Gelungener Ekel-Shooter mit innovativen Portal- und Gravitationsspielereien.Nach satten neun Jahren Entwicklungszeit hat es der
Ego-Shooter Prey letztendlich doch in die Ladenregale geschafft und wartet nun auf hartgesottene Kundschaft. Dank neuester Technik und
Doom 3-Engine vermag es der Titel im Ekelfaktor locker mit einschlägigen Filmen wie
Slither oder
Alien aufzunehmen. Ob das Werk auch spielerisch überzeugen kann, verrät unser
Master-Review.
Von Aliens verschlepptKriegs-Veteran
Tommy hat die Schnauze voll. Er will raus. Raus aus dem Indianer-Reservoir, raus aus der schäbigen Bar seiner Freundin
Jen und möglichst weit weg von seinem Indianer-Kult-besessenen Großvater.
» Strahlende Optik dank Doom 3-Engine. |
Dass ihm dieser Wunsch noch in dieser verregneten Nacht auf schockierendste Art und Weise erfüllt wird, hätte er jedoch niemals gedacht.
Feindselige Aliens fallen auf der Erde ein und teleportieren ganze Stadtteile und Einrichtungen samt
Tommy, seiner Freundin und seinem Großvater auf ihr Mutterschiff.
Auf einer höllischen Fahrt durch die Innereien des
metalisch-organischen Monstrums sieht man daraufhin, wie aus Mitgefangenen Flüssignahrung gewonnen wird und verstörte, nackte Menschen um ihr Leben flehen. Glücklicherweise sorgt ein geheimnisvoller Widerstandskämpfer dafür, dass
Tommy seinen Fesseln entkommt, um sich anschließend auf eigene Faust durch die verworrenen Gänge der Raumstation zu kämpfen. Und hier beginnt der lang erwartete Ego-Shooter nach einer
beeindruckenden, interaktiven Einleitungssequenz schließlich so richtig.
Ein Indianer auf KriegsfußZunächst nur mit einer Rohrzange bewaffnet erforscht man die dank
Doom 3-Engine wunderbar eklig inszenierten Umgebungen und vertrimmt die ersten leichten Gegnern. Die Steuerung geht dabei problemlos und genau
von der Hand – hält sie sich doch an gängige Shooter-Standards. Schnell kommt man dann auch an die ersten
multifunktionalen Ballermänner, von denen es im Spiel insgesamt sieben Stück gibt. Leider hat man bei diesen wenig Einfallsreichtum bewiesen und so unterscheiden sie sich bis auf ihre biomechanische Optik nicht von Normalo-Schießprügeln genreverwandter Titel.
Abseits von verschiedenen Gewehren, Granat- und Raketenwerfer gibt es
nichts Außergewöhnliches zu finden. Auch fehlt den Ballermännern aufgrund fehlender Durchschlagskraft der Soundeffekte der richtige Bums, um wirklich brachiale Action zu bieten. In Verbindung mit dem
filmreifen Soundtrack und den professionellen englischen Sprechern ergibt sich bei der Akustik somit ein zwiespältiges Bild. Auch muss sich der Titel trotz seiner grafischen Hochwertigkeit wenig Eigenständigkeit beim Design vorwerfen lassen. Die Levels und Architekturen erinnern zu stark an
Doom und
Quake. Sämtliche Gegnertypen von grausam entstellten Menschen über insektenartige Spinnenkämpfer bis hin zu den Aliensoldaten könnten direkt aus einer der anderen beiden Reihen stammen.
Kopfstand-CherokeeWo Design und Waffen nichts Neues bieten, geht
Prey in Sachen
Leveldesign neue Wege und schafft es so, sich doch noch von der Konkurrenz abzusetzen. Statt einfach nur durch gerade Gänge und Räume zu
» Nahtloser Übergang dank Portalen. |
laufen, spielt
Human Heads' Ego-Shooter mit der Schwerkraft und lässt den Spieler an Wänden und Decken entlang laufen oder ganze Levels mit Gravitationsschaltern auf den Kopf stellen. Ein zweites Highlights sind die
Portale, welche krasse optische Effekte zulassen. Statt wie in anderen Shootern einfach irgendwohin gebeamt zu werden, geht man in Prey nahtlos durch diese Risse im Raumgefüge in andere Bereiche über – alles wirkt aus einem Guss.
Es ist sogar möglich, Feinde durch diese Portale zu beschießen. Hin und wieder springt man auch hinter das Steuer eines
Gleiters und liefert sich spaßige Luftgefechte mit fliegenden Feinden und gelangt so an sonst unerreichbare Stellen. Ein weiteres Feature sind die Indianerfähigkeiten. Mittels Y-Button kann
Tommys seinen
Geist vom Körper trennen und so physikalisch unzugängliche Areale erreichen. Natürlich sind diese Spielereien nicht nur zierendes Beiwerk, sondern werden für zahllose Rätsel genutzt.
Laggende RothautDummerweise wiederholen sich die im Grunde einfallsreichen und sehr häufig vertretenen Rätsel immer und immer wieder, so dass diese schnell zur Routine werden. Mit den Portalen und Gravitationspielereien wäre hier durchaus
» Der Kampf gegen besessene Kinder ist etwas makaber. |
mehr drin gewesen. Ein weiteres Ärgernis ist das
undurchdachte Wiederbelebungssystem. Wenn der Held stirbt, dann wird er in eine Geisterwelt versetzt, in der er durch Abschießen von roten und blauen Geistern wieder zum Leben erwacht. Zumindest auf dem normalen Schwierigkeitsgrad ist man somit faktisch unsterblich, was den Fights vieles an Spannung raubt.
Des Weiteren ist die Solo-Spielzeit recht unbefriedigend. Gerade einmal
sechs bis sieben Stunden braucht man, um den Abspann über den Schirm flimmern zu sehen. Zwar gibt es zusätzlich einen
Mehrspielermodus, allerdings tröstet dieser nur bedingt über den schnell durchgespielten Solo-Part hinweg, da
Prey über einen
katastrophalen Netcode verfügt. Die Folge: Onlinepartien sind extrem laggy und lassen vor allem auf Public-Servern kaum vernünftiges Spielen zu. An eine Split-Screen-Option hat man darüber hinaus gar nicht erst gedacht.