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Rogue Galaxy  
» Autor: Amir-Oliver Tabba
» Datum: 19.09.2007
» Gesamtwertung:
/5
5/5: Pflichtkauf
uneingeschränkte Empfehlung.
Wie wir bewerten
Prächtiges Weltraumabenteuer mit rasantem Kampfsystem, jedoch kleinen Fehlern im Detail.

Die PlayStation 2 befindet sich mittlerweile in den letzten Atemzügen, jedoch hindert dies Sony nicht daran, noch ein vermeintliches RPG-Highlight für den europäischen Markt zu veröffentlichen. Rogue Galaxy wurde von Level 5 – bekannt durch Dragon Quest: Die Reise des verwunschenen Königs – entwickelt und soll Fans japanischer RPGs für unzählige Stunden an den Bildschirm fesseln. Ob das Weltraumabenteuer diesen hohen Erwartungen gerecht wird oder doch nur ein lahmer Aufguss altbekannter Zutaten ist, soll ein ausführliches Master-Review klären.

Wer ist wer?
In Rogue Galaxy schlüpft der Spieler in die Rolle von Jaster Rogue, einem jungen Mann, der seit frühester Kindheit davon träumt, fremde Planeten zu besuchen. Dieser Wunsch blieb ihm jedoch bis
» Kann jemand das Licht einschalten? Danke.
zur schicksalhaften Begegnung mit zwei skurrilen Weltraumpiraten verwehrt. Die beiden verrückten Vögel verwechseln Jaster mit dem legendären Abenteurer Wüstenklaue und ehe er dieses Missverständnis aufklären kann, befindet er sich schon auf dem Schiff von Dorgengoa. Der berühmte Kapitän versucht die allerbesten Abenteurer des Alls anzuheuern, damit er endlich sein großes Ziel erreicht. Er will den verschwundenen Planeten Eden finden und dessen Schätze an sich reißen. Es beginnt ein unbarmherziger Wettlauf mit der Zeit, denn auch andere mächtige Personen strecken ihre Finger nach Eden aus.

Beim Spielprinzip hält sich Rogue Galaxy die meiste Zeit an die altbewährten Regeln japanischer RPG. So rennt man mit den Helden durch unzählige Orte, spricht alle Bewohner an um Informationen zu sammeln, kauft in den Geschäften neue Gegenstände sowie Ausrüstung und macht sich zum nächsten Zielort auf. Auch Rätsel haben ihren Weg ins Spiel gefunden, allerdings sind sie rar gesät und sehr einfach zu lösen. Gilt es doch zumeist einfach nur ein bestimmtes Item zu finden und an einer markierten Stelle einzusetzen.

I will survive!
Der wesentlichste Aspekt eines japanischen RPG stellt nach wie vor das Kampfsystem dar. Level 5 setzt hierbei auf leicht zu erlernende Echtzeitkämpfe, welche zu jedem Zeitpunkt pausierbar sind.
» In dieser Situation hilft nur mehr ein Heiltrank.
X dient zum Aktivieren der jeweiligen Hauptwaffe, während der Vierecksknopf die Sekundärwaffe auslöst. Um zu springen bedarf es nur einen Druck auf die Kreis-Taste, wodurch selbst fliegende Gegner kein gröberes Problem darstellen. Geraten die eigenen Charaktere einmal ins Hintertreffen, sollte sofort mittels der Dreiecks-Taste das Menü mit seinen überlebenswichtigen Funktionen aufgerufen werden. Dort kann man Gegenstände und sofort wirkende Heilmittel auswählen, die Ausrüstung und den Charakter wechseln, Teambefehle ändern oder Spezialattacken aktivieren.

Trotz der rasanten Action auf dem Bildschirm ist es immer ratsam, ein Auge auf die eigene Aktionsleiste zu werfen - diese gleicht quasi der Ausdauer. So müssen die Charaktere nach mehreren Angriffen hintereinander kurzzeitig pausieren und warten, bis der Balken gefüllt ist. Um in dieser Zeit den Gegnern nicht völlig schutzlos ausgeliefert zu sein, gilt es stets R1 gedrückt zu halten. Dadurch blockt der jeweilige Held gegnerische Angriffe ab und mildert so den erlittenen Schaden.

Wo bist du?
In den Echtzeitkämpfen, die ein wenig an jene aus Kingdom Hearts erinnern, hat man lediglich die Kontrolle über einen der drei aktiven Charaktere. Die CPU steuert die restlichen zwei Akteure und befolgt
» Dieser Koloss ist nur mittels einer Sprungattacke verletzbar.
dabei ganz genau die angegebenen Teambefehle. Mittels Einblendungen weist die CPU regelmäßig auf den Einsatz von Heiltränken oder Spezialattacken hin, die per Druck auf L1 oder L2 augenblicklich eingesetzt werden. Leider hat Rogue Galaxy während der Schlachten ständig mit Kameraproblemen zu kämpfen. Das Geschehen auf dem Bildschirm ändert sich so rasant, dass das menschliche Auge kaum mitkommt, wodurch ständig die Perspektive geändert werden muss. Hierzu dienen entweder der rechte Analog-Stick oder das Betätigen von R2, welche die Kamera hinter dem spielbaren Charakter zentriert.

Um Monotonie in den unzähligen Zufallsbattles zu vermeiden, erfordern sowohl Bossgegner als auch Standardmonster oftmals besonderer Strategien. Manche Feinde lassen sich nur durch Elementangriffe schädigen, anderen muss auf den Kopf gesprungen werden, um ihre Schwachstelle freizulegen und einige erfordern sogar das Einfrieren mittels eines Blasters. Trotz der Kameraprobleme, die zumeist jedoch kein gröberes Hindernis darstellen, lösen die Kämpfe ein richtiges Suchtpotential aus.

Die Balance halten
Leider trüben Schwierigkeiten beim Balancing zeitweise das Vergnügen. So kann aus heiterem Himmel die stundenlang trainierte Heldentruppe gewöhnlichen Feinden zum Opfer fallen. Dies
» In der Fabrik können neue Items erfunden werden.
liegt aber nicht nur an den Gegnern, sondern auch an der fehlenden Verfärbung der Lebenspunkte. Selbst wenn diese sich dem Ende zu neigen, erfolgt kein richtiger Hinweis durch die CPU und im Eifer des Gefechts fällt es schwer, auf die sinkende Körperkraft zu achten.

Diese Mankos gleicht das RPG von Level 5 mit anderen Spielaspekten wieder aus. Nach ein paar Stunden begegnen die Weltallpiraten dem sprechenden Frosch Toady. Jener ist in der Lage zwei Waffen des gleichen Typs miteinander zu kombinieren und dadurch eine noch mächtigere zu kreieren. Im weiteren Spielverlauf erhält die Piratencrew die Möglichkeit, in einer Fabrik Gegenstände herzustellen, welche später in den Shops gekauft werden können. Neue Rezepte für immer wertvollere Items erhält man nur durch Gespräche mit den NPCs. Die gefundenen als auch selbsterstellten Utensilien nehmen in Rogue Galaxy eine wichtige Stellung ein. Setzt man jene Gegenstände in das Skillboard, ähnlich dem Sphärobrett aus Final Fantasy X, ein, erwerben Jaster und seine Gefährten Statusverbesserungen und erlernen neue Spezialangriffe.

Atemberaubend
In punkto Präsentation hat Level 5 ein absolutes Meisterwerk auf der PlayStation 2 abgeliefert. Neben God of War 2 ist Rogue Galaxy ohne Frage das schönste Spiel, welches je für Sonys
» Diesen Raubvögeln geht es nun an den Kragen.
Heimkonsole programmiert wurde. Das Game kommt zudem fast ohne Ladezeiten aus. Einzig vor Zwischensequenzen muss der Spieler maximal drei Sekunden warten. Bedenkt man die enorme Weitsicht, die detaillierten Charaktere und die wunderschönen Lichteffekte, kann man es kaum glauben, was die Entwickler noch aus der Konsole herausgezaubert haben. Die in Cel-Shading gehaltene Grafik erinnert wahrlich an einen spielbaren Anime von höchster Qualität.

Aber nicht nur die Augen des Spielers werden verwöhnt, sondern auch dessen Ohren. Dies liegt vor allem an den epischen, teils nachdenklichen Musikstücken, welche die Atmosphäre des Spiels perfekt untermauern. Ein besonderes Lob verdienen die englischen Synchronsprecher, die einen hervorragenden Job gemacht haben. Jeder Charakter zeichnet sich durch seine eigene Aussprache aus, sogar auf den metallischen Nachhall beim Androiden Steve wurde geachtet. Technisch weiß das Spiel also vollkommen zu überzeugen. Sogar die PAL-Anpassung ist den Entwicklern sehr gut gelungen, wartet es doch mit einem 60Hz-Modus und deutschen Bildschirmtexten auf.
Pro
Atemberaubende Grafik
Nahezu ohne Ladezeiten
Epische Melodien
Hervorragende englische Synchronisation
Einfache Steuerung
Das Kreieren von Waffen und Gegenständen
Lange Spieldauer
Contra
Kameraprobleme
Gegner sind nicht perfekt ausbalanciert
Eintönige Rätsel
Fazit
Grafisch ist Rogue Galaxy ein wahrer Leckerbissen. Die Charaktere und Waffen strotzen nur so vor Details, dass es eine wahre Freude ist. Die Umgebungen sind abwechselungsreich, bietet doch jeder Planet eine andere Vegetation. Sogar auf so kleine Details wie den aufgewirbelten Sand in der Wüste haben die Grafiker nicht vergessen. Aber auch die atmosphärischen Melodien und die exzellente englische Sprachausgabe heben das japanische RPG aus der breiten Masse hervor. Die Echtzeitkämpfe gehen leicht und locker von der Hand und die KI befolgt genauestens die Befehle, wodurch das Trainieren der Helden nur so eine Freude ist. Leider trüben Balancing-Probleme das so wunderschöne, gar atemberaubende Bild. Die meisten Kämpfe stellen zwar kein echtes Problem dar, doch sorgt es hin und wieder etwas für Frust, wenn die mächtigen Charaktere aus heiterem Himmel das Zeitliche segnen. Dies liegt neben einen nicht ganz perfekten Balacing, aber auch ein wenig an der fehlenden Verfärbung der sinkenden Lebenspunkte. Trotzdem sollte sich kein PlayStation 2-Besitzer dieses RPG entgehen lassen. Auch wenn es mit kleinen Fehlern im Detail aufwartet, überzeugt es durch sein rasantes Gameplay, eine lange Spieldauer und die überragende Präsentation. Ich jedenfalls werde noch viele weitere Stunden mit der humorvollen Piratencrew verbringen und gemeinsam mit ihr die Galaxie durchstreifen.