so existiert bei Electronic Arts besonders in Hinsicht auf Interaktivität Nachholbedarf: Zu zerstörende Gefährte fahren so lange stur im Kreis, bis sie endlich in Flammen aufgehen, Panzergeschosse lösen nicht einmal den Putz von den Wänden und hinter einem Holzzaun versteckte Soldaten lassen sich auch nach minutenlanger Bearbeitung mit dem MG42 nicht zum Umfallen bewegen.

Auch die Künstliche Intelligenz vermag nicht so richtig in Schwung zu kommen. Es scheint fast so, als seien die Feinde, aber auch die Kampfgenossen, mit der offenen, nicht-linearen Spielwiese ein wenig überfordert: Deutsche Soldaten laufen lieber auf euch zu, um eurem Alter Ego mit dem Gewehrkolben den Schädel einschlagen, als den Abzug zu betätigen. Alliierte wiederum machen sich besonders beim Granatwurf einen Spaß daraus, plötzlich aufzutauchen, um die explosive Ladung von ihrem Helm in eure Richtung zurückprallen zu lassen.
Pro
Gute Präsentation und Atmosphäre
Gelungene Sounduntermalung
Motivierendes Waffen-Upgrade-System
Fallschirmspringen im Videospiel!
Nicht-lineares Spielsystem
Contra
… welches so "nicht-linear" nicht ist
Kaum interaktiv
Teilweise nervige KI
Im Westen eigentlich doch nur wenig Neues
Fazit
Medal of Honor: Airborne ist mit Sicherheit das beste Medal of Honor seit Jahren. Am Thron des Serienkönigs Medal of Honor: Allied Assault sowie der mittlerweile kräftigen Konkurrenz vermag es jedoch nicht zu rütteln – dafür wird dem Spieler zuviel Standardkost geboten: Die Interaktivität liegt bei Null, die angepriesene Nicht-Linearität ist aufgrund der aufbauenden Missionsstruktur gar nicht so "nicht-linear" und auch die Künstliche Intelligenz hat schon bessere Tage und vor allem Spiele gesehen. Ansonsten werden euch aber vor allem auf dem hohen Schwierigkeitsgrad spannende und abwechslungsreiche Kämpfe geboten, welche die alte Tradition hochhalten und taktisches Vorgehen erfordern. Insbesondere bei der letzten Mission hätten ein oder zwei zusätzliche Checkpoints aber sicherlich nicht geschadet, ebenso wie die grundsätzliche Entschärfung der obersten, Feind-infizierten Plattform dem Spielgenuss sicherlich nicht abträglich gewesen wäre. Wer auf Weltkriegs-Shooter steht, darf sich nach einem Probespielchen die lustige Fallschirmhatz sicherlich nicht entgehen lassen – alle anderen warten auf Call of Duty 4 oder kämpfen sich mit dem Masterchief durch die Flood.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action • Ego-Shooter
Publisher
Electronic Arts
Entwickler
EA Los Angeles
Website
www.electronic-...
Release
14. September 2007
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