Arcade-lastiger Spielhallen-Racer der alten Schule debütiert auf der Xbox 360 mit ausgereiften Online-Modi.Ridge Racer und ein Konsolenlaunch gehen seit über einem Jahrzehnt Hand in Hand. Zumindest wenn die Konsole PSX,
PS2 oder
PSP heißt. Der sechste Vertreter des selten gewordenen Arcade-Racing-Genres gibt sich jetzt auch abseits von Sonys Konsolen auf der Xbox 360 ein Stelldichein.
Namco setzt dabei bedingungslos auf Spielhallen-Flair im Stile der alten Schule. Mit von der Partie: Hochgeschwindigkeitsrennen, extreme Drifts (das Markenzeichen der Serie) und jede Menge Nitro. Wie gut es sich mit
Ridge Racer 6 rasen lässt, erfahrt ihr in unserem Master-Review.
Push the pedal to the metal Nach einem typisch japanischen Intro (virtuelle Schönheit, bunte Fantasieautos und schriller Synthie-Musik) begrüßt einen
Ridge Racer 6 ohne viel Aufhebens mit einem schlichten aber eleganten Menü.
Hauptaugenmerk liegt dabei auf den diversen Spielmodi, allen voran dem Karrieremodus, welchen man über den
World Xplorer erreicht. Im Wesentlichen besteht dieser Spielabschnitt aus
gigantischen 230 Events, die linear absolviert werden wollen. Die Anzahl der echten Rennstrecken wird der großen Fülle an Events jedoch nicht ganz gerecht. Rund
15 Strecken variieren somit lediglich in Details.
Namco bemühte sich redlich, die Locations abwechslungsreich zu gestalten. Unter anderem dürfen die Tracks in entgegengesetzter Richtung, mit leicht verändertem Streckenverlauf oder unterschiedlichen Tageszeiten durchbraust werden. Dies täuscht jedoch nur bedingt über den mageren Inhalt hinweg. Weiters gibt es Modi für Einzelrennen (Nomen est omen) sowie
Global Time Attack, in dem man am eigenen Fahrstil feilen und sich mit den Bestzeiten in Form von (auch über Xbox Live herunterladbaren) Ghosts messen darf.
Wer bremst, verliert! Selten hat der Spruch "Kennt man eines - kennt man sie alle" so treffend auf ein Videospiel gepasst wie bei
Ridge Racer 6. Fans der Serie sollten sich also von der ersten Sekunde an wie zuhause fühlen.
Namcos Spielereihe war immer auf unkompliziertes Rasen und eine gehörige Portion
Power Drifting fokussiert. Auch die Xbox 360-Version stelle keine Ausnahme dieser Regel dar.
Ridge Racer-Spiele haben traditionell keine "echten", lizensierten Autos, sondern man fährt in eigens kreierten Fantasievehikeln durch die Landschaften - welche übrigens auch nicht realistisch, sondern komplett erfunden, sind. In dieser Hinsicht ist der Arcade-Rennstil von
Ridge Ridger 6 die Antithese zum Gameplay von Spielen wie
PGR 3: Project Gotham Racing oder
Gran Turismo 4 die den Simulationsaspekt stärker in den Mittelpunkt rücken. Das unverwechselbare Flair des Titels machen aber die extrem spaßigen Hochgeschwindigkeitsrennen aus, welche gewürzt mit unmöglichen Drifts zu unterhalten wissen.
Drift, Baby, Drift! Das Gameplay wirkt auf den ersten Blick recht simpel: Vollgas und bei Gelegenheit coole Drifts genügen, um die ersten Rennen erfolgreich zu absolvieren. Doch spätestens nach ein paar Stündchen stellt man fest,
dass
Ridge Racer 6 ein Spiel mit durchaus
tiefgehenden Facetten ist. Zuerst einmal will das Driften gut einstudiert sein, denn nur durch erfolgreich absolvierte Kurvenmanöver baut sich der Nitro-Vorrat kontinuierlich auf. Die Anfangs durch simples Vom-Gas-gehen eingeleiteten Drifts werden mit Fortschritt der Karriere anspruchsvoller und verlangen ständig mehr Fingerspitzengefühl.
In späteren Abschnitten geht ohne geschickten
taktischen Einsatz der Nitro-Beschleunigung (ein-, zwei- und sogar dreistufiger
Bumms) gar nichts mehr. Die Gegner fahren mit einem Schlitten, wenn man nicht hellwach bei der Sache ist. Oftmals werden vom Spieler eine gute Streckenkenntnis und vor allem fast schon übermenschliches Timing verlangt. Hinzu kommt auch die harte "Winner takes all"-Regel: Der Zweite im Rennen ist nämlich bereits der erste Verlierer und nur ein Sieg genügt, um die Karriere voranzutreiben.
Xbox Live Online Arcade Die Solo-Modi bereiten einen, dank der
130 freispielbaren Vehikeln, gut auf die Multiplayer-Sessions vor. Egal ob zu zweit, per Splitscreen oder Online in Xbox Live, die riesige Auswahl an Fahrzeugen macht sich rasch bezahlt.
» Gleich kommt das Überholmanöver. |
Im Wesentlichen bietet
Ridge Racer 6 drei Klassen von Gefährten, die je nach Geschmack und Spielernatur für Höchstleistungen gut sind. Einerseits gibt es die relativ langsamen, aber sehr gutmütigen Straßenkreuzer, andererseits sehr schnelle Boliden, die aber ein sehr dynamischen Driftverhalten besitzen. Schließlich runden die recht ausgewogenen Wagen der Mittelklasse den Fuhrpark ab.
Ridge Racer 6 bietet einen
ausgereiften Online-Multiplayer-Modus mit theoretisch bis zu 14 Spielern an, wobei acht Kontrahenten das empfehlenswertes Limit für absolut lagfreies Racen darstellt.
Namco hat dabei einen vorbildlichen Online-Support abgeliefert, denn technisch bietet
Ridge Racer 6 extrem zügiges Spielvergnügen. Als Belohnung für gewonnene Matches winken Punkte und Einträge im Ranking Board. Der Rang fungiert dabei zugleich als Startaufstellung: Bessere Spieler gehen von den hinteren Plätzen in die Highspeed-Rennen.
Spielhallentaugliche Präsentation Ridge Racer 6 bietet eine gute, jedoch kaum spektakuläre Grafik. Vor allem die Umgebung wirken spartanisch und glänzen kaum durch Highlights. Dafür vermittelt die Framerate mit stabilen 60Hz ein flottes
Geschwindigkeitsgefühl - egal in welcher der Auflösungen von 480p, 720p oder 1080i.
Namcos Arcade-Racer sieht aus, als ob er direkt vom Spielhallenautomat in die Xbox 360 gebeamt wurde. Die Texturen wirken jedoch etwas verwaschen und sind nicht das, was man sich von der "Next-Gen" erhofft. Auch Hingucker wie aufwändiges Lighting oder Partikeleffekte vermisst man schmerzlich. Einen weiteren Kritikpunkt stellen die knapp 30 Sekunden langen Ladezeiten dar.
Musikalisch bietet der Titel extreme Kost, die sicher nicht jedermanns Geschmack - für einen Spielhallenableger aber recht stimmig - ist. Der In-Game-Sprecher mag zwar etwas gewöhnungsbedürftig (~nervig) sein, aber dafür weist er einen recht gut auf das Renngeschehen hin. Außerdem hat er ein paar wirklich witzige Sprüche drauf, die situationsbedingt meist lustig (~zynisch) sind. Die Soundeffekte gehen alle in Ordnung, bieten allerdings nichts Außergewöhnliches.