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Largo Winch: Empire under Threat

» Autor: Christian Schauflinger
» Datum: 17.07.2003
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Kurzweiliges aber humorloses und über weite Strecken anspruchsloses Adventure – nichtsdestotrotz aber mit teilweise ganz schön kniffligen Minigames.

Als milliardenschweres Industriellensöhnchen hat man´s aber auch schwer! Nicht nur das besagter Vorfahre und Dollar-Scheffler einem ein ganzes, weltumspannendes Industrieimperium vererbt (ebenso weltumspannende adventure-obligatorische Verschwörung inklusive) und somit die ganze Last des Jungmagnatentums auf euren alleinigen Schultern ruht – Nein, Ihr müßt natürlich auch noch eigenhändig den dunklen Machenschaften der bösen Buben auf die Schliche kommen und mit schnittigem Privatjet selbigen um den halben Erdball nachjagen – Eine echte Plackerei und so wenig Zeit für gut temperierte Martinis – Eine Schande!

Damit der titelgebende Sunnyboy all dies nicht gänzlich alleine durchmachen muss, dürft ihr diesem in Ubi Softs Adventure unter die Arme greifen und wandert in den Fußstapfen der auf den hierzulande eher unbekannten Largo Winch-Comics basierenden Konsolenversion.

Wenig neues im Adventure-Land....
Largo Winch versucht, zugegebenermaßen ambitioniert und professionell, das beinahe ausgestorbene Genre des Point-and-Click Adventures vor der Versenkung zu bewahren, kann diesem Anspruch aber leider nicht ganz gerecht werden.

Genrefans auf der Suche nach knackigen Kombinationsrätseln dürften mit den manchmal lächerlich einfachen Aufgaben keine rechte Freude haben – zu offensichtlich sind die Wege zu Lösung, zu simpel die wenigen Kombinationsmöglichkeiten, zu wenig zahlreich die interagierbaren Items. Weiter erleichternd ist die Einschränkung auf meist nur sehr wenige aktuell begehbare Räumlichkeiten, die erst wieder verlassen werden können, sobald ein Schlüsselereignis ausgelöst wurde und die Story zum nächsten Setting voranschreitet. Zusätzlich dürft ihr mittels Start/Pause-Taste einen PDA hervorkramen und neben dem Schrauben an diversen Optionen auch die bisherige Story nachlesen und euch Tipps zur aktuellen Aufgabe holen. Alles in allem also keine Herausforderung für Lucasarts-gestählte Querdenker aus alten Adventure-Blütezeiten.

Die Story selbst präsentiert sich als wenig innovativer Plot der Marke „Böse Verschwörer streuen Sand ins Getriebe unseres Helden – woraufhin dieser zur Tat schreitet, die Verschwörer aufdeckt, damit einen katastrophalen Terroranschlag abwendet und nebenbei noch einige Geheimnisse des verstorbenen Vaters ans Tageslicht kommen – Garnierung: eine kleine Lovestory“ – Solide, aber leider wenig spritzige Storykost deren Elemente allesamt schon in anderen Genrekollegen verarbeitet wurden. Nichtsdestotrotz kann der Plot, nicht zu letzt wegen der ganz passablen Präsentation für die kurze Spieldauer von nicht einmal 10 Stunden vor die Konsolen bannen – Nach dem Abspann werden sich aber schon nach kurzer Zeit nur mehr die Wenigsten an Details erinnern. Wer weis – vielleicht eine neue Form den Replay-Value zu steigern....

So begleitet Ihr unseren zahnpastastrahlenden Helden durch die unterschiedlichsten Locations – u.a. zu einer biologischen Forschungsstation in Mexiko, einem abgelegenen Bergkloster, einer kälteklirrenden Kleinstadt in Sibirien und schlußendlich zum finalen Showdown auf hoher See an Bord eines Frachters. Hin und wieder mit von der Partie ist einer von Largos Getreuen, wie die Nahkampfexpertin Joy oder der Schloßknacker Simon, die euch mit ihren Spezialfertigkeiten zur Seite stehen.

Was der geneigte Adventure-Spieler bei Largo Winch aber vergeblich suchen wird, ist die oftmals unverzichtbare Brise Humor, die so vielen anderen Genrekollegen die nötige Würze verleiht. Hier wird knochentrocken der Storyplot durchgezogen – kein selbstironisches Augenzwickern oder humoristische Anspielungen auf Real Life Begebenheiten oder Adventure-Klassiker. Wer mit älteren PC-Adventures noch vertraut ist, oder auch das vor einiger Zeit am PC erschienene „Runaway – A Road Adventure“ spielen durfte, wird diese Form des Humors in Largo Winch sicherlich schmerzlich vermissen.

... aber durchaus Abwechslung in vielen Minigames!
Während Largo Winch im Kernpart des Adventure-Gameplays nicht unbedingt punkten kann, zeigt sich der Titel in den eigentlich als Intermezzi anzusehenden Minigames von seiner starken Seite – verkehrte Welt!

Sehr bald im Spielverlauf wird der Spieler mit den Kampfsequenzen in Largo Winch konfrontiert. Diese präsentieren sich als rundenbasierte Prügeleinlagen, deren Grundprinzip aus dem Nachbargenre des Rollenspiels entlehnt scheint. Ihr seht die beiden streitlustigen Parteien sich gegenüberstehen und könnt abwechselnd Angriffskommandos und die Auswahl des Gegners für Largo und seine Mitstreiter abgeben. Diese tun selbiges und schlagen in der nächsten Runde mit gleichen Waffen zurück. Leider stehen euch nicht gerade viele Angriffsoptionen zur Verfügung, die sich meist auch nicht maßgeblich voneinander unterscheiden. Taktische Würze kommt allerdings durch unterschiedliche Spezialattacken ins Spiel mit denen Ihr meist einen Gegner für ein paar Runden lähmen könnt, wodurch dieser für den nächsten Angriff sehr viel leichter zu treffen ist. Der Einsatz mancher Umgebungsitems sorgt zusätzlich für Abwechslung, so daß Ihr schmal mit Aschenbechern oder einem Feuerlöscher auf eure Kontrahenten losgeht. Die Kampfeinlagen steigern sich von Mal zu Mal merklich im Schwierigkeitsgrad, mit ein wenig Raffinesse und Glück sind dieser aber auch ohne größere Probleme zu schaffen und können durchaus zum Weiterspielen motivieren. Vorsicht ist aber geboten, da ein verlorener Kampf das unweigerliche Spielende darstellt und Ihr zum zuletzt gespeicherten Spielstand greifen müßt. Dieser kann aber jederzeit während des Spiels angelegt werden, so daß frustige Wiederholungen von Spielabschnitten einfach vermeidbar sind.

Weniger gefährlich dagegen sind die häufigen Hacking-Einlagen bei denen Ihr fremde Computernetzwerke infiltrieren und geheime Daten absaugen müßt. Das Hacking wird dabei auf einem 2D-Spielfeld ausgetragen, wo ihr euch rundenbasiert von Knoten zu Knoten bis zum Zentralrechner vorarbeitet. Die einzelnen Knoten sind dabei mit unterschiedlichen Sicherheiten (1-4) ausgerüstet, was gleichzeitig die Anzahl der Runden ausdrückt, die ihr braucht um einen Knoten zu übernehmen. Natürlich sind sensible Daten aber auch geschützt, so daß euch schon kurz nach dem Eindringen in ein Netzwerk das lokale Security-System Antivirenprogramme auf den digitalen Hals hetzt, die auch rundenbasiert versuchen euer Hacking-Programm aus dem Netz zu werfen. Dies geschieht sobald ein solches Programm den Knoten erreicht, auf dem Ihr euch momentan befindet. Nach kurzer Eingewöhnungszeit machen diese Hacking-Einlagen durchaus gute Laune, auch wenn das Grundprinzip schnell zu verstehen ist – Einfache Idee, aber gerade darin liegt der minimalistische Charm dieses Minigames, zumal die späteren Hacks durchaus eine Herausforderung darstellen und euch schon mal ein paar Versuche abnötigen, bis Ihr mit den geklauten Daten wieder beruhigt ausloggen könnt.

Die wirklich haarigen Minigames verstecken sich bei Largo Winch aber in klassischen Puzzle-Rätseln. Beispielsweise müßt ihr ein 4-teiligen Riegelschloß knacken, wobei die Hilfestellung zu diesem Rätsel kaum eine solche genannt werden darf. Bis ihr herausfindet, daß es prinzipiell um ein an „Der Turm von Hanoi“ angelehntes Umschlichten geht, kann schon mal schnell eine Stunde ins Land ziehen, in der Ihr versucht die Regeln dieses Rätsels zu entschlüsseln.
Auch nicht von schlechten Eltern ist das klassische „Schiebepuzzle“: Ihr seht vor euch ein in ca. 20 Quadrate zerschnipseltes und wild durcheinandergewürfeltes Bild, dessen Urzustand ihr durch Herumschieben wieder herstellen sollt. Wohlgemerkt steht euch aber nur ein freies Rangier-Feld zur Verfügung – Eine harte Nuß, aber mit ein wenig Geduld und dem Mut bereits erreichte Fortschritte kurzfristig wieder aufgeben zu müssen, aber auch zu schaffen. Vor allem Fans des Rubiks Würfels wissen was gemeint ist!


Graphik
Largo Winch bietet für Adventure-Verhältnisse durchaus eine ansehnliche und angemessene optische Präsentation. Die Locations sind durchwegs mit Liebe zum Detail in Szene gesetzt. Schöne Schatteneffekte und die cineastische Kameraführung wissen zu gefallen und verleihen dem Titel eine stimmige Atmosphäre. Charaktermodelle, Gesichtsanimationen und Bewegungsabläufe dagegen können nicht ganz überzeugen, bewegen sich aber dennoch im optischen Mittelfeld. Fazit: Optik und Präsentation in Ordnung aber nicht weltbewegend!

Sound
Die akustische Untermalung harmoniert gut mit der Story und dem Stimmungsbild des Titels. Jedes Setting weist seine eigene Hintergrundmusik auf, vor allem im mysteriösen Kloster kommt dabei kurzfristig sogar leichtes Gänsehautfeeling auf. Geräusche und Hintergrundsounds wirken solide, aber das tut eigentlich kaum etwas zur Sache. Die rein englische Sprachausgabe zeigt sich abwechslungsreich und professionell aufgenommen. Auf der akustischen Seite also nichts wirklich herausragendes, aber auch keine Ausrutscher.

Spielspaß Solo
Sofern Ihr mit fordernden Adventure-Titeln vertraut seid, wird euch Largo Winch kaum länger als 10 Stunden beschäftigen. Für Adventuremaßstäbe eine sehr geringe Spielzeit, die viele Spieler enttäuschen wird. Adventure-Neulinge könnten aber durchaus auch länger mit dem Titel beschäftigt sein, wobei gerade für diese Largo Winch aufgrund des einfachen Schwierigkeitsgrades unter Umständen ein guter Einstieg ins das Genre darstellen könnte.

Spielspaß Multi
Im Spiel ist kein Multiplayer-Modus enthalten.
Pro
Solide Graphik und Sounduntermalung
Auflockernde Minigames (Kämpfe, Hacking, Puzzles)
Schöne, aber nur automatische Kameraführung
Speichern jederzeit möglich
Einfacher Schwierigkeitsgrad (kann auch Nachteil sein)
Contra
Wenig Innovation – alles schon mal gesehen
Kombinationsrätsel sehr, sehr einfach
Etwas trockene, humorlose Präsentation
08/15-Story
Geringe Spielzeit (ca. 7-10 Stunden)
Einfacher Schwierigkeitsgrad (kann auch Vorteil sein)
Fazit
Largo Winch wird es wohl nicht schaffen das kränkelnde Adventure-Genre zu revitalisieren. Zu wenig Innovation, zu wenig Humor, zu kurze Spielzeit und zu dürftige Storyline bugsieren Largo Winch plattformübergreifend leider nur in das untere Mittelfeld des Genres, auch wenn die auflockernden Minigames den Absturz in allzu tiefe Wertungsregionen gerade noch vermeiden können. Dürstende Adventure-Jünger oder neugierige Genre-Debütanten können aber dennoch zuschlagen (bzw. den Titel ausleihen, was wegen der kurzen Spieldauer wohl anzuraten wäre) – für ein halbwegs unterhaltsames Wochenende ohne großen spielerischen Tiefgang ist Largo Winch allemal gut genug, vor allem da sich auf dem Cube in Bezug auf Alternativangeboten gähnende Leere zeigt.
Infos
Erhältlich für
Genre
Adventure
Publisher
Ubisoft
Entwickler
Ubisoft
Website
www.ubi.com/DE/...
Release
Erhältlich
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