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Master-Review:   » drucken    » versenden

Kingdom Hearts 2

» Autor: Klaus Fleerkötter
» Datum: 12.11.2006
» Gesamtwertung:
/5
5/5: Pflichtkauf
uneingeschränkte Empfehlung.
Wie wir bewerten
SquareEnix und Disney kooperieren erneut, um die Spielerschaft mit dieser lang erwarteten Action-RPG-Fortsetzung zu beglücken.

Vor vier Jahren erschien ein Videospiel-Hybrid in einer Form, die es vorher noch nicht gegeben hatte: Die Traumwerkstatt Disney nahm das Beste aus mehr als 80 Jahren Animationsgeschichte und SquareEnix vereinte das Ganze zu einem gewaltigen Mash-Up: Kingdom Hearts. Trotz einiger Schwächen sprach der Titel ein weites Publikum an, weswegen im vergangenen Jahr ein GBA-Ableger erschien, der auf den Namen Chain of Memories hört. Dieser ebnet jedoch lediglich den Weg für den nun veröffentlichten zweiten Teil. Ob dieser den an ihn gestellten Anforderungen entspricht, verrät unser Master-Review.

Ein alter Bekannter?
Ein Jahr nach den Ereignissen von Chain of Memories steigt der Spieler in dem kleinen Städtchen Twilight Town in die Handlung von Kingdom Hearts 2 ein - zu seinem Verwundern jedoch nicht mit dem
» Mysteriöse Gestalten in Twilight Town.
Protagonisten Sora aus den Vorgängern, sondern mit Roxas. Dieser scheint ein ganz normaler Teenager zu sein, der die letzten Tage der Sommerferien zusammen mit seinen Freunden genießt. Doch merkwürdige Ereignisse stören das Idyll: So tauchen vermehrt Monster, so genannte Niemande, und mysteriöse Gestalten in langen, schwarzen Kutten auf. Noch dazu plagen ihn seltsame Träume um scheinbare Erinnerungen.

Diese ersten Spielstunden dienen sowohl als Tutorial zum Erlernen der Spielmechanik als auch als Wiedereinstieg in die nahtlos fortgeführte Gesamthandlung. Serienneulinge werden die kurzen Flashbacks, die Szenen aus allen Teilen (die Japan-exklusive Final Mix-Auflage des ersten Teils als auch Chain of Memories einbegriffen) enthalten, zunächst verwirren. Später jedoch verstehen sie Handlungshinweise und -verknüpfungen. Nach guten vier Stunden, die zu großen Teilen aus Zwischensequenzen bestehen, dürft ihr jedoch mit Sora, Donald, Goofy und vielen alten Bekannten erneut das Universum von der Dunkelheit befreien.

Von allem ein bisschen
Dass der Vorgänger von Kingdom Hearts 2 ein so breites Publikum ansprach, mag auch an seiner spielerischen Vielfältigkeit gelegen haben. Und auch der neue Teil lässt sich kaum in vorhandene Genre-Schemen
» Sora, Donald und Goofy im Kampf gegen die Dunkelheit.
zwängen. Dem Titel liegt ein klassisches Rollenspiel-System: Alle Charaktere lernen und verbessern konstant ihre Fähigkeiten, steigen im Level auf und wollen mit Waffen und anderen Gegenständen ausgerüstet werden. Auf Jump'n'Run-Einlagen verzichtete man dieses Mal, jedoch erinnert der Spielablauf mit gelegentlichen Rätseleinlagen stellenweise an ein Adventure.

Das Kampfsystem fällt nun deutlich actionlastiger als noch im vorherigen Serienableger aus: Buttonsmashing übertrumpft in den meisten Fällen jegliche Strategie und Bossgegnern gebt ihr mittels Druck auf die kontextsensitive Dreiecks-Taste mit einem Spezialangriff den Rest. Wie bereits im ersten Teil ist auch nun wieder eine Spezialisierung auf Nahkampf, Magie oder Abwehr möglich. Neu hinzu kam der so genannte Drive-Modus: Für eine begrenzte Zeit verbessern sich eure Fähigkeiten spürbar. Damit ist Sora unter anderem in der Lage, mehrere Schüsselschwerter für besondere Combos ausrüsten. Ebenfalls dazu kamen die Limit-Moves, kombinierte Attacken mehrerer Charakter, welche indirekt die Trio Techs des Vorgängers ersetzen. Alle Kampfhandlungen sowie der Einsatz von Items werden über ein Menü in Echtzeit mit dem Steuerkreuz koordiniert. Um allzu hektischen Verrenkungen vorzubeugen, ist es möglich, bestimmte Magiesprüche oder Items einer Taste zum schnellen Zugriff zuzuordnen.

Auf Welt(en)reise
Auf ihrer Reise treffen unsere Protagonisten auf eine Vielzahl alter Bekannter und neuer Vertrauter, die ihre Hilfe benötigen. Zu diesem Zweck bereisen sie die verschiedensten Welten, denen allesamt eine Disney-
» Die Dreiecks-Taste löst Spezialattacken aus.
Produktion zugrunde liegt. Unter den Filmstars finden sich nicht nur Comichelden wieder, auch auf Charaktere wie Jack Sparrow aus Fluch der Karibik treffen Sora und Co. Die Vielfalt reicht von solch aktuellen Produktionen bis hin zu echten Klassikern wie Steamboat Willie, dem ersten Micky Maus-Comic überhaupt von 1923. Zusätzlich sind natürlich auch wieder einige Recken aus Final Fantasy mit von der Partie.

Diese Reichhaltigkeit spiegelt sich auch im Spielerischen wieder: Abseits und während der Haupthandlung gibt es einige Nebenaktivitäten zu bestreiten. Während kleinere Rhythmusspiele eine willkommene Abwechslung zum gewohnten Ablauf darstellen, werden einige Spielerwieder viel Zeit in das Konstruieren und Fliegen des Gumi-Jets stecken. Dieses Vehikel, welches ihr mit eigenen Bausteinen nach Herzenslust konfigurieren könnt, dient euch zur Fortbewegung zwischen den einzelnen Welten, während ihr in bester Lylat Wars-Manier feindlicher Flugkörper mit Waffengewalt erledigt. Stießen diese Spielabschnitte im Vorgänger noch teilweise auf Missgunst, nahm sich SquareEnix die Kritik zu Herzen und perfektionierte sie für Kingdom Hearts 2: Die Entwickler verbesserten Flugsteuerung und Bauoptionen, weiterhin darf der Spieler nun nahezu selbst wählen, wie viel Zeit er mit diesem Teil verbringen will.


Wie aus einem Guss
Die größte Stärke von Kingdom Heart 2 ist die einzigartige Präsentation. Die Entwickler von SquareEnix waren stets für ihre eindrucksvollen Zwischensequenzen bekannt und scheinen ihren gesamten Enthusiasmus in
» Auf actionreicher Reise mit dem Gumi-Jet.
diesem Softwarestück ausgelebt zu haben: Die rund 35 Stunden in Anspruch nehmende Haupthandlung besteht zu ungefähr zwei Fünfteln aus Filmabschnitten in cineastischer Perfektion, vorgerendert als auch in Spielgrafik. Vor allem zu Beginn dürft ihr getrost den Controller aus der Hand legen und die so erzeugte märchenhafte Atmosphäre genießen. Weiterhin tragen die liebevoll ausgearbeiteten und vor Details strotzenden Umgebungen und Charaktere einen weiteren großen Teil zur Stimmung bei.

Der teils knackige Schwierigkeitsgrad des Vorgängers wurde entschärft, indem der Spieler nun zwischen drei Härtestufen wählen darf. Auch die Endgegner lassen sich jetzt deutlich einfacher in ihre Einzelteile zerlegen. Das macht das Spiel für Einsteiger zugänglicher, Profis fühlen sich allerdings chronisch unterfordert. Ein weiterer Kritikpunkt des ersten Teils war unter anderem die misslungene Kamerasteuerung über die Schulterbuttons, die sehr viel händische Nachjustierung erforderte. Für den zweiten PS2-Teil nutzt ihr nun den rechten Analog-Stick zur Anpassung des Bildausschnitts - das funktioniert weit besser, jedoch längst nicht optimal.

Ein echter Spiel-Film
Für Kingdom Hearts 2 schufen die Entwickler mit brillantem Level- und Charakterdesign wunderschöne Märchenwelten, von denen sich so manche Next-Gen-Blender eine Scheibe abschneiden können. Die liebevoll ausgearbeiteten
» Kingdom Hearts 2 ist außerordentlich atmosphärisch.
und abwechslungsreichen Welten und Figuren strotzen nur so vor Details und kreieren ein fesselndes Flair.

Die Vertonung des Spiels fällt nahezu perfekt aus. Fast für jeden der zahlreichen Charaktere engagierten die Macher die originale deutsche Synchronstimme und bei den wenigen Ausnahmen fällt das Ergebnis zum Verwechseln ähnlich aus. Die Sprecher vertonten beinahe jeden Dialog, stumme Textboxen kommen nur selten zum Einsatz. Somit entsteht für Disney-Kenner die fast vollkommene Illusion, einen der Filmklassiker hautnah mitzuerleben. Doch auch die situationsabhängige Hintergrundmusik lässt keine Wünsche übrig, der orchestrale Soundtrack schließt an das typische SquareEnix-Niveau an.
Pro
Episch erzählte Handlung
Cineastische Zwischensequenzen
Liebevolles Charakter- und Leveldesign
dutzende Original-Sychronstimmen
Minispiele
Contra
Kamera verbesserungsfähig
Grafikgerüst angestaubt
Für Profis zu leicht
Fazit
SquareEnix gelang mit Kingdom Hearts 2 erneut ein Geniestreich. Hier ist wohl für jeden was dabei: Disney-Fans erfreuen sich ihrer detailreich gestalteten und akkurat vertonten Lieblinge, Freunde von packend erzählten Videospielstorys genießen die in zahlreichen Zwischensequenzen vorangetriebenen Handlung und Bastler bauen ihren individuellen Gumi-Jet. Ebenso werden verschiedenen Genre-Vorlieben bedient, denn Rollenspielern bereitet die Charakterentwicklung Freude, auf Action ausgerichtete Zocker hauen während der Kämpfe in die Tasten und Adventure-Liebhaber erkunden die liebevoll gestalteten Welten. An Beschäftigung wird es keinem von ihnen Mangeln, denn die Haupthandlung allein nimmt grobe 35 Stunden in Anspruch. Dennoch trüben einige Ärgernisse den Spielspaß: Trotz Verbesserungen funktioniert die automatische Anpassung der Kamera noch nicht reibungslos. Und obwohl die Designer mit viel Liebe zum Detail arbeiteten wirkt die Gesamtoptik leicht veraltet. Durch das Herabsetzen des Schwierigkeitsgrads wird Einsteigern das Zocken zwar erleichtert, Vollprofis fühlen sich selbst auf der höchsten Stufe stets unterfordert. Abgesehen von dieser letzten Spaßbremse ist der Titel jedoch uneingeschränkt zu empfehlen, an der Ladentheke darf bedenkenlos zugegriffen werden.
Infos
Erhältlich für
Genre
Rollenspiele
Publisher
SCEE
Entwickler
SquareSoft
Website
de.playstation....
Release
29. September 2006
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User-Bewertung
90
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