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Master-Review:   » drucken    » versenden

We love Katamari

» Autor: Wolfgang Radax
» Datum: 19.03.2006
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Weniger ist manchmal mehr: ein simples Spielprinzip sorgt für stundenlangen Spaß.

Katamari Damacy schlug 2004 wie eine Bombe in der Szene ein. Mastermind Keita Takahashi wurde mit Preisen überschüttet und dank des inzwischen erlangten Kultstatus reißen sich die Medien um Interviews mit dem exzentrischen Entwickler. PAL-Zocker blieben vom Rummel jedoch verschont, da sich niemand dazu durchrang, den Titel hierzulande zu veröffentlichen. Inzwischen reichte Namco die Fortsetzung We love Katamari nach und mit Electronic Arts fand sich ein Partner, der das Spiel in Europa vermarktet. Ob all die Aufregung rund um die Katamaris gerechtfertigt ist, klärt das folgende Master-Review.

Baby’s got balls
Das Spielprinzip von We love Katamari ist schnell erklärt. Mit Hilfe des Katamaris - eines Balles, an dem Gegenstände haften bleiben – gilt es, herum liegenden Tand zu
» Aus dem Weg, hier komme ich!
sammeln. Mit jedem aufgerollten Stück wächst die Kugel und kann so wiederum größere Dinge erhaschen. So kämpft ihr euch zu Beginn mit winzigen Alltagsgegenständen wie Büroklammern und Süßigkeiten ab, dürft später jedoch ganze Häuser und gar Inseln aufgreifen. Die Steuerung folgt in Sachen Simplizität dem Spielprinzip und verwendet lediglich die beiden Analogsticks des Dual Shock-Controllers. Die Kontrolle ähnelt dabei jener eines Panzers: drückt ihr lediglich den linken Stick nach oben, dreht sich euer Katamari nach rechts, werden beide Sticks nach vorne betätigt, rollt der Ball vorwärts und so weiter. Dieses Konzept erfordert zu Beginn zwar einiges an Übung, schließlich geht die Steuerung jedoch ins Blut über und erweist sich auch in schwierigen Situationen als äußerst intuitiv.

Anstelle eines herkömmlichen Hauptmenüs trefft ihr eure Entscheidungen auf einer mehrere Bildschirme großen Wiese, die von allerlei seltsamen Menschen und Tieren bevölkert wird. Jeder dieser Zeitgenossen steht dabei für eine Mission beziehungsweise ein Optionsmenü. Die Aufgabenstellungen der einzelnen Levels gestalten sich durchaus abwechslungsreich. Mal gilt es, in vorgegebener Zeit einen möglichst großen Ball zu schaffen, dann wiederum muss ein schmächtiger Sumo-Ringer über möglichst viele Speisen gerollt werden, damit er sein stattliches Kampfgewicht erreicht.

Von Elefanten und Klopapier
Das bislang Dargelegte mag wenig aufregend klingen. Die große Faszination bezieht We love Katamari jedoch aus seiner Skurrilität sowie der extravaganten Präsentation in Bild und Ton.
» Lucy in the Sky with Diamonds.
Überraschenderweise ruft das Spiel so manche Emotionen hervor. Das beginnt bei bitterbösen Rachegelüsten, wenn euer kleiner Katamari von einem Schoßhündchen herumgestoßen wird und ihr euch bereits auf den Zeitpunkt freut, an dem ihr als „Ball der Vernichtung“ zurückkehrt und nicht nur die Töle und ihre Hundehütte sondern auch gleich den ganzen Stadtteil, in dem sie beheimatet ist, unter euch begrabt. Aber auch für anhaltende Lachkrämpfe sind die seltsamen Spielsituationen gut. Wer wollte nicht schon immer mal als brennende Kugel riesige Stapel Klopapierrollen vernichten, Europas Sehenswürdigkeiten wie den schiefen Turm von Pisa oder Euro-Disneyland niederwalzen oder in einer Schule faul herumstehende Kinder im Dutzend aufrollen?

Die Liebe zum Detail tritt besonders in der grafischen Darstellung zu Tage. Zwar gibt sich die optische Präsentation unterm Strich bestenfalls durchschnittlich, dafür seht ihr an eurem Katamari jedes aufgerollte Stück genau. Da winden sich schon mal Schafe und Elefanten zwischen Autos sowie Tischen, während mitten drin noch ein Huhn gackert. Die Zwischensequenzen erinnern in ihrem Stil an den Beatles-Klassiker Yellow Submarine.In Kombination mit den schrägen Songs, die von J-Pop bis Swing viele Genres bedienen, werden Vermutungen über exzessiven Drogenkonsum in der Spieleentwicklerszene laut. Gerade in den ersten Minuten mit dem Titel seid ihr einer regelrechten Reizüberflutung ausgesetzt und wundert euch ob der seltsamen Musikkulisse. Kurze Zeit später jedoch wird dann so manches Lied auch nach dem Abdrehen der PS2 durch euren Kopf geistern und diesen für lange Zeit nicht mehr verlassen - versprochen.

Hyper, hyper?
Auch Zweispieler-Modi wurden auf den Silberling gepackt. Im Kooperationsmodus müsst ihr zu zweit ein einzelnes Katamari steuern, sprich jeder der Zocker übernimmt
» Schlechte Karten für das schwarze Kätzchen.
mit seinem Joypad einen Stick. Das Ganze funktioniert selbst mit ausführlichen Absprachen nur mäßig und bringt mehr Frust als Spaß. Etwas unterhaltender erweist sich da der Versus-Modus. Zum Sieger wird jener Spieler erklärt, der von einem im Vorhinein festgelegten Gegenstand die meisten Exemplare eingesammelt hat. Verschafft ihr euch Größenvorteile, darf sogar euer Kontrahent aufgerollt werden. Nichtsdestotrotz sind beide Spielvarianten als Draufgaben zu verstehen, denn We love Katamari bezieht seine Stärken sicher aus dem Solo-Modus.

Natürlich soll auch nicht mit Kritik gespart werden. So viel Spaß das Spiel bereitet, gibt es dennoch Momente in denen Frust aufkommt, besonders wenn sich das Katamari in einer Ecke verkeilt und ihr Mühe habt, euch wieder zu befreien. Die gelegentlich bockige Kamera tut in solchen Situationen ihr übriges, um euch kurzfristig zur Weißglut zu bringen. Zocker, die bei jedem Titel so schnell wie möglich zum Abspann gelangen wollen, werden aufgrund der knappen Spieldauer auch nur mäßig viel Freude finden. Die Mindestanforderungen der einzelnen Levels sind verhältnismäßig einfach zu erfüllen und so seht ihr euch relativ schnell dem Ende des Spieles gegenüber. Die wahre Herausforderung liegt viel mehr im Sammeln von Gegenständen und Geschenken und dem ständigen Ausbauen der Bestleistungen.
Pro
Eingängige Steuerung
Ohrwurm-Melodien
Sammler-Trieb wird befriedigt
Einfaches wie geniales Spielprinzip
Abgefahrene Präsentation
Schräger Humor
Contra
Gelegentliche Aussetzer der Steuerung
Manchmal bockige Kamera
Keine Lokalisierung
Fazit
Man muss wohl Japaner sein, um mit einer dermaßen simplen Spielidee so große Erfolge einzufahren. Die schnell zugängliche Steuerung sowie das einfache Prinzip hinter dem Titel wissen durchwegs zu überzeugen und die etwas andersartige Präsentation sorgt für angenehme Abwechslung vom üblichen Einheitsbrei. Zwar seht ihr sehr bald den Abspann, selten jedoch bereitete ein Titel mehr Motivation zum ständigen Verbessern der High Scores. Bis ihr alle Gegenstände eingesammelt und sämtliche Extras freigeschalten habt, wird so manche Stunde ins Land ziehen. Die Mehrspielermodi sind eigentlich nicht der Rede wert und mehr Lückenfüller als eigenständige Spaßgranaten. Auch die seltenen Momente, in denen euch die sonst zuverlässige Steuerung im Stich lässt, wiegen nicht schwer. Schon eher gilt da die nicht vorhandene Lokalisierung als Stolperstein für nicht Englisch sprechende Zocker. Zwar lässt sich der Titel auch ohne Sprachkenntnisse meistern, vieles vom Humor bleibt dabei aber im Dunkeln. Für einen wahrlich bitteren Nachgeschmack sorgt dagegen die Veröffentlichung zum Vollpreis, während das Spiel in den USA und Japan bereits für einen reduzierten Betrag an den Start ging. In Summe kosten diese Kriterien eine Wertung oberhalb der 90 Punkte-Marke. Dennoch gebühren Electronic Arts, die ja sonst eher für konventionelle Spielerlebnisse bekannt sind, Kudos für den Release dieses außergewöhnlichen Titels.
Infos
Erhältlich für
Genre
Sonstiges
Publisher
Electronic Arts
Entwickler
Namco
Website
katamari.namco....
Release
03. Februar 2006
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User-Bewertung
89
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