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Dead Rising  
» Autor: Sacha Galgon
» Datum: 20.09.2006
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Blutiges Zombiemassaker mit hohem Schwierigkeitsgrad und vielen Freiheiten.

Zombies sind stinkende, wandelnde Leichen, die sich durch recht großen Hunger und wenig Grips auszeichnen. Filme mit dieser Thematik gibt es viele, wobei George A. Romeros Dawn of the Dead sicherlich zu den bekanntesten und beliebtesten gehört. In diesem Horror-Splatter-Movie aus dem Jahre 1978 rettet sich eine Handvoll Menschen in ein Kaufhaus, um den mördernden Zombiemassen zu entgehen. Capcom hat dieses Szenario nun für ihr erstes Xbox 360-Spiel aufgegriffen. Was Dead Rising Zombiefans alles bietet, erläutert euch unser Master-Review.

Die Story eures Lebens
Ihr verkörpert mit Frank einen freischaffenden Fotografen, der auf der Suche nach einer Story ist, welche ihm endlich Erfolg und Respekt verschaffen soll. Einem heißen Tipp folgend seid ihr mit einem Hubschrauber unterwegs in eine militärisch
» Der Protagonist Frank West.
abgeriegelte Stadt, um rauszufinden, was der Grund für die Isolierung ist. Schnell entpuppt sich die Situation als entsetzliches Horroszenario, denn die ganze Bevölkerung des kleinen Ortes wurde zu blutrünstigen Zombies. Nachdem der Hubschrauber euch auf dem Dach eines Einkaufszentrums abgesetzt hat, habt ihr drei Tage Zeit, Informationen für eure Titelstory zu sammeln, bevor der Pilot euch wieder abholt.

In diesen 72 Stunden – wobei fünf Minuten reale Spielzeit etwa einer Stunde im Spiel entsprechen – gibt euch Dead Rising die freie Wahl, wie ihr spielen wollt. Ihr könnt einfach der Hauptstory folgen, was bedeutet, dass man zu ganz bestimmten Momenten im Spiel gewisse Missionen meistern muss. Diese werden in einem ausführlichen Menü, der sogenannten Fallakte, dargestellt. Scheitert ihr bei einem dieser sogenannten Fälle oder seid einfach nicht rechtzeitig an einem bestimmten Ort, gilt die Hauptstory als gescheitert. Ihr könnt jedoch trotzdem weiterspielen und euch auf's pure Metzeln beschränken. Natürlich steht euch auch die Möglichkeit frei, den Spielstand wieder neu zu laden und den Fall nochmal zu versuchen – vorausgesetzt, es wurde vorher abgespeichert. Dazu muss im Spiel eine Toilette oder der sichere Überwachungsraum aufgesucht werden.

Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist ...
Der Überwachungsraum stellt die einzige, zombiefreie Zone im riesigen Einkaufszentrum und somit eine wichtige Anlaufstelle für Frank dar. Zudem ist die Sicherheitszentrale der Ort, an den Überlebende gebracht werden müssen, sofern
» Auch mit einer Gitarre kann man zuhauen.
ihr sie in Sicherheit bringen wollt. Die Betonung liegt hierbei auf "wollt" – ihr müsst nämlich niemanden retten, wenn ihr keine Lust dazu habt. Dead Rising überläßt euch somit die freie Hand über das Schicksal der Überlebenden.

Dadurch präsentiert sich der Titel recht vielseitig. Wer ein banales Metzelspiel ohne viel nachzudenken sucht, kommt hier genau so auf seine Kosten. Aber auch ein Spieler, der ein forderndes, spannendes Action-Adventure erleben will, ist hier richtig. Letztendlich ist es die Mischung aus beiden Elementen, die Dead Rising zu einem interessanten Erlebnis macht. Das Kaufhaus stellt dabei eure Waffe gegen die untoten Stinker dar. Ihr könnt eine schier unendliche Menge an Gegenständen einsetzen – ob Schusswaffen, Blumentöpfe, Regenschirme, HDTVs, Rasenmäher, Motorsägen, Sportgeräte oder Feuerlöscher - fast alles, was ihr den verschiedensten Läden des Einkaufszentrums findet, lässt sich als Selbstverteidigungsobjekt verwenden. Dabei setzt Dead Rising - wie bei der Zombiethematik üblich – auf explizite Gewaltdarstellung und Splatter. Abgetrennte Köpfe, in zwei Hälften geteilte Körper sowie riesige Blutfontänen sind somit keine Seltenheit.

... kommen die Toten auf die Erde!
Da ihr im Spiel einen Fotografen verkörpert, können natürlich auch jederzeit Fotos geschossen werden. Für gelungene Ablichtungen bekommt ihr Prestige Points (PP), welche quasi die Erfahrungspunkte in Dead Rising darstellen. Ab einer bestimmten
» Die Engine kann Hunderte Zombies auf einmal darstellen.
Anzahl von PPs steigt Frank in seinem Level und erlernt so neue Fähigkeiten, bekommt einen größeren Lebensbalken oder wird einfach stärker. Besonders viele PPs gibt es für Fotos mit großen Motiven und expliziter Darstellung – sei dies Gewalt, Horror oder gar Erotik. Somit könnt ihr beispielsweise einer Frau beim Todeskampf gegen die Zombies helfen, oder einfach nur permanent mit der Kamera draufhalten, um Punkte zu sammeln. Dies mag leicht pervers klingen, macht aber einen großen Reiz im Spiel aus. Oft erwischt ihr euch dabei, von vielen Situationen erst mal ein Foto zu schießen, bevor sich Gedanken über den Umgang mit der aktuellen Situation gemacht werden.

Punkte gibt es aber auch für das Eskortieren von Überlebenden in den Überwachungsraum oder das Töten von Zombies. Ersteres artet allerdings oft auch in riesigen Frust aus. Dead Rising zählt nicht zu den leichtesten Spielen wird aber noch unnötig durch die strunzdumme KI der zu rettenden Personen erschwert. Aufgrund einer schrecklichen Wegfindung laufen diese oft einfach in riesige Zombiemassen hinein oder gehen einen Umweg, da sie die Abkürzung, die ihr selbst benutzt habt, nicht erkennen. Man kann die Personen zwar teilweise mit Waffen ausrüsten, oftmals bringen sie es beim Benutzen dieser aber nur fertig, euch selbst zu treffen.

Es sind Hunderte ach was, Tausende ...
Dead Rising besitzt nur einen einzigen Spielstand, was auf den ersten Blick unzeitgemäß klingt, aber mit bei dem Auflevelsystem durchaus seinen Sinn hat. Denn ihr könnt jederzeit mit dem erreichten Level von vorne beginnen. Somit könnt
» Das Spiel bietet viele verschiedene Outfits.
ihr beispielsweise ein neues Spiel beginnen und die Story so wie die Überlebenden total links liegen lassen und nur leveln, um dann mit dem Maximallevel wieder neu zu starten und dann versuchen, jeden der Menschen zu retten. Nicht alle wollen allerdings gerettet werden – viele haben aufgrund der verzweifelten Situation den Verstand verloren und wurden zu regelrechten Psychopathen, die euch nach dem Leben trachten. In diesem Fall gilt dann nicht das Retten, sondern das Eliminieren der jeweiligen Person.

Dead Rising zählt nicht zu den optisch schönsten Spielen auf der Xbox 360, die technischen Finessen zeigen sich allerdings im Detail. Die einzelnen Zombies sind jeweils sehr detailliert gestaltet, obwohl sich die Modelle oft wiederholen. Wenn ihr im sogenannten Maintenance Tunnel, wo sich die Untoten wortwörtlich zu Tausenden scharen, steht und die Engine dabei nie ins Stocken gerät, seht ihr, wie sehr die Xbox 360 bei diesem Titel ihre Muskeln spielen lässt. Auch die Animationen von Frank sind sehr gut gelungen und bei jeder Waffe individuell – mit einer Siche schwingt es sich halt anders als mit einem Baseball-Schläger. Das Kaufhaus und die anderen Locations sind enorm detailliert gestaltet und wirken sehr authentisch. Auch in Sachen Sound überzeugt Dead Rising: die Zombies stöhnen und grunzen wie man es sich vorstellt, die Sprachausgabe ist klar und gut gelungen, die Hintergrundmusik - die eigentlich nur in Kämpfen gegen Psychopathen gespielt wird – passt jeweils gut zur jeweiligen Situation.
Pro
Viele Freiheiten
Interaktion mit unglaublich vielen Gegenständen
Kamera-Feature
Ruckelfreie, detaillierte Grafik
Freispielbare Modi
Viel Splatter und Gewalt ...
Contra
... was nicht jedermanns Sache ist
Schlechte KI
Teilweise sehr frustrierend
Fazit
Dead Rising bietet dem Zombiefan alles was das Herz begehrt. Viele Untote, "guts and gore" sowie eine riesige Waffenauswahl befriedigen Freunde von Splatter und Metzlereien in hohem Maße. Doch auch Spieler, bei denen die Zombies keinen Kaufgrund darstellen, kommen auf ihre Kosten. Das missionsbasierte Gameplay mit Zeitdruck ist interessant und gleichermaßen fordernd – wenn auch aufgrund der schlechten KI der zu rettenden Personen oftmals übermäßig schwierig und frustrierend. Auch das Paparazzi-Element des Titels, welches man beispielsweise mit Beyond Good & Evil oder den Project Zero-Spielen vergleichen kann, wertet Dead Rising auf. Selbst die kurze Spieldauer von rund sechs Stunden für einen Durchlauf ist kein Kritikpunkt, da der Titel sehr zum mehrmaligem Durchspielen motiviert und zudem weitere Spielmodi freischaltbar sind. Wer also keine Probleme mit der exzessiven Gewaltdarstellung hat und ein forderndes, motivierendes Action-Adventure mit vielen Entscheidungsfreiheiten sucht, sollte einen Blick auf Dead Rising werfen.