Anspruchsvoller Golfspaß für Zuhause mit fordernder Steuerung und abgespecktem Umfang.Im echten Leben zählt Golf eher zu einem teuren Vergnügen. Wie gut, dass so mancher Publisher Nachsehen mit der Zockergemeinde hat und den Sport in einer weitaus erschwinglicheren Version auf unsere Bildschirme zaubert. Dazu zählt auch
Electronic Arts und ist mit der
Tiger Woods-Reihe bereits bei der Jahreszahl 06 angelangt. Nach der sehr überzeugenden PSP-Version haben wir uns nun das Xbox 360-Pendant näher angesehen. Ob sich der sprichwörtliche Apfel dabei weit vom Stamm entfernt hat, klärt unser Master-Review.
Vom Nobody zum Superstar Auch wenn man angesichts des Titels vermuten mag, dass einen
PGA Tour 06 einzig und alleine in die Haut von Großmeister Tiger Woods schlüpfen lässt, ist dem nicht so. Viel mehr gilt es, ein
virtuelles Ebenbild zu erstellen, mit dem man künftig die
Kurse dieser Welt unsicher macht. Ein wenig Geduld vorausgesetzt, können dabei unzählige Parameter das Aussehen betreffend verändert werden: Hautton, Frisur, Augenfarbe, Kinnform, Augenstellung sowie Nasengröße, um nur einige wenige zu nennen. Diese Pflichtübung hinter sich gebracht, geht es an den weit angenehmeren Teil:
dem Ausrüsten. T-Shirts, Hosen und Schuhe sind ebenso verfügbar wie Brillen oder Schmuck. Da der Nobelsport aber nicht alleine aus Posen besteht, kann man auch in Schläger, Bälle und Handschuhe investieren. Anfangs steht lediglich ein Teil des genannten Gutes bereit, weiteres schaltet der Spieler im weiteren Verlauf frei. Genügend große Erfolge beim Golfen vorausgesetzt, ist man so immer damit beschäftigt, das Konterfei mit dem Neuesten und Besten einzudecken, was Nike, Oakley und Co. hergeben sowie den Golfer aufzurüsten. Insgesamt stehen knapp
400 Artikel zur Verfügung, die neben der Verbesserung des Erscheinungsbildes vor allem dazu dienen, die Attribute des angehenden Profi-Sportlers mit Modifikatoren zu versehen.
Tatsächlich Golf? Abgesehen von alldem ist
Tiger Woods PGA Tour 06 aber ein reinrassiges, realistisches Sport-Spiel mit all seinen Facetten. Zu Beginn lediglich ein Nobody im Pool der Profi-Golfer, gilt es im Karrieremodus zum
besten Golfer aller Zeiten » Schöne Kurse so weit das Auge reicht. |
aufzusteigen. Hier tritt auch gleich der größte Unterschied zur PS2-Version zutage: statt den 14 Kursen bietet das Xbox 360-Pendant
lediglich sechs Stück der lizenzierten Landschaften. Den Entwicklern scheint hier ein wenig die Zeit ausgegangen zu sein. Jede der Veranstaltungsstätten hält dabei elf Herausforderungen bereit, die auf dem Weg zur
PGA TOUR absolviert werden müssen. Die Auswahl ist vielfältig und reicht von diversen Minispielen, die das möglichst nahe Heranspielen an das Loch aus verschiedenen Situationen heraus erfordern, bis hin zu ganzen Turnieren.
Hat man diese Aufgaben erfolgreich hinter sich gebracht, so tritt man diversen Golfgrößen wie Adam Scott, Vijay Singh oder Jack Nicklaus gegenüber, um letztendlich
Tiger Woods himself von Platz 1 zu verdrängen. Der Rivalen-Modus ist leider dem Rotstift zum Opfer gefallen, für ein Spiel zwischendurch stehen aber weiterhin zahlreiche Modi, die teilweise mehrere Spieler vor die Konsole locken, auf dem Programm - darunter
Stablefort, Best Ball, Four-Ball und
Stroke Play. Um den abgespecktem Umfang ein wenig zu kompensieren, hat
Electronic Arts dem Titel einen
sehr gelungenen Onlinemodus spendiert. Dabei können sich bis zu vier Teilnehmer heiße Duelle in den oben genannten Spielformen liefern. Leaderboards sind dabei ebenso vorhanden wie offizielle Turniere. Das einzige Problem stellt die Tatsache dar, dass nicht allzu viele Spieler auf den
EA-Servern anzutreffen sind – und wenn, dann meist nur englischsprachige.
Geld regiert die Welt Der Schwierigkeitsgrad steigt kontinuierlich und zieht von Herausforderung zu Herausforderung spürbar an. Den größten Feind des Spielers stellt aber nicht etwa Tiger Woods, sondern
die Steuerung dar. Speziell in den ersten Stunden, wenn
man mit der Bedienung noch nicht so vertraut ist und die Attribute einen niedrigen Level aufweisen,
hat man so seine Probleme. Dafür verantwortlich zeigt sich die analoge Schwungsteuerung mithilfe des linken Analogsticks. Dieser muss für einen perfekten Schlag senkrecht nach unten und in entgegen gesetzter Richtung nach oben gedrückt werden – je weiter man ausholt, desto härter der Schlag. Hilfen wie etwa eine Schwunganzeige gibt es nicht. Jede geringste Abweichung bestraft das Programm beinhart mit einem Abstecher ins Dickicht. Für zusätzliche Herausforderung sorgt der rechte Analogstick, welcher den Treffpunkt des Balles bestimmt, sowie LB, der für einen Power Boost sorgt. Beim Putten helfen spezielle Ansichten sowie Raster, eine Herausforderung bleibt es aber dennoch.
Genügend Übung vorausgesetzt, kann man dann aber doch einiges an Geld anhäufen, um dieses Problem durch den Erwerb von besserer Ausrüstung sehr gut in den Griff zu bekommen. Frust ist somit besonders zu Beginn ein unliebsamer Begleiter, erstaunlicherweise schafft es der Titel aber dennoch, die Motivation immer aufrecht zu erhalten, wobei der Ehrgeiz eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Das liegt nicht zuletzt an den
zahlreichen Artikeln des Pro Shops. Dabei kann es aber leicht passieren, dass man ein wenig die Übersicht verliert und nicht so ganz weiß, was nun neu oder besser als bereits Gewähltes ist. Bis jedoch alle gewünschten Produkte in den eigenen Besitz übergehen und man den Karriere-Modus hinter sich gebracht hat, vergehen trotz eingeschränktem Umfang
unzählige Stunden.
Die Technik machts Wenn schon der Umfang unter der Umsetzung auf die Xbox 360 leiden musste, so machten die Entwickler bei der Präsentation dafür einen umso besseren Job. Dabei sind besonders die
sehr realistischen Modelle der Golfer hervorzuheben, welche
» Ein lauschiges Plätzchen. |
ihren Vorbildern in nichts nachstehen. Lediglich ein unschönes Glänzen fällt auf, das den Sportlern einen merkwürdigen Plastik-Touch verleiht. Speziell in der Charaktergenerierung lässt die Xbox 360 ihre Muskeln spielen und jede Feinheit in den Gesichtern erkennen. Doch auch die Kurse wurden einer Schönheitskur unterzogen, im Rough meint man, die äußerst natürlich wirkenden Grashalme unter seinen Füßen zu spüren. Ebenso hat
EA die Anzahl der benachbarten Objekte wie Bäume deutlich erhöht. Obwohl unter der Haube von Microsofts Konsole genug Power schlummert, fällt ein öfters auftretendes
Ruckeln unangenehm auf, das besonders bei den Onlinespielen ein nahezu dauerhafter Begleiter ist. In Sachen Akustik sind besonders die
englischen Kommentatoren hervorzuheben. Diese wiederholen sich zwar unweigerlich, kommentieren das Geschehen aber sehr passend. Selbst die Soundeffekte klingen nun deutlich klarer aus den Boxen, die Auswahl lässt jedoch, zusammen mit den lizenzierten Musikstücken, etwas Abwechslung vermissen.
Hinweis: Durch einen Produktionsfehler ist das gesamte Spiel, obwohl auf der Verpackung anderes steht, komplett in Englisch. Die Anleitung darf man sich aber dennoch in Deutsch zu Gemüte führen.