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Prey  
» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 23.07.2006
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Gelungener Ekel-Shooter mit innovativen Portal- und Gravitationsspielereien.

Nach satten neun Jahren Entwicklungszeit hat es der Ego-Shooter Prey letztendlich doch in die Ladenregale geschafft und wartet nun auf hartgesottene Kundschaft. Dank neuester Technik und Doom 3-Engine vermag es der Titel im Ekelfaktor locker mit einschlägigen Filmen wie Slither oder Alien aufzunehmen. Ob das Werk auch spielerisch überzeugen kann, verrät unser Master-Review.

Von Aliens verschleppt
Kriegs-Veteran Tommy hat die Schnauze voll. Er will raus. Raus aus dem Indianer-Reservoir, raus aus der schäbigen Bar seiner Freundin Jen und möglichst weit weg von seinem Indianer-Kult-besessenen Großvater.
» Strahlende Optik dank Doom 3-Engine.
Dass ihm dieser Wunsch noch in dieser verregneten Nacht auf schockierendste Art und Weise erfüllt wird, hätte er jedoch niemals gedacht. Feindselige Aliens fallen auf der Erde ein und teleportieren ganze Stadtteile und Einrichtungen samt Tommy, seiner Freundin und seinem Großvater auf ihr Mutterschiff.

Auf einer höllischen Fahrt durch die Innereien des metalisch-organischen Monstrums sieht man daraufhin, wie aus Mitgefangenen Flüssignahrung gewonnen wird und verstörte, nackte Menschen um ihr Leben flehen. Glücklicherweise sorgt ein geheimnisvoller Widerstandskämpfer dafür, dass Tommy seinen Fesseln entkommt, um sich anschließend auf eigene Faust durch die verworrenen Gänge der Raumstation zu kämpfen. Und hier beginnt der lang erwartete Ego-Shooter nach einer beeindruckenden, interaktiven Einleitungssequenz schließlich so richtig.

Ein Indianer auf Kriegsfuß
Zunächst nur mit einer Rohrzange bewaffnet erforscht man die dank Doom 3-Engine wunderbar eklig inszenierten Umgebungen und vertrimmt die ersten leichten Gegnern. Die Steuerung geht dabei problemlos und genau
» Bissige Zeitgenossen.
von der Hand – hält sie sich doch an gängige Shooter-Standards. Schnell kommt man dann auch an die ersten multifunktionalen Ballermänner, von denen es im Spiel insgesamt sieben Stück gibt. Leider hat man bei diesen wenig Einfallsreichtum bewiesen und so unterscheiden sie sich bis auf ihre biomechanische Optik nicht von Normalo-Schießprügeln genreverwandter Titel.

Abseits von verschiedenen Gewehren, Granat- und Raketenwerfer gibt es nichts Außergewöhnliches zu finden. Auch fehlt den Ballermännern aufgrund fehlender Durchschlagskraft der Soundeffekte der richtige Bums, um wirklich brachiale Action zu bieten. In Verbindung mit dem filmreifen Soundtrack und den professionellen englischen Sprechern ergibt sich bei der Akustik somit ein zwiespältiges Bild. Auch muss sich der Titel trotz seiner grafischen Hochwertigkeit wenig Eigenständigkeit beim Design vorwerfen lassen. Die Levels und Architekturen erinnern zu stark an Doom und Quake. Sämtliche Gegnertypen von grausam entstellten Menschen über insektenartige Spinnenkämpfer bis hin zu den Aliensoldaten könnten direkt aus einer der anderen beiden Reihen stammen.

Kopfstand-Cherokee
Wo Design und Waffen nichts Neues bieten, geht Prey in Sachen Leveldesign neue Wege und schafft es so, sich doch noch von der Konkurrenz abzusetzen. Statt einfach nur durch gerade Gänge und Räume zu
» Nahtloser Übergang dank Portalen.
laufen, spielt Human Heads' Ego-Shooter mit der Schwerkraft und lässt den Spieler an Wänden und Decken entlang laufen oder ganze Levels mit Gravitationsschaltern auf den Kopf stellen. Ein zweites Highlights sind die Portale, welche krasse optische Effekte zulassen. Statt wie in anderen Shootern einfach irgendwohin gebeamt zu werden, geht man in Prey nahtlos durch diese Risse im Raumgefüge in andere Bereiche über – alles wirkt aus einem Guss.

Es ist sogar möglich, Feinde durch diese Portale zu beschießen. Hin und wieder springt man auch hinter das Steuer eines Gleiters und liefert sich spaßige Luftgefechte mit fliegenden Feinden und gelangt so an sonst unerreichbare Stellen. Ein weiteres Feature sind die Indianerfähigkeiten. Mittels Y-Button kann Tommys seinen Geist vom Körper trennen und so physikalisch unzugängliche Areale erreichen. Natürlich sind diese Spielereien nicht nur zierendes Beiwerk, sondern werden für zahllose Rätsel genutzt.

Laggende Rothaut
Dummerweise wiederholen sich die im Grunde einfallsreichen und sehr häufig vertretenen Rätsel immer und immer wieder, so dass diese schnell zur Routine werden. Mit den Portalen und Gravitationspielereien wäre hier durchaus
» Der Kampf gegen besessene Kinder ist etwas makaber.
mehr drin gewesen. Ein weiteres Ärgernis ist das undurchdachte Wiederbelebungssystem. Wenn der Held stirbt, dann wird er in eine Geisterwelt versetzt, in der er durch Abschießen von roten und blauen Geistern wieder zum Leben erwacht. Zumindest auf dem normalen Schwierigkeitsgrad ist man somit faktisch unsterblich, was den Fights vieles an Spannung raubt.

Des Weiteren ist die Solo-Spielzeit recht unbefriedigend. Gerade einmal sechs bis sieben Stunden braucht man, um den Abspann über den Schirm flimmern zu sehen. Zwar gibt es zusätzlich einen Mehrspielermodus, allerdings tröstet dieser nur bedingt über den schnell durchgespielten Solo-Part hinweg, da Prey über einen katastrophalen Netcode verfügt. Die Folge: Onlinepartien sind extrem laggy und lassen vor allem auf Public-Servern kaum vernünftiges Spielen zu. An eine Split-Screen-Option hat man darüber hinaus gar nicht erst gedacht.
Pro
Verdrehtes Leveldesign
Portale
Tolle Inszenierung
Ausgewogener Mix aus Rätseln und Ballern
Sehr gute Technik
Contra
Kurze Spielzeit
schwacher Mehrspielermodus
Einfallslose Waffen mit schwächlichen Soundeffekten
Design zu sehr an Doom/Quake angelehnt
Undurchdachtes Wiederbelebungs- system
Fazit
Eines vorweg: Zum angepriesenen Übershooter reicht es für Prey leider nicht. Dafür sind die Kämpfe zu standardisiert, die Waffen zu langweilig und die Rätsel zu monoton. Auch die Spielzeit und das zu sehr von Doom und Quake abgekupferte Design sind nicht sonderlich befriedigend und rufen bei alt eingesessenen Zockern ein "Kenn ich schon"-Gefühl hervor. Doch Prey hat zwei erhebliche Vorteile: Die Portaltechnologie sowie das Spiel mit der Gravitation. Diese beiden Punkte hat man so noch in keinem Spiel gesehen, wodurch Human Heads' neuestes Werk zu etwas Besonderem wird. Außerdem sind Inszenierung und Atmosphäre super gelungen, was Tommys Odyssee durch die eklig-faszinierenden Innereien der Sphäre zu einem echten Erlebnis macht. Mir persönlich war die Angelegenheit zwar etwas zu rätsellastig, allerdings wird diese Tatsache Fans "intelligenter" Shooter nicht weiter stören. Schade nur, dass man den Mehrspielermodus so verbockt hat. Der Netzcode ist eine reine Katastrophe, was ordentliches Spielen oftmals unmöglich macht.