Schwerfällige, lahme Mechsimulation mit guten Ansätzen und hervorragendem Roboterbaukasten.Endlich ist es so weit! Nach etlichen Previews, Informationen und Videos zur vielversprechenden Mechsimulation
Chromehounds von
From Software hat es der Titel in die Ladenregale geschafft und wartet dort auf willige Käufer. Ob das Spiel den hohen Erwartungen der Kampfroboter-Community gerecht wird und für wen sich ein Erwerb lohnen könnte, haben wir wie immer im folgenden
Master-Review herausgefunden.
Sechs-Klassen-GesellschaftTrotz aller Warnungen und der Bedrohung durch den atomaren Holocaust kommt es zum
dritten Weltkrieg, was das Gefüge der Weltordnung natürlich ordentlich durcheinander wirft. Nach den erbitterten Auseinandersetzungen formen
» COMBAS-Punkte erhöhen die Radarreichweite. |
sich drei neue Supermächte. Der Spieler selbst gehört dabei keiner dieser Fraktionen direkt an, sondern verdient sich als heimatloser Söldner seinen Lebensunterhalt. Der Solo-Modus ist in sechs verschiedene
Mini-Kampagnen unterteilt, in denen man die Laufbahnen eines Soldaten, Scharfschützen, Spähers, Verteidigers, Richtschützen und Befehlshabers durchläuft.
Es stehen dabei die drei Schwierigkeitsgrade zur Verfügung, so dass es sinnvoll ist, zunächst die Soldatenkarriere zu starten und sich langsam aber sicher zum Befehlshaber vorzuarbeiten. Die belanglose Story wird zwischen den Missionen durch dröge Sequenzen und Textfelder erzählt. Vor Beginn einer Mission darf man sich zunächst seinen eigenen Mech – genannt Hound - zusammenbauen oder auf ein vorgefertiges, speziell auf den Auftrag zugeschnittenes Kampfgerät zurückgreifen. Da zu Beginn des Spiels noch keinerlei Houndteile verfügbar sind, ist man zunächst allerdings auf die
vorgebauten Stahlkolosse angewiesen.
Mech nach MaßErst später können
eigene Kreationen in der Werkstatt frei zusammengestellt, bewaffnet, konfiguriert sowie mit umfangreichen Farb- und Emblemoptionen seinen eigenen Wünschen angepasst werden. Dies ist auch gleichzeitig die größte
» Map und Systemstatus sind jederzeit einblendbar. |
Stärke des Titel. Nichts ist befriedigender, als mit dem selbst entworfenen Hound die Schlachtfelder zu dominieren. Das eigentliche Spielgeschehen hinkt dem Mechbaukasten allerdings stark hinterher. Die Kampfkolosse steuern sich allesamt
sehr träge und schwerfällig, was den Titel eindeutig in die
Simulationskerbe schlagen lässt.
Eine Tatsache, die an sich natürlich nicht schlimm ist, allerdings leidet der gesamte Spielfluss darunter, da der Rest des Games nicht mit der Trägheit der Einheiten harmonisiert. Zunächst einmal hat man es verpasst, die Missionen wirklich interessant zu gestalten. So gibt es in einigen Aufträgen viel Leerlauf und lange Laufwege, die aufgrund des Schneckentempos der mechanischen Riesen quälend sind. Auch den Kämpfen
fehlt es an echter Dramatik. Die meiste Zeit muss man sich mit recht schwachen Drohnen und Panzern auseinander setzen, die dem eigenen Mech gnadenlos unterlegen sind. Spannende Konfrontationen mit ebenbürtigen Hounds finden nur sehr selten statt.
Simulation statt DaueractionEin weiteres Problem sind zeitkritische Aufgaben oder Eskort-Missionen. Hier kommt es oft vor, dass Gegner an einer Stelle aufs Schlachtfeld treten, die zu weit von der eigenen Position entfernt ist, um schnell genug reagieren
» In der richtigen Perspektive gefällt die Optik. |
zu können. Darüber hinaus sorgen verbündete Einheiten für mehr Frust als Unterstützung. Wird eine missionskritische, eigene Einheit zerstört, muss der Auftrag von vorne begonnen werden. Außerdem ist es oft sehr schwer, Feinde von Freunden zu unterscheiden, da es außer dem nicht immer hilfreichen Radar keinerlei Freund-Feind-Erkennung gibt. Ohnehin bietet das
HUD nur wenige nützliche Zusatzfeatures. Nicht einmal ein
Fadenkreuz gibt es in der klassischen Form.
Statt dessen muss man zum Zielen in die Ansicht der entsprechenden Waffengruppe wechseln. Alternativ gibt es zwar die Möglichkeit, über ein Bild im Bild an der rechten oberen Ecke zu zielen, allerdings ist es auf Dauer sehr anstrengend, sich auf zwei Bildschirme gleichzeitig zu konzentrieren. Ebenfalls weniger gelungen sind die Klasseneinteilungen der Kampagnen. So muss man beispielsweise in den Sniper-Missionen viel zu oft an vorderster Front kämpfen, während sich die als "schwer" kategorisierten Richtschützen-Missionen absolut problemlos mit einem Nahkampf-Mech bewältigen lassen.
Optisch okay, akustisch schwachAbseits der Kampagne bietet der Titel noch einen
umfassenden Onlinemodus, der nicht zwangsläufig mit anderen Spielern gezockt werden muss. Statt mit Anderen zu zocken heuert man dann als Söldner für ein Land an und führt
auf einer virtuellen Weltkarte Einsätze und Kriege mit und gegen die KI oder auch andere Spieler. Dabei verdient man Geld, welches bei Händlern gegen bessere Waffen eintauschen werden kann. Prinzipiell eine motivierende Geschichte, allerdings nur gegen menschliche Mitspieler. Glücklicherweise hat sich die Onlinesituation im Gegensatz zur Anfangszeit mittlerweile etwas gebessert, so dass man in der Regel jemanden zum Zocken findet.
Zudem zehrt auch hier die Tatsache am Spielspaß, dass die
Karten einfach zu groß und die
Laufwege zu lang ausgefallen sind. Optisch nutzt
Chromehounds die Power der Xbox 360 vor allem für eine sehr gute Inszenierung der Hounds. Die Stahlkolosse wandern schick animiert und superdetailliert über das Schlachtfeld. Auch Explosions- und Waffeneffekte können sich sehen lassen. Eingespart hat man leider an den Umgebungen, die sehr karg und leer wirken. Ein weiterer Kritikpunkt ist das starke
Tearing. Auch die akustische Untermalung lässt enorm zu wünschen übrig: Explosionen und Waffeneffekten fehlt der richtige Bumms, während die
Hintergrundmusik dröge vor sich hin dudelt.