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Test Drive Unlimited  
» Autor: Georg Gruber
» Datum: 07.10.2006
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Neue Ideen sowie ein innovativer Online-Modus sorgen für frischen Wind im Genre.

Rennspiele gibt es wie Sand am Meer. Eine der ersten Perlen war das vor knapp 20 Jahren von Accolade veröffentlichte Test Drive II: The Duel. Dank forderndem Konzept, für damalige Verhältnisse sensationeller Grafik inkl. Cockpit-Ansicht sowie einem Flair des Verbotenen entwickelte sich daraus eine der bekanntesten Serien. Die letzten Jahren dominierten jedoch klar die Need For Speed- oder Burnout-Reihen. Ob es Atari mit Test Drive Unlimited gelingt, erneut in den Olymp der Rennspiele aufzusteigen, lest ihr in unserem Master-Review.

Die große Freiheit
Wer Test Drive Unlimited zum ersten Mal einlegt, bemerkt sofort die außergewöhnliche Präsentation. Anstatt durch Menüs abzulenken, versetzt einen das Spiel direkt ins exotische Hawaii.
» Notiz an PGR3: So sehen schöne Bäume aus!
Auf der, dank Satellitenvermessung, realitätsgetreu nachgebildeten Insel Oahu wird der automobile Traum von der unendlichen Freiheit Realität. Die Daten sind eindrucksvoll: Ein mehr als 1600 km langes Straßennetz lädt zum fröhlichen Erkunden ein. Darüber hinaus gibt es unzählige Nebenmissionen, die ein GTA-artiges Feeling aufkommen lassen. Sogar ein eigener Charakter kann erstellt und an die eigenen Wünsche (Gesicht, Kleidung sowie Accessoires) angepasst werden.

Ausgehend vom eigenen Domizil gilt es, die Insel nach und nach zu erforschen. Jeder entdeckte Ort wird als Hotspot in der komfortablen Übersichtskarte eingefügt. Das Repertoire der Missionen reicht von Straßen- und Zeitrennen bis hin zum Mitnehmen von Anhaltern. Lukrative Überstellungsfahrten, in denen es kein Zeitlimit gibt, jedoch jeder Kratzer im Lack weniger Geld am Konto bedeutet, runden die attraktiven Aufträge ab. Die Idee, freies Erkunden mit zahlreichen Locations für ereignisreiche Rennen und Missionen anzureichern gehört zu den wohl größten Innovationen im Rennspiel-Genre der letzten Jahre.

Der automobile Traum
Hat man erst einmal genug Geld verdient, so darf bei den zahlreichen Fahrzeughändlern (inkl. Motorrädern) ein Boxenstop eingelegt werden. Neben den weltweit bekannten Marken wie
» Platz da! Hier kommt Kurt!
Ferrari, Lamborghini oder McLaren kommen aber auch zahlreiche Independent-Hersteller aus UK (Caterham, TVR, Lotus), Italien (Pagani), USA (Saleen) oder Deutschland (Wiesmann) zum Zug. Bei den rund 115 Boliden des Spiels ist für jeden Geschmack genau das Richtige dabei. Wem der Garagenplatz ausgeht, sollte sich rasch beim Immobilienmakler eine größere Residenz aussuchen.

Die Fahrzeuge steuern sich in Bezug auf Beschleunigungsverhalten und Kurvenlage durchaus vielfältig, richtig abwechslungsreich wirkt das Ganze jedoch nicht. Zumindest kommt nie ein realitätsgetreues Gefühl wie bei vergleichbaren Rennsimulationen auf, was zu Beginn je nach Spielernatur zu Irritationenen führen kann. Erst wenn man die standardmäßig eingestellten Fahrhilfen im üppigen Optionsmenü zurückschraubt, kommt mehr Fahrvergnügen auf. Trotzdem sitzt einem immer ein etwas zwiespältiges Gefühl im Nacken, denn die Physik von Test Drive Unlimited bleibt etwas gewöhnungsbedürftig - tut dem Spielspaß aber keinen Abbruch.

Online Racing Lifestyle
Das Konzept des offenen Spielprinzips beeindruckt bereits im Solo-Modus, umso mehr überzeugt der gelungene Xbox Live-Modus. In Clubs können Fahrergilden gegründet, eigene Rennen kreiert oder
» Macht auch auf zwei Rädern eine gute Figur.
per Lichthupe zum Quick-Match aufgefordert werden. Test Drive Unlimited bietet somit sowohl für Einzel- als auch Mehrspieler ein großes Betätigungsfeld. Innovativ stechen die selbst definierten Herausforderungen hervor, bei denen im Online-Modus auch richtig viel Kohle winkt. So definiert man z.B. einen Parcour und ein Gewinner sackt das Geld im Pot ein, falls er den Rundenrekord verbessert. Schafft er dieses Ziel nicht, so wandert das Eintrittsgeld (ein geringer Betrag) in den Pot. So manche Challenge ist im Netz schon einige 100.000 Dollar schwer, wobei der Schwierigkeitsgrad nicht zu unterschätzen ist.

Grafisch kommen die atmosphärisch schöne Landschaft als auch die Autos hervorragend zur Geltung. Akustisch bietet sich eher ein gemischtes Bild: Während man über die Songauswahl des Soundtracks geteilter Meinung sein mag, wirkt die Sprachausgabe sehr monoton. Die Motorengeräusche gehen dafür wieder voll in Ordnung. Die wunderbare Cockpit-Perspektive, die voll animiert auch die innere Schönheit der Karossen zur Geltung bringt, entschädigt dafür aber umso mehr.
Pro
Tonnenweise neue Ideen
Stimmige Grafik
Innovativer Online-Modus
Zahlreiche Optionen
Contra
Gewöhnungsbedürftige Fahrphysik
Auf Dauer montone Rennen
Kleinere Grafikfehler
Fazit
Kudos für die Entwickler von Eden Studios, die tolle Ideen ins Genre bringen, als alle anderen Entwickler in den letzten 10 Jahren! In Test Drive Unlimited steht das grenzenlose Fahrvergnügen im Mittelpunkt. Selbst wenn die einzelnen Fahrmissionen auf Dauer etwas an ihrem Reiz verlieren, so versteht es Ataris Rennspiel erstklassig zu motivieren. Dank unterhaltsamer Entdeckungstour im Solo-Modus und vor allem auch aufgrund des äußerst gelungenen Online-Modus, weiß der Titel zu begeistern. Stundenlangem Cruisen durch das grafisch gut in Szene gesetzte Tropeneiland steht also nichts im Wege. Sowohl off- als auch online bietet das Game tonnenweise Spielspaß. Insbesondere das offene Spielprinzip begeistert und fesselt von der ersten Minute an: Das Gefühl auf einer paradiesischen Insel ein 1600 km langes Straßennetz zu erkunden, ist einzigartig. Nur die, zu simulationlastigeren Titeln vergleichsweise, arcade-lastige Steuerung und die etwas seltsame Physik hätte besser ausfallen müssen - dies stört nach einer Gewöhnungsphase zum Glück nur wenig. Test Drive Unlimited ist ein sehr gutes Spiel und glänzt mit vielen innovativen Ideen. Jeder Rennspiel-Begeisterte sollte auf alle Fälle eine Proberunde drehen. Wer entspannt eine Spritztour auf Hawaii unternehmen will, kommt an dem Atari-Titel sowieso nicht vorbei.