Gelungene Grafik und präzise Steuerung wiegen das schwache 08/15-Missionsdesign nicht auf.Mit
Blazing Angels: Squadrons of WWII schafft das erste Flugspiel den Sprung auf Microsofts Xbox 360 - und soll auch auf der Xbox die Konkurrenz in Schwitzen bringen. Dabei setzt
Ubisoft im Gegensatz zur realistischer angehauchten Konkurrenz 100% auf Arcade-Gameplay, um die notwendige Portion Action über den Wolken zu garantieren. Online-Piloten bietet der Titel dank Xbox Live die Möglichkeit, sich per umfangreicher Multiplayer-Modi mit dem Rest der Welt zu messen. Wie viel reinrassige Flugatmosphäre
Blazing Angels tatsächlich bietet, lest ihr in unserem Master-Review.
Fire in the sky In
Blazing Angels schlüpft der Spieler in die Rolle des Captains einer amerikanischen Jagdstaffel, welche der arg gebeutelten RAF in Großbritannien zu Hilfe eilt. Deutsche Bomber haben bereits zahlreiche industrielle sowie zivile Ziele
» Eiffel-Turm auf 12 Uhr. |
angegriffen und die königliche Luftwaffe hat zu wenige Ressourcen, um die Lufthoheit über dem Ärmelkanal zu verteidigen. Nach einem kurzen Tutorial, das in Grundzügen Steuerung von Fluggerät, Waffen und Kamera erläutert, darf man die schicksalshafte Wende im Zweiten Weltkrieg angehen.
Die Steuerung fällt dabei
sehr arcadelastig aus. Wesentliche Flugmanöver sind einfach zu meistern, da sich die Maschinen sehr präzise und vor allem recht simpel steuern lassen. Die innovative Ziel-Kamera, welche komfortables Gegner-auf's-Korn-nehmen ermöglicht, sorgt stets für perfekten Überblick. Neben dem herkömmlichen Bordgeschütz stehen angehenden Flughelden auch Bomben und Torpedos als Sekundärwaffen zur Verfügung.
Wingmen! Watch my six! Blazing Angels bedient sich des Steuerkreuzes, um den Wingmen rudimentäre Kommandos wie
Angriff,
Verteidigung,
Formationsflug oder
Reparatur zu vermitteln. Als echter Waffenbruder entpuppt sich Pilot
Tom, der im Notfall
als treuer Schutzschild den eigenen Rücken freihält.
Frank ist der Hitzkopf der Truppe und eignet sich am besten für die Jagd auf feindliche Fliegerasse. Schließlich gibt es auch noch den guten
Joe, der sich um die Reparatur des Fluggeräts (unrealistischerweise sogar während einer Mission) kümmert.
Die vierköpfige Staffel bestreitet im Karrieremodus insgesamt
18 Aufträge, welche von der Verteidigung Londons über Pearl Harbor bis zu Einsätzen im Pazifischen Raum reichen. Während die ersten Missionen schnelle Action hinter den Bordkanonen der legendären Spitfires verheißen, gibt es später auch moderat abwechlungsreiche Aufgaben. Dazu zählen: Schiffeversenken, Zerstörung von Nachschublinien, Bombardierung von Brücken sowie Neutralisierung kritischer Bodenzielen.
Schnarch, Ratz, Lausch-an-der-Matratze Blazing Angels bietet im gesamten Spielverlauf
wenig emotionalen Anreiz oder Identifikationsmöglichkeiten mit den Charakteren. Solo-Spieler speist man mit einer nüchternen, missionsbasierten Kampagne ab,
welcher es sowohl an historischen Story-Elementen (
Heroes of the Pacific), aufregenden Cutscenes (
Crimson Skies) als auch an Charakter-Interaktion (
Yager) fehlt. Ab der Mitte des Spiels verkommen die Missionen zeitweise zu
faden Pflichtübungen, die trotz gut dargestellter Action kaum überzeugen. Selbst die an sich gelungene Steuerung hat ihre Schwächen: Hat man erst einmal den Bogen heraus, so bietet sie kaum noch Abwechslung.
Unverständlich ist auch die Button-Anordnung: Sekundärwaffen werden per R-Stick abgefeuert, der aber schon das Rollen der Maschine innehat. Somit sind unabsichtliche Bombenabwürfe vorprogrammiert, obwohl andere Buttons völlig ungenützt bleiben. Aufgrund der
alles verzeihenden Arcade-Flugweise kann man de facto nicht abstürzen, selbst bei den absurdesten Manövern, die physikalisch unmöglich sind, steuert sich das Flugzeug noch immer "zu perfekt". Sogar ein gefürchteter Stall (Abschmieren der Maschine), der etwa bei
Heroes of the Pacific durchaus - zu Recht - oft vorkommt, tritt höchst selten ein. Etwas mehr Realismus hätte selbst diesem reinrassigen Arcade-Titel unterm Strich gut getan.
Jar Jar Bings sitzt im London Tower Ubisofts Flugspektakel bietet optisch gute Kost. Vor allem auf der Xbox 360
überzeugen zahlreiche Spezialeffekte und verleihen dem Titel eine malerische Atmosphäre. Einzig die etwas zu großzügig
» Spitfires sind treffend benannt. |
eingesetzen Lens-Flare- und Lichteffekte behindern zeitweise die Sicht über Gebühr. Auf der Xbox sieht der Titel ebenfalls sehr ordentlich aus, kann aber die teils viel früher erschienenen
Crimson Skies oder
Yager grafisch nicht übertrumpfen. Die Framerate bleibt auf der Xbox 360 stets stabil und auch auf der Xbox gibt es nur selten Schluckauf über den Wolken - außer es tummeln sich gerade extrem viele Gegner vor dem Fadenkreuz.
Die
katastrophale Sprachausgabe gehört dagegen ins Lehrbuch unter "worst case scenario" eingereiht. Selten zuvor musste man derartig viel dumpfen Kauderwelsch ertragen, wie bei
Blazing Angels. Nicht nur, dass Timing und Reihenfolge der Sprachseqenzen einem
Formel-1-Kommentar von Heinz Prüller frappierend ähneln. Teils schwatzen feindliche Piloten minutenlang munter vor sich hin - obwohl sie schon lange vom Himmel geputzt wurden. Wäre es nicht so schlecht, könnte man vielleicht darüber lachen. Aber es geht noch schlimmer: Das grottenschlechte Voice-Acting ist eine echte Beleidigung. Der gelungene Soundtrack und vor allem die gute Geräuschkulisse können
Blazing Angels leider nicht vor einer schwachen Soundwertung retten.
Multiplayer rettet den Tag Neben dem
Karrieremodus stehen Solo-Spielern noch
Mini-Campaign,
Arcade und
Ace Duel zur Auswahl. In der Mini-Karriere gilt es Dog Fights oder Bombermissionen auszutragen. Im Arcade-Modus fliegt man gegen die Uhr,
» Kein Strandurlaub für Piloten. |
sammelt Power-Ups ein und kämpft gegen jede Menge Gegner. Das "Duell der Asse" schließlich wird gegen einen genau gleichwertig ausgestatteten Computer-Piloten gekämpft. Vor allem letzterer Modus bereitet gut auf die herzhaften Multiplayer-Partien vor.
Diese trägt man via System Link und Xbox Live aus. Mit von der Partie sind
bis zu 16 Spieler, die sich Jeder-Gegen-Jeden, Koop oder in Staffeln gegenseitig nach Herzenslust vom Himmel ballern dürfen. Die Gameplay-Varianten reichen vom typischen
Death/Team Match über
Capture the Base bis hin zu
Bombardments. Glanzstück sind die
sehr gut gestalteten kooperativen Modi, welche erfrischende Abwechslung bieten. Dazu kommt noch der süchtig machende
Kamikaze-Modus, in dem man gegen Wellen von den namensgebenden japanischen Piloten die eigene Basis verteidigt. Alles in allem gelingt
Ubisoft ein sehr gutes Multiplayer-Erlebnis, das so manchen groben Schnitzer im Solo-Gameplay verzeihen lässt.