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50 Cent: Bulletproof  
» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 20.01.2006
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Passabler Action-Shooter mit toller Akustik und groben Designfehlern.

Die meisten Leute die sich mit neun Kugeln im Körper auf der Straße wiederfinden, schaffen es nicht mehr lebendig ins nächstgelegene Krankenhaus. Curtis Jackson, eher bekannt unter seinem Pseudonym 50 Cent, hatte Glück und ist heutzutage sogar stolz auf seine Schusswunden, die perfekt zum Gangsta-Rapper-Image passen. Auch in seinem ersten Videospiel dreht sich alles um große Knarren und tödliche Kugeln. Was der Titel taugt, steht wie immer im Master-Review.

Rumble in the Hood
Das Leben als Agehöriger einer knallharten Straßengang ist nicht leicht. Das müssen auch 50 Cent und seine Mannen von der G-Unit am eigenen Leib erfahren. In einer nächtlichen Schießerei wird
» Aus der Deckung heraus schießt es sich sicherer.
Fifty niedergestreckt und entkommt nur dank der Hilfe seiner treuen Homies ganz knapp dem Tod. Bereits zu Beginn des Titels wird die Story in schick choreographierten Zwischensequenzen vorangetrieben, von denen auch im weiteren Spielverlauf regelmäßiger Gebrauch gemacht wird, um beispielsweise neue Charaktere vorzustellen oder wichtige Szenen hervorzuheben. Mächtig angefressen und auf Rache sinnend begibt sich 50 Cent nach der Genesung zusammen mit seinen Freunden und einem zwielichtigen Cop – "gespielt" von Rap-Superstar Eminem - auf die Jagd nach seinen Peinigern. Dass bei dieser Unterwelt-Aufräumaktion exzessiver Gebrauch von allerhand Feuerwaffen gemacht wird, ist angsichts des Settings und Spielthematik wohl kaum verwundernswert. Dementsprechend bleihaltig gestaltet sich natürlich auch das Gameplay.

Suck my Nine
Mit einem beachtlichen Arsenal bekannter Ballermänner wie Revolvern, Uzis, Maschinengewehren, Granatwerfern und Pistolen schickt man haufenweise Verbrecher ins Jenseits. Kleinere Waffen
» One-Man-Show.
dürfen wahlweise beliebig kombiniert im original Gansta-Style beidhändig geführt werden, um die Feuerkraft zu verdoppeln. Besonders blutig und spektakulär geht es zur Sache, wenn man einen erfolgreichen Counter-Kill landet, welcher den Gegner bei voll aufgeladener Adrenalinleiste packt, entwaffnet und auf sehr brutale Weise zur Strecke bringt – hervorgehoben durch gute Zeitlupeneffekte. Solche Szenen und explizit dargestellte Kopftreffer haben den Publisher schlussendlich auch von einer Veröffentlichung in Deutschland absehen lassen. Um noch etwas mehr Pepp in die Schießereien zu bringen, haben die Entwickler zusätzlich ein Deckungsfeature eingebaut, mit dessen Hilfe man sich an Mauern pressen oder einen Müllcontainer schützend vor sich herschieben kann. Auch Gegner dürfen ergriffen und als Schutzschild missbraucht werden.

Die Levels sind nicht ganz so stur linear ausgefallen wie man es eventuell erwarten könnte. So muss man in einem Haus beispielsweise zunächst Keycards finden, um anschließend an einer anderen Stelle weiterzukommen. In einer anderen Mission sind Teile für eine Bombe verteilt, welche nach der richtigen Zusammensetzung wiederum eine massive Stahltür beseitigen. Leider artet das Ganze manchmal in echte Sucharbeit aus, was den Spielfluss stört.

Viel Action, viele Macken
Was bis hierhin gelungen klingt, hat mit vielen Problemen zu kämpfen. So fällt zunächst die unpräzise Steuerung negativ auf, was sich auch durch einen Besuch im Optionsmenü nicht ganz aushebeln lässt. Dies erschwert nicht
» Die G-Unit.
nur das Zielen, sondern sorgt vor allem in kontextsensitiven Manövern wie Counter-Kills und Deckungsmanövern für Frust. Hinzu kommt ein schlecht ausbalancierter Schwierigkeitsgrad. Selbst erfahrene Spieler sollten zunächst eine der leichteren Einstellungen wählen, um unnötige Frustmomente, welche vor allem durch wild respawnende Gegner entstehen, zu vermeiden. Ein weiteres Feature, welches schlichtweg als unnötig und nervig abgetan werden muss, ist das Ausrauben getöteter Feinde, um an Geld und Körperpanzerung zu bekommen. Dies hemmt nicht nur den Spielablauf, sondern nervt durch die Tatsache, dass erschossene Gegner bereits nach wenigen Sekunden einfach verschwinden. Zudem ist man mit der Kampagne mit rund acht Stunden nicht sehr lange beschäftigt, auch wenn dieser durch den ballerlastigen Arcade-Modus gestreckt werden kann.

Don’t watch me, hear me!
Technisch zeigt sich 50 Cent: Bulletproof als extrem zwiespältig. Auf der Habenseite ist eindeutig die hervorragende Akustik zu nennen, die angefangen bei den brachialen Waffengeräuschen über die tolle Sprachausgabe bis hin
» Hier brennts und krachts an jeder Ecke.
zum umfangreichen original 50c-Soundtrack vor allem Fans des Gangsta-Rappers begeistern dürfte. Zusätzliche Musikstücke können aus einem umfangreichen Fundus heraus von gesammeltem Geld freigekauft werden. Zudem hat man dem Titel eine Menge Musikvideos, Interviews und andere Clips spendiert, welche auf die gleiche Weise erhältlich sind.

Auf der Negativseite zeigt sich die vor allem für Xbox-Verhältnisse schwache Grafik: Matschige Texturen, karge Innenlevels und deutliche Nebelbildung bei Fernblicken stören das optische Gesamtbild erheblich. Auch die Kameraposition ist nicht immer optimal. Immerhin sind die Animationen der Spielfiguren sowie die Gore-Effekte recht gut gelungen, so dass zumindest etwas fürs Auge geboten wird.
Pro
Erstklassige Akustik
Viel Action
Krasse Counter-Moves
Massig freispielbarer Content
Contra
Ungenaue Steuerung
Schwache Grafik
Wild spawnende Gegner
Geringer Kampagnen-Umfang
Dämliches Ausraubfeature
Fazit
50 Cent: Bulletproof ist bei Weitem nicht so schlecht, wie es einige Magazine darstellen wollen. Prinzipiell handelt es sich dabei um einen passablen Third-Person-Shooter, in dem es nur um eines geht: Das blutige Ausschalten möglichst vieler Gegner. Fans ausschweifender virtueller Gewalt und Action kommen also auf ihre Kosten. Die vielen freispielbaren Songs und Videos dürften dabei vor allem Fans des Rappers begeistern. Schade, dass das Game so sehr unter Patzern bei der Bedienung und dem allgemeinen Design zu leiden hat. Im Rücken respawnende Gegner und aufgrund der ungenauen Steuerung schwer ausführbare Counter-Kills zehren an den Nerven des Spielers. Auch bei der Grafik hätte man wesentlich mehr aus der Xbox rausholen können. Was hier gezeigt wird erinnert eher an Frühwerke auf der Playstation 2. So bleibt unter dem Strich ein Game, welches hinter seinem Potenzial zurückbleibt, aber dennoch für einigen Spaß sorgen kann.