Verbesserungen im Vergleich zum Vorgänger sind vorhanden, dennoch leidet Teil 2 an einigen Bugs.
Ein neues Jahr beginnt und ein neuer Arcade-Kicker erscheint von EA Sports Big. Der Entwickler verpasste seiner jüngsten Funsport-Reihe FIFA Street den erwarteten Feinschliff und hofft erneut auf die Gewinnung zahlreicher, trickbegeisterter Streetkicker-Fans. Es stellt sich dennoch eine wichtige Frage: reichen ein überarbeitetes Combosystem sowie neue Spielmodi und frei editierbare Heimplätze, um die alten Schwächen des Vorgängers wett zu machen? Dies und noch viel mehr erfahrt ihr natürlich im folgenden Master-Review.
Dirty Streets
Bei FIFA Street 2 hat man die Möglichkeit, mit einer Auswahl lizenzierter Fußballspezialisten oder alternativ einem eigenen Amateurclub die Karriere in diversen Straßenfußball-Turnieren zu starten. In dieser
» Zeig was du drauf hast!
Variante des beliebtesten Ballsports der Welt besteht jede Mannschaft jedoch nur aus vier Ledertretern und als Spielfelder müssen Parkplätze, Hinterhöfe oder Bolzanlagen herhalten. Dadurch ist natürlich das Geschehen viel schneller und hektischer als im Profisport und es bleiben mehr Möglichkeiten für Alleingänge und Tricks übrig. Dafür muss man jedoch auf große taktische Spielzüge bzw. Details wie beispielsweise die Aufstellung der Spieler verzichten, die quasi nicht existieren.
Der allgemeine Ablauf der Matches ist – wie auch bei den anderen Street-Titeln - ziemlich arcadelastig und dem Hallenfußball sehr ähnlich, da man z.B. die Banden nutzen kann. Dadurch verlagert sich der Schwerpunkt des Sportes auf ein Trickspiel, was dazu führt, dass die Steuerung nicht ganz so komplex wie bei gewohnten Fußballumsetzungen ist. Viel Einsatz von Dribbelkünsten wird registriert und durch eine Slow Motion-Passage mit anschließendem Hammerschuss (Gamebreaker) belohnt. Zudem wird jedes Match auf fünf geschossene Tore begrenzt, jedoch nicht auf die Zeit.
Herrscher der Untergrundstraßen
Betritt man mit den Fußballgrößen diverser Nationalmannschaften die Straßen, wird es leider nur möglich sein, an einem einzelnen Turnier bzw. Freundschaftsspiel teilzunehmen. Dies ist zwar
» Ronaldinho künstelt wieder.
durch die talentreichen Spieler sicher lustig, entpuppt sich jedoch nach kurzer Zeit eher für eine Runde zwischendurch oder Multiplayer-Partie geeignet. Tragender Kern von EA Sports Bigs Machwerk ist der neuartige Karriere-Modus, in dem man die Aufgabe bekommt, einem selbst erstellten Spieler mit einer Amateurmannschaft zu Ruhm und Ehre zu verhelfen. Dazu bastelt sich der Zocker in einem ausführlichen und übersichtlichen Editor einen Charakter und stellt aus verschiedenen Angeboten vorgegebener Anfänger den restlichen Kader zusammen.
Nachdem der Name für das Team vergeben ist, geht’s auch schon ab in das raue Geschäft des Gassenfußballs. Mit dem frischen Club darf man nun bei sämtlichen Street Soccer-Turnieren teilnehmen, doch vorerst nur an einer begrenzten Auswahl. Insgesamt acht Partien gegen unterschiedliche Mannschaften sind in jeder Hauptstadt zu meistern, bevor sie als abgeschlossen gilt. Jede Stadt verfügt dabei nur über einen einzigen Fußballplatz, der allerdings sehr auffällig und detailreich gestaltet wurde. Der stetig steigende Schwierigkeitsgrad jeder hat zudem eine erfreulich ausgewogene Lernkurve und man ist nicht gezwungen, alle Partien einer Stadt hintereinander zu absolvieren, so dass Frust und Langeweile fernbleiben. Zusätzlich sorgt das implementierte Erfahrungssystem für Chancengleichheit.
Der Glanz des Gassenfußballs
Nach jedem heißen Match kassiert das eigene Team zahlreiche Talentpunkte, welche zur Steigerung der Skillpoints des selbst gebastelten Spielers eingesetzt werden. Die Punkteverteilung basiert auf der
» Hammerschüsse so weit das Auge reicht.
spielerischen Leistung und nicht auf dem Endergebnis der Partie, so dass man auch nach einem verlorenen Match Talentpunkte aufs Konto gutgeschrieben bekommt. Die Kollegen darf man allerdings nicht aufwerten und deren Fähigkeiten steigern sich nur langsam, daher ist es empfehlenswert, auch ein paar Talentpunkte für den Kauf erfahrener Nachwuchskicker anzusparen. Schafft man es, gegnerische Mannschaften besonders eindrucksvoll zu schlagen, bekommt man Rufpunkte gutgeschrieben. Das erinnert ein wenig an die Need for Speed-Reihe und soll die Profis unter den Zockern zu besseren Leistungen anspornen.
Doch auch einfache Erfolge schalten bereits brandneue Städte und Accessoires zur Einkleidung des Ledertreters frei, welche für happigere Gegner und ein schöneres Outfit sorgen. Dadurch werden Fortgeschrittene und Profis in FIFA Street 2 gleich gut bedient. Für Anfänger in diesem Genre könnte der Ablauf in den Partien jedoch etwas zu hektisch sein. Zudem dürfte einigen erfahrenen Fußballexperten der taktische Anteil eines realistischen Spiels fehlen. Das Tempo, in welchem der Ball von einer zur anderen Spielfeldhälfte zischt, erinnert eher an Volleyball und die einzelnen Spielzüge werden oft schon nach vier bis fünf Ballkontakten durch einen Torerfolg belohnt. FIFA-Street ist daher klar als Arcade-Fußball einzustufen, auch wenn die FIFA-Lizenz und generelle Aufmachung einen gern vom Gegenteil überzeugen möchten. Besonders positiv fällt die neue Kameraperspektive ins Auge.
EA Sports Trax rocken
Neuerdings dirigiert man die Sportsfreunde aus einer erhöhten Perspektive von der Grundlinie aus über den Asphalt, so lassen sich Mitspieler leichter finden und freie Bälle schneller abfangen. Insgesamt hat man
» Regeln? Nein, die gibt es nicht.
das recht hübsche, jedoch leicht flimmernde Geschehen einfach besser im Griff. Das Arcadegame kann zwar grafisch nicht mit einem Xbox-Sporttitel wie mithalten, bietet dennoch eine akzeptable Grafik, sodass Verbesserungen im Vergleich zum Vorgänger auf jeden Fall zu sehen sind. So wirken die Spieler nun enorm realistisch, die Körper sind ordentlich abgerundet und etwa von leicht eckigen Köpfen ist hier keinesfalls die Rede.
Musikalisch ist für jeden Geschmack etwas dabei bevor man sich auf den Asphalt wagt. Rhythmische und sehr bekannte Melodien wie beispielsweise Can You Touch Me von The Film, dumpfe Beats von LCD Soundsystem und natürlich rockige Stücke wie 11.33 aus dem Tonstudio von The Gift. Per Knopfdruck ist es natürlich wieder möglich, den Songtitel zu wechseln oder via Menüeintrag EA Sports Trax durch alle Lieder durchzublättern. Selbstverständlich darf man sich auch während einem Match mit diversen Soundtracks vergnügen.
Pro
Flüssige Animationen
Zahlreiche Tricks
Abwechslungsreiche Karriere
Contra
Zu einfache Zweikämpfe
Teils frustrierend
Fußballaskpekt nur zweitrangig
Lange Ladezeiten
Fazit
Fans des Erstlings dürfen beim Nachfolger zu FIFA Street beruhigt zugreifen und müssen sich über einen schlechten Nachfolger keine Gedanken machen. Zählt man nicht zu den eingefleischten Fans des Arcade-Sporttitels, wird man allerdings das Gefühl nicht los, dass sich der Publisher und Erfinder EA Big ein bisschen im eigenen Trick-Jungle verlaufen hat. Die etwas enttäuschende Fußball-Mechanik hätte an einigen Stellen auf jeden Fall eine Verbesserung vertragen und steht wieder jederzeit hinter dem durchdachten, dennoch manches Mal automatisiert wirkenden Trickumfang zurück. Wenn den Kontrahenten wieder ein Anflug von Maradona-artiger Power überfällt, wird man außerdem nicht selten zum Zuschauer im eigenen Fußballmatch degradiert. Dass somit das Spiel auf dem Straßenplatz aus ebenso rauen wie nervenden Grätscheinsätzen besteht, hat selbst mit Streetsoccer nicht mehr allzu viel zu tun. Das Spiel ist also für alle, die den gewohnten Sport auf der Konsole zocken möchten, empfehlenswert, sich eine Simulation wie zuzulegen. Wem allerdings Fun, schnelles Fußball und raue Sitten besser schmecken, sollte sich den zweiten Ableger aus dem Hause EA keinesfalls entgehen lassen.