Technisch fragwürdige aber Mehrspieler-taugliche Portierung des PC-Strategiehits.Das sonnige Auenland am Ende des Dritten Zeitalters: Friedlich gehen die stämmigen Hobbits ihrem Tagwerk nach, als plötzlich dunkle Wolken die Wiederkehr des dunklen Herrschers Sauron ankündigen. Wenig später legt man auch schon Hand an die Horden des Bösen, vertreibt mithilfe von Ringgeistern, Ogern & Co. die friedliebenden Bewohner aus ihrer angestammten Heimat. Keine Geschichte, die ihr schreiben würdet? Dann entscheidet euch doch einfach für die Seite der Allianz! In
Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde 2 stehen beide Wege offen – ob diese auch wirklich an den Schirm fesseln können, klärt unser
Master-Review.
The one and only … Zwei Kampagnen stehen also offen; insgesamt gilt es, jeweils acht Aufträge abzuschließen, um in den Genuss des glorreichen Finales zu kommen. Das Setting ist dabei wohl bekannt: Das Mittelerde-Universum am
» Brückenköpfe schlagen … |
kriegerischen Ende des Dritten Zeitalters bietet genug Schauplätze, um massig Schlachten zu führen und die strategische Feder zu schwingen. Dank der Akquirierung der Buch-Lizenz sind nicht nur Charaktere und Handlungsstränge aus dem Film vertreten, sondern ebenso
Elemente aus der ursprünglichen Romanvorlage wie zum Beispiel Tom Bombadil.
Die ersten ungeübten Schritte im für reine Konsoleros unbekannten RTS-Genre sollten am besten im
umfangreichen Tutorial absolviert werden, welches die grundlegenden Spielmechaniken sowie einige Tipps und Kniffe vermittelt. Das A und O eines Konsolen-Strategietitels stellt selbstverständlich die
Steuerung mittels Controller dar. Den vollmundigen Ankündigungen, man hätte zig Versuche zur Perfektion des Handlings benötigt, mag man beim vorliegenden Ergebnis aber leider ein wenig argwöhnisch gegenüber stehen. Besonders das
Truppenmanagement verkommt zur Geduldsprobe, selbst definierte Gruppen müssen mühsam über mehrere Einträge abgerufen werden – im Fall des Falles schickt man also am besten gleich die gesamte Armee in die Frontalschlacht.
Klingen wetzenDies ist insofern weniger tragisch, als dass der
Schwierigkeitsgrad nicht sonderlich hoch ausgefallen ist – wohl eine Vorsichtsmaßnahme, die angesichts der umständlichen Steuerung Einzug in die Portierung
» Das Auenland im Ausnahmezustand. |
gehalten hat. Nichtsdestotrotz wird man nach wie vor mit
bekannter Strategie-Kost verwöhnt: Festungen bauen, Versorgung von Rohstoffen sicherstellen, Kundschafter aussenden und schlussendlich zum großen Sturm auf die feindliche Festung blasen. Die Missionen halten sich größtenteils – mit Variationen – an diese Vorlage. Ein wenig frischen Wind bringen die
Helden ins Spielgeschehen – diese verfügen über spezielle Kräfte und langen im Kampf auch ordentlich zu. Beißen sie dennoch ins Gras, kann man ratzfatz in der eigenen Festung die Wiederbelebung des Heroen in die Wege leiten.
Schwierigkeiten im Gameplay finden sich aber leider auch dort, wo hervorragende Strategietitel üblicherweise ihre Trümpfe ausspielen:
im Kampf und in der Wegfindung. Das Zusammenspiel dieser beiden halbgar umgesetzten Spielelemente vermag für den einen oder anderen Wutausbruch zu sorgen: Situationen, in denen Gegner trotz mehrmaliger Bestätigung nicht angegriffen werden (lieber kümmert man sich um das halb zerstörte Mauerstück, welches zufällig am Wegesrand liegt) und ständig zurückbleibende, versprengte Truppenteile, die grundsätzlich keine Befehle anzunehmen scheinen, geben sich die Klinke in die Hand. Da soll man als Feldherr nicht zum Wüterich werden?
Augen zu und durchDen Vogel schießt aber
die unbeständige Framerate ab, welche größere Gefechte zur reinen Diashow verkommen lässt. Nicht einmal die
hübschen Zwischensequenzen sind vor solchen heimtückischen
» Elbische Reiter blasen zum Angriff. |
Attacken gefeit. Selbst die Kamera leidet an der Umsetzung: Sie klebt viel zu nahe am Geschehen – einen größeren Überblick verschafft man sich maximal an der kleinen (Un-)Übersichtskarte am linken unteren Bildschirmrand.
Next-Generation-Feeling kommt somit nur in der
tollen akustischen Atmosphäre auf, welche die Defizite optischer Natur jedoch nicht einmal ansatzweise ausgleichen kann. Wer jetzt allerdings glaubt, mit
Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde 2 einen veritablen Fehlkauf zu tätigen, irrt. Im
Multiplayermodus über Xbox Live spielt der Titel seine wenigen Trümpfe gekonnt aus: Die Server sind schnell und mit
39 Karten steht ein umfangreiches Repertoire an spieltauglichen Karten zur Verfügung. Der beliebteste Modus ist der klassische
Skirmish, in welchem der Platzhirsch mit allen erdenklichen Mitteln bis zur Selbstaufgabe erkoren wird. Daneben warten noch
König des Hügels,
Besetzen und Halten,
Held gegen Held und
Rohstoffsammler auf willige Mit- und Gegenspieler. Seltsamerweise muss man sich zu mehrt auch weniger Sorgen um eine einbrechende Framerate machen – über Xbox Live sind davon nur die wirklich großen Schlachtgetümmel betroffen.