![]() |
![]() |
|
|
|
Als milliardenschweres Industriellensöhnchen hat man´s aber auch schwer! Nicht nur das besagter Vorfahre und Dollar-Scheffler einem ein ganzes, weltumspannendes Industrieimperium vererbt (ebenso weltumspannende adventure-obligatorische Verschwörung inklusive) und somit die ganze Last des Jungmagnatentums auf euren alleinigen Schultern ruht – Nein, Ihr müßt natürlich auch noch eigenhändig den dunklen Machenschaften der bösen Buben auf die Schliche kommen und mit schnittigem Privatjet selbigen um den halben Erdball nachjagen – Eine echte Plackerei und so wenig Zeit für gut temperierte Martinis – Eine Schande! Damit der titelgebende Sunnyboy all dies nicht gänzlich alleine durchmachen muss, dürft ihr diesem in Ubi Softs Adventure unter die Arme greifen und wandert in den Fußstapfen der auf den hierzulande eher unbekannten Largo Winch-Comics basierenden Konsolenversion. Genrefans auf der Suche nach knackigen Kombinationsrätseln dürften mit den manchmal lächerlich einfachen Aufgaben keine rechte Freude haben – zu offensichtlich sind die Wege zu Lösung, zu simpel die wenigen Kombinationsmöglichkeiten, zu wenig zahlreich die interagierbaren Items. Weiter erleichternd ist die Einschränkung auf meist nur sehr wenige aktuell begehbare Räumlichkeiten, die erst wieder verlassen werden können, sobald ein Schlüsselereignis ausgelöst wurde und die Story zum nächsten Setting voranschreitet. Zusätzlich dürft ihr mittels Start/Pause-Taste einen PDA hervorkramen und neben dem Schrauben an diversen Optionen auch die bisherige Story nachlesen und euch Tipps zur aktuellen Aufgabe holen. Alles in allem also keine Herausforderung für Lucasarts-gestählte Querdenker aus alten Adventure-Blütezeiten. Die Story selbst präsentiert sich als wenig innovativer Plot der Marke „Böse Verschwörer streuen Sand ins Getriebe unseres Helden – woraufhin dieser zur Tat schreitet, die Verschwörer aufdeckt, damit einen katastrophalen Terroranschlag abwendet und nebenbei noch einige Geheimnisse des verstorbenen Vaters ans Tageslicht kommen – Garnierung: eine kleine Lovestory“ – Solide, aber leider wenig spritzige Storykost deren Elemente allesamt schon in anderen Genrekollegen verarbeitet wurden. Nichtsdestotrotz kann der Plot, nicht zu letzt wegen der ganz passablen Präsentation für die kurze Spieldauer von nicht einmal 10 Stunden vor die Konsolen bannen – Nach dem Abspann werden sich aber schon nach kurzer Zeit nur mehr die Wenigsten an Details erinnern. Wer weis – vielleicht eine neue Form den Replay-Value zu steigern.... So begleitet Ihr unseren zahnpastastrahlenden Helden durch die unterschiedlichsten Locations – u.a. zu einer biologischen Forschungsstation in Mexiko, einem abgelegenen Bergkloster, einer kälteklirrenden Kleinstadt in Sibirien und schlußendlich zum finalen Showdown auf hoher See an Bord eines Frachters. Hin und wieder mit von der Partie ist einer von Largos Getreuen, wie die Nahkampfexpertin Joy oder der Schloßknacker Simon, die euch mit ihren Spezialfertigkeiten zur Seite stehen. Was der geneigte Adventure-Spieler bei Largo Winch aber vergeblich suchen wird, ist die oftmals unverzichtbare Brise Humor, die so vielen anderen Genrekollegen die nötige Würze verleiht. Hier wird knochentrocken der Storyplot durchgezogen – kein selbstironisches Augenzwickern oder humoristische Anspielungen auf Real Life Begebenheiten oder Adventure-Klassiker. Wer mit älteren PC-Adventures noch vertraut ist, oder auch das vor einiger Zeit am PC erschienene „Runaway – A Road Adventure“ spielen durfte, wird diese Form des Humors in Largo Winch sicherlich schmerzlich vermissen. Sehr bald im Spielverlauf wird der Spieler mit den Kampfsequenzen in Largo Winch konfrontiert. Diese präsentieren sich als rundenbasierte Prügeleinlagen, deren Grundprinzip aus dem Nachbargenre des Rollenspiels entlehnt scheint. Ihr seht die beiden streitlustigen Parteien sich gegenüberstehen und könnt abwechselnd Angriffskommandos und die Auswahl des Gegners für Largo und seine Mitstreiter abgeben. Diese tun selbiges und schlagen in der nächsten Runde mit gleichen Waffen zurück. Leider stehen euch nicht gerade viele Angriffsoptionen zur Verfügung, die sich meist auch nicht maßgeblich voneinander unterscheiden. Taktische Würze kommt allerdings durch unterschiedliche Spezialattacken ins Spiel mit denen Ihr meist einen Gegner für ein paar Runden lähmen könnt, wodurch dieser für den nächsten Angriff sehr viel leichter zu treffen ist. Der Einsatz mancher Umgebungsitems sorgt zusätzlich für Abwechslung, so daß Ihr schmal mit Aschenbechern oder einem Feuerlöscher auf eure Kontrahenten losgeht. Die Kampfeinlagen steigern sich von Mal zu Mal merklich im Schwierigkeitsgrad, mit ein wenig Raffinesse und Glück sind dieser aber auch ohne größere Probleme zu schaffen und können durchaus zum Weiterspielen motivieren. Vorsicht ist aber geboten, da ein verlorener Kampf das unweigerliche Spielende darstellt und Ihr zum zuletzt gespeicherten Spielstand greifen müßt. Dieser kann aber jederzeit während des Spiels angelegt werden, so daß frustige Wiederholungen von Spielabschnitten einfach vermeidbar sind. Weniger gefährlich dagegen sind die häufigen Hacking-Einlagen bei denen Ihr fremde Computernetzwerke infiltrieren und geheime Daten absaugen müßt. Das Hacking wird dabei auf einem 2D-Spielfeld ausgetragen, wo ihr euch rundenbasiert von Knoten zu Knoten bis zum Zentralrechner vorarbeitet. Die einzelnen Knoten sind dabei mit unterschiedlichen Sicherheiten (1-4) ausgerüstet, was gleichzeitig die Anzahl der Runden ausdrückt, die ihr braucht um einen Knoten zu übernehmen. Natürlich sind sensible Daten aber auch geschützt, so daß euch schon kurz nach dem Eindringen in ein Netzwerk das lokale Security-System Antivirenprogramme auf den digitalen Hals hetzt, die auch rundenbasiert versuchen euer Hacking-Programm aus dem Netz zu werfen. Dies geschieht sobald ein solches Programm den Knoten erreicht, auf dem Ihr euch momentan befindet. Nach kurzer Eingewöhnungszeit machen diese Hacking-Einlagen durchaus gute Laune, auch wenn das Grundprinzip schnell zu verstehen ist – Einfache Idee, aber gerade darin liegt der minimalistische Charm dieses Minigames, zumal die späteren Hacks durchaus eine Herausforderung darstellen und euch schon mal ein paar Versuche abnötigen, bis Ihr mit den geklauten Daten wieder beruhigt ausloggen könnt. Die wirklich haarigen Minigames verstecken sich bei Largo Winch aber in klassischen Puzzle-Rätseln. Beispielsweise müßt ihr ein 4-teiligen Riegelschloß knacken, wobei die Hilfestellung zu diesem Rätsel kaum eine solche genannt werden darf. Bis ihr herausfindet, daß es prinzipiell um ein an „Der Turm von Hanoi“ angelehntes Umschlichten geht, kann schon mal schnell eine Stunde ins Land ziehen, in der Ihr versucht die Regeln dieses Rätsels zu entschlüsseln. Auch nicht von schlechten Eltern ist das klassische „Schiebepuzzle“: Ihr seht vor euch ein in ca. 20 Quadrate zerschnipseltes und wild durcheinandergewürfeltes Bild, dessen Urzustand ihr durch Herumschieben wieder herstellen sollt. Wohlgemerkt steht euch aber nur ein freies Rangier-Feld zur Verfügung – Eine harte Nuß, aber mit ein wenig Geduld und dem Mut bereits erreichte Fortschritte kurzfristig wieder aufgeben zu müssen, aber auch zu schaffen. Vor allem Fans des Rubiks Würfels wissen was gemeint ist!
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|||||||||